An diesem Tag

Lawine

Plötzlicher, heftiger Sturz hangabwärts von Schnee- oder Eismassen, oft an Berghängen

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Als Lawinen werden in der Meteorologie Massen von Schnee, Eis oder Schlamm bezeichnet, die sich von Berghängen ablösen und zu Tal gleiten oder stürzen. Abgänge von Steinen oder ganzen Hängen werden demgegenüber als Muren bezeichnet. Lawinen, die große Sach-, Personen- oder Umweltschäden verursachen, werden zu den Naturkatastrophen gezählt.

Das Wort «Lawine» geht auf alpinromanisch lavīna beziehungsweise lateinisch labīna ‚Erdrutsch‘ zurück; diesem zugrunde liegt das lateinische Verb lābi ‚gleiten‘. Im Altoberdeutschen des 8./9. Jahrhunderts diente lewina, lewin oder louwin als Übersetzung für lateinisch torrēns ‚Wildbach‘; in den hoch- und höchstalemannischen Mundarten, wo aus alpinromanisch lavīna Laut- und Formvarianten wie Lauwene, Laubene, Lauene und ähnlich wurden (mit Betonung je auf der ersten Silbe), erlangte das Wort im Laufe des Mittelalters in erster Linie die Bedeutung ‚Schneerutsch‘. Die Schweizer Humanisten versuchten das für sie nicht mehr durchsichtige Wort hingegen an „Löwin“ anzuschließen.

Im 18. Jahrhundert wurde das schweizerdeutsche Lauwene, Laubene, Lauene durch die Reiseliteratur im ganzen deutschen Sprachraum bekannt. Dass sich dabei die relatinisierte Form Lawine (mit Betonung auf der mittleren Silbe) durchsetzte, ist im Wesentlichen auf Friedrich Schillers 1804 uraufgeführtes Drama Wilhelm Tell zurückzuführen.

Die Herkunft des ähnlich klingenden, ebenfalls ‚Schneerutsch, Lawine‘ bedeutetenden bairisch-österreichischen Lahn, Lähn und ähnlich ist umstritten. Gemäß einer Herleitung stammt es wie Lawine aus dem Alpinromanischen, gemäß einer anderen ist es mit Lawine zwar urverwandt, aber nicht wie dieses ein Lehnwort aus dem Romanischen, sondern ein deutsches Erbwort, das germanisch *lanō(n)- fortsetzt. Der Grund für letztere Annahme ist, dass bairisch Lahn Parallelen mit der Bedeutung ‚Reihe, Gang, Weg‘ in mitteldeutschen und niederdeutschen Mundarten sowie im Englischen, Schwedischen, Norwegischen und Isländischen hat.

Spätestens seit der Mensch den alpinen Lebensraum erschlossen hat, ist er von Lawinenabgängen bedroht. Aus der Literatur sind vor allem Heerzüge, die die Alpen überquerten, als betroffen bekannt. So verlor Hannibal auf seiner Alpenüberquerung im Jahre 218 v. Chr. angeblich rund die Hälfte seiner Soldaten (etwa 20.000 Mann) und eine unbekannte Anzahl von Elefanten durch Lawinen.

Abhängig von der Art ihres Abgangs unterscheidet man zwei grundsätzliche Arten von Schneelawinen, und zwar nach der Art ihres Anrisses Schneebretter und Lockerschneelawinen, daneben teilt man sie auch nach ihrem Umfang und Ausmaß ein.

Eine Dachlawine ist eine Schneelawine im Kleinen, die von Gebäuden abgeht.

Zu unterscheiden sind Lawinen vom Eissturz.

Kennzeichen für Schneebrettlawinen ist ein linienförmiger Anriss quer zum Hang. Ausgedehnte Schichten der Schneedecke – oft aus Triebschnee – rutschen auf einer Gleitschicht zunächst zusammenhängend ab. Im Verlauf des Abgangs kann sich eine Schneebrettlawine zu einer Staublawine entwickeln. Eine solche Gleitschicht kann beispielsweise durch den Nigg-Effekt entstehen.

Sie stellen die klassische Gefahrenlawine für Schneesportler und Bergsteiger dar. Ein sogenanntes Schneebrett kann sich spontan lösen oder durch die zusätzliche Belastung im Gelände ausgelöst werden. Dabei können auch bergseitig über dem Geländegänger ausgedehnte Schneeschichten abreißen und abfahren. Gefahren für Opfer einer Schneebrettlawine sind Ersticken, Verletzungen durch Aufprall an Felsen, Absturz oder der Druck der oft tonnenschweren Schneemassen.

Schneebrettlawinen treten in der Regel bei Hangneigungen zwischen 30° und 50° auf. Sie sind aber auch schon bei geringeren Hangneigungen möglich, ab etwa 25°. Bei Hangneigungen über 50° sind Schneebrettlawinen selten, bei diesen Hangneigungen treten in der Regel vorher Lockerschneelawinen auf.

Der Ausdruck Schneebrett lässt zunächst an eine harte Beschaffenheit denken. In der Realität kommen jedoch auch in sehr weichem, schwer erkennbarem Triebschnee flächige Lawinenauslösungen vor: Der Begriff beschreibt lediglich, dass eine ganze Schneemasse „wie ein Brett“ auf einmal losfährt, auch ohne dabei zwingend einen festen Körper zu bilden. In wissenschaftlichen Studien wird untersucht, wie sich in Schwachschichten Brüche ausbreiten, sodass ein ganzer Hang auf einmal abbricht. Mit der Bewegung zerbricht das Brett dann in kleinere Teile, die sich im Auslauf übereinander schieben, verdichten und als eine verfestigte Ablagerung (oder ein Lawinenkegel) liegen bleiben.

Es wird zwischen trockenen und nassen Schneebrettlawinen unterschieden.

Eine Lockerschneelawine ist durch einen punktförmigen Anriss gekennzeichnet. Durch eine Kettenreaktion wächst die Lawine. Solche Lawinen kommen vor allem in unverfestigtem Schnee vor. Es wird weiter in trockene Lockerschneelawinen und in nasse Lockerschneelawinen (oberflächliche Nässung) unterteilt. Lockerschneelawinen verlangen – wegen der zur Fortpflanzung der Bewegung notwendigen Energie – eine etwas höhere Hangneigung als Schneebrettlawinen. Ein häufiges Auftreten wird bei etwa 40–60° Hangneigung beobachtet.

Staublawinen entstehen, wenn eine große Schneemasse einen steilen Hang hinabstürzt und dabei weiteren Schnee aufnimmt. Der Schnee wird aufgewirbelt, sodass ein Schnee-Luft-Gemisch (Aerosol) entsteht. Eine Staublawine kann eine Geschwindigkeit von über 300 km/h erreichen.

Einher mit der Staublawine gehen gewaltige Luftdruckschwankungen (Druck vor der Front, dahinter Sog), die sehr gefährlich sind. Durch diese Druckschwankungen, die den Bedingungen in einem Wirbelsturm gleichen können, kommt es zu den großen Zerstörungen. Bäume werden abgeknickt, Hausdächer weggerissen und Fenster eingedrückt, wodurch Schnee in das Haus eindringt. Gelangt das Schnee-Luft-Gemisch in die Lunge von Menschen oder Tieren, so kann dies nach kurzer Zeit zum Tode durch Ersticken führen. Zudem ist der Fließanteil von Staublawinen gefährlich, da er zu Verschüttungen führen kann.

Eislawinen, auch Gletscherlawinen genannt, können eine Folge langsamer Gletscherbewegungen sein. Das Gletschereis bewegt sich bis zum Rand eines Abbruchs und stürzt in einzelnen Brocken darüber hinaus. Dies gleicht zunächst mehr einer Steinlawine als den bekannten Schneelawinen, doch dann werden die herabstürzenden Eisbrocken beim Aufprall in feine Schneepartikel zerschlagen und sind kaum mehr von einer Fließlawine zu unterscheiden. Von Eislawinen spricht man auch, wenn in einem Gletschersturz große Eismassen an einer Abbruchkante oder einem Steilhang plötzlich abgehen.

Diese sind berechenbare Grundlawinen, die vor allem im Frühjahr bei Tauwetter losbrechen. Der weiche Schnee verliert schneller an Haftung und rutscht den Berg herunter.

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