Kurt Kardinal Koch (* 15. März 1950 in Emmenbrücke, Kanton Luzern) ist ein Schweizer Theologe, Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche und ehemaliger Bischof von Basel. Er ist seit 2010 Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen sowie Präsident der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum und seit 2025 Präsident des katholischen Hilfswerks Kirche in Not (ACN).
Das Gymnasium absolvierte Kurt Koch an der Kantonsschule Luzern. Er studierte Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Universität Luzern und wurde 1975 diplomiert. Zunächst arbeitete er als Laientheologe in Sursee. Am 20. Juni 1982 empfing er die Priesterweihe und wirkte daraufhin drei Jahre als Vikar in der Pfarrei St. Marien in Bern. Nachdem er 1986 Dozent für Dogmatik und Moraltheologie am Katechetischen Institut in Luzern geworden war, wurde er 1987 aufgrund einer Arbeit über Wolfhart Pannenberg promoviert. 1989 habilitierte er sich. Koch wurde zum Honorarprofessor für Dogmatik, Ethik, Liturgiewissenschaft und Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern ernannt.
1995 wurde Koch vom Basler Domkapitel als Nachfolger von Hansjörg Vogel zum Bischof von Basel gewählt. Die Bischofsweihe spendete ihm am 6. Januar 1996 Papst Johannes Paul II. Sein bischöflicher Wahlspruch lautet: «Christus hat in allem den Vorrang» und stammt aus Kol 1,18 .
Durch einen Konflikt mit Franz Sabo, der als Pfarrer in Röschenz im Kanton Basel-Landschaft arbeitete und sich in den Medien ab 2003 kritisch zu Koch sowie Generalvikar Roland-Bernhard Trauffer und deren Amtsführung äusserte, kam das Bistum in die Schlagzeilen. Koch machte in diesem Zusammenhang insbesondere von sich reden, als er einen Entscheid eines weltlichen Gerichts gegen ihn mit der Forderung nach Trennung von Kirche und Staat beantwortete. Der Konflikt wurde im September 2008 in persönlichen Gesprächen beigelegt.
Koch war in den Jahren 2007 bis 2009 Präsident der Schweizer Bischofskonferenz. Er hat über 60 Bücher und Schriften verfasst, darunter Mut des Glaubens (1979) und Eucharistie (2005).
Papst Benedikt XVI. ernannte ihn am 1. Juli 2010 zum Präsidenten (seit 2022: Präfekt) des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen (seit 2022: Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen) und verlieh ihm aus diesem Anlass den Titel eines Erzbischofs ad personam. Papst Franziskus bestätigte diese Ernennung am 19. Februar 2014. Koch folgte in diesem Amt Walter Kardinal Kasper nach. Er stand dem Bistum Basel bis zur Amtseinführung seines Nachfolgers Felix Gmür am 16. Januar 2011 als Apostolischer Administrator vor.
Im Konsistorium vom 20. November 2010 nahm ihn Benedikt XVI. als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie Nostra Signora del Sacro Cuore in das Kardinalskollegium auf. Nach dem Rücktritt Benedikts XVI. nahm Kardinal Koch am Konklave 2013 teil, ebenso war er Teilnehmer am Konklave 2025.
Koch begleitete Papst Franziskus beim historischen Treffen mit Patriarch Kyrill I. am 12. Februar 2016 in Havanna. Am nächsten Tag wurde entschieden, dieser Begegnung an jedem Jahrestag zu gedenken. Am fünften Jahrestag mit dem Thema Die Kirche und die Pandemie hielt Kardinal Koch den Einführungsvortrag.
Am 3. Mai 2021 wurde er von Papst Franziskus unter Beibehaltung seiner Titeldiakonie als Titelkirche pro hac vice zum Kardinalpriester ernannt.
In einem Interview mit der Wochenzeitung Die Tagespost äußerte sich Kardinal Koch 2022 wie folgt:
Der Antisemitismusbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Felix Klein, und der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing verstanden Kochs Äußerung als Nazivergleich. Klein bezog sich dabei auf das Wort «wieder» und betonte, der Synodale Weg sei grundverschieden von den nationalsozialistischen Deutschen Christen. Bätzing forderte eine Entschuldigung für eine «völlig inakzeptable Entgleisung». Um diese bat Koch, rückte aber nicht von seinen Aussagen ab, die er nicht als Nazivergleich, sondern als Einordnung des benutzten Zitats gemeint habe. Bezogen darauf und dessen konkrete Wortwahl sprach Bätzing am Tag darauf von einer Verschlimmerung der «unhaltbaren Äusserungen».
Bei einem turnusmässigen Aufenthalt von Georg Bätzing in Rom kam es zu einem vertraulichen Gespräch zwischen Kardinal Koch und Bischof Bätzing. Koch habe Bätzing, so eine Pressemitteilung der Deutschen Bischofskonferenz, «glaubhaft versichert», dass es ihm völlig fernliege, den Synodalen des Synodalen Weges die schreckliche Ideologie der 1930er-Jahre unterstellen zu wollen, und er bitte alle, die sich durch den von ihm angeführten Vergleich verletzt fühlten, um Verzeihung. Für beide sei nach dem Gespräch klar, dass die theologische Debatte, zu der der Kardinal einen Beitrag habe leisten wollen, weitergeführt werden müsse.
Koch ist Mitglied folgender Dikasterien der römischen Kurie:
Dikasterium für die Glaubenslehre (seit 2010)
Dikasterium für die Bischöfe (2026 bestätigt)
Dikasterium für die orientalischen Kirchen (seit 2010, bestätigt 2014)
Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse (seit 2010, bestätigt 2013)
Dikasterium für den Interreligiösen Dialog (seit 2010)