Kurt C. Volkhart (vollständiger Name Kurt Julius Carl Ernst Volkhart, oft auch Curt oder Volkhardt; * 11. Juni 1890 in Düsseldorf; † 19. November 1959 in Bielefeld) war ein deutscher Ingenieur, Konstrukteur, und Rennfahrer. Er war der erste Raketenfahrer der Welt und galt bereits 1928 als einer der Pioniere der Raumfahrt.
Volkhart entwickelte und testete für Opel mit dem Astronomen Max Valier und dem Sprengstoffexperten Friedrich Wilhelm Sander das erste Raketenauto der Welt, den Opel RAK1. Am 12. März 1928 fuhr er erstmals, noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit, den „Opel-Sander-Rakwagen 1“. Am 11. April wurde das Fahrzeug erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und die Funktionsfähigkeit bei einer Testfahrt von Volkhart demonstriert.
Frühe Jahre und Einstieg in Rennsport
Kurt C. Volkhart war der Sohn des Genremalers und Radierers Max Volkhart und dessen Ehefrau Anna. Er wuchs mit zwei Schwestern in einem künstlerisch geprägten Umfeld in Düsseldorf auf. Eine der beiden Schwestern war die Bildhauerin Claire Volkhart. Seine beiden Großväter waren die in Düsseldorf tätigen Maler Wilhelm Volkhart und Julius Roeting.
Viel ist von den frühen Jahren nicht bekannt, auch nicht, wie Kurt C. Volkhart zu seiner Begeisterung für Automobil-Konstruktionen und die Rennfahrerei kam.
Wie viele europäische Rennfahrer in dieser Zeit zog es ihn in die Vereinigten Staaten. Er reiste im Oktober 1913 nach Amerika, um an den noch üblichen Dirt-Track-Rennen teilzunehmen, und heuerte 1914 unter anderem bei dem Indianapolis Auto Racing Association Team an.
Im Juli startete Volkhart für das Team F. H. Beck auf dem Cedar Valley Fair Grounds Track auf einem Marmon 32.
Im November 1914 kam Volkhart, obwohl der Erste Weltkrieg schon begonnen hatte, mit Hilfe seines in New York lebenden Freundes Hanns Heinz Ewers über Kopenhagen zurück nach Europa.
Während des Krieges war er als Kraftfahrer und Pilot eingesetzt und wurde bei einem Absturz verwundet.
Entwicklungsingenieur und Rennfahrer
Nach Ende des Ersten Weltkrieges und Abschluss seines Studiums arbeitete Volkhart als Oberingenieur bei dem damals renommierten Automobilhersteller Steiger und erzielte auf dessen Fahrzeugen große motorsportliche Erfolge. Unter anderem gewann er 1922 eine der wichtigsten Rennsportveranstaltungen dieser Zeit, die Eifelrundfahrt in Nideggen, und verwies seinen Steiger-Teamkollegen Alfred Noll und den noch nicht so bekannten Rudolf Caracciola mit deutlichem Vorsprung auf die Plätze zwei und drei. Alfred Noll und Kurt C. Volkhart waren Vereinsfreunde im damaligen Düsseldorfer Motorsport-Club 05 und arbeiteten und fuhren mehrere Jahre zusammen für Steiger, später Dürkopp. Daneben war Volkhart ab 1921 als Konstrukteur in der Leitung der Kölner Priamus-Automobilwerke tätig.
Mit der aufziehenden Weltwirtschaftskrise wurde die Lage im Automobilsektor und besonders für Steiger schwieriger. Volkhart wechselte wie Noll 1925 zu den Bielefelder Dürkoppwerken und startete wieder als Werksfahrer. Allerdings wurde 1927 auch hier der Pkw-Bau wegen der fortschreitenden Weltwirtschaftskrise aufgegeben und Volkhart wechselte im Frühjahr 1927 zu Opel.
Der Astronom Max Valier gehörte 1927 zu den Gründern des Vereins für Raumschiffahrt in Breslau. Er gilt als der Ideengeber zu einem raketengetriebenen Fahrzeug und sah das als eine Vorstufe zu einem Raumfahrzeug. Valier konnte den Industriellen Fritz von Opel für die Idee gewinnen, der das Projekt mit 30.000 Reichsmark unterstützte. Die Pulverraketen steuerte der Ingenieur Friedrich Wilhelm Sander bei. Von Opel kannte wiederum Kurt C. Volkhart länger, da beide bereits seit Jahren gegeneinander bei Autorennen gestartet waren. Volkhart übernahm als Ingenieur die Entwicklung, Konstruktion und Tests des Opel RAK1.
Der erste Prototyp, nur für interne Tests vorgesehen, basierte noch auf einem Serienfahrzeug von Opel, dem Opel 4/14 PS „Laubfrosch“.
Beim ersten geheimen Test auf der Opel-Rennbahn am 12. März 1928 startete man zuerst mit nur zwei Raketen, einer sogenannte „Seelenrakete“ für den Start sowie einem „Dauerbrander“ für anhaltenden Schub. Die erste Fahrt von Kurt C. Volkhart dauerte nur 35 Sekunden, in denen er lediglich 150 Meter zurücklegte. Nach und nach wurde die Anzahl der Raketen und damit die Schubkraft erhöht. Der letzte Versuch an dem Tag erfolgte dann doch mit Unterstützung des noch vorhandenen Verbrennungsmotors, um den anfänglichen Rollwiderstand zu überwinden. Die Raketen wurden bei ca. 30 km/h gezündet und beschleunigten das Fahrzeug dann innerhalb von 1,5 Sekunden auf 75 km/h, dann zündete die nächste Rakete.
Nach dem erfolgreichen Test wurde von Volkhart und seinem Team, dem Ingenieur Schaberger und den Mechanikern August Becker, Hans Grein und Karl Treber, innerhalb eines Monats der später der Presse vorgestellte RAK1 aufgebaut.
Der RAK1 basierte auf dem kurzen Fahrgestell eines Opel 10/40 PS. Volkhart entwarf dafür eine Monoposto-Karosserie, also eine schmale, einsitzige Rennwagenform. Der Verbrennungsmotor war entfernt worden und anstelle des damals üblichen dominanten Kühlers wurde eine strömungsgünstig spitze Front montiert. An der Vorderachse wurden zwei kleine, 50 bis 60 cm große Tragflächen für zusätzlichen Abtrieb angebracht und in das Heck eine Stahlbox für 12 Raketen eingebaut. Zum Schutz des Fahrers zog man eine Stahlplatte bis in die Kopfstütze und der Sitz wurde bis in die Kopfstütze voluminös mit Sackleinen gepolstert.
30 Tage später, am 11. April 1928 wurde der Opel RAK1 der Öffentlichkeit und der Presse auf der Opel-Rennbahn präsentiert. Der bekannte Frankfurter Fotograf Paul Wolff dokumentierte mit einem Kino-Aufnahmegerät die Premiere.