Kreta (neugriechisch Κρήτη [ˈkriti] (f. sg.)) ist die größte griechische Insel und mit rund 8261 km² Fläche sowie 1066 Kilometern Küstenlänge nach Sizilien, Sardinien, Zypern und Korsika die fünftgrößte Insel im Mittelmeer. Kreta zählt zur gleichnamigen griechischen Region Kreta.
Die Insel hat etwa 624.000 Einwohner (2021). Größte Stadt, Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum ist Iraklio mit etwa 179.000 Einwohnern.
Der altgriechische Name Κρήτη Krētē ist noch erhalten geblieben, nur der Vokal [ɛː] lautet im Neugriechischen [i]. Kreta ist die eingedeutschte Schreibweise der lateinischen Namensform Creta. Während der Zeit als Kolonie der Republik Venedig wurde die Insel Candia genannt (zurückgehend auf Arabisch Khandaq ‚Graben‘); auch die Hauptstadt Iraklio hieß damals Candia.
Die Etymologie ist unklar. In der Linearschrift B der mykenischen Kultur findet sich die Bezeichnung ke-re-si-jo, sie wird als Κρήσιος *Krēsios ‚Kreter‘ gedeutet und ist möglicherweise vorgriechischen Ursprungs. In Homers Ilias (so im Schiffskatalog, Buch 2, Vers 645) sind die Kreter als die griechischsprachigen Bewohner der Insel in der Form mit t belegt; die vorgriechische Bevölkerung nennt Homer Eteokreter (Ἐτεόκρητες ‚wahre Kreter‘).
Zur Herkunft des griechischen Namens Κρήτη gab es schon in der Antike unterschiedliche Auffassungen. Vier Versionen gehen auf weibliche Figuren namens Krete zurück: Genannt werden eine Tochter Europas namens Krete; eine Geliebte des ägyptischen Königs Ammon, die mit ihm auf die Insel Idaia geflohen sei und die daraufhin in Krete umbenannt wurde; eine Krete der Hesperiden und eine Tochter Deukalions desselben Namens. Weitere Deutungen führen den Namen auf einen mythischen ersten König namens Kres zurück oder auf die Kureten als mythische erste Einwohner der Insel.
Kreta liegt knapp 100 Kilometer südlich des griechischen Festlands. Sie ist die größte griechische Insel und nach Zypern die zweitgrößte des östlichen Mittelmeeres. Die Insel hat eine gestreckte Form, sie misst in Ost-West-Richtung 254 Kilometer bei einer größten Breite von 60,6 Kilometern. An ihrer schmalsten Stelle (bei Ierapetra) ist Kreta 12,1 Kilometer breit. Kreta liegt zwischen 34°55′31″ und 35°41′32″ nördlicher Breite und zwischen 23°31′21″ und 26°18′50″ östlicher Länge. Die Entfernung bis Afrika beträgt 294 Kilometer (Libyen), bis Asien 180 Kilometer (Türkei) und zum europäischen Festland Kap Maleas 96,6 Kilometer.
Die Insel hat eine Fläche von 8261,183 km², ihre Küstenlinie ist 1066 Kilometer lang. Das Meer im Norden wird Kretisches Meer genannt (griechisch Κρητικό Πέλαγος Kritiko Pelagos), das im Süden Libysches Meer (griechisch Λιβυκό Πέλαγος Livyko Pelagos), Kretas Ostende erstreckt sich in das sogenannte Karpathische Meer.
Größere Halbinseln finden sich vornehmlich an der Nordwestküste, die größte davon bildet Akrotiri. Im äußersten Nordwesten ragen die Halbinsel Rodopos und Gramvousa wie zwei ausgestreckte Finger ins Kretische Meer.
Kreta ist sehr gebirgig und wird durch eine von West nach Ost reichende Gebirgskette bestimmt, die zumeist zur Südküste steiler und zum Norden flacher abfällt. Diese Kette ist ein überseeischer Teil eines vom Peloponnes über Kreta, Karpathos und Rhodos bis zum anatolischen Festland reichenden Gebirgsmassivs, das die Südägäische Inselbrücke bildet. Die vier höchsten Erhebungen auf Kreta sind:
Das Ida-Gebirge mit dem Psiloritis als höchstem Berg der Insel (2456 m) befindet sich in Zentralkreta südwestlich der Hauptstadt Iraklio,
die Weißen Berge oder Lefka Ori (2452 m) im Westen liegen nur wenige Meter niedriger als das Psiloritis und sind Teil des flächenmäßig größten Gebirgsmassivs auf Kreta,
das Dikti-Gebirge (2148 m) befindet sich im Südosten der Insel,
die bis zu 1476 Meter hohen Thripti-Berge liegen weiter östlich auf der Insel.
Diesen Gebirgen verdankt Kreta die fruchtbaren Hochebenen Lasithi, Omalos und Nida, Höhlen wie die Diktäische Höhle und tiefe Schluchten wie die bekannte Samaria-Schlucht. Die Messara-Ebene im Süden ist mit etwa 140 km² die größte Ebene der Insel. Sie wird intensiv landwirtschaftlich genutzt. Kreta bildet mit einigen kleineren bewohnten sowie unbewohnten Inseln eine Inselgruppe.
Der steil aufsteigende Archipel von Kreta liegt auf der Ägäischen Platte, unweit der tiefsten Stellen des gesamten Mittelmeers und stellt einen angehobenen Bereich des Forearcs der Subduktionszone dar (Forearc-Rücken). Die gesamte Region ist tektonisch stark aktiv. So verläuft hier der sogenannte Griechische Bogen oder die Hellenische Subduktionszone, ein knapp 1000 Kilometer langer tektonischer Graben, der sich zwischen der europäischen Platte in Südbewegung und der afrikanischen Platte in Nordbewegung befindet. Dadurch schiebt sich die afrikanische Platte unter die europäische Platte. Diese Subduktionszone wird als dominierender Bereich für Erdbeben in der gesamten Kontinentalregion gesehen. Erdbeben können ständig auftreten, richten aber in der Regel kaum nennenswerte Schäden an. 70 bis 150 km nördlich hiervon schließt sich mit dem Kykladenbogen der magmatische aktive Bogen an.
Zwischen 4200 ± 90 BP und 3930 ± 90 BP lag der Meeresspiegel am bisher tiefsten bekannten Punkt (−6,55 ± 0,55 m). Für die Proto- oder Altpalastzeit (1900–1700 oder 1600 v. Chr.) und die Neupalastzeit der minoischen Kultur (1600–1450 v. Chr.) ließen sich zwei Stände feststellen, nämlich bei −3,95 ± 0,35 m und bei −2,70 ± 0,15 m. Ein weiterer Anstieg auf −1,25 ± 0,05 m fand zwischen 1450 und 400 v. Chr. statt. 1604 stieg der Meeresspiegel in kürzester Zeit um 0,70 m an. Seither stieg er um weitere 0,55 m an. Im 4. Jahrhundert wurde der westliche Teil der Insel um 9,15 ± 0,20 m gehoben, der östliche, der sich zudem nach Südosten neigte, um 2 m. Wahrscheinlich entstand mit dem schweren Beben des Jahres 365 der Graben von Spili, entlang dessen die Insel auseinanderbrach. Um 1600 senkte sich der westliche Teil um 1,25 ± 0,05 m gleichzeitig mit der Absenkung des östlichen Teiles der Insel.
Historische, nachweisbare Erdbeben:
Zerstörung des Palasts von Phaistos ca. um 1900 v. Chr.