An diesem Tag

Landmine

Geächtetes Kriegsgerät, gegen Menschen und Fahrzeuge eingesetzt

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Eine Landmine ist eine Explosionswaffe, die ihre Wirkung nach dem Verlegen gegen diejenige Person oder den Gegenstand richtet, durch die sie ausgelöst wird, etwa durch Annäherung oder Darauftreten. Neben Landminen gibt es auch Seeminen. Landminen werden industriell gefertigt, wohingegen Sprengfallen improvisiert sind.

Die an der ehemaligen innerdeutschen Grenze eingesetzte Splittermine Modell 1970 (SM-70) ist besser bekannt als Selbstschussanlage. Landminen sind ethisch umstritten, weil sie unterschiedslos wirken und nach einem Konflikt noch lange eine Gefahr für die Bevölkerung darstellen können. Am 1. März 1999 trat die Ottawa-Konvention zur Ächtung von Antipersonenminen in Kraft.

Das Legen von Fallen wurde von den Menschen ursprünglich zur Jagd entwickelt. Die militärische Verwendung von Fallen reicht ebenfalls weit zurück. Die Soldaten des Römischen Reichs nutzten diese Waffen systematisch (→ siehe Wolfsangel, Wolfskuhle). Sie verlegten Krähenfüße, schlugen spezielle Metalldornen mit Widerhaken in kleine Pfähle, die dann kaum sichtbar aus dem Boden hervorragten, und hoben Gruben aus, die sie mit angespitzten Pfählen versahen und zur Tarnung bedeckten (sogenannte Lilia).

In China wurde das Schwarzpulver spätestens im 13. Jahrhundert als Sprengmittel in Bomben eingesetzt. Die ersten als Minen kategorisierten Waffen wurden im Kreis Togtoh in der Inneren Mongolei von Archäologen gefunden. Diese stammen von den Kämpfen im Jahre 1368 und wurden von der Ming-Dynastie als Belagerungswaffe gegen die Yuan-Dynastie genutzt. Es handelt sich um bis zu 1,7 kg schwere Hohlkugeln aus Eisen mit 11 cm Durchmesser, die mit Schwarzpulver gefüllt waren. Es gab auch Exemplare aus Keramik.

Der Begriff Mine leitet sich allerdings von Stollen ab, welche man unter feindliche Befestigungen grub, um die Mauern durch Unterminierung zum Einsturz zu bringen. Um den Effekt zu vergrößern und um die Mineure zu schützen, wurde die Mine solide mit Holz abgestützt, dann leicht brennbares Material eingebracht und angezündet. Sobald die tragenden Elemente weggebrannt waren, stürzte der darüberliegende Festungsteil ein. Durch Benutzung von Schießpulver wurden diese Stollen noch wirksamer (siehe: Minenkrieg). Als Reaktion darauf trieben die Verteidiger Gegenminen unter dem Vorfeld der Festung und sprengten diese, wenn die Minenarbeiten der Angreifer gehört wurden.

Seit dem 16. Jahrhundert waren Fougassen bekannt, welche als Annäherungshindernis ins Erdreich eingesenkt wurden und die man per Zündschnur explodieren ließ, wenn der Angreifer über sie hinwegging. Hauptsächlich wurden diese Minen im Vorfeld von Festungen installiert, seltener im offenen Feldkrieg.

Der Augsburger Büchsenmacher Samuel Zimmermann entwickelte 1547 eine selbstauslösende Mine, basierend auf dem Prinzip des Schnappschlosses. Diese Erfindung setzte sich allerdings nur langsam im Militär durch. Schwarzpulver ist hygroskopisch (feuchtigkeitsanziehend) und lässt sich schwer vor Nässe im Erdreich schützen. Erst Johann Friedrich von Flemming beschreibt 1726 in Der vollkommene Teutsche Soldat die militärische Verwendung selbstauslösender Minen.

Der Krimkrieg (1853–1856) gilt als erster Krieg, in dem selbstauslösende Landminen zielgerichtet eingesetzt wurden. Die Russen setzten druckempfindliche Zünder ein, die Moritz Hermann von Jacobi in Zusammenarbeit mit Immanuel Nobel im Jahr 1840 für Seeminen entwickelte. Es war ein chemischer Zünder, der aus einem Glasröhrchen mit Schwefelsäure sowie einem Stoffgemisch aus Kaliumchlorat und Zucker bestand. Wenn das Glas zerbarst, vermischten sich die Komponenten und erzeugten eine heftige chemische Reaktion, welche den Sprengstoff zündete.

Die ersten „modernen“ Minen (mechanischer Zünder, Sprengstoff und Splittermaterial in einem) wurden während des Sezessionskriegs eingesetzt. Sie bestanden aus Artilleriegranaten mit improvisiertem Zünder, waren also streng genommen improvisierte Sprengfallen. Am 4. Mai 1862 legten konföderierte Truppen unter Brigadegeneral Gabriel J. Rains bei der Belagerung von Yorktown (1862) an der Redoute Nummer 4 die ersten Minen, die wenig später auch Opfer forderten.

Die improvisierten Landminen wurden danach bei weiteren Konflikten wie dem Zweiten Burenkrieg oder dem Russisch-Japanischen Krieg eingesetzt, aber eher sporadisch und nicht flächendeckend.

Im Ersten Weltkrieg wurden die ersten industriell hergestellten Minen benutzt.

Zwischen den Weltkriegen wurde die Minenentwicklung stark forciert; es wurden neue Typen von Antipersonen- und Antipanzerminen entwickelt und in Massenproduktion hergestellt. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese extensiv genutzt, vor allem in Nordafrika sowie der Sowjetunion. Geschätzt wurden etwa 300 Millionen Antipanzerminen und eine noch höhere Zahl Antipersonenminen verlegt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden weitere Minentypen entwickelt, so die Antipersonenrichtmine (M18 Claymore). Auch neuartige Panzerabwehrminen wurden entwickelt, die aber eher stationäre Panzerabwehrraketen sind und mit den ursprünglichen Sprengminen keine Ähnlichkeit mehr haben. Durch die Luftwaffe, die eine immer stärker werdende Unterstützungsrolle im Bodenkrieg einnimmt, werden Wurfminen wie die Schmetterlingsmine eingesetzt.

Die Deutsche Demokratische Republik verlegte zur Verhinderung der Flucht ihrer Bürger in den Westen ab Errichtung der Berliner Mauer im Jahr 1961 an der 763 km langen innerdeutsche Grenze etwa 1,3 Millionen Landminen. Auf Druck der Bundesrepublik Deutschland wurden die Landminen 1984 geräumt und die Selbstschussanlagen abgebaut.

Der asymmetrische Vietnamkrieg (1955–1975) veränderte den Einsatz von Landminen, weil dort die meiste Zeit über klare Fronten fehlten. Zwar führte 1943 im Zweiten Weltkrieg die Rote Armee hinter feindlichen Linien der Wehrmacht einen Guerillakrieg, der Landminen einbezog, aber die Taktik der Vietcong stützte sich auf diese. Die Vietcong verlegten Minen an Straßen und Pfaden, welche die amerikanischen Soldaten benutzten. Die Taktik erwies sich als sehr effektiv; zeitweise waren Landminen für drei Viertel aller Fahrzeugverluste der Amerikaner verantwortlich. Die Besatzungen der M113 Transportpanzer legten Sandsäcke auf den Fahrzeugboden, was in manchen Fällen zur Überladung und somit Schäden am Fahrwerk führte. Auch saßen viele Besatzungen lieber auf den Fahrzeugen, als sich im Innenraum aufzuhalten, denn sie schätzten das Risiko auf eine Mine zu fahren für größer ein, als beschossen zu werden. Neben Minen des Warschauer Paktes nutzten die Vietcong viele improvisierte Sprengvorrichtungen, aber auch mechanische Fallen wie Punji-Stöcke oder Krähenfüße. Die Amerikaner probierten einige Maßnahmen, jedoch nur mit mäßigem Erfolg. Minenpflüge und -walzen konnten nur sehr begrenzt eingesetzt werden. Minenspürhunde waren effektiv, aber ihre Zahl war gering. Letztendlich blieben wachsame und geschulte Augen sowie Metalldetektoren Mittel der Wahl.

Die Vereinigten Staaten reagierten mit der Entwicklung und massenhaftem Einsatz von Streuminen. Schon im Zweiten Weltkrieg nutzte die Wehrmacht die Splitterbombe SD 2 mit besonderen Zündern als Mine, aber nur im kleinen Umfang. Die Amerikaner entwickelten in den 1960er Jahren mehrere Streuminen: Wide-Area Anti-Personnel Mine (BLU-42/54), Dragontooth (BLU-43/44) und die Gravel mine. Die Gravel (deutsch: Kies) Mine gab es als in einer großen und kleinen Ausführung. Alle diese Streuminen, bis auf die kleine Gravel-Mine, verfügten über eingebaute Selbstneutralisierung nach einer bestimmten Zeitspanne ab der Verlegung.

Ab den 1970er Jahren wird Elektronik in Landminen verwendet, so z. B. in den amerikanischen Minen des Programms Family of Scatterable Mines. Somit lässt sich unter anderem eine Selbstzerstörung der Mine nach einer festgelegten Zeit realisieren.

In asymmetrischen Konflikten werden Antipersonenminen häufig durch unkonventionelle Sprengvorrichtungen ersetzt, weil Antipersonenminen den irregulären Kräften nicht zur Verfügung stehen. Auch wenn eine flächendeckende Verminung mit improvisierten Mitteln kaum möglich ist, stellen diese eine Gefahr für die Zivilbevölkerung nach dem Konflikt dar. Medizinische Untersuchungen ergaben, dass unkonventionelle Sprengvorrichtungen den Opfern oft viel schwerere Verletzungen zufügen als Landminen.

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