Die Kraftwerksgruppe Kaprun umfasst eine Gruppe von Speicher- und Pumpspeicherkraftwerken samt zugehörigen Talsperren im Salzburger und Kärntner Teil der Glocknergruppe in Österreich. Sie wird von der Verbund Hydro Power betrieben, dem Tochterunternehmen für Wasserkrafterzeugung der Verbund AG.
Die Kraftwerksgruppe Kaprun ist ein Verbund von Speicherkraftwerken, die teilweise zusätzlich auch im Pumpbetrieb laufen können und elektrischen Strom primär zur Abdeckung von Spitzenlast erzeugen. Die Elektrizitätswerke werden von der Zentralwarte in Kaprun aus überwacht und fernbedient. Die elektrische Energie wird über zwei 220-kV-Leitungen zum Umspannwerk Tauern geleitet und dort in das überregionale Hochspannungsnetz eingespeist.
Die Kraftwerksgruppe besteht aus folgenden Staustufen:
Oberstufe (Kraftwerk Limberg & Limberg II) mit: Stausee Margaritze, Stausee Mooserboden
Hauptstufe mit: Stausee Wasserfallboden
Kraftwerk Klammsee mit: Stausee Klammsee
Sie hat derzeit eine installierte Leistung von 833 MW zur Stromerzeugung und 610 MW für den Pumpbetrieb. Das Regelarbeitsvermögen von Limberg und Hauptstufe beträgt (ohne Pumpwälzbetrieb) zusammen jährlich 742 Millionen kWh (742.000 MWh, 742 GWh). Dies entspricht 890 Volllaststunden und einem Jahresnutzungsgrad von 10,2 %.
Das Wasser, das in den Kraftwerken zur Stromerzeugung genutzt wird, stammt zu einem großen Teil aus dem Einzugsgebiet der Möll in Kärnten, in dem mit der Pasterze auch der größte Gletscher Österreichs liegt. Dieses Wasser wird im Stausee Margaritze gesammelt und durch den 11,6 km langen Möll-Überleitungsstollen in den Speicher Mooserboden, abhängig von dessen Wasserspiegel, geleitet oder gepumpt. Es durchtunnelt damit die Wasserscheide des Alpenhauptkamms zwischen Drau/Mur und Salzach/Inn. Nach der Nutzung in der Oberstufe wird das Wasser im Stausee Wasserfallboden gespeichert und nochmals in der Hauptstufe genutzt. Durch die nördlich und südlich des Alpenhauptkamms liegenden Einzugsgebiete können Niederschläge verschiedener klimatischer Zonen erfasst und genutzt – und die Abflüsse auch für den Hochwasserschutz reguliert – werden.
Im Jahr 2011 wurde das Pumpspeicherkraftwerk Limberg II in Betrieb genommen. Dadurch erhöhte sich die installierte Turbinen- und Pumpleistung der Kraftwerksgruppe um 480 MW.
Wenige Wochen nach Inbetriebnahme von Limberg III im September 2025 sind beide Generatoren aufgrund eines Isolationsfehlers ausgefallen. Die Behebung des Schadens soll mit Stand November 2025 mehrere Monate dauern. Die Wiederinbetriebnahme soll von Maschine 2 im Sommer 2026 und von Maschine 1 im Winter 2026 erfolgen.
In Limberg I muss der Transformator getauscht werden, aufgrund der Lieferzeit geschieht das voraussichtlich 2027.
Im Jahr 2029 müssen die Wasserbenutzungsrechte für die gesamte Kraftwerksgruppe erneuert werden. Dafür müssen alle Anlagenteile dem aktuellen Stand der Technik entsprechen und bei Bedarf modernisiert werden. Im Rahmen des Projekt Kaprun 2029 wird der in den 1940er und 50er Jahren erbaute 9 km lange Druckstollen der Hauptstufe unter Einsatz einer Tunnelbohrmaschine komplett neu gebohrt, stellenweise wird im Sprengvortrieb gearbeitet. Das gesamte Bauvorhaben hat einen Kostenrahmen von 370 Mio. Euro und begann 2023; die Fertigstellung ist 2029 geplant.
Gleichzeitig wird unterirdisch ein zusätzliches Pumpspeicherkraftwerk gebaut, das PSW Schaufelberg. Dieses wird vom Speicher Wasserfallboden und Mooserboden gespeist. Es hat eine Leistung von 480 MW und liegt auf 700 m. ü. Adria rund 900 Meter tief im Berg. Die Kosten belaufen sich auf 600 Mio. Euro. Außerdem wird das Schwall-Ausgleichsbecken Kottingeinöden bei Piesendorf errichtet. Von dort fließt das Wassers gleichmäßig in die Salzach und ist zeitlich vom Turbinenbetrieb entkoppelt.
Die Oberstufe besteht aus dem Krafthaus Limberg I und der Kraftkaverne Limberg II, die das Wasser aus dem Stausee Mooserboden zur Stromerzeugung nutzen und im Pumpbetrieb Wasser vom Stausee Wasserfallboden in den Stausee Mooserboden pumpen. Limberg I steht direkt am Fuße der Limbergsperre, die Limberg II ist vollständig unterirdisch angelegt und wurde in den Jahren 2007 bis 2010 parallel zum bestehenden Kraftwerk Limberg errichtet. Weiter fördert das Möllpumpwerk bei Bedarf Wasser aus dem Stausee Margaritze in den Stausee Mooserboden. Seit September 2021 wird die Oberstufe mit einer weiteren Kraftkaverne Limberg III erweitert. Deren Bau wurde aber lange, trotz vorliegender Genehmigung, wegen tiefer Energiepreise im Jahre 2019 und hauptsächlich wegen der fehlenden 380-kV-Salzburgleitung immer wieder verschoben.
Seit 2012 wird das Wasser der Hirzbachüberleitung durch ein Kleinkraftwerk verwertet, bevor es in den Stausee Mooserboden abgegeben wird.
Das Wasser des Speichers Wasserfallboden strömt durch einen 7065 m langen Druckstollen und weiter durch einen 1,4 km langen Druckschacht zum Maschinenhaus, das südlich des Ortskerns von Kaprun steht. Der Druckschacht ist seit Mitte 2004 in Betrieb und ersetzt die alte 1,2 km lange, viersträngige Druckrohrleitung, die 2007 zurückgebaut wurde. Im Maschinenhaus stehen vier Generatorsätze. Das abgearbeitete Wasser fließt über die Kapruner Ache in die Salzach. Ein Pumpbetrieb ist hier nicht vorhanden.
Das Kraftwerk Klammsee dient der Eigenbedarfsversorgung der Kraftwerksgruppe Kaprun. Der Klammsee liegt etwa einen halben Kilometer oberhalb des Maschinenhauses der Hauptstufe und wird durch eine 19 m hohe Gewichtsmauer gebildet, die die Kapruner Ache aufstaut. Die Maschinensätze des Kraftwerks befinden sich im Krafthaus der Hauptstufe.
Idee und erste Konzepte zum Projekt Kaprun-Großglockner entstanden 1928 bei der Firma AEG in Berlin unter dem Titel Tauernkraftwerk oder „Zentralisationsprojekt“. Aufgrund technischer und finanzieller Schwierigkeiten zu Beginn der Weltwirtschaftskrise wurde die Idee Anfang der 1930er Jahre zunächst verworfen und erst 1938 von den Nationalsozialisten wieder aufgegriffen. Die von ihnen 1938 gegründete VIAG-Tochter Alpen-Elektrowerke wurde mit der Ausführung beauftragt.