An diesem Tag

Kurt Biedenkopf

Deutscher Jurist, Hochschullehrer und Politiker (CDU), MdB, MdL Sachsen (1930–2021)

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Kurt Hans Biedenkopf (* 28. Januar 1930 in Ludwigshafen am Rhein; † 12. August 2021 in Dresden) war ein deutscher Jurist, Hochschullehrer und Politiker (CDU). Von 1990 bis 2002 war er der erste Ministerpräsident des Freistaates Sachsen nach der deutschen Wiedervereinigung.

Daneben engagierte sich Biedenkopf im Vorstand der Deutschen Nationalstiftung und war bis zu seinem Tod ihr Ehrensenator. Für seine politischen und sozialen Verdienste wurde er 1993 mit dem Hans-Böckler-Preis des DGB ausgezeichnet.

Kurt H. Biedenkopf wurde 1930 in Ludwigshafen als Sohn des technischen Direktors der Buna-Werke, Wilhelm Biedenkopf aus Chemnitz, geboren.

1938 zog seine Familie nach Schkopau bei Merseburg, wo er bis 1945 das Gymnasium besuchte. Vor der Übergabe der Region an die Rote Armee wurde die Familie, wie 24 andere Familien von Spezialisten des Buna-Werks, von den Amerikanern nach Hessen evakuiert, wo er ab 1945 das heutige Max-Planck-Gymnasium in Groß-Umstadt besuchte und 1949 das Abitur ablegte.

Aus Biedenkopfs erster, 1978 geschiedener Ehe mit Sabina Biedenkopf, geborener Wautig, gingen vier Kinder hervor: Sein Sohn Sebastian war Chefjurist bei Bosch und seit dem Jahr 2021 Arbeitsdirektor bei Fresenius SE in Bad Homburg, seine Tochter Susanne Biedenkopf-Kürten (* 1960) ist Studioleiterin beim ZDF und verheiratet mit Stefan Kürten. Im Dezember 1979 heiratete Biedenkopf die ebenfalls geschiedene Ingrid Kuhbier, eine Tochter des Industriellen Fritz Ries (1907–1977), die zwei weitere Kinder mit in die Ehe brachte. Das Ehepaar lebte von 2012 bis 2018 in Übersee (Chiemgau), danach in Dresden. In seiner Freizeit interessierte sich Biedenkopf für Modelleisenbahnen. Kurt Biedenkopf starb am 12. August 2021 im Alter von 91 Jahren in Dresden. Er ist auf dem Johannisfriedhof im Dresdner Stadtteil Tolkewitz beerdigt.

Ausbildung und beruflicher Werdegang

Von 1949 bis 1950 studierte Biedenkopf ein Jahr Politikwissenschaft am Davidson College, North Carolina, USA, danach Rechtswissenschaften in München, später Jura und Nationalökonomie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort wurde er mit der Arbeit Vertragliche Wettbewerbsbeschränkung und Wirtschaftsverfassung. Die Ausschließlichkeitsbindung als Beispiel 1958 zum Doktor der Rechte promoviert.

Im Jahr 1960 legte er, nach dem ersten 1955, auch das zweite juristische Staatsexamen ab. Nach einem Master of Laws (LL.M) an der Georgetown University, Washington, D.C., USA, und Studien- und Forschungsaufenthalten an der Georgetown University habilitierte er sich 1963 in Frankfurt am Main für Bürgerliches Recht, Handels-, Wirtschafts- und Arbeitsrecht und begann dort seine bis 1971 währende Lehrtätigkeit, zunächst als Privatdozent. Von 1967 bis 1969 war Biedenkopf Rektor der Ruhr-Universität Bochum, an der er zuvor seit 1964 als Ordinarius tätig gewesen war.

Von 1968 bis Januar 1970 hatte er den Vorsitz der Kommission Mitbestimmung inne. Dieses später Biedenkopf-Kommission genannte Sachverständigen-Gremium prüfte im Auftrag der Großen Koalition unter Kanzler Kurt Kiesinger (CDU) die „weitere Gestaltung der Mitbestimmung“. Ihre Arbeitsergebnisse wurden auch von der im Herbst 1969 folgenden sozialliberalen Koalition aufgegriffen und gingen in das 1976 beschlossene Mitbestimmungsgesetz ein.

Ab 1971 war BiedenkopfMitglied im Vorstand der C.-Rudolf-Poensgen-Stiftung. Von 1971 bis 1973 war er Mitglied der zentralen Geschäftsführung des Henkel-Konzerns in Düsseldorf.

1990 war er kurzzeitig Gastprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Leipzig. Im Oktober 2005 wurde er von dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder als Vorsitzender einer Kommission zur Reform der Unternehmensmitbestimmung eingesetzt, deren Abschlussbericht er im Dezember 2006 Bundeskanzlerin Angela Merkel übergab.

Als Rechtsanwalt war Kurt Biedenkopf zuletzt in Dresden tätig.

In den 1970er Jahren galt Biedenkopf als ein enger Vertrauter des CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl. Von 1973 bis 1977 war Biedenkopf als Generalsekretär der CDU tätig, ab 1977 als stellvertretender Bundesvorsitzender und von 1976 bis 1984 war er Mitglied des Deutschen Bundestags. Sein überdurchschnittliches Gehalt als Generalsekretär wurde teilweise über schwarze Kassen der CDU finanziert. Das Parteiamt legte er aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Helmut Kohl nieder.

Von 1977 bis 1986 war er Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Westfalen-Lippe, ab 1984 auch stellvertretender Landesvorsitzender, und im direkten Anschluss bis 1987 Vorsitzender des CDU-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. Ab 1979 war er zudem Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der CDU. Als im Frühjahr 1980 der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Heinrich Köppler, drei Wochen vor dem Urnengang verstarb, übernahm Biedenkopf kurzfristig die Spitzenkandidatur der CDU, konnte sich jedoch nicht gegen Ministerpräsident Johannes Rau durchsetzen.

1984 war Biedenkopf als Kandidat für das Amt des Präsidenten der Europäischen Kommission gehandelt worden. Nachfolger von Gaston Thorn wurde jedoch Jacques Delors.

1987 legte er den Landesvorsitz der NRW-CDU zugunsten Norbert Blüms nieder. Mit der Niederlegung des 1980 errungenen Mandats im nordrhein-westfälischen Landtag im Jahr 1988 zog er sich aus der Tagespolitik zurück. Mit der Wiedervereinigung kehrte Biedenkopf in die Politik zurück und erwarb die Staatsbürgerschaft der DDR, um bei der sächsischen Landtagswahl am 14. Oktober 1990 als CDU-Spitzenkandidat antreten zu können. Hierbei erzielte die sächsische CDU mit 53,8 Prozent die absolute Mehrheit. Biedenkopf wurde Ministerpräsident des Freistaates Sachsen und blieb es bis zum Januar 2002. Im Dezember 1994 war er der erste deutsche Politiker, der sich in einem Online-Chat den Bürgern stellte.

Dem Landtag gehörte er bis zur Landtagswahl 2004 an. Von 1991 bis 1995 war er zusätzlich CDU-Landesvorsitzender in Sachsen. Bei den Landtagswahlen 1994 und 1999 baute die sächsische CDU ihre absolute Mehrheit weiter aus. Vom 1. November 1999 bis zum 31. Oktober 2000 war Biedenkopf turnusmäßig Bundesratspräsident. Zu Beginn seiner Amtszeit vereinbarte er und der Vorsitzende des Föderationsrates Russlands, Jegor Strojew, jährliche Treffen der jeweiligen Freundschaftsgruppen.

Nach dem Rücktritt Wolfgang Schäubles als CDU-Vorsitzender im Februar 2000 war Biedenkopf kurzzeitig als Übergangs-Parteichef im Gespräch. Aufgrund verstärkt auftretender Kritik an seinem Führungsstil und etlicher Affären (z. B. Paunsdorf-Center-Affäre, Mietaffäre) erklärte Biedenkopf am 16. Januar 2002 seinen Rücktritt als Ministerpräsident zum 17. April 2002. Zum Nachfolger wurde gegen Biedenkopfs Willen der damalige CDU-Landesvorsitzende Georg Milbradt gewählt, der das Amt bei der Landtagswahl 2004 verteidigen konnte. Biedenkopf ist der am längsten amtierende Ministerpräsident in der Geschichte Sachsens.

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