An diesem Tag

Leiber/Stoller

Songwriter-Duo

Anúncio

Der Textdichter Jerry Leiber (* 25. April 1933 in Baltimore, Maryland; † 22. August 2011 in Los Angeles, Kalifornien) und der Komponist Mike Stoller (* 13. März 1933 in New York City) waren eines der wichtigsten US-amerikanischen Musikproduzenten- und Songwriter-Duos der 1950er und 1960er Jahre. Dutzende ihrer Songs erreichten die amerikanischen Charts und prägten die Musik dieser Zeit, beispielsweise Hound Dog, Jailhouse Rock und Stand by Me.

Jerry Leiber und Mike Stoller wurden beide 1933 in jüdische Familien geboren. Sie lernten sich Anfang 1950 in Los Angeles kennen, als Stoller gerade sein Studium am Los Angeles City College begann und Leiber im letzten Jahr an der Fairfax High School war. Sie befreundeten sich schnell, auch da beide eine Vorliebe für Blues und Rhythm and Blues hegten. 1956 hatte Stoller zusammen mit seiner ersten Ehefrau den Untergang der Andrea Doria überlebt.

Jerry Leiber war einige Zeit mit der Schauspielerin Gaby Rodgers verheiratet und hatte drei Söhne. Er starb 2011 im Alter von 78 Jahren im Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles.

2009 veröffentlichten Jerry Leiber und Mike Stoller bei Simon & Schuster ihre gemeinsame Autobiografie Hound Dog: The Leiber and Stoller Autobiography unter Mitwirkung von David Ritz.

Mike Stoller ist seit 1970 in zweiter Ehe mit der Musikerin Corky Hale verheiratet. Neben seiner Zusammenarbeit mit Leiber schrieb er gemeinsam mit Artie Butler die Musik zum 2011 produzierten Broadway-Musical The People in the Picture. 2014 folgte am Broadway das Musical Beaches, zu dem er die Musik schrieb, während Buch/Libretto von Iris Rainer Dart und Thom Thomas stammt.

Leiber und Stoller verfassten ihren ersten gemeinsamen Song für das Rhythm-&-Blues-Quartett The Robins, das bereits seit Mai 1949 Platten aufnahm. Es handelte sich um den am 2. März 1950 aufgenommenen Titel That's What The Good Book Says, mit Bibelhinweisen für Lebenssituationen, der von Modern Records (#807) im Februar 1951 mit der A-Seite Rockin‘ auf den Markt kam. Im Dezember 1950 entstand für Jimmy Witherspoon der aus einer Live-Aufnahme im Shrine Auditorium von Los Angeles aufgenommene Titel Real Ugly Woman (Modern #821), der ebenfalls im Februar 1951 – diesmal als A-Seite – veröffentlicht wurde. Es folgte das textlich riskante Too Much Jelly für Little Brother Brown, aufgenommen für Okeh (#6835) am 4. September 1951. Diese ersten Kompositionen erreichten nicht die Charts. Das änderte sich mit Hard Times (Aladdin #3116), das von dem erfolggewöhnten Charles Brown am 24. September 1951 bei Radio Recorders aufgenommen und am 19. Januar 1952 durch Anzeigenunterstützung im Billboard-Musikmagazin veröffentlicht wurde und einen Rang sieben der Rhythm-&-Blues-Hitparade mit einem Umsatz von 80.000 Exemplaren erreichte. Nun nahm die Plattenindustrie durch den ersten Hit aus der Feder von Leiber/Stoller Notiz vom jungen Autoren-Team.

Jimmy Witherspoon nahm im November 1952 für das King-Records-Tochterlabel Federal Records in Los Angeles ihr Corn Whiskey (Federal #12107) auf, das den erfolggewöhnten Bluesshouter jedoch nicht wieder in die Hitparade brachte. Ralph Bass produzierte am 18. August 1952 den obskuren Boogie Woogie-Pianisten Little Willie Littlefield, der mit K.C. Loving (Federal #12110) eine weitere Komposition von Jerry Leiber und Mike Stoller aufgriff. Produzent Bass hatte darauf bestanden, den ursprünglichen Titel Kansas City in K. C. Loving umzubenennen, weil das flotter klinge. Der Song wurde nach Veröffentlichung am 29. Dezember 1952 ebenfalls chartmäßig nicht wahrgenommen, aber Jahre später unter dem ursprünglichen Titel Kansas City mit über 300 Versionen zu einem der am meisten gecoverten Rock-’n’-Roll-Songs. Für Ray Charles komponierten sie die B-Seite The Snow is Falling, als dieser noch bei Swingtime Records (#326) unter Vertrag stand; als der Song im Februar 1953 veröffentlicht wurde, befanden sich bereits zwei Atlantic-Singles auf dem Markt. Floyd Dixon coverte im Juni 1953 Too Much Jelly Roll (Aladdin #3111), live aufgenommen in der Blues-Jamboree in Los Angeles.

Am 13. August 1952 stand die Bluessängerin Big Mama Thornton zusammen mit der Johnny Otis-Band für Peacock Records vor dem Mikrofon, um die in wenigen Minuten entstandene und auf einer braunen Papiertüte festgehaltene Leiber/Stoller-Komposition Hound Dog aufzunehmen. Erstmals unter Produktionsregie der Komponisten spielte die Besetzung Devonia Williams (Piano), Albert Winston (Bass), Pete Lewis (Gitarre) und Leard Bell (Schlagzeug). Bereits der Titel Hound Dog weist auf zweideutige Verwendbarkeit hin. Einerseits ist ein Jagdhund gemeint, andererseits wird diese Kombination im Slang auch für „Schürzenjäger“ oder schmarotzender Gigolo benutzt. Die offenkundigen sexuellen Anspielungen werden im Text fortgesetzt, Thornton und die Band versuchen mit imitiertem Hundegebell alles, um die Jagdhundvariante zu betonen.

Leiber/Stoller griffen in ihrer Anfangsphase die alte Bluestradition auf und schrieben häufig zweideutige Songs. Nach der Erstveröffentlichung im Januar 1953 (Peacock #1612) gelang es der Country-Blues-Version, bis auf Platz 1 der R&B-Charts vorzudringen und sich dort für sieben Wochen zu behaupten. Thorntons „schwarze“ Version hatte allerdings damals in den Pop-Charts keine Chance, konnte dennoch über 500.000-mal verkauft werden.

Leiber und Stoller gründeten im Februar 1954 das Plattenlabel Spark Records, an dem außer den Komponisten noch ihr Förderer Lester Sill sowie Jack Levy und Stollers Vater beteiligt waren. Hier wurden lediglich 44 teilweise obskure Singles veröffentlicht, fast alle geschrieben und produziert von Leiber/Stoller. Die hier veröffentlichten Songs gelangten zwar nicht selbst in die Charts, doch waren viele von ihnen Originalvorlage für spätere Hits durch andere Interpreten; so etwa die erste Single des Labels (Spark #101), erschienen im Februar 1954 mit dem Duo Willy & Ruth (Come A Little Bit Closer), Spark #103 waren die Robins mit Riot In Cell Block #9 (aufgenommen im März 1954, veröffentlicht im Mai 1954; später gecovert von den Coasters), #105 war wiederum Willy & Ruth mit Love Me (Elvis Presley) oder Smokey Joe’s Café (Spark #122; aufgenommen am 7. Juli 1955, veröffentlicht im August 1955). Letzterer Song hatte enorme Hitpotenziale, die jedoch durch die kleine Plattenfirma mit ihren Vertriebsproblemen nicht ausgeschöpft werden konnten. Nesuhi Ertegün von Atlantic Records befand sich zur Zeit der Plattenaufnahmen in Los Angeles und erfuhr von der Aufnahme. Er kontaktierte seinen Bruder Ahmet und Atlantic Records-Produzent Jerry Wexler. Alle waren sich einig, dass Leiber/Stoller ihre Plattenfirma liquidieren sollten und zu Atlantic Records überwechseln könnten. Spark wurde im November 1955 von Atlantic Records übernommen.

Am 28. September 1955 schloss Atlantic Records mit Leiber/Stoller einen Vertrag. Er sah vor, dass die beiden Autoren als unabhängige Produzenten für Atlantic tätig werden sollten. Bei dem Atlantic-Tochterlabel Atco Records erschien sodann Riot In Cell Block #9 erneut im Oktober 1955 und erreichte Rang 10 der R&B-Charts mit einem Plattenumsatz von 100.000 Exemplaren. Zu jenem Zeitpunkt trennten sich die Robins jedoch.

Mit personellen Veränderungen entstand aus ihnen die neue Gruppe Coasters, deren erster Titel wiederum aus der Feder Leiber/Stoller stammte: Down In Mexico (11. Januar 1956, veröffentlicht im Februar 1956) erreichte einen achten Rang in den R&B-Charts, das ebenfalls am 11. Januar 1956 entstandene One Kiss Led To Another (veröffentlicht im Juli 1956) schaffte den ersten Crossover mit Platz 73 in den Popcharts. Im März 1957 erschien Searchin‘ / Young Blood (aufgenommen am 15. Februar 1957), hielt sich für 13 Wochen auf Rang #1 der Rhythm-&-Blues-Hitparade, drang bis auf Rang 3 der Popcharts vor und verkaufte über zwei Millionen Exemplare. Als die Coasters im Januar 1958 nach New York übersiedelten, war hier meist die gleiche Sessionband zugegen: George Barnes (Gitarre, Banjo), Allen Hanion (akustische Gitarre), Sonny Clarke (elektrische Gitarre), Wendell Marshall (Bass), King Curtis (Tenorsaxophon), Mike Stoller (Piano) und Gary Chester (Schlagzeug). Von den 24 Leiber/Stoller-Kompositionen, die die Coasters in die Charts brachten, kamen sechs in die Top 10, sechs wurden zu Millionensellers: Searchin’ / Young Blood (über 2 Millionen), das humorvoll die Eltern-Kinderbeziehung persiflierende Yakety Yak (aufgenommen am 17. März 1958; über 2 Millionen), der das Schüler-Lehrerverhältnis beschreibende Titel Charlie Brown (11. Dezember 1958; eine Million), das moralpredigende Poison Ivy (17. April 1959; über eine Million) und Along Came Jones (26. März 1959; über eine Million). Die Coasters waren das wesentlichste Vehikel für die Kompositionen von Leiber/Stoller und als Gruppe imstande, die Ideen der Komponisten in Hits zu transportieren. Es handelte sich zumeist um ironisch-humorvolle Songs über das Straßenmilieu der Jugendlichen und ihre Beziehungen zu Eltern oder Lehrern, zusammengefasst in Miniaturdramen.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Leiber/Stoller | World in Stories