Graf Lamoral von Egmond, Fürst von Gavre (Gavere) (* 18. November 1522 auf Schloss Lahamaide im Hennegau; † 5. Juni 1568 in Brüssel; manchmal auch Egmont geschrieben), war Statthalter von Flandern und Artois, Heer der Hohen Herrlichkeit von Purmerend, Purmerland und Ilpendam, Baron von Fiennes, Herr von Hoogwoud und Aartswoud, Sotteghem, Armentières und Auxy. Auch trat er kurzzeitig als Fürst von Steenhuize auf.
Als einer der einflussreichsten niederländischen Herrscher und Adligen machte er sich zunächst als Feldherr in spanischen Diensten in den Schlachten bei St. Quentin und bei Gravelines gegen Frankreich verdient. Als Statthalter von Provinzen vertraten er und Wilhelm von Oranien gegenüber dem spanischen König Philipp II., dem Souverän der Spanischen Niederlande, die Rechte der niederländischen Stände. Als der König den Herzog von Alba mit einem Heer in die Niederlande schickte, um Aufstände der Protestanten und den auf seine feudalen Rechte bestehenden Adel niederzuschlagen, setzte sich Oranien nach Deutschland ab, während Egmond den Herzog begrüßte. Doch dieser ließ ihn und den Grafen von Hoorn verhaften, machte ihnen wegen Hochverrats den Prozess vor seinem Blutrat und ließ beide (mit zahlreichen weiteren Adligen) am 5. Juni 1568 auf dem Großen Markt in Brüssel enthaupten.
Lamoral von Egmond entstammte der alten niederländischen Adelsfamilie der Egmonds, die seit dem 11. Jahrhundert die Schirmvogtei über die Benediktinerabtei Egmond bei Alkmaar in Nordholland besaß und in der Nähe eine im 16. Jahrhundert zerstörte Burg erbaute. Sein Vater war Johann IV. von Egmond, seine Mutter Franziska von Luxemburg, Gräfin von Gavre, Tochter von Jakob II. von Luxemburg-Fiennes, über die er die Grafschaft Gavere (Gaure) erbte, dessen erster Fürst Lamoral 1540 wurde.
Lamoral von Egmond ehelichte am 8. April 1544 in Speyer die Pfalzgräfin Sabine von Pfalz-Simmern (* 13. Juni 1528; 19. Juni 1578), Tochter des Pfalzgrafen Johann II. von Simmern (1492–1557), aus dem Hause Wittelsbach. Die Wittelsbacherin Sabina ist in den Niederlanden bekannt unter dem Namen „Sabine von Bayern“. Egmont erwarb 1559 ein Gebiet südwestlich von Rotterdam, das er einpoldern und zu Ehren seiner Ehefrau „Beijerland“ (siehe: Oud-Beijerland) nennen ließ. Das Ehepaar lebte mit elf Kindern in glücklicher und kinderreicher Ehe.
Philip (* 1558; † 14. März 1590) ⚭ 1579 Marie von Horn
Lamoral († 23. Mai 1617) ⚭ 1608 Marie de Pierrevive
Karl (* 1567; † 18. Januar 1620), Gouverneur von Namur ⚭ 1590 Marie de Lens, Baronesse d’Aubigny
Eleonore († 1582) ⚭ 1574 Georg von Horn († 1608), Graf von Houtekercke
Madeleine ⚭ Floris van Stavele, Graf von Herlies
Maria Christina (* 1554; † 1622)
⚭ 1579 Eduard von Bournonville (* 1533; † 28. Dezember 1585), Graf von Henin-Lietard; ⚭ 1587 Wilhelm von Lalaing (1563–1590), Graf von Hoogstraten und Renneburg; ⚭ Karl II. von Mansfeld-Friedeburg (1543–1595)
Sabina (* 1562; † 21. Juni 1614) ⚭ 1595 Graf Georg Eberhard von Solms (* 30. Juli 1563; † 23. Februar 1602)
Johanna (* 1563), Priorin in Brüssel
In verschiedenen Feldzügen diente er Kaiser Karl V. (1541 in Algier, 1544, 1546 und 1552 in Deutschland und gegen Frankreich) und erwarb sich den Ruhm eines tapfern und verwegenen Soldaten. 1542 wurde er durch den Tod seines Bruders Karl I. von Egmond Statthalter der Provinz Holland und anderer Güter. Karl V. erhob die Grafschaft Gavere für Lamoral von Egmond zum Fürstentum, beschnitt jedoch deren hergebrachte Herrschaftsrechte, weshalb Egmond den Fürstentitel nicht führte. Als 1538 mit Karl von Egmond die ältere Linie der Familie ausstarb, die seit 1423 das Herzogtum Geldern (als Erben der Fürsten von Jülich-Geldern) regiert und dessen Selbständigkeit gegen die Burgunderherzöge sowie die Habsburger verteidigt hatte, fiel Geldern nicht an die jüngere Linie, also Lamoral, sondern wurde von Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg besetzt, der es aber nach einem verlorenen Krieg 1543 im Vertrag von Venlo an Karl V. abtreten musste, welcher es an sein Herzogtum Burgund angliederte. 1546 erhielt Egmond den Orden vom Goldenen Vlies.
1554 stand er an der Spitze der Gesandtschaft, welche den Ehevertrag des Infanten Philipp II. mit der englischen Königin Maria I. zu unterzeichnen hatte; dann ging er nach Spanien, um seinen neuen Souverän zu begrüßen.
Im spanisch-französischen Krieg 1557–1559 spielte er eine hervorragende Rolle und zeichnete sich namentlich in den Schlachten bei St. Quentin und bei Gravelines aus. 1559 machte ihn König Philipp II. zum Statthalter von Flandern und Artois. In den nun beginnenden niederländischen Unruhen gehörte Egmond zu den unzufriedenen Großen, welche sich der straffen Zentralisation der niederländischen Verwaltung und der streng katholischen Politik Philipps II. widersetzten und ein aristokratisches Regiment sowie ein gewisses Maß religiöser Toleranz durchsetzen wollten.
Als der König 1559 nach Spanien zurückkehrte, setzte er als Statthalterin seine Halbschwester Margarethe von Parma ein, da er weder Egmond noch Wilhelm von Oranien, den beiden populären Anführern des niederländischen Adels, hinreichend traute. Sie wurden mit einträglichen Statthalterschaften über Teilprovinzen abgefunden, Egmond über Artois und Flandern, der Oranier über Holland, Seeland und Utrecht. Seiner Schwester stellte der König den Minister Kardinal Granvelle zur Seite, der – ohne Zustimmung der Stände – sogleich 13 neue Bistümer schuf und sie mit Vertrauten besetzte, welche von den einheimischen Klöstern bezahlt werden mussten. Der Herzogin von Parma empfahl Egmond sich als besondere Stütze und erlangte ihr Vertrauen. Die Führer der Adelsopposition, Egmond, Oranien und der Graf von Hoorn, verlangten in einem Schreiben an den König die Abberufung des herrschsüchtigen und habgierigen Prälaten, die jedoch nicht erfolgte. Erst nachdem sie ihn kaum verhüllt verspotteten und erniedrigten und das Volk ihn auf der Straße verhöhnte, ersuchte Granvelle 1564 selbst um seinen Abschied.
Um 1560 erstand Egmond das Fürstentum Steenhuize (Steenhuisen, Steenhuijsen) als Pfand seitens der Familie Van Gruuthuse. Mit seinem Tod 1568 endete dieses Besitzverhältnis wieder.