An diesem Tag

Kurt Krenn

Österreichischer Geistlicher

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Kurt Krenn (* 28. Juni 1936 in Neustift im Mühlkreis, Oberösterreich; † 25. Jänner 2014 in Gerersdorf, Niederösterreich) war ein österreichischer Geistlicher. Er wurde 1987 Weihbischof der Erzdiözese Wien und war von 1991 bis 2004 Diözesanbischof von St. Pölten.

Kurt Krenn wurde am 28. Juni 1936 in Rannariedl, in der Gemeinde Neustift im Mühlkreis in Oberösterreich, als zweites von sechs Kindern des Ehepaares Karl und Leopoldine Krenn geboren. Die Eltern Krenns waren 1941 aus der Kirche ausgetreten. Zwei ihrer Kinder waren am Ende des Zweiten Weltkrieges ungetauft. Der Vater Krenns war Lehrer und fiel im Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg trat die Familie wieder in die katholische Kirche ein. Krenn besuchte die Volksschule in Oberkappel und legte die Matura am Gymnasium der Abtei Schlierbach ab. Sein Bruder Herwig war Universitätsprofessor für Romanistik in Bochum.

Studium, Priesterweihe, wissenschaftliche Tätigkeit

Krenn trat 1954 in das Priesterseminar in Linz ein und studierte von 1955 bis 1965 Philosophie und Theologie an der Gregoriana sowie Kirchenrecht an der Lateranuniversität in Rom. Er erwarb dabei Lizentiatsabschlüsse in Theologie und Kanonischem Recht sowie das Doktorat in Philosophie mit einer Dissertation über „Sinn des Seins in der Befindlichkeit der Partizipation“ bei Thomas von Aquin. Am 7. Oktober 1962 wurde er in der Kirche Sant’Ignazio in Rom zum Priester geweiht und war dann in der Pfarrei Capena – am Rand von Rom – als Seelsorger tätig.

Nach Studienaufenthalten in Tübingen (1966–1967) und München (1967–1970), wo er als Assistent bei Wilhelm Keilbach an der theologischen Fakultät tätig war, war er von 1970 bis 1975 Professor für Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Linz. Im Jahr 1975 wurde er als Ordentlicher Professor auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg berufen, den er bis 1987 innehatte. Er war von 1978 bis 1994 Mitherausgeber des Archivs für Religionspsychologie, seit 1985 war er Mitherausgeber der Zeitschrift Forum Katholische Theologie, einer konservativen Abspaltung der Münchener Theologischen Zeitschrift.

Am 3. März 1987 wurde Krenn durch Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof der Erzdiözese Wien (als Bischofsvikar für Kunst, Kultur und Wissenschaft) und Titularbischof von Aulon ernannt. Noch vor ersten öffentlichen Äußerungen Krenns gab es Proteste gegen seine Ernennung, die sich im Rahmen seiner Bischofsweihe am 26. April 1987 noch steigerten. Bei seinem Weg zur Weihe im Wiener Dom durch Kardinal Hans Hermann Groër brauchte er Polizeischutz, weil Demonstranten sich ihm in den Weg gelegt hatten. Der Widerstand gegen seine Ernennung führte schließlich zur Gründung der kritischen Zeitschrift Kirche intern.

Am 11. Juli 1991 erfolgte die Ernennung durch Johannes Paul II. zum Bischof der Diözese St. Pölten, seine Amtseinführung fand am 15. September desselben Jahres statt. Am 1. November 1991 nahm er den als Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz geweihten Priester Reinhard Knittel als theologischen Referenten auf, was er bis zur Bekanntgabe im diözesanen Amtsblatt bestritt. Krenn war Vorsitzender der Finanzkommission der Österreichischen Bischofskonferenz und zugeordneter Referatsbischof für den Bereich Sport.

Krenn war häufig Gast in den Medien und trat oft in Talkshows und Diskussionsrunden deutscher und österreichischer Fernsehanstalten auf. Unter dem Pseudonym Christianus schrieb er eine Kolumne in der Kronen Zeitung; darin ergriff er auch für sich selbst in seiner Rolle als Bischof Partei und betrieb „Propaganda in eigener Sache“. Anfangs geschah dies verdeckt, bis die Identität von Krenn als Christianus offen gelegt wurde. Krenn stellte sich gegen einen EU-Beitritt der Türkei, warnte vor einer „Islamisierung Europas“ und erklärte, Vernunft sei „nicht die Linie“ dieser Religion, und Terrorismus habe „auch immer etwas mit dem Islam zu tun“.

Mit dem Bischof von Feldkirch, Klaus Küng, dem ehemaligen Regionalvikar (Leiter) des Opus Dei in Österreich, stand er an der Spitze der restaurativen Gruppe in der österreichischen Bischofskonferenz. Als Verantwortlicher für die Studentenseelsorge übergab er die Wiener Karlskirche an das Opus Dei und wirkte an der von Opus-Dei-Priestern betreuten deutschen Buchreihe „Sinn und Sendung“ (EOS-Verlag) mit. Krenn äußerte als Weihbischof Verständnis für den antisemitischen Kult um den vorgeblich von Juden ermordeten Anderl von Rinn.

Vehement verurteilte er Scheidungen und Schwangerschaftsabbrüche. Krenn hatte die Ablehnung des Vatikans der Pille danach für Vergewaltigungsopfer im Gefolge des Kosovokriegs damit begründet, dass dies ein „göttliches Gesetz“ sei. Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn kritisierte Krenns Aussagen.

Positiv äußerte Krenn sich über Jörg Haider, den ehemaligen Vorsitzenden der FPÖ, und warnte vor einer „dritten Türkenbelagerung“. Umgekehrt bezeichnete Haider Krenn als „Gottes wackeren Kugelblitz“. Zu Krenns persönlichen Freunden zählte auch Ewald Stadler (FPÖ). Den Dialog für Österreich lehnte er ab, da dessen Forderungen „schlicht unkatholisch“ seien.

Krenn sprach sich gegen weibliche Ministranten aus. Im Zusammenhang mit den Konflikten um deren Zulassung forderte Krenn den St. Pöltner Dompfarrer Johannes Oppolzer zum Rücktritt auf, den dieser 1993 verkündete. Daraufhin forderte der Pfarrgemeinderat des Doms Krenn zum Rücktritt auf. Auf die Frage Elmar Oberhausers, was passieren müsse, damit Krenn darüber nachdenke, ob sein Weg der richtige sei, antwortete dieser: „Da müsste der liebe Gott abdanken. Denn ich vertrete ja die Wahrheit, die Gott uns gibt. […] Ich vertrete die ganz normale katholische Lehre.“

Krenn stellte die Existenzberechtigung der Katholischen Männerbewegung (KMB) in Frage, als diese die kirchliche Segnung schwuler und lesbischer Partnerschaften forderte.

In der „Causa Groër“ stellte sich Krenn von Anfang an hinter den Kardinal, gegen den am 27. März 1995 im Nachrichtenmagazin „profil“ (Ausgabe 13/1995) ein ehemaliger Schüler schwere Vorwürfe wegen seinerzeitigem sexuellen Missbrauchs erhoben hatte. Daraufhin meldeten sich weitere Exschüler des Knabenseminars Hollabrunn, die von sexueller Belästigung beziehungsweise Missbrauch berichteten. Groër schwieg zunächst zu den Vorwürfen, Krenn nannte sie „denkunmöglich“. Nach dem Rücktritt Groërs am 11. April 1995 bezeichnete Krenn die Vorgänge als „Hollabrunner Lausbubengeschichten“.

Gegenüber dem Engelwerk, das unter anderem durch den Historiker Wolfgang Benz im Jahr 2020 als fundamentalistische Gemeinschaft mit dem Charakter einer Sekte und der Strukturierung eines Geheimbundes eingestuft wurde, von einigen Bischöfen aber ausdrücklich unterstützt und vom Vatikan 2008 offiziell anerkannt wurde, nahm Krenn eine grundsätzlich wertschätzende Haltung ein, kritisierte aber an der Bewegung manches „Unreife“ und „Skurrile“. Gemeinsam mit der Österreichischen Bischofskonferenz forderte er 1990 vom Engelwerk eine Distanzierung von bestimmten Lehren. Trotzdem nahm er Mitglieder des Engelwerkes in seine Diözese auf. Die Eigenaussage des Engelwerks, in Österreich sei ein Bischof Mitglied der Bewegung, wurde vielfach auf Krenn gedeutet. Der Autor Thomas M. Hofer schrieb wörtlich: „In der katholischen Kirche Österreichs ist es ein offenes Geheimnis, daß es sich dabei nur um den St. Pöltner Ortsordinarius Kurt Krenn handeln kann.“ Krenn selbst verneinte auf Nachfrage eine Mitgliedschaft ausdrücklich. 2017 schrieb der Journalist Manfred Rebhandl in der Welt, dass Krenn Mitglied des Engelwerks gewesen sei. Eine Gegendarstellung durch das Engelwerk oder durch Angehörige von Kurt Krenn gemäß § 56 RStV blieb aus. Wolfgang F. Rothe, der ehemalige Sekretär von Bischof Krenn und vormalige Kurat der Engelwerk-nahen Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE), bezeichnete es 2021 als „nichts anderes als eine Legende“, dass Krenn derartigen Organisationen persönlich nahegestanden habe. 2022 bestätigte Johanna Beck, Sprecherin des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz und wie Rothe ehemaliges KPE-Mitglied, Krenns Mitgliedschaft im Engelwerk.

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