An diesem Tag

Kurt Vonnegut

US-amerikanischer Schriftsteller

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Kurt Vonnegut, Jr. (* 11. November 1922 in Indianapolis; † 11. April 2007 in New York) war ein US-amerikanischer Schriftsteller, der unter anderem durch seine satirischen Science-Fiction-Romane bekannt wurde.

Kurt Vonneguts Eltern waren der Architekt Kurt Vonnegut und Edith Vonnegut, geborene Lieber, die Tochter eines Bierbrauers. Beide Eltern entstammten deutschen Familien, die aus dem westfälischen Münsterland in die USA eingewandert waren. Kurt hatte zwei ältere Geschwister, Bernard (1914–1997) und Alice André (1917–1958).

Vonnegut besuchte von 1936 bis 1940 die Shortridge High School in Indianapolis und sammelte erste schriftstellerische Erfahrungen an der Schülerzeitung The Shortridge High School Echo. Anschließend studierte er Biochemie an der Cornell University und arbeitete in dieser Zeit als Redakteur und Kolumnist für die Collegezeitung Cornell Sun.

Anfang 1943 meldete er sich als Freiwilliger zur U.S. Army. Kurz bevor Vonnegut nach Europa verlegt wurde, nahm sich seine Mutter wegen Depressionen das Leben. Im Dezember 1944 diente er in der 106. Infanteriedivision als Soldat in einer Aufklärungseinheit während der Ardennenoffensive. Die angesichts eines Durchschnittsalters von 22 Jahren unerfahrenen Einheiten der 106. Infanteriedivision wurden dabei teilweise aufgerieben. Am 22. Dezember 1944 geriet Vonnegut in deutsche Kriegsgefangenschaft und erlebte vom 13. bis 15. Februar 1945 die Luftangriffe auf Dresden und die Zerstörung der Stadt durch alliierte Bomber. Er überlebte die Bombardements im Keller unter dem Schlachthof Dresden. Diese ihn prägenden Erlebnisse verarbeitete er in seinem bekanntesten Roman Slaughterhouse Five (Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug).

Nach der Rückkehr aus dem Krieg heiratete er am 14. September 1945 seine Jugendfreundin Jane Cox, spätere Yarmolinsky (* 1922 in Indianapolis; † 19. Dezember 1986 in Washington, D.C.). Er kannte sie seit der gemeinsamen Zeit im Kindergarten. Vonnegut begann ein Studium der Anthropologie an der Universität Chicago. Daneben arbeitete er als Polizeireporter und ab 1947 in der Public-Relations-Abteilung von General Electric in Schenectady. 1951 kündigte er die Stelle, um fortan als freier Schriftsteller zu leben. Mehrere Kurzgeschichten und Erzählungen konnte er an US-Zeitschriften verkaufen, im August 1952 erschien sein erster Roman Player Piano mit einer Startauflage von 7.600 Stück. 1954 kaufte Vonnegut für sich und seine Familie auf der Halbinsel Cape Cod ein großes, 200 Jahre altes Haus in West Barnstable, in der Scudder Lane an der Ecke zur Route 6A, wo er bis 1973 überwiegend lebte.

Am 15. September 1958 kam es zu einer dramatischen Zäsur: Vonneguts Schwager, James Carmalt Adams, Jr. kam beim Eisenbahnunfall an der Newark Bay (44 Tote) ums Leben, zwei Tage später starb dessen Frau, Vonneguts Schwester Alice, an Krebs. Vonnegut und seine Frau Jane entschlossen sich daraufhin, alle vier Kinder der Familie Adams zu sich zu nehmen. Drei der vier aufgenommenen Kinder adoptierten sie, das vierte Kind wurde nach kurzer Zeit von einem Verwandten väterlicherseits aufgenommen und adoptiert. Die äußerst aufreibende, aber auch sehr glückliche Zeit mit den nun sechs Kindern schilderte Jane später ausführlich in ihren posthum erschienenen Erinnerungen.

Nachdem Vonneguts erste Romane nur eine vergleichsweise geringe Auflage erreicht hatten, gestaltete sich Slaughterhouse Five (1969), in dem er das Bombardement Dresdens verarbeitete, zu einem enormen Erfolg. Der Roman startete im März 1969 mit einer Auflage von 10.000 Stück, die in wenigen Tagen vergriffen waren, so dass zahlreiche weitere Auflagen folgten. Er wurde in viele Sprachen übersetzt, verfilmt und bald zu einem wichtigen Schlüsselwerk des Pazifismus, insbesondere bei den Gegnern des Vietnam-Kriegs. Das Werk erschien auch in der Sowjetunion, der Tschechoslowakei sowie in der DDR. In späteren Romanen profilierte sich der überzeugte Sozialist als erbitterter Gegner der Kriegspolitik von US-Präsident George W. Bush.

1971 ließen sich Vonnegut und seine Frau Jane scheiden. Sie heiratete später den namhaften Wissenschaftler und Politiker Adam Yarmolinsky (1922–2000).

Die Einnahmen aus seinem schriftstellerischen Schaffen versetzten Vonnegut schließlich in die Lage, sein Haus in Barnstable aufzugeben und sich dafür im Herbst 1973 ein Haus in Manhattan zu kaufen, einen 1860/61 entstandenen Backsteinbau in 228 East 48th Street, unweit vom UN-Hauptquartier. Dort lebte er die folgenden 34 Jahre bis zu seinem Tod. Ein weiteres Haus, das hauptsächlich als Sommersitz diente, erwarb er 1979 in Sagaponack, 620 Sagg Main Street, einem kleinen Ort in den Hamptons. Zu dem 1740 auf einem großen Anwesen errichteten Gebäude gehörte eine Scheune, die der Vorbesitzer, der Künstler Frank Stella, als Atelier genutzt hatte. Sie spielt eine zentrale Rolle in Vonneguts Roman Blaubart (1987), der in der Welt der Künstler des abstrakten Expressionismus spielt. Am 24. November 1979 heiratete er in der New Yorker Methodistenkirche an der 60th Street Ecke Park Avenue in zweiter Ehe die auf Schriftstellerporträts spezialisierte Fotojournalistin Jill Krementz (* 1940), mit der er bereits 15 Jahre zusammengelebt hatte.

Kurt Vonnegut starb am Abend des 11. April 2007 an den Folgen einer Kopfverletzung, die er sich bei einem Sturz in seinem New Yorker Haus zugezogen hatte. Er hinterließ seine zweite Ehefrau, Jill Vonnegut geb. Krementz, und sieben Kinder, die er mit großgezogen hatte. Drei stammten aus seiner ersten Ehe mit Jane Cox, drei weitere von ihm adoptierte Kinder stammten aus der Ehe seiner 1958 an Krebs gestorbenen Schwester Alice, eines war die mit Krementz gemeinsam adoptierte Tochter.

Sein Bruder Bernard Vonnegut war Meteorologe und Erfinder des Wolkenimpfens mit Silberjodid, als er bei General Electric war, wo auch Irving Langmuir daran gearbeitet hatte. Kurt Vonnegut, der zeitweise für die Public-Relations-Abteilung von General Electric arbeitete, diente dies als Material für das Thema einer Modifikation von Wasser (Ice-nine) in seinem Roman Cat’s Cradle.

Vonnegut sah sich als legitimer Nachfahre von Mark Twain, was er schon durch seine äußere Erscheinung zu erkennen gab. Auch gab er seinem ersten Sohn, der 1947 geboren wurde, den Namen Mark. Sein stark philosophisch geprägtes Werk kombiniert auf originelle Weise satirische Elemente mit Science-Fiction, wobei seine Romane vergleichsweise kurz sind. Die Originalausgabe von Slaughterhouse Five umfasst beispielsweise nur 186 Seiten. Kennzeichnend ist daneben eine äußerst einfache Sprache, die teilweise an die Sprache von Kindern erinnert. Außerdem lockert er seine Texte gern mit eigenen, humorvollen Illustrationen auf, die ebenfalls äußerst schlicht gehalten sind. Wichtiges Stilmittel ist mitunter die häufige, refrainartige Wiederholung einer sprichwörtlichen Redewendung. So beschließt er in Slaughterhouse Five viele Abschnitte mit dem lakonischen Spruch „So it goes“ („Wie das so ist“), der an das in Gebeten verwendete „Amen“ gemahnt.

Der Schriftsteller war nicht religiös, sondern stammte aus einer Familie mit langer Freidenkertradition. Er war Ehrenpräsident der American Humanist Association und gehörte zu den Erstunterzeichnern des Humanistischen Manifests III. In Vonneguts Romanen finden sich aber immer wieder Auseinandersetzungen mit der Religion, die er infrage stellte oder gar ad absurdum führte, auf grundlegende Weise erstmals in seinem Frühwerk The Sirens of Titan (1959).

Der Atheist und Humanist Vonnegut sah in der Religion einen Versuch der Menschen, ihre Einsamkeit zu überwinden. Gegen die Einsamkeit, die zuletzt die Kleinfamilie zerstört, setzte Kurt Vonnegut in dem Roman Slapstick die Utopie einer (künstlichen) Großfamilie. Kurt Vonnegut äußerte sich skeptisch über das Gelingen der Liebe und deren Wohltaten. Die Menschen brauchten nach seiner Auffassung weniger Liebe als vielmehr allgemeinen Anstand im Umgang miteinander.

In manchen Geschichten taucht sein fiktives Alter Ego Kilgore Trout auf. Das reale Vorbild für Trout war vermutlich der mit Vonnegut befreundete Science-Fiction-Schriftsteller Theodore Sturgeon. Hatte Vonnegut einige unausgereifte Ideen oder Geschichtsfragmente, die ihm zu skurril geraten waren, zu Papier gebracht, schrieb er sie gerne dem „längst vergriffenen Science-Fiction-Autor Kilgore Trout“ zu. Spekulationen zufolge leitet sich Kill-Gore-Trout (zu deutsch quasi: Schlachte die Forelle aus) von einer in Timequake beschriebenen Anekdote um Hemingways Der alte Mann und das Meer ab, doch ist auch die Verbindung sturgeon-trout, auf Deutsch Stör bzw. Forelle naheliegend. In Alan Rudolphs Filmadaption von Breakfast of Champions wird Kilgore Trout von Albert Finney dargestellt.

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