An diesem Tag

Kraudn Sepp

Bayerischer Zitherspieler und Volksmusiksänger

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Der Kraudn Sepp (eigentlich: Josef Bauer; * 16. August 1896 in Greiling, Bezirksamt Tölz; † 1. April 1977 in Bad Tölz) war ein bayerischer Zitherspieler und Volksmusiksänger, der erst im hohen Alter überregional bekannt wurde.

Josef Bauer wurde als jüngstes von neun Kindern auf dem Greilbauernhof in Greiling geboren. Von seinem 13 Jahre älteren Bruder Hans erlernte er das Zitherspiel. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Bauer zum Militär eingezogen, wo er in Italien, in den Karpaten und in Finnland stationiert war und bereits die Soldaten mit seiner Zither unterhielt. 1918 kehrte Bauer auf den elterlichen Hof zurück und lernte Anfang der 1920er-Jahre die musizierende Familie Trischberger aus Gaißach kennen. Anna, Maria und Benedikt Trischberger gründeten zusammen mit Bauer das Gaißacher Sänger- und Zitherquartett. Im Juni 1923 heirateten Josef Bauer und Anna Trischberger und übernahmen von Annas Großeltern den Kraudnhof in Gaißach-Lehen. Seitdem war Bauer als Krauder oder Kraudn Sepp bekannt. Das Gaißacher Sänger- und Zitherquartett bestand 40 Jahre und hatte über 600 Auftritte. Der bayerische Volksmusikpfleger Kiem Pauli entdeckte das Quartett 1927. Bei dem vom Kiem Pauli in Zusammenarbeit mit Kurt Huber veranstalteten Oberbayrischen Preissingen in Egern erreichte das Quartett 1930 eine Silbermedaille mit dem Lied Franzl und Kathl, das die Entzweiung und Versöhnung eines verlobten Paars beschreibt. Im Oktober 1964 starb Anna Bauer mit 61 Jahren an Krebs und das Quartett zerbrach.

Der Kraudn Sepp startete knapp zwei Jahre später mit fast 70 Jahren eine Solokarriere und trat als Sänger mit seinen Couplets und Liedern in Gastwirtschaften in der Tölzer Umgebung auf. Nunmehr präsentierte er auch Stücke mit explizit erotischem Inhalt (Pfannaflicka, Zu Leipzig auf der Messe), die nicht zum Repertoire des Quartetts gehört hatten. 1967 nahm der Bayerische Rundfunk auf Initiative von Wastl Fanderl einige Lieder mit ihm auf. In der Folge kam es zu einer Reihe von Fernsehauftritten und Einladungen nach München und Bonn. Drei Schallplatten mit dem Kraudn Sepp kamen auf den Markt: Die erste war 1976 betitelt Kraudn Sepp. Die Nachfolgeplatte Kraudn Sepp, Zur Erinnerung 1896–1977 und das Livealbum Kraudn Sepp, G´red und G´sungen zum Geburtstag erlebte der Kraudn Sepp nicht mehr.

Der Kraudn Sepp konnte zeitlebens keine Noten lesen und prägte sich seine Stücke nach Gehör ein. Er pflegte die deftige Wirtshausunterhaltung. Erzähltexte, schlüpfrige Witze, Spottlieder und Stücke mit sexuellen Anspielungen gehörten ebenso zu seinem Repertoire wie Gstanzl und traditionelle Wildererlieder. Eines davon, das über den Trischberger Andrä, hatte einen familiären Bezug: Andreas Trischberger, ein Onkel seiner Frau, wurde 1878 mit 22 Jahren beim Wildern erschossen. Bei seiner Musikauswahl ließ er sich nur von seinem eigenen Geschmack und dem des Wirtshauspublikums leiten. So war eines seiner Lieblingslieder das schlagerhafte „Es muß ein Sonntag gwesn sein“ von Fred Rauch.

Durch seine ungekünstelte und geradlinige Vortragsart und seine undogmatische Herangehensweise an Volksmusik wird der Kraudn Sepp mit Ikonen der amerikanischen Folk-, Country- und Bluesszene wie Hank Williams und Johnny Cash verglichen.

Der Kraudn Sepp war für viele nachfolgende Musiker ein Vorbild, darunter die Biermösl Blosn, Willy Michl, Zither-Manä, Hans Söllner, Sparifankal sowie Williams Wetsox. Erstere rezitierten seine Stücke teilweise in ihrem Live-Programm. Auch Dullijöh wurde mit ihm in Verbindung gebracht.

Georg Kapfer: Der Kraudn Sepp z’Goaßa. In: Saitenspiel 45 (2005), S. 289–292.

Georg Kapfer: Da Kraudn Sepp z’Goaßa. Erinnerungen an ein Isarwinkler Original. In: Volksmusik in Bayern 20 (2003), S. 23–25.

Afra Kris-Heinrich: Der Kraudn Sepp und seine Lieder. Traditionelle Heimatpflege und kritische Volksmusik. In: Jahrbuch für Volkskunde 16 (1993), S. 87–126.

Carl-Ludwig Reichert: Kraudn Sepp, ein bairischer Songster und Gstanzlmo. In: Sänger & Musikanten 49 (2006), S. 196.

Hermann Unterstöger: Aus dem Unterholz der Volksmusik. Das Plattenlabel Trikont entdeckt den bayrischen Sänger Kraudn Sepp wieder. In: Süddeutsche Zeitung, 31. März 2005 (online).

Carola Zinner: Des war doch ois ganz normal. Dem unvergessenen Kraudn Sepp zu Ehren, der vor 15 Jahren gestorben ist. In: Charivari 18 (1992), S. 62–65.

Ein einfacher Mann, aber ein freier Sänger. In: Münchner Merkur, 20. April 2009

Werke vom und über den Kraudn Sepp im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

CD „Sonntag“ auf Trikont mit Hörbeispielen

Kraudn Sepp im Bayerischen Musiker-Lexikon Online (BMLO)

Kraudn Sepp bei MusicBrainz (englisch)

Kraudn Sepp bei AllMusic (englisch)

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