An diesem Tag

Konsum-, Bau- und Sparverein „Produktion“

Sozialistische Konsumgenossenschaft der Hamburger Richtung

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Die Konsum-, Bau- und Sparverein „Produktion“ eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht, Sitz Hamburg, wurde 1899 gegründet. Sie war im Wesentlichen eine Konsumgenossenschaft. Sie zählte zu den sozialistischen Konsumgenossenschaften der Hamburger Richtung.

Die „Produktion“ war ein Kind des Arbeitskampfes. Die Idee zur Gründung entstand während des Hamburger Hafenarbeiterstreiks von 1896/1897, der elf Wochen dauerte und bis zu 17.000 Streikende umfasste. Die Organisation der Hafenarbeiter und Seeleute war schlecht, Streikfonds gab es praktisch nicht. Das Geld zur Unterstützung musste gesammelt werden. Die Gründerversammlung vom 28. Juli 1898 in der Hamburger Lessinghalle (vor 1906 der zentrale Ort der Hamburger Gewerkschaftsbewegung) am Gänsemarkt 35 wählte einen provisorischen Vorstand und Aufsichtsrat. Die konstituierende Generalversammlung fand am 24. Januar 1899 in Schwaffs Hamburger Ballhaus statt. Anwesend waren 700 Personen, die schriftlich ihren Beitritt zu der zu gründenden Genossenschaft erklärt hatten. Vorbild war die 1844 in Rochdale (England) gründete Konsumgenossenschaft Rochdale Society of Equitable Pioneers. Die Eintragung des Konsum-, Bau- und Sparvereins „Produktion“ erfolgte am 3. Februar. Damit waren über zwei Jahre sich erstreckende Vorarbeiten erfolgreich abgeschlossen. Die erste Generalversammlung fand am 5. Mai 1899 im Hamburger Ballhaus statt. Anwesend waren 520 Mitglieder. Bis zum 1. Mai hatte die neue Genossenschaft 1580 Mitglieder. Das Betriebskapital bestand aus etwa 15.000 Mark. Eine Besonderheit der Produktion waren ihre Notfonds zur Finanzierung von Wohnungen und Unterstützung bei Streiks.

Die erste Verkaufsstelle wurde am 17. Juli 1899 am Groß-Neumarkt eröffnet.

Am 3. Dezember 1901 wurde das Richtfest des ersten eigenen Speichers gefeiert. In die Schwelle wurde eine Urkunde eingemauert. Unterzeichnet war sie vom Vorstand Reinhold Postelt, Ferdinand Wolff und Josef Rieger, vom Aufsichtsratsvorsitzenden Friedrich Lesche und seinem Stellvertreter Adolph von Elm, vom Schriftführer des Aufsichtsrats Max Mendel, und den übrigen Mitgliedern Paul Frenzel, Ernst Kretschmer, Gustav Lehne, Joseph Berkowitz Kohn, Helma Steinbach, Gustav Segnitz und Heinrich Stühmer.

Am 17. März 1902 wurden das Gebäude und die Einrichtungen in Betrieb genommen. Dazu gehörte auch eine eigene Kaffeerösterei.

1906 wurde der PRO-Wohnblock (Baustil „Hamburger Burg“) mit über 200 Wohnungen, Läden und Gastwirtschaft in der Schleidenstraße in Barmbek fertiggestellt. Später eine Hochburg der Arbeitbewegungskultur. In dem Wohnblock entstanden der Barmbeker Volkschor, Barmbeker Fortbildungsverein. Hier ist der Ursprung der Elternräte, der Kinderschutzkommission, der Arbeiterwohlfahrt und vieler anderer Organisationen. Der Wohnungsbestand wuchs bis 1931 auf über 2000 Wohnungen, konnte aber nur von 1,5 % der Mitglieder in Anspruch genommen werden.

Der Gründer der Produktion, Adolph von Elm, wollte den Kapitalismus durch Genossenschaften überwinden. „Nur durch den Zusammenschluss aller derer, die unter dem Joche des Kapitalismus leiden, in einer einheitlichen Konsumentenorganisation kann das Ziel erreicht werden! Nicht ruhen noch rasten darf, wer den Kapitalismus wirtschaftlich bekämpfen will; das Wüten der Scharfmacher in Hamburg gegen die Produktion beweist, dass sie auf dem rechten Wege ist, die Produktion hat der Arbeiterschaft Hamburgs mehr gegeben, als Worte zu sagen vermögen: den Glauben an ihre Kraft!“ Adolph von Elm musste zunächst viel Überzeugungsarbeit leisten, denn im Gegensatz zu England war die Konsumgenossenschaftsbewegung nicht mit der Arbeiterbewegung verzahnt. Arbeiter hatten mit Produktivgenossenschaften keine guten Erfahrungen gemacht und die sozialistische und die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung vermochten in dieser Organisationsform keinen Hebel zur grundlegenden Änderung der Lage der Arbeiterschaft erkennen. Die Gründung der Produktion gilt als markante Zäsur hinsichtlich des Einstellungswandels der Arbeiterschaft.

Als Konsumverein vom Rochdale-Typ zeichnete sich die Produktion folglich zum einen durch eine wirtschaftsdemokratische Unternehmensverfassung und zum anderen durch die Konzeption der genossenschaftlichen Bedarfsdeckungswirtschaft aus. Der Konsumverein ermittelte den Bedarf und gab ihn an die eigenen Produktionsbetriebe weiter.

Ihr gehörten 1913 73.000 Mitglieder an. Die Produktion hatte über 100 Verkaufsstellen und rund 1500 Mitarbeiter. Sie erzielte einen Umsatz von 20 Millionen Mark. Im Dezember 1923 war die Mitgliederzahl auf 134.541 gestiegen.

Aus den Gewinnen der Kriegsproduktion des Fleischereibetriebes der Genossenschaft wurde ein Kinder- und Erholungsheim der Produktion in Haffkrug an der Ostsee 1916/1917 finanziert. Im Juli 1919 besuchte Reichspräsident Friedrich Ebert und Reichswehrminister Gustav Noske mit Mitgliedern des Vorstandes des Genossenschaft „Produktion“ das Kinder- und Erholungsheim und würdigten die vorbildliche soziale Einrichtung. Dabei entstand das umstrittene Badehosenfoto. Ab 1948 Henry-Everling-Haus der PRO-Stiftung und seit 1974 Seniorenerholungseinrichtung.

Entwicklung der Anzahl der Verkaufsstellen

Die Produktion unterhielt 1930 folgende 15 Eigenbetriebe:

1 Mineralwasserfabrik mit Bierabfüllerei

Die chemisch-technische Fabrik wurde im Sommer 1930 stillgelegt und die Produktion auf die Fabrik der GEG auf der Peute, Hamburg, übertragen. Das Landgut wurde 1930 verkauft, da die Konsumgenossenschaft mit der Bewirtschaftung fachlich überfordert war.

Im Mai 1933 wurden die Unternehmen und Betriebe der Konsumgenossenschaftsbewegung gleichgeschaltet: zuerst die Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine mbH (GEG), Hamburg am 4. Mai 1933. Am 17. Mai 1933 wurde für die Produktion ein Staatskommissar ernannt, der Kreisleiter der NSDAP für Süd-Hamm, Otto Becker. Er erschien in großer Uniform mit Adjutant.

Nach einer Mitteilung der Gestapo waren bei den Konsumgenossenschaften rund 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Nach 1933 wurden 43 % entlassen – in erster Linie wohl Sozialdemokraten und Gewerkschafter – und durch regimetreue Mitarbeiter ersetzt.

Da die Genossenschaft nicht liquidiert wurde, erfolgte 1936 eine Umbenennung in Niederelbische Verbrauchergenossenschaft.

Konsumgenossenschaft Produktion nach 1945 bis 1989

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