Lars Løkke Rasmussen (* 15. Mai 1964 in Vejle, Südjütland; Aussprache: [lɑːs ˈløg̊ə ˈʁasmusn̩]), kurz meist Lars Løkke, ist ein dänischer Politiker. Von 2009 bis 2019 war er Vorsitzender der Venstre und führte von 2009 bis 2011 und von 2015 bis 2019 die dänische Regierung als Ministerpräsident an. Von 2001 bis 2007 war er zuvor Innen- und Gesundheitsminister. Am Neujahrstag 2021 trat er nach vierzig Jahren Mitgliedschaft aus der Venstre aus und gründete im Juni 2021 die Moderaterne, deren Vorsitzender er seitdem ist. In der Regierung Frederiksen II wurde er im Dezember 2022 zum Außenminister Dänemarks ernannt. Dieses Amt übt er auch in der Regierung Frederiksen III aus, die seit dem 3. Juni 2026 besteht.
Lars Løkke Rasmussen wurde als Sohn des Rechnungschefs Jeppe Løkke Rasmussen und der Hausfrau Lise Løkke Rasmussen geboren. 1971 zog die Familie nach Græsted nördlich von Kopenhagen. Er besuchte die Græsted Skole, legte 1983 am Helsinge Gymnasium das Abitur ab und schloss 1992 ein Jurastudium an der Universität Kopenhagen als cand.jur. ab. Von 1990 bis 1995 arbeitete Løkke als selbstständiger Berater. Er ist seit 1989 mit der färöischen Lehrerin Sólrun Jákupsdóttir Petersen verheiratet und Vater dreier Kinder, darunter Bergur Løkke Rasmussen. 2012 zog die Familie von Græsted nach Kopenhagen. Die Familie war häufig auf den Färöer-Inseln; die Kinder des Paares sprechen die färöische Sprache. Rasmussen veröffentlichte unter anderem Foreningshåndbogen (1994), Hvis jeg bli'r gammel (1997), Om de fleste og det meste (2020) und Ud af det blå (2021) und war Gesprächspartner mehrerer Bücher über seine politische Laufbahn.
Lars Løkke Rasmussen ist nach Poul Nyrup Rasmussen und Anders Fogh Rasmussen der dritte dänische Ministerpräsident, der den Nachnamen „Rasmussen“ trägt, ohne mit einem seiner beiden Vorgänger verwandt zu sein. Aufgrund solcher Häufung ist es in Dänemark üblich, Personen mit ihrem Mittelnamen zu unterscheiden: Nyrup Rasmussen, Fogh Rasmussen und Løkke Rasmussen. Als Kurzbezeichnungen werden Vor- und Mittelname oder nur der Mittelname benutzt: Lars Løkke bzw. nur Løkke. Løkke ist in diesem Fall der Geburtsname der Mutter.
Løkke war von 1986 bis 1989 Vorsitzender der Venstres Ungdom, der Jugendorganisation der Venstre. 1986 zog er in den Stadtrat der damaligen Kommune Græsted-Gilleleje ein, dem er bis 1997 angehörte. Dort stieg er 1994 zum Ersten Stellvertretenden Bürgermeister auf und wurde 1998 Amtsbürgermeister des damaligen Amtes Frederiksborg, dessen Teil Græsted-Gilleleje war. Von 1998 bis 2001 war er Amtsbürgermeister von Frederiksborg Amt, von 1998 bis 2009 stellvertretender Vorsitzender von Venstre und von 2009 bis 2019 Vorsitzender der Partei. Løkke kandidierte bereits bei den Folketingswahlen 1987, 1988 und Folketingswahl 1990 im Frederiksborg Amtskreds, erhielt allerdings erst bei der Folketingswahl 1994 ein Mandat.
Minister in den Regierungen Anders Fogh Rasmussen
Nach dem Regierungswechsel 2001 holte Anders Fogh Rasmussen Løkke als Innen- und Gesundheitsminister in seine erste Regierung. Als Innen- und Gesundheitsminister war er maßgeblich an der Ausarbeitung der Strukturreform beteiligt, durch die 2007 die 271 dänischen Kommunen zu 98 zusammengefasst, die Ämter aufgelöst und stattdessen fünf vor allem für die Gesundheitsversorgung zuständige Regionen geschaffen wurden. Zugleich trug er zur Einführung von Behandlungsgarantie und Krebspaketen bei. Auch nach der Folketingswahl 2005 blieb Løkke Gesundheitsminister und forcierte u. a. den Ausbau des privaten Krankenhaussektors, unter anderem, indem er die Möglichkeiten der Krankenhauswahl für Patienten ausweitete. Nach der Folketingswahl 2007 war er Finanzminister im dritten Kabinett Fogh Rasmussen.
Erster Zeitraum als Ministerpräsident
Nachdem die NATO-Mitgliedsländer Anders Fogh Rasmussen als neuen NATO-Generalsekretär designiert hatten, stand Lars Løkke Rasmussen als Nachfolger in Regierung und Partei fest. Die Ernennung zum Ministerpräsidenten fand am 5. April 2009 durch die Königin Margrethe II. statt. Seine erste Regierung amtierte vom 5. April 2009 bis zum 3. Oktober 2011 als Koalition aus Venstre und Konservativer Volkspartei. Für Mehrheiten im Parlament war diese Regierung weiterhin auf die rechtspopulistische Dänische Volkspartei angewiesen. Im August 2011 kündigte Løkke Neuwahlen an, die zwei Monate früher als geplant am 15. September 2011 stattfanden. Zwar konnte seine Partei Stimmengewinne verbuchen, das von Løkke angeführte Mitte-rechts-Bündnis verpasste aber eine parlamentarische Mehrheit. Løkke reichte daraufhin am 16. September 2011 seinen Rücktritt ein. Am 3. Oktober 2011 schied Løkke mit der Ernennung seiner Nachfolgerin Helle Thorning-Schmidt durch Königin Margrethe II. aus dem Amt.
Zweiter Zeitraum als Ministerpräsident und Bruch mit Venstre
Bei der Folketingswahl 2015 wurde Løkkes Partei Venstre nur noch drittstärkste Partei hinter den Sozialdemokraten und der Dänischen Volkspartei. Dennoch konnte der sogenannte „Blaue Block“ aus Venstre, Dänischer Volkspartei, Liberaler Allianz und Konservativen eine Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen; Venstre unter Løkkes Führung wurde wiederum Regierungspartei. Er wurde zum zweiten Mal Ministerpräsident (siehe Regierung Lars Løkke Rasmussen II). Kurz danach verschärfte sich die Flüchtlingskrise in Europa. Im November 2016 wurde die Regierung zu einer Koalition aus Venstre, Liberal Alliance und Det Konservative Folkeparti erweitert. Im Wahlkampf 2019 öffnete Rasmussen sich mit dem Gesprächsbuch Befrielsens øjeblik für eine Zusammenarbeit mit Socialdemokratiet. Nachdem die Venstre bei der Folketingswahl 2019 zwar Stimmen dazugewann, der „Blaue Block“ seine Mehrheit im Parlament jedoch verlor, zog er sich vom Parteivorsitz zurück. Am 21. September 2019 folgte ihm Jakob Ellemann-Jensen als Venstre-Vorsitzender nach.
Moderaterne und Außenministerium
Am Neujahrstag 2021 trat Løkke aus der Venstre aus. Er drückte dabei seine Unzufriedenheit mit der bisherigen Blockpolitik aus, die eine breite Zusammenarbeit aus der politischen Mitte verhindere und stattdessen zu Symbolpolitik und ultimativen Forderungen der politischen Flügel führe. Als fraktionsloser Abgeordneter startete er danach das Debattenforum Det Politiske Mødested, aus dem das Parteiprojekt der Mitte Moderaterne hervorging. Løkke gründete schließlich die neue Partei Moderaterne (Die Moderaten) mit sich selbst als politischem Leiter und Gründungsvorsitzenden. Nachdem die Partei die notwendigen Unterschriften zur Zulassung zur Folketingswahl 2022 erhalten hatte, kündigte er an, die Moderaterne als Partei der Mitte zu positionieren und darauf zu verzichten, sich vor der Wahl dem „Roten“ oder „Blauen Block“ anzuschließen. Die Partei versteht sich als Kraft der politischen Mitte, die die traditionelle rote und blaue Blockpolitik überwinden und pragmatische Lösungen fördern will. Bei der Folketingswahl 2022 wurden die Moderaterne aus dem Stand drittgrößte Partei und wurden erfolgreich zum Zünglein an der Waage, da keiner der beiden traditionellen Blöcke eine Mehrheit erreichte. Mit der SVM-Regierung aus Socialdemokratiet, Moderaterne und Venstre erfüllte sich Løkkes Ziel einer Mitte-Regierung. Er wurde dabei am 15. Dezember 2022 zum Außenminister Dänemarks ernannt.
Folketingswahl 2026 und Regierungsverhandlungen
Im März 2026 wurde Løkke ohne Gegenkandidaten als politischer Leiter der Moderaterne wiedergewählt. Bei der Folketingswahl 2026 kam Moderaterne auf 274.775 Stimmen und 14 Mandate.
In den Regierungsverhandlungen nach der Folketingswahl vom 24. März 2026 verfügten die Moderaterne erneut über entscheidende Mandate. Løkke Rasmussen setzte sich erneut für eine breite Koalition über die Mitte hinweg ein. Erste Regierungsverhandlungen mit Mette Frederiksen scheiterten am 8. Mai 2026, da Løkke Rasmussen es zunächst ablehnte, eine Regierung auf Basis der Stimmen der Enhedslisten zu bilden. Er unterstützte stattdessen Troels Lund Poulsen als Verhandlungsführer, doch auch dessen Vorschlag einer bürgerlichen Minderheitsregierung aus Venstre, Liberal Alliance und Det Konservative Folkeparti konnte er nicht unterstützen. Insbesondere die Abhängigkeit von der Dansk Folkeparti lehnte Løkke strikt ab. So unterstützte nun auch Løkke eine Koalition mit der Socialdemokratiet, der Socialistisk Folkeparti und der Radikale Venstre, die sich auf die Unterstützung der Enhedslisten stützt. Die Regierungsverhandlungen konnten Anfang Juni 2026 abgeschlossen werden. In der Regierung Frederiksen III setzt Løkke als Außenminister fort.