L’equivoco stravagante ist eine Opera buffa (Dramma giocoso per musica) in zwei Akten von Gioachino Rossini, die zuweilen auch mit einem deutschen Titel wie „Die verrückte Verwechslung“, „Das extravagante Missverständnis“, „Das bizarre Missverständnis“, „Mit List zum Ziele“ oder „Die verkehrte Braut“ versehen wird. Das Libretto stammt von Gaetano Gasbarri. Die Oper wurde am 26. Oktober 1811 im Teatro del Corso in Bologna uraufgeführt.
Gamberotto, ein neureicher Bauer, hat für seine Tochter Ernestina einen zukünftigen Ehemann namens Buralicchio ausgewählt, der reich, aber etwas einfältig ist. Die literarisch sehr interessierte Ernestina wird jedoch von dem mittellosen Ermanno verehrt, der, um seiner Angebeteten nahe zu sein, als Hauslehrer erscheint. Um den Heiratsaspiranten zu diskreditieren, wird mittels eines gefälschten Briefes das Gerücht verbreitet, Ernestina sei in Wirklichkeit ein Kastrat namens Ernesto, der als Mädchen verkleidet sei, um dem Militärdienst zu entgehen. Buralicchio wendet sich daraufhin von der vermeintlich Verkleideten ab und lässt den angeblichen Ernesto festnehmen, der ins Gefängnis abgeführt wird. In einer Soldatenuniform befreit Ermanno das unschuldige Opfer jedoch wieder. Nach weiteren Verwicklungen klärt sich die ganze Situation schließlich zur Zufriedenheit aller Beteiligten, und Ernestina und Ermanno beschließen zu heiraten.
Das Äußere eines alten Schlosses mit einem Tor
Szene 1. Ermanno wartet vor dem Tor darauf, die von ihm angebetete Ernestina sehen zu können (Nr. 1). Seine Freunde, die Bediensteten Frontino und Rosalia, lassen ihn ein. Ein Chor kündet die Ankunft des Hausherrn Gamberotto an. Dieser erscheint und philosophiert darüber, dass Insekten keinen Unterschied zwischen den Rängen der von ihnen geplagten Menschen machen. Frontino, Rosalia und der Chor bewundern seine Weisheit. Frontino stellt ihm Ermanno als den neuen Hauslehrer seiner Tochter Ernestina vor. Gamberotto wünscht, dass er sie in Philosophie unterrichtet.
Szene 2. Frontino und Rosalia versprechen Ermanno ihre Unterstützung. Als erstes müssen sich um den von Ernestinas Vater für sie auserkorenen Ehemann kümmern, den reichen Buralicchio. Sie betreten das Schloss.
Szene 3. Buralicchio besingt seine eigene Schönheit und Anziehungskraft auf das weibliche Geschlecht (Nr. 2). Seine einzige Sorge besteht darin, dass die Braut bei seinem Anblick vor Erstaunen sterben könnte.
Szene 4. Gamberotto begrüßt den zukünftigen Schwiegersohn übertrieben herzlich (Nr. 3). Buralicchio versichert ihm, in seiner Seele bereits eine „Nische“ für Ernestina vorbereitet zu haben. Gamberotto führt ihn fort, um ihn ihr vorzustellen.
Szene 5. Beobachtet von einem Chor von Literaten betrachtet Ernestina verschiedene Bücher und besingt die unerklärliche Leere, die sie im Herzen verspürt (Nr. 4). Der Chor versichert ihr, dass sie bald Trost finden werde. Ernestina vermutet die Liebe als Ursache ihres Leids. Die philosophischen Bücher in ihrer Bibliothek vermögen sie nicht zu beruhigen. Nach einem weiteren hoffnungsvollen Chor verlassen die Literaten den Raum (Nr. 5).
Szene 6. Gamberotto bereitet Ernestina auf die beiden Neuankömmlinge vor – den neuen Philosophie-Lehrer und ihren Bräutigam. Beide warten bereits vor der Tür.
Szene 7. Gamberotto führt Buralicchio und Ermanno in das Zimmer (Nr. 6). Ernestina begrüßt sie freundlich. Sie sieht in Ermanno einen neuen Platon und in Buralicchio den Hochzeitsgott Hymenaios mit der Kerze. Den beiden verschlägt es die Sprache. Gamberotto versucht Buralicchio auf die Sprünge zu helfen, indem er ihm ein Liebesgedicht souffliert. Dieser bringt die Worte jedoch durcheinander, so dass Ermanno das Lachen kaum zurückhalten kann. Ernestina fordert alle auf, ihr zu sagen, was sie an ihr am meisten bewundern. Ermanno nennt ihr sanftes Auge, Buralicchio ihre weichen Wimpern und Gamberotto ihr silbernes Antlitz (wie es ihr Vater hat). Ernestina verkündet nun, dass Ermanno ihren Geist erhalten solle und Buralicchio die „Materie“. Obwohl Buralicchio Ernestinas Versuche in philosophischer Sprache nicht versteht, ist sie zufrieden, denn sie kann endlich ihre Philosophie-Kenntnisse vervollkommnen. Buralicchio dagegen fühlt sich vernachlässigt. Ernestina hat zwar ihm die „Materie“ versprochen, aber die scheint der neue Lehrer zu genießen.
Szene 8. Gamberotto, Frontino und Rosalia haben das lautstark geführte Streitgespräch Buralicchio und Ernestinas gehört und treten dazwischen. Gamberotto fordert Buralicchio auf, seinen Zorn zu erklären, lässt ihn aber nicht zu Wort kommen (Nr. 7). Stattdessen preist er seine Tochter als „das neunte Weltwunder“ („La nona meraviglia“), Ermanno als Doktor der Philosophie, der in Blitzesschnelle einen Mann von einer Frau unterscheiden könne und Buralicchio als „Baum“, der in weniger als einem Jahr sechs Nachkommen („Sei germi in men d’un anno“) zeugen könne. Wenn Buralicchio seinen Verdacht nicht fallenlasse, werde er „mit dem Ätna in der Hand“ in den Kampf ziehen und wie der Trojaner Aeneas „das Meer einäschern“ („Col Mongibello in mano, e qual Enea troiano il mare incenerir“). Ernestina fühlt sich zu Unrecht von Buralicchio beleidigt.
Szene 9. Nachdem Ernestina, Gamberotto und Buralicchio gegangen sind, unterhalten sich Frontino und Rosalia über die Erfolgsaussichten Ermannos. Sie wollen ihm Ratschläge geben, damit er sich nicht unbedacht verrät. In der folgenden Arie besingt Rosalia die Schläue Amors, der sich nicht verstecken lassen will (Nr. 8).
Szene 10. Ernestina fragt Ermanno um Rat, wie sie sich Buralicchio gegenüber verhalten soll. Trotz der Beleidigung glaubt sie, ihn zu lieben, denn es sei jetzt üblich, den Verlobten mindestens eine halbe Woche lang anzubeten. Als Ermanno sie fragt, ob sie nach Ablauf dieser Zeit glücklich mit einem ungeliebten Mann leben könne, antwortet sie, dass die Heirat für ihren Vater nützlich sei. Könnte sie denn, um glücklich zu werden, einen Anderen finden? Ermanno bejaht diese Frage im folgenden Duett und gesteht ihr seine Liebe (Nr. 9).
Szene 11. Gamberotto versichert Buralicchio, dass seine Tochter gar nicht fähig dazu sei, die Ehre seiner Familie zu beschädigen. Er will die Vorwürfe gerichtlich untersuchen, denn – wie er der noch immer gekränkten Ernestina erklärt – gilt er als „zweifelhafter Vater“ („un dubbio genitor“), bis ihre Unschuld erwiesen ist. Ernestina antwortet mit umständlichen (philosophischen) Worten, dass Buralicchios Vorwürfe lediglich Truggebilde seiner Eifersucht seien. Gamberotto ist beeindruckt und beschimpft Buralicchio als „wildes Tier“ („bestia“). Ernestina ist erleichtert. Die drei versöhnen sich wieder und verlassen die Szene in gegenseitiger Umarmung (Nr. 10).
Szene 12. Ermanno ist erschüttert über die Versöhnung Ernestinas mit seinem Rivalen. Frontino und Rosalia versuchen vergeblich, ihn zu beruhigen. Ernestina hat seine Reaktion aus der Ferne beobachtet. Sie würde ihn gern erhören, muss aber die Würde ihres Ranges berücksichtigen. Ermanno, der Ernestina bemerkt hat, gibt vor, sich töten zu wollen. Rosalia und Frontino rufen um Hilfe. Ernestina tritt hinzu. Ermanno ergreift ihre Hand und küsst sie.
Szene 13. Buralicchio und Gamberotto überraschen das Paar. Nun scheint Ernestinas Schuld erwiesen. Gamberotto verlangt, dass Ermanno das Schloss verlässt. Allgemeines Chaos bricht aus, bis der Chor das Nahen einer Militärkolonne meldet und zur Ruhe auffordert.
Szene 1. Frontino berichtet einer Gruppe neugieriger Bauern von den Geschehnissen im Schloss (Nr. 11).
Szene 2. Frontino erzählt Rosalia von seinem Plan, Buralicchio loszuwerden (Nr. 12). Zu diesem Zweck hat er einen Brief vorbereitet. Als er Buralicchio kommen sieht, lässt er den Brief auf den Boden fallen und versteckt sich hinter einer Tür. Rosalia geht.