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Krimtataren

Turksprachige Ethnie

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Die Krimtataren (krimtatarisch qırımtatar, qırımtatarları) sind eine ursprünglich auf der Halbinsel Krim lebende turksprachige Ethnie. Ihre Sprache, das Krimtatarische, gehört zur Gruppe der nordwestlichen Turksprachen.

Krimtataren unterscheiden sich deutlich von den Wolga-Ural-Tataren und werden deshalb – vornehmlich von den Türken aus der Türkei (Türkeitürken) – als Krimtürken bezeichnet. Dies trägt der Tatsache Rechnung, dass sich ihre Schriftsprache von einer regionalen Variante des Osmanischen ableitet und daher dem Türkischen sehr nahesteht.

Die Krimtataren gelten als indigenes Volk der Ukraine.

Zur Herkunft gibt es verschiedene Theorien. Einer Theorie nach sind die Krimtataren Nachkommen vieler Bevölkerungen, die auf der Krim lebten oder sie eroberten (Mongolen, Chasaren, Griechen, Iraner, Hunnen, Bulgaren, Petschenegen, Kumanen, Krimgoten und später Krimarmenier, Venezianer und Genueser). Ihre Wurzeln werden also durch verschiedene Ethnien gebildet. So werden hauptsächlich Kiptschaken und Tataren (Zentralkrim), Nogaier-Tataren (nördliches Steppengebiet) und osmanische Türken (südlicher Küstenstreifen) zu ihren Vorfahren gezählt. Letztere assimilierten zahlreiche Venezianer und Genueser; ihre Sprache, eine regionale Variante des Osmanischen, war zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert die lingua franca der Krim und beeinflusste die tatarischen und nogaischen Umgangssprachen.

Einer anderen Theorie nach sind die Krimtataren Nachkommen der Kiptschaken, die im Zuge der mongolischen Eroberungen auf der Krim ansässig wurden und später nach dem Zerfall der Goldenen Horde ein eigenständiges Khanat gründeten.

Die seit dem 13. Jahrhundert sunnitischen Krimtataren trugen wesentlich zur Verbreitung des Islam in der Ukraine bei.

Im 15. Jahrhundert geriet die mongolische Goldene Horde in innere Unruhen, durch die es zu mehreren Abspaltungen kam. Hacı I. Giray aus einem Adelsgeschlecht der Dschingisiden gründete etwa 1444 mit Unterstützung des Königreichs Polen, des Großfürstentums Litauen und des Großfürstentums Moskau ein eigenes Khanat mit der Krim als Zentrum – nachdem er zuvor erfolglos versucht hatte, die Macht in der Goldenen Horde an sich zu reißen. Das zunächst – bis 1478 – instabile Khanat beherrschte bis 1792 große Teile der modernen Ukraine und Südrusslands; unter anderem ab 1556 die Gebiete der Nogaier im nordkaukasischen Kuban. Hauptstadt wurde das um 1450 gegründete Bachtschyssaraj, von wo aus die meiste Zeit über ein Giray-(كرايلر)-Khan herrschte. Neben den Giray und den Nogaiern waren die Şirin, Barın, Arğın, Qıpçaq und später Mansuroğlu und Sicavut stets sehr einflussreich. Das Khanat der Krim war damit weniger mongolisch als die Goldene Horde und es war sogar maßgeblich an deren Untergang 1502 beteiligt. Bis zur Schlacht bei Molodi (1571) war es einer der bedeutendsten Staaten Osteuropas. Auch danach und bis ins 18. Jahrhundert war es ein Machtfaktor in der Region: Es ging Bündnisse mit anderen Nachfolgestaaten der Goldenen Horde, insbesondere mit den Khanaten von Kasan und Astrachan, ein. 1648 verhalf es dem Hetmanat der Ukraine zur Loslösung von Polen-Litauen, indem es eine Allianz mit den Saporoger Kosaken des Bohdan Chmelnyzkyj einging. Während des Zweiten Nordischen Krieges (1655–1660) verbündete es sich mit Polen und half, die Aufteilung durch Russen, Schweden, Siebenbürger und Brandenburger abzuwehren. Im Rahmen dieses Bündnisses drangen 1656 Krimtataren in das Herzogtum Preußen ein um zahlreiche Städte und Dörfer zu zerstören. Dieser Feldzug ist in der Geschichte Preußens als Tatarensturm bekannt.

Das Khanat der Krim betrieb regen Handel mit dem Osmanischen Reich, dessen Schutzherrschaft es unter Beibehaltung hoher Autonomie von 1478 bis 1774 genoss. Von 1758 bis 1787 stellten die mankitischen Nogaier den Khan. Im Frieden von Küçük Kaynarca (1774) mussten die Osmanen die Unabhängigkeit der Krim anerkennen. Ab 1783 war das Khanat unter zunächst mittelbarer und ab dem Vertrag von Iași (1792) unter unmittelbarer russischer Herrschaft.

Sklaverei und das Khanat der Krim

Die Krim war schon vor Bildung des Krimkhanats ein wichtiger Ausgangspunkt des Sklavenhandels. Aufbauend auf der nomadischen Lebensweise der Krimtataren machten diese Aktivitäten zeitweise den Hauptteil der krimtatarischen Wirtschaft aus. Die Raubzüge in die meist slawischen Nachbargebiete begannen im Jahr 1468 und endeten erst im ausgehenden 17. Jahrhundert.

Ihre reiche Beute an Menschen machten die Krimtataren mit Raubzügen in die Ukraine, nach Südrussland und 1656 bis nach Masuren. An diesen im Tatarischen „Ernte der Steppe“ genannten Raubzügen mussten sich die meisten Männer ab einem gewissen Alter beteiligen. Die Sklaven wurden anschließend auf die Krim gebracht, von meist christlichen Händlern (Griechen, Armeniern) in Kefe gekauft und von dort in das Osmanische Reich oder den Nahen Osten weiterverkauft. Zur bekanntesten Figur unter diesen Sklaven wurde Roxelane, die spätere Frau Süleymans des Prächtigen. Die genaue Zahl der Sklaven ist schwer zu ermitteln.

Große Gewinne erzielten die Krimtataren auch mit Lösegeldern aus den betroffenen Ländern bzw. aufgrund von Tributzahlungen solcher Länder mit dem Zweck, Raubzüge zu verhindern.

Die Raubzüge der Krimtataren lasteten lange Zeit als ein schweres Problem auf den christlichen Nachbarn des Khanats, sowohl auf dem Russischen Zarenreich als auch auf Polen-Litauen, zu dem damals die Ukraine und Weißrussland gehörten. Auch das Fürstentum Moldau war von den Raubzügen der Krimtataren betroffen. Ganze Landstriche wurden entvölkert und geplündert, was diese Staaten erheblich schwächte. Im 16. Jahrhundert musste Russland jedes Jahr bis zu 80.000 Mann rekrutieren, die an den südlichen Befestigungen (Russische Verhaulinie) gegen die blitzschnellen und durch die Tausende Kilometer lange Steppengrenze kaum berechenbaren Einfälle der Steppenreiter Dienst taten. Für den Abwehrkampf gegen die Krimtataren musste ein Drittel des Staatshaushalts aufgebracht werden.

Die Einfälle der Krimtataren waren ein häufiger Grund für Kriege und trugen außerdem zur Herausbildung der ukrainischen Kosaken als unabhängige, demokratisch organisierte Reiterkrieger bei.

Annexion des Krim-Khanats und russische Herrschaft

Nachdem Russland 1771 die Krim erobert hatte, ersetzte es das osmanische Protektorat durch ein eigenes und garantierte die Existenz des Khanats als „freies, von niemand abhängiges Gebiet“. Nach dem russischen Sieg 1774 über die Osmanen folgte mit dem Friede von Küçük Kaynarca eine neunjährige Zeit einer relativen Unabhängigkeit der Krimtataren. Mit dem Rückzug der Osmanen erfolgten in der krimtatarischen Oberschicht Debatten über eine neue Ausrichtung ihrer Außenpolitik. Es kam mehrfach zu Rebellionen der ausgesprochen antirussisch gesinnten tatarischen Bevölkerung gegen den erstarkenden russischen Einfluss. Katharina die Große duldete Şahin Giray als Khan auf dem Thron, der jedoch mit seiner prorussischen Annäherung und Reformpolitik in der Bevölkerung keine Sympathien gewann. Mehrfach intervenierte das Russische Kaiserreich militärisch, um dessen Gegner auszuschalten und Sahin wieder einzusetzen. Es kam zu größeren Zerstörungen. Mit der Umsiedlung der auf der Krim lebenden Griechen und Armenier auf russisches Territorium brach eine wichtige Handelsstütze in der krimtatarischen Gesellschaft zusammen.

Letzten Endes erfolgte die Annexion durch Russland auf Anraten und unter Kommando Grigori Alexandrowitsch Potjomkins im Jahre 1783. Der Khan wurde durch einen russischen Gouverneur ersetzt (Gouvernement Taurien), der krimtatarische Adel (mirza) in die Verwaltungsstruktur des Khanats integriert. Sein Landbesitz und seine Privilegien wurden garantiert. Auch die tatarischen Bauern behielten ihr Land. Aufgrund dieser Politik blieben große Erhebungen gegen die russische Herrschaft aus. Mit der geförderten Ansiedlung von russischen und ausländischen Siedlern auf der Krim, der damit verbundenen Enteignung, der Verdrängung des Adels aus der Administration und den Städten wurden Krimtataren in größeren Auswanderungswellen (größere in den 1790er und 1850er Jahren) in die Emigration getrieben. Sie siedelten sich in Teilen des heutigen Rumäniens und Bulgariens an, die damals zum Osmanischen Reich gehörten. Viele Badehäuser, Moscheen, Springbrunnen und Zeugnisse der Antike wurden zerstört. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Krimtataren zu einer Minderheit auf der Krim geworden. Alle wichtigen Verwaltungsaufgaben wurden von Russen übernommen, die demographisch und wirtschaftlich geschwächte Bevölkerungsgruppe der Krimtataren auch politisch entmachtet.

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