Louis-Lazare Hoche (* 25. Juni 1768 in Montreuil bei Versailles, heute Quartier Montreuil; † 19. September 1797 in Wetzlar) war ein französischer Général de division der Revolutionszeit, der durch sein besonnenes Handeln bei der Niederschlagung des Aufstands der Vendée 1795 als der „Pacificateur de la Vendée“ bekannt wurde.
1797 erhielt er, neben dem Oberbefehl über die Armee im besetzten Rheinland, die Verantwortung für die Zivilverwaltung „der Länder zwischen Rhein, Maas und Mosel“. Bis zu seinem Tod unterstützte er nachhaltig die Bestrebungen für eine republikanische Verfassung und die Errichtung der Cisrhenanischen Republik, die jedoch letztlich nicht zustande kam.
Hoche war 1797 – nach Jahrhunderten feudaler Herrschaft – der erste bürgerliche Regierungschef der linksrheinischen Landesteile, die 1946 mit Beschluss der britischen und französischen Besatzung Teile der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden.
Hoche war der Sohn eines ehemaligen Soldaten und garde-chenil du roi (vermutl. Aufseher der königlichen Jagdhunde). Nach dem frühen Tod seiner Mutter wurde er von einer Tante aufgezogen, die ihm auch eine Schulausbildung zahlte. Einem Pfarrer aus Saint-Germain-en-Laye fielen sein schulischer Eifer und seine Intelligenz auf; er gab ihm Lektionen in Latein und weckte in ihm das Interesse an den antiken Schriftstellern und Philosophen.
Hoche wurde mit 15 Jahren Stalljunge in den écuries de Versailles (königl. Pferdeställen) und trat mit 16 in das Regiment der Gardes-Françaises ein. Seine Herkunft aus sehr einfachen Verhältnissen war kein Hindernis für eine erstaunliche Karriere in der Revolutionsarmee. Mit 24 Jahren (nach dem Revolutionskalender) war er bereits im Generalsrang.
Hoche soll zwei Duelle und zwei Attentate überlebt haben. Seine innenpolitischen Gegner erwirkten, dass er zweimal in Paris angeklagt wurde: 1792 wegen angeblicher Mitwisserschaft von Dumouriez’ Republikverrat und Frontwechsel zu den Österreichern; 1794 intrigierte sein vermutlich missgünstiger Generalskollege Pichegru bei dem radikal-revolutionären Konventskommissar Saint-Just gegen ihn. Hoche wurde im März in Nizza, auf dem Weg zu einem Kommando bei der Italienarmee, verhaftet und wegen des Verdachts auf Verrat und Ungehorsam gegen die Republik angeklagt und in der Conciergerie eingekerkert. Erst der Sturz Robespierres und der Regierungswechsel retteten ihn im August 1794 vermutlich vor der Guillotine.
In Biografien des 19. Jahrhunderts wird er als außergewöhnlich gut aussehend, hochgewachsen und von charmanter, zuvorkommender Art beschrieben. Eine Narbe im Gesicht, vom Stirnhaaransatz bis zum rechten Nasenflügel (siehe Bild unten links), soll er aus einem Degenduell zurückbehalten haben, sie verlieh ihm ein martialisches, attraktives Aussehen. Gerühmt wird sein gebildetes, hochintelligentes, aber oft auch aufbrausendes Wesen. Seine politische Einstellung bildete sich in den Diskussionsrunden der Pariser republikanischen Clubs, sein militärisches Wissen erhielt er in den Seminaren der frühen École polytechnique seines „Entdeckers“ Lazare Carnot. „Sein brennender Ehrgeiz und sein stürmisches Temperament“, gepaart mit strategischem und organisatorischem Talent, ließen die Regierung ihm mehrfach Kommandos über Armeen übertragen, die sich in kritischer, oft auch desolater Situation befanden.
Er war seit März 1794 verheiratet mit Adélaide Dechaux aus Thionville (deutsch: Diedenhofen). Einziges Kind war die 1796 geborene Tochter Jenny, eine später verheiratete Comtesse des Roys. Hoche starb 1797 an einer akuten Lungen- bzw. Bronchialerkrankung („Asthma convulsivum, wobei sich ein Gewächs auf der Luftröhre angesetzt und entzündet hatte“). Sein Grab befindet sich in Deutschland in dem Monument General Hoche in Weißenthurm am Rhein. Von dort aus hatte er seinen letzten, erfolgreichen Feldzug gegen die österreichischen Reichstruppen begonnen.
« Hoche a été l’incarnation la plus brillante de la démocratie francaise pendant la première époque de la Revolution », urteilt ein Biograph 1889 über Lazare Hoche. Die steile, aber auch mit einigen Rückschlägen kurze Karriere dieses Militärs der französischen Revolution erklärt sich, neben auffallend soldatischen Talenten, auch mit seiner festen Überzeugung von dem Wert der Revolutionsideale und dem Kampf gegen die „Tyrannei aller Aristokraten“, den Feinden der jungen Republik.
1784 begann Hoche als Sechzehnjähriger den Militärdienst in der Pariser Garnison der Gardes Françaises. Polizeifunktionen, wie die Absicherung von Hinrichtungen, Persönlichkeitenschutz, Schutz der Institutionen und öffentlichen Einrichtungen bei Demonstrationen und gegen den Revolutionspöbel, waren besonders in den ersten Jahren der Revolution die Aufgaben der Garde, die 1789 – Hoche war inzwischen Sergeant geworden – mit General La Fayette zur Garde Nationale wurde. Seine gute Führung kleinerer Einheiten in kritischen Situationen fiel auf; Lazare Carnot (Mitbegründer der späteren Eliteschule École polytechnique) förderte ihn in seinen Kaderseminaren.
Im April 1792 erklärte Frankreich dem Kaiser Franz II. und Preußen den Krieg. Hoche wurde Leutnant im 33e régiment d’infanterie in der Ardennen-Armee von General Dumouriez. Der Erste Koalitionskrieg begann mit dem Einmarsch preußischer und österreichischer Truppen unter dem Oberkommando des Herzogs zu Braunschweig Karl Wilhelm Ferdinand in den Osten Frankreichs.
Bei der erfolgreichen Verteidigung der von preußischer Artillerie belagerten lothringischen befestigten Stadt Thionville (deutsch Diedenhofen) an der Mosel zeichnete Hoche sich unter General Le Veneur durch seine nächtlichen, stoßtruppartigen Angriffe auf die preußischen Stellungen aus. Nach der Kanonade bei Valmy musste sich Preußen aus Frankreich zurückziehen, Hauptkriegsschauplatz wurden die österreichischen Niederlande, das heutige Belgien und die Niederlande. Bei der Eroberung der Festung Namur war Hoche Capitaine. In der Schlacht bei Neerwinden, seiner ersten offenen Feldschlacht, wurde er am 18. März 1793 verwundet.
Le Veneur, der Hoches Führungsqualitäten, sein Verhandlungsgeschick und seine Fürsorge für die ihm unterstellte Truppe registrierte, machte ihn zu seinem Adjutanten mit der Verantwortung für die „Fourage“, die Versorgung der Soldaten, die sich mit eigenmächtigen Requirierungen und brutalen Plünderungen in dem besetzten Land selbst versorgen mussten. Hoche beklagte in Briefen und Memoranden die Kompetenzstreitigkeiten der zuständigen politischen Kommissare und Heereslieferanten. Viele Briefe machten ihm in Paris Feinde, denn sie enthielten heftige Anschuldigungen wegen antirepublikanischen, korrupten Verhaltens dieser Stellen. „Er kann die Feder ebenso gut führen wie den Säbel“, urteilt man über ihn.
Nach Bekanntwerden der Umsturzpläne des Oberkommandierenden Generals Dumouriez und dessen „Frontwechsels“ zu den Österreichern April 1793 wurde Hoche zur Berichterstattung über die Situation der Nord-Armee vor den Wohlfahrtsausschuss nach Paris beordert. Zusammen mit Le Veneur wurde er des Einverständnisses mit den Umsturzplänen von Dumouriez gegen die republikanische Regierung verdächtigt.
Das Revolutionstribunal von Douai entlastete ihn. Vermutlich waren seine überzeugend vorgetragenen Pläne zur Reorganisation der Truppen und zur Verteidigung der Republik an der Nordgrenze ausschlaggebend. Der Pariser Wohlfahrtsausschusses konstatierte: « Voilà un officier d’infantrie qui fera du chemin ». Hoche wurde Generalstabschef (Chef d’etat) des Generals Duhamel und verteidigte im September 1793 mit einem Bataillon der Nordarmee erfolgreich Dünkirchen gegen die Engländer des Herzogs von York.
Seine erwiesenen Führungsqualitäten verhalfen ihm im November 1793 zum Oberkommando als Général de division über die 15.000–20.000 Mann starke Mosel-Armee. Ihren desolaten Zustand (« mal armés, mal équipés, avec l’indiscipline partout » in zeitgenössischer französischer Beschreibung) durch Desertationen, mangelhafte Versorgung, willkürliche Requisitionen, Plünderungen und Gewalttätigkeiten gegen die Bevölkerung der Westpfalz und des Saarlandes konnte er in kurzer Zeit ändern. Vom 28. bis zum 30. November griff er überstürzt und folglich mit starken, eigenen Verlusten die Preußen unter dem Herzog von Braunschweig bei Kaiserslautern an. Er ließ ein Korps an der Saar zurück, um seinen Marsch zu decken, ging mit 12.000 Mann über die Vogesen, um mit der Rhein-Armee unter General Pichegru gemeinsam (was aber der Generalskollege sabotierte) zu operieren und drang bis zum rechten Flügel der Österreicher unter General Wurmser vor. Er durchbrach Ende Dezember die sogenannten Weissenburger Linien, eine Verteidigungsanlage entlang der Grenze zur Südpfalz. Die Österreicher mussten das Elsass aufgeben und auf die andere Rheinseite wechseln. Zeitgleich gaben die Preußen ihre Blockade der Festung Landau auf und zogen sich nach Oppenheim am Rhein und Mainz zurück. Hoche besetzte das Land zwischen Worms und Kreuznach, das heutige Rheinhessen, um seinen Truppen Winterquartier und Versorgungsmöglichkeiten zu verschaffen. Gegen die Regierungsanweisung, den Feldzug weiterzuführen, erhob er wegen „völliger Erschöpfung der Soldaten, dem Winter und schwierigem, ausgeblutetem Gelände“ Einspruch. Er schrieb an das Kriegsministerium: « Je manque absolument du tout. Envoyez-moi au plutôt des souliers... » (Sinngemäße Übers.: „Mir fehlt es an allem. Schickt mir vor allem Schuhe.“) Er wurde darauf – und wahrscheinlich auch wegen anhaltender Streitigkeiten mit dem an gleicher Front stehenden Pichegru – seines Oberkommandos enthoben und durch General Jourdan ersetzt.