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Krieg in Afghanistan 2001–2021

Krieg im Afghanistan von 2001 bis 2021

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Der Krieg in Afghanistan 2001–2021 begann mit der von den USA geführten Intervention Operation Enduring Freedom im Herbst 2001, mit dem eine neue Phase des seit 1978 andauernden Konflikts in Afghanistan eingeleitet wurde, und endete mit dem Sieg der 1994 gegründeten deobandisch-islamistischen Terrorgruppe Taliban.

Die Regierung der Vereinigten Staaten (von 2001 bis 2009 die Regierung unter George W. Bush) und ihre Verbündeten verfolgten bei der Invasion in Afghanistan das Ziel, die seit 1996 herrschende Taliban-Regierung zu stürzen und die Terrororganisation al-Qaida zu bekämpfen. Letztere ist für die Terroranschläge am 11. September 2001 verantwortlich. Dazu gingen die Vereinigten Staaten in Afghanistan ein Bündnis mit der Anti-Taliban-Koalition der Nordallianz ein, deren Truppen am 7. Oktober 2001 mit US-Luftunterstützung die Stellungen der Taliban angriffen. Diese Phase des Krieges endete mit der Eroberung der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001 durch die Nordallianz.

Es folgte die Einsetzung einer Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai auf der parallel stattfindenden ersten Petersberger Afghanistan-Konferenz. Zum Schutz dieser Regierung und zur Unterstützung des Wiederaufbaus wurde durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Dezember 2001 eine von NATO-Staaten und mehreren Partnerländern gestellte Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe (International Security Assistance Force, ISAF) mandatiert. Die afghanische Zentralregierung war seit 2003 zunehmend Angriffen durch häufig als „Neo-Taliban“ bezeichnete Guerilla-Gruppen ausgesetzt. Um deren Vormarsch zu bremsen, wurde das Engagement von ISAF schrittweise erheblich ausgeweitet. Mit der Zeit wurde auch klar, dass in den Aufbau afghanischer staatlicher Strukturen mehr investiert werden musste, um letztlich den Krieg beenden zu können.

Am 14. April 2021 kündigte US-Präsident Joe Biden den Abzug aller US-Streitkräfte aus Afghanistan bis zum 11. September 2021 an. Die übrigen beteiligten NATO-Länder schlossen sich dem an.

Im August 2021 konnten die Taliban massive Geländegewinne im Land verbuchen, woraufhin die afghanische Regierung eine friedliche Machtübergabe an die radikal-islamistischen Taliban ankündigte. Am 15. August nahmen die Taliban den Präsidentenpalast sowie verlassene Polizeidirektionen in Kabul ein und verkündeten, dass der Krieg beendet sei. Am 19. August proklamierten die Taliban das Islamische Emirat Afghanistan. Am 6. September 2021 nahmen sie laut eigenen Angaben die letzte nicht unter ihrer Kontrolle stehende Provinz Pandschschir ein. Zuvor hatte sich dort mit der Nationalen Widerstandsfront von Afghanistan ein kleiner Widerstand gebildet.

Insgesamt kostete der Krieg schätzungsweise 176.000 Menschen das Leben, darunter 46.319 Zivilisten. In den Jahren nach der Invasion von 2001 kehrten mehr als 5,7 Millionen Flüchtlinge nach Afghanistan zurück, aber als die Taliban 2021 an die Macht zurückkehrten, waren immer noch 2,6 Millionen Afghanen Flüchtlinge und weitere 4 Millionen Binnenvertriebene.

Krieg in Kabul und anderen Gebieten Afghanistans

Nach dem Abzug der Sowjetarmee folgte ein innerafghanischer Krieg unter Beteiligung verschiedener Regionalmächte. Dieser war durch den Rückzug der beiden Supermächte und das Desinteresse weiter Teile der internationalen Gemeinschaft an der Lage in Afghanistan geprägt. Die vakante Stelle nahmen die Regionalmächte, in besonderem Maße Pakistan, aber auch die Islamische Republik Iran, Saudi-Arabien und Usbekistan, ein. Pakistans Zusammenarbeit mit dem Milizenführer Gulbuddin Hekmatyār war einer der Hauptgründe für die militärische Eskalation in der Hauptstadt Kabul im Jahr 1992.

Nach dem Ende der sowjetisch gestützten Regierung hatten die Peschawar-Abkommen, auf den sich die Mudschahedin-Parteien geeinigt hatten, den Islamischen Staat Afghanistan errichtet und eine Übergangsregierung ernannt. In der Folge wandte sich jedoch die Miliz Hizb-i Islāmī von Gulbuddin Hekmatyār gegen den neu gegründeten Staat und startete mit pakistanischer Unterstützung eine Bombenkampagne gegen die Hauptstadt Kabul. Dies geschah, obwohl Hekmatyār wiederholt das Amt des Ministerpräsidenten angeboten worden war. Hekmatyār wurde von Pakistan bewaffnet, finanziert und angeleitet. Afghanistan-Experte und Universitätsprofessor Amin Saikal kam in seinem 2006 erschienenen Buch Modern Afghanistan: A History of Struggle and Survival zu dem Schluss:

Während der intensivsten Phase des Bombardements durch Hekmatyār und die von Raschid Dostum geführte Miliz Dschunbisch-i Milli starben in Kabul über 25.000 Menschen.

Kabul wurde zum Symbol der Fragmentierung des Landes, während Spannungen zwischen weiteren Milizen eskalierten, die von Iran einerseits und Saudi-Arabien andererseits unterstützt und in gewissen Aspekten kontrolliert wurden. Kabul war in verschiedene Einflusszonen aufgeteilt, auf die sich die meisten Kämpfe konzentrierten. Auch Kandahar im Süden des Landes und Mazār-i Scharif im Norden erlebten blutige Kämpfe. Dagegen waren die im Sowjetisch-Afghanischen Krieg verwüsteten ländlichen Regionen von Kämpfen kaum betroffen, und der Wiederaufbau begann. Die Machtstrukturen in Afghanistan waren stark dezentralisiert. Der Süden Afghanistans war weder unter der Kontrolle der Zentralregierung noch unter der Kontrolle von außen kontrollierter Milizen wie der Hekmatyārs. Ihn beherrschten lokale Milizen- oder Stammesführer.

1994 traten die Taliban erstmals in Kandahar in Erscheinung. Die Taliban-Bewegung stammte ursprünglich aus religiösen Schulen für afghanische Flüchtlinge in Pakistan, die meist von der politischen pakistanischen Partei Jamiat Ulema-e-Islam geführt wurden. Im Laufe des Jahres 1994 übernahmen die Taliban die Macht in verschiedenen südlichen und westlichen Provinzen Afghanistans.

Ende 1994 gelang es dem afghanischen Verteidigungsminister Ahmad Schah Massoud (1953–2001), die in Kabul um Vorherrschaft kämpfenden Milizen militärisch zu besiegen. Kabul erlebte eine kurze Phase relativer Ruhe. Massoud initiierte einen politischen Prozess mit dem Ziel nationaler Konsolidierung und demokratischer Wahlen, an der sich Vertreter aus einem Großteil der afghanischen Provinzen beteiligten. Massoud lud die Taliban ein, sich diesem Prozess anzuschließen und sich an der Schaffung von Stabilität zu beteiligen. Die Taliban lehnten eine demokratische Staatsform ab.

Anfang 1995 starteten die Taliban großangelegte Offensiven zur Bombardierung Kabuls. Amnesty International schreibt dazu:

Die Taliban erlitten zunächst schwere Niederlagen gegen die Truppen Massouds, sodass manche Beobachter bereits das Ende der Taliban vermuteten. Mitte 1996 hatten sie sich jedoch mit Unterstützung Pakistans und Saudi-Arabiens neu organisiert und planten eine erneute Großoffensive gegen Kabul. Am 26. September 1996 befahl Massoud einen strategischen Rückzug seiner Truppen in den Norden Afghanistans. Am 27. September 1996 marschierten die Taliban in Kabul ein und errichteten das Islamische Emirat Afghanistan, das lediglich von Pakistan, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt wurde. Eine militärische und politische Opposition unter der Führung Massouds, die Nordallianz, behielt den Nordosten des Landes unter ihrer Kontrolle. Die Nordallianz stellte weiter die formal von den meisten Staaten sowie den Vereinten Nationen anerkannte Regierung.

Taliban/Pakistan/Al-Qaida gegen Nordallianz

Mit dem Vormarsch der Taliban ab 1994 weiteten sich wiederum Kampfhandlungen auch auf Gebiete außerhalb von Kabul aus. Die Taliban verhängten über die Gebiete unter ihrer Kontrolle ihre politische und juristische Interpretation des Islam. Frauen lebten quasi unter Hausarrest. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen begingen die Taliban systematische Massaker gegen die Zivilbevölkerung, während sie versuchten, ihre Kontrolle im Westen und Norden Afghanistans zu konsolidieren. Die Vereinten Nationen benannten 15 Massaker in den Jahren 1996 bis 2001. Diese seien „höchst systematisch gewesen und alle auf das Verteidigungsministerium [der Taliban] oder Mullah Omar (1960–2013) persönlich zurückzuführen.“ Die sogenannte 055 Brigade al-Qaidas war ebenfalls an Gräueltaten gegen die afghanische Zivilbevölkerung beteiligt. Der Bericht der Vereinten Nationen zitiert Zeugenaussagen, die beschreiben, dass arabische Milizionäre lange Messer mit sich trugen, mit denen sie Kehlen aufschnitten und Menschen häuteten. Bald entwickelte sich aus der Nordallianz eine nationale politische Widerstandsbewegung gegen die Taliban, der Vertreter aller afghanischen Bevölkerungsgruppen (Paschtunen, Tadschiken, Hazara, Usbeken und Turkmenen) beitraten.

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