Beim kubanischen Militäreinsatz in Angola intervenierte Kuba zwischen Herbst 1975 und Mai 1991 auf Seiten der angolanischen Befreiungsfront Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA). Dieses Eingreifen war ausschlaggebend dafür, dass sich die MPLA gegenüber den konkurrierenden Befreiungsbewegungen FNLA und UNITA durchsetzte, die erste Regierung des unabhängigen Angola stellte und sich anschließend im angolanischen Bürgerkrieg behauptete.
Des Weiteren förderte Kubas Einsatz die Unabhängigkeit Namibias und beschleunigte den Niedergang des Apartheidregimes in Südafrika.
Das kubanische Engagement in Angola umfasste neben dem militärischen auch noch einen bedeutenden zivilen Teil und begründete die seither guten angolanisch-kubanischen Beziehungen.
Kubanischer Internationalismus
Von Anfang an definierte sich die kubanische Revolution internationalistisch und global ausgerichtet: Sie sollte sich auf möglichst viele andere Länder ausbreiten. Durch diese Verbindung aus Idealismus und außenpolitischer Überlebensstrategie übernahm Kuba schon ein Jahr nach der Revolution militärische und zivile Einsätze in der südlichen Hemisphäre. Obwohl es noch selbst ein Entwicklungsland war, unterstützte Kuba politische Gruppen in afrikanischen, lateinamerikanischen und asiatischen Ländern auf militärischem, medizinischem und pädagogischem Gebiet. Diese „Übersee-Abenteuer“ sorgten nicht nur in den USA für erhebliche Irritationen, sondern bereiteten auch der befreundeten Sowjetunion Kopfzerbrechen.
Ab Mitte der 1960er Jahre rückte Afrika ins Zentrum der außenpolitischen Aktivitäten Kubas, wo junge afrikanische Revolutionäre wie Patrice Lumumba, Amilcar Cabral und Agostinho Neto die Kubaner um Unterstützung für ihre Befreiungsbewegungen baten.
Mit dem Zusammenbruch der portugiesischen Kolonialmacht in Afrika und der Unabhängigkeit Angolas entschloss sich die kubanische Regierung im Herbst 1975 zu einem militärischen Eingreifen in großem Stil zur Verteidigung der befreundeten Befreiungsbewegung MPLA. Im Gegensatz zu anderen Engagements in Afrika, z. B. in Äthiopien, Guinea, Guinea-Bissau oder Benin, machte dieser Einsatz die Karibikinsel kurzzeitig mitten im Kalten Krieg zu einem „global player“. Kuba unterhielt darüber hinaus ein umfangreiches ziviles Entwicklungsprogramm in Afrika, in dem zehntausende kubanische Entwicklungshelfer (Ärzte, Pädagogen, Bauarbeiter, Techniker) tätig waren und die gleiche Anzahl junger Afrikaner kostenlos auf Kuba studierte.
Bereits 1961 unterstützte Kuba in seinem ersten Einsatz die Algerische Nationale Befreiungsfront (FLN) gegen Frankreich. Kurz nach der algerischen Unabhängigkeit brach das benachbarte Marokko einen Grenzkrieg vom Zaun, in dem Kuba erstmals Truppen nach Afrika entsandte. Aus einem Memorandum vom 20. Oktober 1963 des Majors Raúl Castro, Chef der kubanischen Streitkräfte, der den Einsatz leitete, an zwei Führer des Einsatzes in Algerien, Major Flavio Bravo und Major Jorge Serguera, geht hervor, dass Kuba großen Wert auf das korrekte Auftreten der Kubaner in einem fremden Land legte: Castro unterstreicht darin extreme Selbstkontrolle innerhalb der Truppe, zu der das Verbot alkoholischer Getränke und intimer Beziehungen zu Frauen gehörte, sowie Bescheidenheit, inständig darauf hinweisend, anständig und sittsam zu sein und sich nicht wie „Experten aufzuführen“. Außer den Verhaltensregeln bestärkte Castro die Truppen darin, „vollständige und absolute“ Rücksicht auf Sitten, Gebräuche und Religion zu nehmen. Als die Kubaner nach der Seereise in Algerien eintrafen, hatte sich Marokko wieder zurückgezogen.
1965 unterstützte Kuba einen Aufstand von Anhängern Lumumbas (Simba-Rebellion) im Osten des Kongos (heute Demokratische Republik Kongo) unter persönlicher Führung von Che Guevara. Unter den Aufständischen war Laurent-Désiré Kabila, der 30 Jahre später den langjährigen Diktator Mobutu Sese Seko entmachten sollte. Dieser geheime kubanische Einsatz erwies sich als völliger Fehlschlag. Dagegen hatte Kuba entscheidenden Einfluss im Unabhängigkeitskrieg von Guinea-Bissau gegen Portugal 1966 bis 1974.
Während der 1970er und 1980er Jahre verstärkte Kuba seine militärische Präsenz im Ausland, vor allem in Afrika. Zeitweise standen bis zu 50.000 Mann in Angola, 24.000 in Äthiopien und hunderte in anderen Ländern. Kubanische Streitkräfte spielten eine Schlüsselrolle im Ogadenkrieg zwischen Äthiopien und Somalia und unterhielten dort über ein Jahrzehnt eine substanzielle Garnison. In Mosambik ab 1977 und in Kongo-Brazzaville (heute Republik Kongo) waren sie als Berater tätig; letztere war ein wichtiger Stützpunkt für die Intervention in Angola.
Die kubanisch-sowjetischen Beziehungen waren nie einfach und Kubas Aktivitäten im Ausland führten in Moskau zu Irritationen. Diese Spannungen entgingen auch nicht dem US-Geheimdienst CIA, der in einem Bericht kurz nach dem Tode Che Guevaras bemerkte: „Breschnew hält Castro für irgendeinen Idioten und Castro hält vermutlich auch keine großen Stücke auf Breschnew“. Ein Großteil der Spannungen war gemäß dieser Analyse auf Kubas Unterstützung von Untergrundkriegen in vielen lateinamerikanischen Ländern zurückzuführen, während die Sowjetunion darauf aus war, gerade mit jenen Regierungen diplomatische und wirtschaftliche Bande zu knüpfen, die die Kubaner stürzen wollten.
Nelkenrevolution und Unabhängigkeit Angolas
Die Nelkenrevolution am 25. April 1974 in Portugal überraschte die übrige Welt und führte zur plötzlichen Unabhängigkeit der letzten Kolonien in Afrika, Angola, Kap Verde, Mosambik und São Tomé und Príncipe, ohne dass dafür weiter gekämpft werden musste. Guinea-Bissau, eine weitere portugiesische Kolonie in Afrika, hatte im Jahr davor seine Unabhängigkeit noch erkämpfen müssen. Mosambik wurde verhältnismäßig unproblematisch am 25. Juni 1975 in die Unabhängigkeit entlassen, auch Kap Verde und São Tomé und Príncipe erhielten im Sommer 1975 weitgehend unproblematisch ihre Eigenständigkeit. Angola dagegen wurde zum Zankapfel zwischen rivalisierenden Befreiungsgruppen MPLA, FNLA und UNITA im eigentlichen Angola sowie der FLEC in der Exklave Cabinda.
Bis dahin hatte, trotz erheblicher Gegensätze untereinander, der Befreiungskampf gegen die Portugiesen oberste Priorität. Anfangs hatten sie keine klaren bzw. festgelegten Bindungen und erhielten Unterstützung von einem großen Spektrum von Ländern, die teilweise mehrere Gruppen gleichzeitig oder auch abwechselnd unterstützten. Bis zur portugiesischen Revolution waren sie jedoch mehr oder weniger in das östliche (MPLA) oder westliche (UNITA, FNLA, FLEC) Lager gedriftet. Als Portugal von der Bildfläche verschwand, traten wieder ihre ethnischen und ideologischen Differenzen in den Vordergrund. Die Uneinigkeit, bzw. die Weigerung der drei Bewegungen zu gemeinsamen Verhandlungen, verhinderten die Machtübergabe durch die Portugiesen. Der Vertrag von Alvor, den sie am 15. Januar 1975 unterzeichneten, stellte dafür keine solide Basis dar. Vor allem kam keine Einigung zustande, wer den Interims- bzw. ersten Präsidenten Angolas vom Tag der Unabhängigkeit bis zur ersten Wahl stellen sollte.
Die Übergangsregierung, die dieser Vertrag vorsah, war zu gleichen Teilen von den drei Befreiungsbewegungen und Portugal besetzt und wurde am 31. Januar 1975 eingesetzt; der Tag der Unabhängigkeit war für den 11. November 1975 vereinbart, dem Tag des Waffenstillstandes. Die FLEC wurde an den Verhandlungen in Alvor nicht beteiligt, weil sie sich für die Unabhängigkeit Cabindas einsetzte, das von den Portugiesen als Exklave administrativ mit Angola verbunden worden war.
Bürgerkrieg: Kampf um die Hauptstadt
In Luanda brachen schon zwei Wochen nach der Amtsübernahme durch die provisorische Regierung Kämpfe aus. Für die MPLA war dies der Beginn des „Zweiten Befreiungskrieges“. FNLA-Truppen, die von Zaire eingeflogen worden waren, begannen schon im Oktober 1974 in die Stadt einzurücken. Die MPLA, noch in interne Machtkämpfe verstrickt, folgte später und in kleinerer Zahl. Die Kämpfe verbreiteten sich schnell im ganzen Land. Jede Befreiungsbewegung wollte bis zur Unabhängigkeit die besten strategischen Ausgangspunkte innehaben; am wichtigsten war die Kontrolle über die Hauptstadt. In einer Besprechung des Nationalen Sicherheitsrates (NSC) der USA am 27. Juni 1975 machte Präsident Ford klar, dass es trotz der geplanten Wahlen wichtig sei, „seinen Mann“ zuerst reinzukriegen, womit er meinte, dass der Anführer der UNITA, Jonas Savimbi, vor den Wahlen Luanda in der Hand haben sollte. Nach Geheimgesprächen unter Beteiligung Südafrikas verbündeten sich FNLA und UNITA und zogen sich aus der provisorischen Regierung zurück, die offiziell am 14. August aufgehoben wurde.