An diesem Tag

Kurt Feltz

Deutscher Schlagertexter

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Kurt Feltz (* 14. April 1910 in Krefeld; † 2. August 1982 in Pollença/Mallorca) war einer der erfolgreichsten deutschen Schlagertexter und Musikproduzenten, der über 40 Jahre den deutschen Schlager mitprägte. Seine Spezialität waren deutsche Texte zu fremdsprachigen Hits, inhaltlich oft orientiert an der Sehnsucht nach südländischer Ferne. Dabei nutzte er auch Pseudonyme wie Edi Hartges, Walter Stein, André Hoff, Bernd Heim, Joachim Janson und Alexander Kühn.

Kurt Feltz zog nach seinem Abitur nach Köln und arbeitete ab 1932 noch während seines Germanistik-Studiums (bei Ernst Bertram) für die WERAG (Westdeutscher Rundfunk AG) in Köln. Sein erster erfolgreicher Titel wird 1934 der mit dem Kölner Stimmungslied-Komponisten Jupp Schmitz verfasste Tango Gib acht, auf Dein Herz, Margarethe mit Rudi Schuricke und Coverversionen der Die Vier Belcantos (mit dem Orchester Adalbert Lutter) und einer Parodie der Vier Botze. Für die musikalische Komödie von Fred Raymond Das Bett der Pompadour schrieb er 1939 das Trinklied Heute Abend kommt Charly zu mir, gesungen von Rosita Serrano. Im selben Jahr textete er das Libretto für die Operette Saison in Salzburg, uraufgeführt am 31. Dezember 1938. Zu wichtigen Schlagern hieraus entwickelten sich Salzburger Nockerln / Und die Musik spielt dazu sowie Wenn der Toni mit der Vroni mit Texten von Feltz.

Die chilenische Diva Rosita Serrano besang seit 1938 Platten in Deutschland, … und die Musik spielt dazu nahm sie am 3. Oktober 1938 auf. 1940 übernahm sie vier weitere Titel, nämlich Guter Mann im Mond, Heut’ Abend kommt Charly zu mir (B-Seite), Vier Mädchen auf einer Bank (September 1940) und Wenn der Toni mit der Vroni. Parallel komponierte Feltz weiterhin Operetten, so etwa Perle von Tokay (1940) zusammen mit Fred Raymond. Die Operetten-Tätigkeit war ein Teilstück seiner Karriere, jedoch kein Widerspruch zu Schlagertexten; die Operettenbühne diente früher dem Schlager als bevorzugter Startplatz.

Die Feltz-Filme Falstaff in Wien (kam am 26. September 1940 in die Kinos), Das himmelblaue Abendkleid (17. Januar 1941) mit dem Libretto Wenn der Wein, wenn die Liebe wenn der Walzer nicht wär’ von Elfie Mayerhofer sowie … und die Musik spielt dazu (8. Juni 1943) mit dem Libretto Saison in Salzburg (Feltz/Raymond/Wallner) stammen aus den Kriegsjahren, in denen der Gefreite Feltz Lehrfilme für den Soldatenalltag wie Männer gegen Panzer drehte. Der Durchhalteschlager Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei entstand kriegsbeeinflusst im Mai 1942 für Lale Andersen, offen für Ironie auf die Zeit der Lebensmittelkarten.

Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg 1945 übernahm Feltz zunächst beim Münchener Rundfunk (jetzt Bayerischer Rundfunk) Unterhaltungssendungen (Mit Musik geht alles besser). Im Juni 1948 kehrte er nach Köln zurück, um beim NWDR den Posten des Leiters der Hauptabteilung Musikalische Unterhaltung zu übernehmen. Dort startete er u. a. die Musiksendung Der blaue Montag mit Peter Frankenfeld. Für den Hörfunk bearbeitete und inszenierte Kurt Feltz seitdem eine Reihe von Operetten gemeinsam mit Franz Marszalek als Dirigenten. Sechs eigene Operetten hat Kurt Feltz geschrieben. Feltz textete Der Theodor im Fußballtor, das im Original 1948 von Margot Hielscher stammte, jedoch durch die Kinopremiere des gleichnamigen Films vom 29. August 1950 von Theo Lingen bekannt wurde. Gerhard Wendland übernahm inzwischen Ich bild’ mir ein, Du würdest mein (1949). Ernie Bieler & The Standard Jazz-Band übernahmen im gleichen Jahr Am Zuckerhut.

Bereits nach kurzer Zeit beim NWDR kam öffentliche Kritik auf, weil Feltz seine eigenen Schlager-Kompositionen im NWDR spielen ließ und sich damit einer Interessenkollision schuldig machte. Die Ausstrahlungen förderten nicht nur den Plattenumsatz seiner Kompositionen, sondern brachten ihm auch Tantiemen durch Plattenumsatz und Rundfunkaufführung ein. Feltz hatte erkannt, dass „der Funk nur das Schaufenster der Phonoindustrie ist“. Der NWDR wurde bereits als „Feltz-Sender“ tituliert; selbst sein Freund Ralph Maria Siegel aus Krefelder Schulzeiten initiierte im Dezember 1949 eine Pressekampagne gegen diesen Missbrauch. Der Sender reagierte und führte eine Quote ein, um die Ausstrahlung von Kompositionen des Abteilungsleiters zu begrenzen: lediglich 30 Titel pro Monat durften von einem Komponisten/Texter gespielt werden, Komponisten hatten ihre verwendeten Pseudonyme anzugeben. Durch diesen Missbrauch stand Feltz gleich mit sieben eigenen Texten an der Spitze der GEMA-Erträgnisse und kam nach Schätzungen auf etwa 100.000 DM Halbjahrestantieme. Insgesamt deckten die Medien 36 Titel auf, die Feltz getextet hatte und im Rundfunk bevorzugt gespielt wurden – bis zu 15 Lieder am Tag. Das war noch nicht genug: Feltz war bei der GEMA gleichzeitig Leiter der Interessengemeinschaft der Textdichter. Er war für den gebührenfinanzierten öffentlichen Rundfunk nicht mehr tragbar.

Im Dezember 1950 schied Feltz beim NWDR bereits wieder aus, blieb jedoch dem Sender als freier Mitarbeiter verbunden. Dem SPIEGEL zufolge wiesen Statistiken aus, dass Kurt Feltz im Jahre 1950 beim NWDR Köln in mindestens 1.796 Sendungen mit seinen Schlagern zum Zuge kam, also im Durchschnitt fünfmal pro Tag. Die von Feltz oder seinen Mitarbeitern mit Feltz-Bändern belieferten übrigen Rundfunkstationen trugen mit weiteren 4.391 Sendungen dazu bei, Feltz’ Spitzenstellung unter den Textautoren zu bekräftigen. Noch 1951 wird bei NWDR-internen Untersuchungen weiterhin ein „ungewöhnlich hoher Anteil an Schlagern des Textdichters Feltz“ festgestellt. Gemeinsam mit dem Kölner Musikverleger Hans Gerig gründete Feltz 1950 den Musikverlag Edition Rialto, der alle Feltz-Kompositionen verwaltete. Feltz teilte sich mit Gerig als selbstständiger Musikproduzent ein Büro in der Kölner Altstadt und produzierte mit seinem Korrepetitor Franzleo Andries seine Musik für alle fünf deutschen Schallplattenfirmen. Seine Texte schrieb Feltz häufig unter dem Pseudonym André Hoff oder einem Dutzend weiterer Pseudonyme. Ab 1950 war für Feltz die produktivste Zeit, in der er oft Schlager mit Sehnsucht nach südländischen Gegenden oder Gewohnheiten weckte, zumeist auch als Coverversion ausländischer Originale.

Allein für René Carol schrieb er 77 Titel, darunter Maria aus Bahia (aufgenommen am 14. April 1949), Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein (unter dem Pseudonym André Hoff; 8. Juni 1952), Warum denk’ ich nur an Dich (9. Juni 1952), Stern meiner Liebe / Am Strande von Havanna steht ein Mädchen (17. Oktober 1952), Verlieb Dich noch heut‘ (18. Oktober 1952), Nina (17. April 1953), Laß’ mich heut’ mit meiner Liebe nicht allein (11. Juni 1953), Jede Nacht klingt in Abbazia (23. März 1954), Wenn ich im Tagebuch der Liebe (29. April 1954), Sonne über der Adria (18. Juni 1954), Sieben Nächte blieb der José in Santa Fe (10. Dezember 1956), Meine Heimat ist die Liebe (1. Juli 1957), Mitten im Meer (1. Juni 1960), Prinzessin Sonnenschein (5. April 1963), Kein Land kann schöner sein (14. Dezember 1959, Rang #3 der deutschen Hitparade), Wo meine Sterne stehn (31. März 1965). Fast immer setzt Feltz Adalbert Luczkowskis Kölner Tanz- und Unterhaltungsorchester ein.

Fred Weyrich mit dem Orchester von Kurt Henkels bringen 1950 die deutsche Fassung von Mona Lisa heraus, zu der Feltz den Text schrieb. Peter Alexander und Leila Negra singen im Juli 1952 Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere (Original komponiert von Vittorio Mascheroni; veröffentlicht im November 1953, Film mit Peter Alexander kam am 5. Februar 1954 in die Kinos), Willy Schneider bringt 1953 den Gassenhauer Man müsste noch mal Zwanzig sein heraus (komponiert zusammen mit dem Kölner Karnevalisten Gerhard Jussenhoven), womit bewusst ein Sentiment der älteren Generation bald nach dem Kriege angesprochen wurde. Wir, wir wir haben ein Klavier (Jupp Schmitz/Feltz) übernahm das Sunshine-Quartett im Dezember 1953. Der bereits mit Schmitz im Jahr 1949 komponierte Erfolgstitel Wer soll das bezahlen? erlangte nochmals Popularität durch den am 18. Dezember 1953 veröffentlichten Film Gefährlicher Urlaub.

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