An diesem Tag

Krolloper

Ehemaliges Opernhaus in der Nähe des Brandenburger Tors in Berlin

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Die Krolloper (zeitweilig auch Kroll’sches Theater, Kroll’scher Wintergarten oder Krolls Etablissement) war ein Gebäudekomplex im Großen Tiergarten in Berlin. Er lag an der Westseite des Königsplatzes auf dem Parkgelände, das heute von der Großen Querallee, der Paul-Löbe-Allee, der Heinrich-von-Gagern-Straße und der John-Foster-Dulles-Allee umsäumt ist. Im Lauf einer wechselvollen Geschichte diente die Anlage zwischen 1844 und 1951 als Vergnügungsetablissement, Komödienbühne, Textillager, Opernhaus und während der Zeit des Nationalsozialismus als Ersatzsitzungsort des Parlaments für das 1933 bei einem Brandanschlag stark beschädigte Reichstagsgebäude.

Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. gab den Anstoß dazu, in seiner Residenz einen neuen Ort vornehmer Geselligkeit zu errichten, nachdem er 1841 bei einem Besuch in Breslau den Kroll’schen Wintergarten kennengelernt hatte. Dem Unternehmer Joseph Kroll überließ man in Berlin kostenlos ein Baugrundstück am Rande des Exerzierplatzes, einer staubigen, bei Regen schlammbedeckten Fläche knapp außerhalb der alten Stadtgrenze. Gefordert wurde allerdings ein persönliches Startkapital von 30.000 Talern, das Kroll sich leihen musste. Auch musste er sich verpflichten, bei Misserfolg das Grundstück zurückzugeben und seine neu errichteten Gebäude wieder abzureißen.

Am Neubau war maßgeblich der königliche Baumeister Ludwig Persius beteiligt – ein deutlicher Hinweis darauf, dass das Projekt dem König am Herzen lag –, dazu kamen die ebenfalls prominenten Architekten Carl Ferdinand Langhans und Eduard Knoblauch. Nach nur zehn Monaten Bauzeit konnte das Unternehmen am 15. Februar 1844 mit einem prachtvollen Ball eröffnet werden. Die schlossartige Anlage bestand aus einem zweigeschossigen Mittelteil zwischen niedrigen Gebäudeflügeln sowie einigen Nebengebäuden. Sie bot Platz für 5000 Gäste, die in zwei Wintergärten, 14 größeren Gesellschaftsräumen und drei großen Sälen, darunter dem besonders prunkvoll ausgestatteten „Königssaal“, bewirtet und von 60 Musikern unterhalten wurden. Eine technische Besonderheit waren die 400 Flammen der gerade neu eingeführten Gasbeleuchtung. Bei seiner Eröffnung galt das „Krollsche Festlocal“ als „vielleicht das größte und schönste, das jetzt in dieser Art irgendwo zu finden ist“.

Das erste Geschäftsjahr konnte durchaus erfolgreich gestaltet werden. In den Straßen Berlins warben großflächige Plakate für aufwendig dekorierte Maskenbälle, Italienische oder Chinesische Nächte, Verlosungen oder Weihnachtsausstellungen. Vorübergehend gastierte auch der Wiener Walzerkönig Johann Strauss bei Kroll – zog sich aber sehr bald wieder zurück, weil, wie er feststellte, seine Musik „dem berlinischen Naturell wenig anhaben konnte“. Trotz aller Anstrengungen stellten sich allmählich wirtschaftliche Schwierigkeiten ein. Joseph Kroll starb 1848 an einem Leberleiden – zuvor bedauerte er, einst dem König begegnet zu sein und sich in Berlin engagiert zu haben.

Krolls älteste Tochter Auguste (1821–1907) übernahm den Betrieb, erweiterte ihn und zeigte Attraktionen wie Dompteurnummern mit wilden Tieren und eine große Gewerbeausstellung. Sie beantragte und erhielt eine Konzession für Theateraufführungen, ließ im Königssaal ein Podium bauen und dort zunächst Volkstümliches aufführen – Komödien, Lustspiele und Lokalpossen. Aber auch einige Opern kamen ins Repertoire, etwa Martha von Friedrich von Flotow und Der Barbier von Sevilla von Rossini. Insbesondere protegierte Auguste Kroll einen Komponisten, der trotz mehrfach guter Publikumserfolge ständig am Rande des Existenzminimums lebte: Albert Lortzing. Seine Opern Der Waffenschmied, Undine und Zar und Zimmermann wurden bei Kroll gespielt, die angespannte finanzielle Lage des Unternehmens erlaubte es allerdings nicht, ihm Tantiemen oder Honorare zu zahlen. Im Februar 1851 brannte das Etablissement bis auf die Grundmauern nieder, nachdem Teile der Theaterkulissen beim Anzünden der Beleuchtung Feuer gefangen hatten. Nur der Garten und das Sommertheater blieben verschont. Die Feuerversicherung zahlte 80.000 Taler – und schon ein Jahr später war das Haus wieder aufgebaut, der Baumeister Eduard Titz gestaltete es noch eindrucksvoller als zuvor.

Im Jahr 1853 heiratete Auguste Kroll den ungarischen Musiker Jakob Engel, der bei ihr als Kapellmeister angestellt war. Das musikalische Programm wurde anspruchsvoller, neben die leichtgängigen Opern traten Werke wie Rossinis Otello oder Kompositionen von Richard Wagner. Am seit langem bestehenden Missverhältnis zwischen hohen Betriebskosten und relativ niedrigen Einnahmen änderte sich nichts. Am 1. April 1855 musste das hoch verschuldete Unternehmen schließen. Mehrere Jahre lang führte einer der Gläubiger den Betrieb weiter, auch er ohne Erfolg. Bei einer Zwangsversteigerung erwarb Jakob Engel 1862 das immer noch verschuldete Unternehmen zurück. Unklar blieb, woher er die erforderlichen 109.000 Taler bekommen hatte. Bei der Programmgestaltung verzichtete er nun auf die kostspieligen Operndarbietungen. Dennoch entstand bald wieder eine kritische Situation. 1869, im Jahr des 25-jährigen Betriebsjubiläums, wurde im Norddeutschen Bund durch die Gewerbeordnung die Gewerbefreiheit eingeführt. Der Konzessionszwang fiel weg, zahlreiche Privatunternehmen entstanden und der Konkurrenzdruck wuchs. Engel wollte verkaufen, aber seine Bemühungen scheiterten an der hohen Hypothekenbelastung. Größere Investitionen verboten sich, weil die Rechtslage des ganzen Areals über viele Jahre hinweg unsicher war. Seit 1864 hieß der Exerzierplatz Königsplatz und wurde grundlegend zu einem repräsentativen Stadtplatz umgestaltet. In den 1870er Jahren gab es im Parlament wiederholt langwierige Diskussionen um den Standort des neuen Reichstagsgebäudes, mit der Option, das Kroll’sche Etablissement dafür abzureißen. Eine Entscheidung fiel erst 1876 – der Neubau des Reichstags entstand auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes – und Jakob Engel konnte einige seiner Pläne realisieren, zum Beispiel 1885 die alte Gasbeleuchtung durch elektrisches Licht ersetzen – eine Premiere in Berlin. Der Unternehmer starb 1888, sein Sohn versuchte erfolglos, gegen das schwindende Interesse des Berliner Publikums anzugehen. 1894 musste er aufgeben.

Königliches Operntheater (1894–1933)

Julius Bötzow, der Besitzer der Bötzow-Brauerei, betrieb das Haus seit 1894 mit mäßigem Erfolg als reinen Gaststättenbetrieb mit einigen wenigen Konzerten. 1895 ließ er von Gustav Hochgürtel und Felix Genzmer ein Bühnenhaus mit einer Vorhalle aus Eisen und Glas im Garten errichten und verpachtete es zunächst, verkaufte es aber 1896 an die Königlichen Schauspiele, eine Institution des Preußischen Staates. Damit endete die Zeit als privat geführtes, multifunktionelles Vergnügungsetablissement und es begann die Geschichte der Krolloper als staatlichem Opernhaus. Das Gebäude bekam den Namen Neues Königliches Operntheater und wurde bis 1898 für den neuen Zweck umgebaut. Danach diente es als Ausweichbühne für andere staatliche Theater, wenn dort längere Bauarbeiten nötig wurden. Es gab aber auch bemerkenswerte eigene Produktionen mit großen Sängern wie Enrico Caruso und der Musik „moderner“ Komponisten wie Igor Strawinski und Gustav Mahler – und Publikumserfolge wie die Serie von 98 Aufführungen der Operette Die Fledermaus von Johann Strauss.

Kaiser Wilhelm II. wünschte sich allerdings an gleicher Stelle ein noch prunkvolleres und größeres Opernhaus mit mindestens 2500 Plätzen. Seit 1904 wurde das Projekt „Neues Königliches Opernhaus Berlin“ erörtert. Zunächst war beabsichtigt, die historische Staatsoper Unter den Linden dafür abzureißen. 1909 wurden die Pläne konkreter, nun wurde der Standort der Krolloper für den Neubau in Aussicht genommen. Der Berliner Stadtbaurat und Architekt Ludwig Hoffmann legte Ende 1913 Entwürfe vor, das Preußische Abgeordnetenhaus bewilligte die notwendigen Geldmittel. Im Sommer 1914 begannen Abrissarbeiten an der Krolloper, sie wurden aber bei Kriegsbeginn am 1. August 1914 sofort wieder eingestellt. Während des Ersten Weltkriegs wurden die Räume, soweit sie noch brauchbar waren, mit Wolle und Lumpen gefüllt, dem Material der Zentralsammelstelle der Reichswollwoche. Den Sommergarten nutzte man in der warmen Jahreszeit als Nachmittagsheim für verwundete Krieger.

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