An diesem Tag

Konstantin von Gebsattel

Bayerischer General der Kavallerie, Inspekteur der Kavallerie sowie alldeutsch-völkischer Agitator

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Konstantin Wilhelm Hartmann Heinrich Ludwig Freiherr von Gebsattel (* 13. Februar 1854 in Würzburg; † 10. Mai 1932 in Linz) war ein bayerischer General der Kavallerie, Inspekteur der Kavallerie sowie alldeutsch-völkischer Agitator.

Konstantin von Gebsattel entstammte dem fränkischen Adelsgeschlecht von Gebsattel. Er war der Sohn des Viktor Freiherr von Gebsattel (1826–1874), bayerischer Kämmerer und späterer Hofmarschall von Amalie von Griechenland, und dessen Ehefrau Emma, geborene Freiin von Guttenberg (1821–1859). Taufpaten waren der Großvater Konstantin Wilhelm Hartmann von Gebsattel (1783–1861), Forstmeister zu Lebenhan und der pensionierte bayerische Oberst Heinrich von Dufresne. Seine zwei Brüder Hermann Freiherr von Gebsattel (1855–1939), und Ludwig Freiherr von Gebsattel (1857–1930) wurden ebenfalls Generäle der bayrischen Armee.

Konstantin von Gebsattel verheiratete sich 1882 mit Maria Freiin von Karg von Bebenburg (1860–1927). Aus der Ehe gingen die Söhne Viktor Emil (1883–1976) und Lothar (1886–1902) hervor.

Am 13. Dezember 1901 gelang es Konstantin von Gebsattel, den alten Familienbesitz im Dorf Gebsattel zurückzukaufen und Gabriel von Seidl für den Um- und teilweisen Neubau des Schlosses im Stil der Neorenaissance zu gewinnen, der 1905 abgeschlossen war.

Nach dem Besuch von Privatschulen und Lateinschulen in Münnerstadt und Bamberg sowie des Münchner Ludwigs-Gymnasiums und der dortigen bayerischen Pagerie (ab 1867) trat Gebsattel am 20. August 1872 in das 1. Ulanen-Regiment der Bayerischen Armee ein. Von 1878 bis 1881 absolvierte Gebsattel die Kriegsakademie, die ihm die Qualifikation für die Höhere Adjutantur aussprach. Anschließend war er von 1882 bis 1884 persönlicher Adjutant des Prinzen Leopold von Bayern. 1886 wurde er dann Adjutant der 3. Kavallerie-Brigade und drei Jahre später als Rittmeister Eskadronchef im 1. Ulanen-Regiment. Am 11. November 1896 wurde Gebsattel Major und im Jahr darauf als etatmäßiger Stabsoffizier zum 2. Schweren Reiter-Regiment nach Landshut versetzt. 1899 erhielt er das Kommando über das 5. Chevaulegers-Regiment in Speyer und Zweibrücken. Am 19. September 1900 wurde er Oberstleutnant und 1903 Oberst. Als solcher erhielt Gebsattel am 11. Juni 1903 das Kommando über die 1. Kavallerie-Brigade und wurde in dieser Stellung 1905 zum Generalmajor befördert. Mitte April 1906 gab er die Brigade ab und wurde zum Inspekteur der Kavallerie ernannt. Am 26. Juni 1908 wurde er Generalleutnant; im September des Jahres wurde ihm der Rote Adlerorden II. Klasse mit Eichenlaub verliehen.

Am 3. März 1910 wurde Gebsattel aufgrund einer Asthmaerkrankung unter Beförderung zum General der Kavallerie zur Disposition gestellt. In der Folge widmete er sich aktiv der Politik.

Antisemitismus und Alldeutscher Verband

Unter dem Eindruck der Ereignisse des Jahres 1912 und der Lektüre des Buches Wenn ich der Kaiser wär‘. Politische Wahrheiten und Notwendigkeiten von Daniel Frymann (Heinrich Claß), auf das ihn sein ehemaliger Kollege Georg von Kleist Ende 1912 aufmerksam gemacht hatte, verfasste Gebsattel im Frühjahr 1913 eine Skizze seiner politischen Gedanken, die er an mehrere Persönlichkeiten in hohen gesellschaftlichen Positionen schickte, darunter der bayerische Kronprinz Rupprecht von Bayern.

Da Gebsattel weitgehende politische Übereinstimmung mit Claß vorfand, trat er ab Mai 1913 mit diesem in Briefkontakt. In dem sich entwickelnden Briefwechsel konnte Claß dann Gebsattel für den Alldeutschen Verband interessieren. Persönlich trafen sich beide erstmals am 12. und 13. August auf Gebsattels Gut, wonach Gebsattel dem Alldeutschen Verband beitrat. Auf Vorschlag von Claß wurde Gebsattel auf dem Breslauer Verbandstag am 6. September in den Gesamtvorstand gewählt.

Gebsattel arbeitete in der Folge seine Skizze zu einer Denkschrift aus, die er unter dem Titel „Gedanken über einen notwendigen Fortschritt in der inneren Entwicklung Deutschlands“ im Oktober 1913 an über 200 Persönlichkeiten verschickte. In der Schrift stellt Gebsattel – neben den, notfalls durch Staatsstreich und Belagerungszustand durchzusetzenden, Vorschlägen zu einer Kopplung des Reichstagswahlrechts an geleisteten Militärdienst und abgegebene Wehrsteuern sowie einem totalen Schutz von Monarchie und Religion vor publizistischen Angriffen – die „Judenfrage“ als zentral für das Schicksal des Deutschen Reichs hin und empfiehlt eine radikal antisemitische Lösung. Judentum und Deutschtum seien einander entgegengesetzt wie Feuer und Wasser; das Deutschtum tief, positiv und idealistisch, das Judentum hingegen seicht, verneinend, einreißend und materialistisch. Juden sollten unter Fremdenrecht gestellt und vom öffentlichen Dienst wie vom Militärdienst ausgeschlossen werden. Der Erwerb von Großgrundbesitz sollte Juden verboten sein. Nichtsdestoweniger sollte die gewünschte antisemitische Gesetzgebung in der Hinsicht Vorsicht walten lassen, dass dadurch keine zu große Emigration von Juden aus dem Deutschen Reich bewirkt würde, weil eine damit einhergehende Kapitalflucht dem Reich schaden könnte. Gebsattel empfiehlt daher, jüdisches Vermögen vor der anstehenden Emigration der Eigentümer durch den Staat enteignen zu lassen. Eine Vermischung der jüdischen und der deutschen „Rasse“ will Gebsattel ausgeschlossen wissen, weswegen eine christliche Taufe am Rechtsstatus von Juden und deren Kindern nichts ändern dürfe (vgl. Rassenschande). Gebsattel empfahl, dass in „die Rechte der Germanen“ nur Enkel mit nicht mehr als einem Viertel jüdischen Blutes eintreten dürfen sollten. Schließlich müssten Juden, da sie nur Gäste und nicht Bürger seien, vom politischen Meinungsbildungsprozess ausgeschlossen werden und ihnen die Herausgabe von und redaktionelle Mitarbeit in Zeitungen verboten werden.

Die Denkschrift blieb ohne unmittelbare politische Folgen. Allerdings hatte der deutsche Kronprinz Wilhelm von Preußen, der den Alldeutschen als politischer Hoffnungsträger galt und sich ebenfalls unter den Adressaten befand, die Schrift im November 1913 an seinen Vater, den Kaiser Wilhelm II. und an den Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg mit der Bitte um Begutachtung weitergeleitet. Beide beurteilten Gebsattels Schrift im Ganzen ablehnend, wenn auch beide diverse antisemitische Vorurteile, wie den angeblich schädlichen jüdischen Einfluss auf die deutsche Presse, in ihren Antwortschreiben explizit teilten.

Am 12. April 1914 kam Gebsattel in die Hauptleitung des Alldeutschen Verbands, in dem er im Oktober nach dem Tod von Alfred Breusing (1853–1914) dessen Posten als stellvertretender Vorsitzender übernahm. Im Alldeutschen Verband arbeitete er von Anfang an darauf hin, dessen Aktivitäten antisemitisch auszurichten, was anfangs noch nicht gelang, da der Alldeutsche Verband es vermeiden wollte, sich öffentlich zum Antisemitismus zu bekennen. Gebsattel, der noch im Juli 1913 Claß das Ausweichen des Alldeutschen Verbands mit „unserem wichtigsten Feinde […], nämlich der Herrschaft des Judentums“ vorgeworfen hatte, ging mit dieser strategischen Einschätzung konform. So schrieb er im Vorfeld einer Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses an den Alldeutschen Hans von Liebig: „Wenn wir die Judenfrage wirklich öffentlich erörtern, fliegt der Verband auf.“ Wenige Wochen später sollte sich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs die politische Lage im Deutschen Reich und damit auch die Bedingung für antisemitische Agitation in der Öffentlichkeit radikal ändern.

Zu Beginn des Krieges, für den Gebsattel nicht wieder militärisch reaktiviert wurde – er hatte sich erfolglos bei Helmuth Johannes Ludwig von Moltke um seine Wiederverwendung bemüht –, warb Gebsattel Ende August 1914 für die alldeutschen Kriegsziele, die u. a. die Vertreibung der Bewohner der zu annektierenden russischen Gebiete vorsah, und führte zu diesem Zweck Unterredungen mit Kuno von Westarp, Matthias Erzberger, Hans Wendland (Redakteur bei der Kreuzzeitung) und Theodor Schiemann.

Auch radikalisierte sich während des Kriegs Gebsattels völkisches Denken. So schrieb er am 4. Dezember 1914 in einem Brief, er hätte sich daran gewöhnt, „alle ernsten politischen Fragen vom Rassenstandpunkt aus zu betrachten“. Die „festen Grundregeln“ der Rassenlehre hielt er für ein ehernes Gesetz der Weltgeschichte, so dass er „in der Neuordnung der Dinge nach dem Kriege diesem Urgesetz zu seinem Recht verhelfen“ wollte. Der Weltkrieg selbst schien ihm als Rassenkampf, in dem der mögliche Untergang der „germanischen Rasse“ den Weltuntergang bedeuten würde:

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