Le Villi (dt.: Die Willis) ist die erste Oper (Originalbezeichnung: „Opera ballo“) von Giacomo Puccini. Das Libretto schrieb Ferdinando Fontana nach der Erzählung Les Willis (1835) von Alphonse Karr. Sie wurde am 31. Mai 1884 als Einakter im Teatro dal Verme in Mailand uraufgeführt. Kurz darauf erweiterte Puccini die Oper auf zwei Akte. Die Uraufführung dieser Fassung fand am 26. Dezember 1884 im Teatro Regio in Turin statt.
Im Haus des Försters Guglielmo Wulf feiert man die Verlobung seiner Tochter Anna mit Roberto. Roberto muss bald danach einer Erbschaft wegen nach Mainz reisen. Dort verfällt er einer Verführerin und lebt mit dieser zusammen. Anna fühlt sich von ihm verraten und stirbt aus Gram. Ihre Seele vereinigt sich mit den Willis, den Seelen toter Frauen, die ein ähnliches Schicksal erlitten. Guglielmo beschwört den Geist seiner Tochter, sich zu rächen. Roberto kehrt voller Reue zurück, wird von den Willis in einen rasenden Tanz verwickelt und bricht tot zusammen.
Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem Libretto der zweiaktigen letzten Fassung.
Eine Lichtung im Wald. Auf der rechten Seite im Vordergrund steht Guglielmos bescheidenes Haus. Im Hintergrund auf der linken Seite ist ein Pfad, der über steiniges Gelände in den tiefen Wald führt. Eine kleine Brücke überspannt eine Vertiefung von der einen bis zur anderen Seite. Es ist Frühling. Die Bäume blühen, und überall sind Blumengirlanden aufgehängt. In der Nähe des Hauses steht ein gedeckter Tisch mit Essen, Flaschen und Gläsern. Unter einem Stuhl in der Nähe des Hauses liegt Robertos Koffer. Guglielmo, Anna und Roberto sitzen am oberen Ende des Tisches. Roberto trägt Reisekleidung.
Szene 1. Die Bergbewohner feiern die Verlobung Annas und Robertos (Chor: „Evviva i fidanzati!“). Der bislang mittellose Roberto hat reich geerbt und muss für die Formalitäten noch am selben Abend nach Mainz abreisen. Guglielmo und Anna tanzen und verlassen dabei die Bühne. Die anderen folgen ihnen. Nach einer Weile kehrt Anna allein mit einem Strauß Vergissmeinnicht zurück.
Szene 2. Traurig über die Abreise ihres Bräutigams legt Anna den Blumenstrauß in seinen Koffer (Szene und Romanze Anna: „Se come voi piccina“).
Szene 3. Roberto ertappt sie dabei, dankt ihr und bittet sie um Lächeln als weiteres Andenken. Anna erzählt ihm von bösen Vorahnungen. Sie hatte in der vergangenen Nacht geträumt, dass er starb, während sie auf ihn wartete (Duett Anna/Roberto: „Non esser, Anna mia, mesta sì tanto“). Roberto beruhigt sie. Sie solle eher an Gott als an seiner Liebe zweifeln („Tu dell’infanzia mia“).
Szene 4. Die Bergbewohner kehren mit Guglielmo zurück und drängen Roberto zum Aufbruch (Chor: „Presto!… Presto!… In viaggio!“). Sie wollen ihn bis zum Waldrand begleiten. Guglielmo beginnt ein Gebet, in das die anderen einstimmen (Gebet: „Angiol di Dio, che l’ali“). Alle verabschieden sich.
Intermezzo 1. Das Verlassen. Der Erzähler berichtet, dass Roberto in Mainz von einer „Sirene“ verführt wurde und seine Liebe zu Anna vergaß. Diese wartete vergebens und starb schließlich im Winter aus Kummer. Hinter einem Schleier auf der Bühne zieht zum Gesang eines unsichtbaren Frauenchores („Come un giglio reciso“) der Trauerzug von Guglielmos Haus über die Lichtung.
Intermezzo 2. Der Hexensabbat. Der Erzähler erinnert an eine Sage aus dem Schwarzwald: Immer wenn ein Mädchen aus Liebe sterbe, kommen Hexen, die Willis, aus dem Wald und tanzen den untreuen Liebhaber zu Tode. Dieses Schicksal drohe diese Nacht auch Roberto, denn nachdem er von seiner Geliebten verlassen wurde, habe er beschlossen, in den Wald zurückzukehren.
Während des zweiten Teils wird die Waldlandschaft des ersten Aktes wieder sichtbar, aber es ist Winter. Es ist Nacht. Die kahlen leblosen Bäume sind mit Schnee beladen. Der Himmel ist klar und voller Sterne: Der Mond scheint auf die finstere Umgebung. Die Willis kommen zum Tanz. Irrlichter gehen ihnen voraus. Sie erscheinen auf allen Seiten und schweben über der Szene.
Szene 1. Guglielmo sitzt in tiefen Schmerz versunken vor seiner Haustür. Er sehnt sich nach Rache an dem untreuen Ehemann seiner Tochter. Falls sie sich den Willis angeschlossen habe, möge sie ihn bei Sonnenuntergang erwarten. Zugleich bittet er Gott um Vergebung für diesen Gedanken (Guglielmo: „Anima santa della figlia mia“).
Szene 2. Hinter der Bühne sind die Stimmen der Willis zu hören, die auf Roberto warten. Als er auf die Brücke tritt, erscheinen ihm die Willis, die er als Halluzinationen verscheucht. Reuevoll denkt er an die glücklicheren Tage seiner Liebe zurück (Romanze Roberto: „Torna ai felici dì“). Dann läuft er auf das Haus zu, um anzuklopfen, zögert aber, wie von einer unbekannten Macht zurückgehalten. Die Willis rufen nach ihm. Roberto versucht, ein Gebet zu sprechen, doch will ihm auch das nicht mehr gelingen. Da vernimmt er hinter der Bühne die Stimme Annas.
Szene 3. Der Geist Annas erscheint und wirft Roberto sein Verhalten vor (Duett Anna/Roberto: „Tu dell’infanzia mia“). Der nähert sich ihr schmerzerfüllt und zwanghaft. Anna öffnet ihre Arme zu einer Umarmung. Die Willis umkreisen die beiden in einem wilden Tanz und verschwinden dann.
Szene 4. Hinter der Bühne rufen die Geister Roberto zu, dass sie auf ihn warten und er nicht mit Gnade rechnen könne (Chor: „Qui noi t’aspettiam, traditor…“). Roberto fällt erschöpft vor Annas Füßen zu Boden und stirbt. Die Willis rufen „Hosianna!“
Die Orchesterbesetzung der Oper enthält die folgenden Instrumente:
Holzbläser: Piccolo, zwei Flöten, zwei Oboen, Englischhorn, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, Kontrafagott
Blechbläser: vier Hörner, zwei Trompeten, zwei Kornette, Piston, drei Posaunen, Cimbasso, Basstuba