Krakau (polnisch [ˈkrakuf]; jiddisch קראָקע Krake; nichtamtlicher Name polnisch Stołeczne Królewskie Miasto Kraków ‚Königliche Hauptstadt Krakau‘), die Hauptstadt der Woiwodschaft Kleinpolen, liegt im Süden Polens rund 250 km südwestlich von Warschau und ist mit etwa 800.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens.
Die Kreisfreie Stadt an der oberen Weichsel war bis 1596 Hauptstadt des Königreichs Polen, ist mit der Jagiellonen-Universität Sitz der – nach Prag – zweitältesten mitteleuropäischen Universität und entwickelte sich zu einem Industrie-, Wissenschafts- und Kulturzentrum. Zahlreiche Bauwerke der Gotik, der Renaissance, des Barock und späterer Epochen der Kunstgeschichte prägen das Stadtbild. Dies zeigt sich auch an der ehemaligen Residenz auf dem Wawelhügel mit dem Schloss und der Kathedrale, wo die meisten der Könige Polens sowie zahlreiche Persönlichkeiten von herausragender historischer Bedeutung bestattet sind.
Seit 1978 steht Krakau auf der Liste des UNESCO-Welterbes und seit 2013 trägt es den Titel UNESCO-Literaturstadt. Im Jahr 2000 war Krakau Kulturhauptstadt Europas. 2016 fand in Krakau der Weltjugendtag der Römisch-katholischen Kirche statt.
Krakau liegt in Südpolen, im zentral-westlichen Teil der Woiwodschaft Kleinpolen. Durch die Stadt fließt die Weichsel. Auf dem Stadtgebiet von Krakau münden mehrere Nebenflüsse in die Weichsel: die Białucha (Unterlauf des Prądnik), die Rudawa, die Dłubnia, die Drwina Długa und die Wilga. Krakau befindet sich am Schnittpunkt der geographischen Regionen Krakauer Tor (Kleinpolen), Auschwitzer Becken, Sandomirer Becken, Westbeskiden-Vorgebirge und Krakau-Tschenstochauer Jura.
Die Stadt hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 18 Kilometern und eine Ost-West-Ausdehnung von 31 Kilometern. Innerhalb der Verwaltungsgrenzen von Krakau schneidet sich der Meridian 20°O mit dem Breitengrad 50°N. Das ist der einzige Schnittpunkt von vollen Zehntelgraden in Polen.
Die folgenden Landgemeinden (polnisch gmina) grenzen an Krakau: Igołomia-Wawrzeńczyce, Kocmyrzów-Luborzyca, Koniusza, Liszki, Michałowice, Mogilany, Niepołomice, Skawina, Świątniki Górne, Wieliczka, Wielka Wieś, Zabierzów und Zielonki. Diese Gemeinden gehören zu den drei an Krakau angrenzenden Landkreisen (polnisch powiat) Kraków, Wieliczka und Proszowice.
Krakau gliedert sich seit 1990 in 18 Stadtbezirke:
Die Verwaltungsbezirke sind nicht mit den gleichnamigen ehemaligen Orten zu verwechseln, weil sie mehrere ehemalige Orte (Stadtteile) umfassen können. So umfasst etwa der Stadtbezirk I die ursprünglich selbstständigen Städte Kazimierz und Kleparz.
Krakau liegt an der Schwelle vom atlantischen See- zum Kontinentalklima. Je nach vorherrschender Windrichtung wird das Wetter beeinflusst. Westwinde (~40 Prozent) bringen vor allem im Sommer feuchtes Wetter mit Regen, während Ostwinde (~22 Prozent) besonders im Winter trockene und sehr kalte Witterung hervorrufen. Der Wind weht durchschnittlich mit 11 km/h.
Die mittlere Temperatur im Januar beträgt etwa −2 °C, wobei Tiefsttemperaturen von weniger als −20 °C keine Seltenheit sind. Die mittlere Temperatur im Juli beträgt etwa +19 °C, das Thermometer kann aber auch +35 °C und mehr erreichen. Allgemein ist das Wetter sehr ruhig mit geringen täglichen Schwankungen.
An sehr heißen Sommertagen kann es zu kräftigen Gewittern kommen. In den letzten Jahren haben in der Region die Extremwettererscheinungen zugenommen. Dazu gehören Starkregen mit 50 l/m² oder auch kleine Tornados.
In Krakau gibt es 43 Parks, mit einer Gesamtfläche von etwa 397 ha. Das macht etwas mehr als 1 % der gesamten Stadtfläche aus.
Die Landschaftsschutzparks Krakauer Täler und Landschaftsschutzpark Adlerhorste, sowie der Landschaftsschutzpark Bielany-Tyniec, der Landschaftsschutzpark Dłubnia, der Landschaftsschutzpark Rudno und der Landschaftsschutzpark Tenczyn gehören zum Komplex der Landschaftsparks der Woiwodschaft Kleinpolen.
Die fünf Naturschutzgebiete Krakaus sind Bielańskie Skałki, Bonarka, Panieńskie Skały, Skałki Przegorzalskie und Skołczanka. Sie nehmen eine Gesamtfläche von 48,6 ha ein. Das sind 0,15 % der Stadtfläche.
Ein Teil des Stadtgebiets liegt innerhalb des Wildtierkorridors der Weichsel.
In Krakau gibt es 17 ausgewiesene ökologische Gebiete. Ökologische Gebiete sind eine der Formen des Naturschutzes in Polen, hier zum Schutz von Überresten von Ökosystemen, die für die Erhaltung der Biodiversität wichtig sind. Von den 17 ökologischen Gebieten in Krakau befinden sich 16 vollständig innerhalb der Stadt und eines, nämlich Uroczysko w Rząsce, teilweise auch in der Nachbargemeinde Gmina Zabierzów. Uroczysko w Rząsce (deutsch: Rząsceist-Wildnis) wurde 2001 gegründet und ist somit das älteste ökologische Gebiet in Krakau. Die größte Fläche (von allen in Krakau gelegenen) nimmt mit 57,17 ha Łąki Nowohuckie (Neue Hütte-Wiesen) ein und die kleinste mit 0,39 ha Staw w Rajsku (Rajskoer Teich). Die meisten ökologischen Gebiete Krakaus befinden sich im VIII. Bezirk Dębniki.
Vorgeschichte und frühes Mittelalter
Die Wawelanhöhe, auf der das Schloss und die Kathedrale stehen, wurde bereits vor 20.000 Jahren besiedelt. In der Nähe von Krakau bauten die Menschen bereits in Prähistorischen Zeiten Salz ab und handelten damit.