Lena Christ (* 30. Oktober 1881 in Glonn als Magdalena Pichler; † 30. Juni 1920 in München) war eine deutsche Schriftstellerin.
Magdalena wurde als außereheliches Kind von Magdalena Pichler (1860–1928), damals Köchin auf Zinneberg bei Glonn, geboren. Zur Vaterschaft bekannte sich der Schmiedgeselle und Geschäftsreisende Karl Christ aus Mönchsroth bei Dinkelsbühl. Obwohl sich Karl Christ, damals beim Münchner Rittmeister Ewald Hornig angestellt, „ausdrücklich“ zur Vaterschaft bekannte und sich zu Unterhaltszahlungen verpflichtete, bezweifelten später Zeitgenossen und Biografen dessen Vaterschaft. Der wahre Vater sei eher bei den Scanzoni zu Lichtenfels auf Schloss Zinneberg zu vermuten. Genährt wurde die Mutmaßung auch dadurch, dass Lena Christ angab, dass ihre Mutter behauptete, ihr Vater sei beim Untergang der Cimbria am 19. Januar 1883 auf dem Weg nach Amerika auf hoher See verschollen und ums Leben gekommen. Allerdings war ein Karl Christ auf keiner Passagierliste verzeichnet. Lena Christs Mutter wollte oder musste daher womöglich die wahre Vaterschaft verschweigen. Der Glonner Ortschronist Hans Obermair merkte ebenfalls an, Karl Christ sei zwar nach Amerika ausgewandert, aber erst später, wobei er auch wohlbehalten dort ankam. Für den wahrscheinlichen Vater hält er Albert von Scanzoni oder Ewald Hornig. In der Taufmatrikel der Glonner Kirche St. Johannes der Täufer ist jedoch angegeben, dass die Vaterschaft des Karl Christ von der Mutter angegeben wurde, dieser jedoch nicht im standesamtlichen Verzeichnis als Vater eingetragen wäre. Für eine Vaterschaft Christs spräche, dass in der Taufmatrikel als Aufenthaltsort des Kindes angegeben ist: bei den Eltern.
Die ersten sieben Lebensjahre verbrachte Lena Christ bei ihrem Großvater, dem Bauern Mathias Pichler (Bichler) (1827–1894) und der Stiefgroßmutter und Großtante Magdalena Pichler geb. Hauser. Später erinnerte sie sich an diese Zeit als ihre glücklichste, zu ihrer „Münchner Mutter“ hatte sie nur ein einziges Mal Kontakt. In der Schule zeigte sie, die „Handschusterleni“, sich talentiert und aufgeweckt. Lena Christ hing sehr an ihrem Großvater, den sie zeitlebens verehrte und dem sie später den Roman Mathias Bichler widmete. Aufgrund seiner handwerklichen Fertigkeiten „Handschuster“ genannt, galt dieser als gütig, ruhig und bescheiden; er war im Ort beliebt und wurde als hilfsbereit geschätzt.
1888 heiratete ihre Mutter den Metzgergesellen Josef Isaak (in der Magistratssitzung vom 19. Oktober 1888 wurde das Verehelichungszeugnis erteilt an Josef Isaa(c)k, Gastwirt von hier mit Magdalena Pichler, Köchin von Glonn) und holte das siebenjährige Mädchen gegen den Willen der Großeltern zu sich nach München. In der elterlichen Gaststätte musste sie Schwerstarbeit verrichten. Das Verhältnis zur Mutter war von einer Hassliebe und erlittener Gewalt geprägt. Sie wurde ausgebeutet und litt sehr unter der Kälte der Mutter und den körperlichen Züchtigungen. Aufgrund dieser schwersten Misshandlungen durch die Mutter lebte Lena Christ seit 1892 wieder ein Jahr lang bei ihren Großeltern in Glonn. Mitte 1893 erfolgte eine erneute Rückkehr nach München; dort gingen die seelischen und körperlichen Misshandlungen durch die Mutter unverändert weiter. Der Tod ihres Großvaters im Jahre 1894 führte bei der verzweifelten Lena Christ zu einem Suizidversuch.
Um der harten Arbeit und den Ausbrüchen der Mutter zu entgehen, entschloss sie sich 1898, als Kandidatin und Lehramtsschülerin zur St. Josefskongregation im einstigen Kloster der Prämonstratenser in Ursberg zu gehen. Nach anderthalb Jahren trat sie aus und kehrte ins Elternhaus zurück.
Ein weiteres Zerwürfnis mit der Mutter führte 1900 zu einem erneuten Suizidversuch. Von ihrem Stiefvater, der sie zwar nicht misshandelte, sie aber auch nicht vor ihrer Mutter beschützte, wurde sie mit aufgeschnittenen Pulsadern im Weinkeller der elterlichen Gaststätte aufgefunden und gerettet. Im selben Jahr begann sie ihre Arbeit als Köchin und Kellnerin in der Ausflugsgaststätte „Floriansmühle“ im Norden Münchens. Obwohl sie dort aufblühte, zogen sie Heimweh und falsch verstandenes Pflichtgefühl zu Weihnachten zurück ins Elternhaus.
1901 heiratete sie den Buchhalter Anton Leix und bezog mit diesem eine Wohnung im Haus der Schwiegereltern. Die Hochzeit war, wie damals üblich, eine reine Vernunftsehe. Zahlreiche Freier bemühten sich um die attraktive Lena Christ, doch entschied sie, zusammen mit ihren Eltern, nach Stand, Beruf und Vermögen des Mannes. 1902 gebar sie ihren Sohn Anton, ein Jahr später ihre Tochter Magdalena. Rasch kam es zu Ehekrisen. Anton Leix begann zu trinken und spielen und überwarf sich mit seinen Eltern, deren Haus das Ehepaar 1904 verlassen musste. Es folgten zahlreiche Wohnungswechsel und Lena Christ beklagte sich später über gewalttätige, auch sexuelle Übergriffe ihres Mannes. 1906 gebar sie Tochter Alexandra Eugenie. Außerdem erlitt sie drei Fehlgeburten. Ihr Ehemann fiel zunehmend wegen seiner Trunksucht und daraus resultierenden finanziellen Schwierigkeiten auf. 1909 trennte sich Lena von ihm und verließ ihn.
Ihr Sohn Anton kam zu den Schwiegereltern und hatte nie mehr Kontakt zur Mutter. Anton Leix wurde im gleichen Jahr wegen Unterschlagung verurteilt und 1914 aus der Haftanstalt Nürnberg entlassen. Er heiratete später erneut und starb 1942 mit 64 Jahren. In ihren „Erinnerungen“ lässt Lena Christ ihren tobsüchtigen Mann in eine Irrenanstalt einweisen und dort enden.
Durch Schreibarbeiten versuchte Lena Leix nun notdürftig, den Lebensunterhalt für sich und ihre beiden Töchter zu bestreiten. In Haidhausen bewohnten sie kostenlos Neubauten, um diese „trockenzuwohnen“. 1910 erkrankte sie schwer an einer Lungenentzündung, die Töchter wurden ihr entzogen und in ein katholisches Kinderheim verbracht. Notizen und Dokumente der Königlichen Polizeidirektion legen nahe, dass sich Lena Christ zu dieser Zeit gelegentlich prostituierte, um den Lebensunterhalt für sich und die Kinder zu sichern. Nach Marita Panzer soll sie im März 1911 wegen Kuppelei und im Juni 1911 wegen Gewerbsunzucht durch das Schöffengericht München zu jeweils vier Wochen Haft verurteilt worden sein. Der Generalanzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten berichtete am 17. März 1911, dass der „Expedient A. Leix von hier und dessen Ehefrau […] in ihren Wohnungen Zimmer als unsittliche Absteigquartiere an Herren und Damen gegen entsprechende Risikoprämien“ vermietet hätten und Anton Leix Möbel, die er im Ratenkauf um 2800 Mark erworben hätte, vor der vollständigen Bezahlung trotz Eigentumsvorbehalt um 800 Mark verkauft hätte. Anton Leix, der bereits wegen Diebstahls eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren verbüßte, wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt, Magdalena Leix erhielt wegen Kuppelei eine Gefängnisstrafe von einem Monat.
Seit 1911 arbeitete sie als Diktatschreiberin beim Schriftsteller Peter Jerusalem, der später als Peter Benedix bekannt wurde. Im Juli 1912 verlobte sie sich mit ihm, 1912 heiratete sie ihn; die Ehe mit Anton Leix war am 13. März 1912 geschieden worden. Jerusalem veranlasste sie dazu, ihre persönlichen Erlebnisse niederzuschreiben.
Im September 1912 erschien ihr Debütwerk Erinnerungen einer Überflüssigen unter dem Namen Lena Christ, den sie für alle weiteren Veröffentlichungen nutzte. Darin schildert sie in ungewöhnlich drastischen Worten ihr Leben, das zerrüttete Verhältnis zu ihrer Mutter und die menschlichen und sexuellen Tragödien ihrer Ehe. Ihre Töchter kehrten im gleichen Jahr zu ihr zurück. Der Erfolg des Buches blieb anfangs aus, doch wurde es von der Literaturkritik gelobt und ein freundschaftlicher Kontakt zu Ludwig Thoma, Wilhelm Langewiesche und Korfiz Holm begann. Zu diesem Zeitpunkt bis 1914 lebte sie in der Villenkolonie Gern.
1913 verfasste sie das Buch Lausdirndlgeschichten, ebenfalls bestehend aus Erinnerungen an ihre Kindheit. Thoma kritisierte sie dafür und sah darin ein Plagiat seiner Lausbubengeschichten. Allmählich stellte sich literarischer Erfolg ein. Ihr Roman Mathias Bichler blieb jedoch bei Erscheinen 1914 weitgehend unbeachtet. Darin schilderte sie den abenteuerlichen Lebenslauf eines kleinen Holzschnitzers im Leitzachtal und Tirol. Dabei handelte es sich um ihr erstes Werk, das nicht auf Autobiografisches zurückgreift. Weithin bekannt machte sie nach Beginn des Ersten Weltkriegs das Buch Unsere Bayern anno 14, dem 1915 Unsere Bayern anno 14/15 folgte. Darin sammelte sie Geschichten, die Geschehnisse und Atmosphäre zu Beginn des Ersten Weltkriegs in Bayern, in Stadt und auf dem Land, schildern. 1915 wurde sie zu einer Audienz bei König Ludwig III. geladen, im Folgejahr erhielt sie das Ludwigskreuz für ihre vaterländischen Verdienste. Ebenfalls 1916 begann sie ihre Arbeit am Drama Die Rumplhanni, das sie auf Anraten von Benedix zum Roman umschrieb. In diesem schildert sie die skrupellosen Versuche von Johanna Rumpl, Köchin von Öd (nahe Schönau bei Bad Aibling), gesellschaftlichen Aufstieg und Selbständigkeit zu erreichen. In den Roman flossen sowohl eigene Erinnerungen als auch Erfahrungen der Mutter ein. 1917 löste Christ den Münchner Haushalt auf und übersiedelte nach Landshut, wohin der 1915 zum Militär einberufene Benedix abkommandiert wurde. Lena Christ erkrankte an Tuberkulose und Depressionen.