An diesem Tag

Kurt Hauenstein

Österreichischer Musiker

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Kurt Johann „Kurtl“ Hauenstein (* 14. Jänner 1949 in Wien; † in der Nacht vom 20. auf den 21. März 2011 ebenda) war ein österreichischer Musiker, vor allem bekannt als Gründer und Inhaber des Musikprojektes Supermax.

Kurt Hauenstein war der Sohn des Wienerliedertexters und Schriftstellers Hans Hauenstein. Nach eigenen Aussagen hatte Kurt Hauenstein adelige Vorfahren. Da jedoch sein Großvater eine Bürgerliche geheiratet habe, sei diesem der Adelstitel aberkannt worden. Hauenstein hinterließ aus seiner Ehe mit seiner aus Jamaika stammenden Ehefrau Doreen Hauenstein zwei Töchter. Aus seiner späteren elf Jahre dauernden Verbindung mit Betty Onore gibt es ebenfalls zwei Töchter und einen Sohn.

Kurt Hauenstein wuchs im 2. Wiener Gemeindebezirk, Leopoldstadt, auf und machte vor seiner musikalischen Karriere eine Ausbildung zum Juwelier. 1971 gründete der damals 22-jährige Bassist gemeinsam mit Karl Ratzer, Peter Wolf (dem späteren Keyboarder von Frank Zappa), Jano Stojka und George Dogette die österreichische Rockband Gipsy Love. 1972 verließ Kurt Hauenstein Gipsy Love und wurde durch Harri Stojka am Bass ersetzt. Für Harri Stojka und Hauenstein, wie auch für Peter Wolf, war die Band der Ausgangspunkt ihrer späteren Karrieren.

Nach seinem Ausstieg bei Gipsy Love zog Hauenstein nach Frankfurt am Main, wo er bei diversen Funksessions spielte, sich aber auch schnell einen Ruf als Studiomusiker machte. Gemeinsam mit den ebenfalls aus Österreich stammenden Musikern Christian Kolonovits und Richard Schönherz wurde Hauenstein oft als „First cut“-Player engagiert (einmal einspielen und fertig), womit die Studiokosten der Produzenten erheblich gesenkt werden konnten. Mehr oder weniger gehörte Hauenstein in dieser Zeit zum Inventar der von Fred Schreier in Offenbach betriebenen Europasound Studios. Dort lernte Hauenstein 1976 den Produzenten Frank Farian kennen und wirkte bei dessen selbst produziertem Hit Rocky als Bassist mit. Auch vom Produzenten Bernt Moehrle wurde Hauenstein mehrfach als Bassist gebucht.

Im selben Jahr traf Hauenstein bei einem Aufenthalt in England den in Frankfurt am Main für Bellaphon Records tätigen, aber immer mehr für seine eigene Produktionsfirma Rockoko Productions eigenständig wirkenden Produzenten Peter Hauke, mit dessen Unterstützung im Januar 1977 das erste Supermax-Album Don’t Stop the Music aufgenommen und bei Atlantic veröffentlicht werden konnte. Mit Hauke hatte Hauenstein seinen wichtigsten Förderer gefunden. Hauke hatte bereits vorher mit dem von ihm gegründeten Bellaphon Label Bacillus Records erfolgreich Rockbands wie z. B. Nektar, Omega, Karthago und Jeronimo mit Chart-Platzierungen produziert. Hauke hatte ein Gespür für Hauensteins Ambitionen und ließ ihm bei der Realisierung des Supermax-Projektes zumindest musikalisch freie Hand.

Der Projektname Supermax hatte übrigens zu keinem Zeitpunkt etwas mit einem von der deutschsprachigen Presse assoziierten Super-Max zu tun, sondern war lediglich eine Abkürzung für supermaximal, eine Steigerung des vor allem in der von Hauenstein oft frequentierten schwarzen Musikszene benutzten Terminus to the max. Dieser Unterschied wurde jedoch von den deutschsprachigen Journalisten weder wahrgenommen noch jemals hinterfragt.

Im November 1977 erschien das zweite Album World of Today, das in Deutschland 1978 mit über 500.000 verkauften Exemplaren Platz 2 der LP-Charts und Platinstatus erreichte. Der Song Lovemachine erreichte 1977 Platz 4 in Deutschland, Platz 6 in der Schweiz und Platz 9 in der österreichischen Hitparade. 1978 ging Hauenstein mit einer aus Profimusikern der Frankfurter Musik- und Studioszene formierten Band unter dem Namen Supermax auf eine ausgedehnte Clubtournee mit über 160 Konzerten, die ihn und die Band durch Deutschland, die Niederlande, Italien, Spanien und Belgien führte. Zu Promotionzwecken seiner Alben trat Hauenstein in Ausnahmefällen auch lediglich in Begleitung zweier schwarzer Sängerinnen unter dem Namen Supermax auf, zum Beispiel während einer TV-Show im bulgarischen Sofia, was man als Geburtsstunde seines Erfolges im damaligen Ostblock bezeichnen kann.

Im Jahr 1979 erschien das dritte Album Fly with Me, das es in Deutschland ebenfalls bis auf Platz 9 schaffte, vor allem aber als internationaler Durchbruch für Supermax gilt. Lovemachine wurde im selben Jahr erneut in den Vereinigten Staaten veröffentlicht und landete auf Platz 96 der Billboard Blackcharts. Parallel zum eigenen Projekt Supermax produzierte Kurt Hauenstein die Mädchengruppe Bamboo aus Surinam. Die beiden Sängerinnen hatte er bei einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten kennengelernt.

Im Jahr 1980 erschien das vierte Album, Types of Skin, das die Plattenfirma trotz 230.000 verkaufter Exemplare alleine in Deutschland dennoch als Flop einstufte, da es keine Chartplätze erreichte. Die Alben Meets the Almighty (1981) und Electricity (1983) waren dann auch aufgrund mangelnder Medienpräsenz echte Flops, zumindest gemessen an den Verkaufszahlen der ersten vier Alben.

Hauenstein rief neben dem Projekt auch eine Live-Band als Supermax ins Leben. Eine der ersten Besetzungen waren Hans Ochs (Gitarre), Rainer Marz (Gitarre; † 11. April 2016) von der deutschen Band Jeronimo, Brad Howell (Drums), Jürgen Zöller (Drums, 1987–2014 Mitglied von BAP), Peter Koch (Percussion), Thomas Jauer (Bass), Kurt Hauenstein am Mini Moog sowie die Backgroundsängerinnen Cee Cee Cobb und Jean Graham. Thomas Jauer wurde recht bald durch den Bassisten Ken Taylor ersetzt, und für die anstehenden Live-Auftritte wurde der Frankfurter Keyboarder Lothar Krell verpflichtet. Brad Howell war im Umfeld von Frank Farian ein gefragter Arrangeur und Studiomusiker und widmete sich anderen Projekten; u. a. war er später einer der Studiosänger von Milli Vanilli.

Wer sich Disco-Auftritte von Supermax erwartet hatte, wurde zumindest live ziemlich enttäuscht. Von Anfang an waren die Live-Auftritte von Supermax Rockkonzerte mit starkem Reggae-Einfluss. Meist nahmen die Konzertbesucher erst nach mehreren Songs wahr, was sich da auf der Bühne eigentlich abspielte. Statt Discosound harte Drum Beats mit dem alles füllenden Bass von Kurt Hauenstein, von Santana beeinflusste Percussions, schwere Rockgitarren und prägnante Keyboards.

Nachdem Hans Ochs die Band in Richtung New York verlassen hatte, stieß der österreichische Gitarrist Hannes Wildner dazu. Er war sicherlich einer der am längsten zur Band gehörenden Live-Musiker von Supermax. Ken Taylor und Lothar Krell dagegen verließen Supermax bereits Anfang 1981 und wurden u. a. mit Robby Musenbichler Gründungsmitglieder der Band Tokyo mit dem gleichnamigen Hit. Ken Taylor gehörte später zur Stammbesetzung der Band von Peter Maffay. Hauenstein übernahm nach dem Ausscheiden von Taylor selbst die Position des Bassisten, und nach der Südafrika-Tour 1981, auf der aushilfsweise Christian Kolonovits die Keyboards bediente, verpflichtete Hauenstein als neuen Keyboarder Thomas Schmitt († 29. September 2020) von der Frankfurter Michael Wynn Band. Ebenfalls nach der Südafrika-Tour stieg für Peter Koch erneut Daniel Ford ein, der bereits in der Urbesetzung ein kurzes Debüt an den Congas gegeben hatte, und die Sängerin Jean Graham wurde durch den Sänger Larry London ersetzt.

Die Fluktuation in der Band war vorbestimmt. Da nur sehr wenige Bandmitglieder in die Studio-Produktionen des Supermax-Projekts einbezogen wurden, und wenn, dann lediglich als Studiomusiker abgespeist wurden und daher finanziell kaum vom Erfolg des Supermax-Projekts profitieren konnten, hatten sich im Laufe der Zeit fast alle Musiker aufgrund mangelnder Perspektiven wieder von Supermax bzw. Hauenstein getrennt.

Dazu kam, dass es dauerhaft nicht genügend Auftritts- und damit nicht genügend Verdienstmöglichkeiten für die Bandmitglieder gab. Denn obwohl bei den Besuchern erfolgreich, hatten Supermax-Konzerte nie die gebührende Beachtung der Medien gefunden, da Hauenstein von deutschen und österreichischen Redakteuren als Disco-Maxe schubladisiert und ignoriert wurde. Hauenstein selbst sah sich aber auch als Rock- und Livemusiker – er war tatsächlich ein hervorragender Bassist – und wollte sich nicht von Interviewern nur auf seine Disco-Hits reduzieren lassen. Aus diesen Gegensätzen entwickelte sich ein gestörtes Verhältnis zu den damals wichtigen Fernsehmoderatoren und Musikjournalisten, was ihn letztlich seine Publizität als erfolgreichen Livemusiker kostete, zumindest im deutschsprachigen Raum, selbst in seiner Heimat Österreich, obwohl er dort noch immer als Mitglied der Band Gipsy Love bekannt war.

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