An diesem Tag

Konrad IX. (Weinsberg)

Deutscher Adeliger, Königsberater, Reichserbunterkämmerer

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Konrad IX. von Weinsberg (* um 1370; † 18. Januar 1448) war ein deutscher Adliger aus dem Geschlecht der Herren von Weinsberg. Als Reichserbkämmerer im Dienste von König (später Kaiser) Sigismund und König Albrecht II. organisierte er die Reichsfinanzen und die Reichsmünzstätten, bereiste auf diplomatischen Missionen das ganze Reich mit vielen angrenzenden Ländern und beriet seine Dienstherren, bei denen er ein hohes Ansehen genoss. Er scheiterte beim Versuch, aus seinen verstreuten Besitztümern eine eigene Landesherrschaft aufzubauen. Da seine vielfältigen Aufgaben zwar meist kostenträchtig waren, aber nur geringe Einnahmen erbrachten, hinterließ er trotz seines Ansehens hohe Schulden.

Herkunft und erste Eheschließung

Konrad, der neunte Träger dieses Namens in der Stammlinie der Weinsberger, wurde als zweites Kind und erster Sohn von Engelhard (VIII.) von Weinsberg und dessen Frau Anna von Leiningen († 1413) geboren. Über seine Mutter war Konrad mit den Luxemburgern verschwägert, die mehrere deutsche Könige und Kaiser stellten. Sein Vater Engelhard war Reichshofrichter und von 1393 bis 1396 Landvogt der österreichischen Vorlande. Konrads Onkel, ebenfalls mit Namen Konrad und Bruder seines Vaters Engelhard, war zunächst Domherr und als Konrad II. von Weinsberg dann von 1390 bis 1396 Mainzer Erzbischof. Er gilt als Ziehvater des jungen Konrad, der einige Jahre in der Umgebung seines Onkels verbrachte, ihn auf Reisen und Fehden begleitete und von ihm mit den Machthabern und politischen Gebräuchen vertraut gemacht wurde.

Zwischen August 1396 und Februar 1397 heiratete Konrad eine Verwandte, die ungefähr gleichaltrige, aber bereits verwitwete Anna von Hohenlohe-Brauneck, geborene von Hohenlohe-Weikersheim. Den infolge der Verwandtschaft nötigen kirchlichen Dispens erteilte im Jahr 1400 Bischof Erhart von Worms. Anna war Erbin der Linie Hohenlohe-Brauneck, die ohne männliche Nachkommen war. Durch sie erwarb Konrad die Verwaltung und Nutznießung des hohenlohe-brauneckischen Besitzes rund um Creglingen und Weikersheim, unter anderem der Burg Brauneck, und weiterer Besitztümer bis nach Rinderfeld und Königshofen. Vom Bistum Würzburg erhielt er 1401 die in der Creglinger Gegend liegende Reichelsburg samt zugehörigen Dörfern als Lehen, die zuvor schon an die Hohenlohe-Brauneck entlehnt gewesen war. Annas Bruder Georg von Hohenlohe war Bischof in Passau und später Kanzler von Kaiser Sigismund; bis zu seinem Tod 1423 förderte er Konrad und seine Familie nach Kräften. Die Ehe mit Anna scheint glücklich gewesen zu sein; sie hatten eine Tochter namens Elisabeth, die spätere Ehefrau des Herzogs Erich von Sachsen-Lauenburg.

Das Verhältnis Konrads zu seinem Vater muss gut gewesen sein. Schon 1404 übergab Engelhard seine Besitztümer seinem Sohn und erhielt im Gegenzug bis zu seinem Tode 1415 eine Leibrente. Seine Schulden, die Konrad ebenfalls übernehmen musste, betrugen 19.055 Gulden und überstiegen damit, wenn man spätere Verkaufs- und Pfandunterlagen als Maßstab nimmt, den Wert der Güter beträchtlich. Zu den Gütern gehörten neben der Stammburg, der Burg Weinsberg, auch die Burg Guttenberg im Neckartal sowie Burgen im Gebiet zwischen Kocher und Ohrn in Neuenstadt, Stein und Gochsen, jeweils mit zugehörigen Orten. In der unterhalb seiner Stammburg gelegenen Stadt Weinsberg hatte Konrad zwar ebenfalls bedeutende Rechte, aber mit der nach der Reichsunmittelbarkeit strebenden Weinsberger Bürgerschaft auch beständige Widersacher.

Konrad hatte Talent und Neigung für Finanz- und Verwaltungsangelegenheiten gezeigt. 1407 erlangten Vater und Sohn das erbliche Amt des Reichserb(unter)kämmerers, der in Vertretung des nur noch nominell zuständigen Reichserzkämmerers (des Kurfürsten von Brandenburg) für die Finanzen des Reiches zuständig war. Nach dem Tode seines Vaters 1415 führte Konrad das Amt alleine fort. Mit dem Amt waren die Lehen von Falkenstein, Münzenberg und Königstein verbunden, um die Engelhard und Konrad aber jahrelang mit den Erben des vorigen Erbunterkämmerers aus dem Hause Falkenstein prozessieren mussten.

Als einer der höchsten Beamten der Reichsfinanzverwaltung und naher Vertrauter im Gefolge des Königs bzw. Kaisers organisierte Konrad das Reichssteuerwesen. 1411 war er bei der Königskrönung Sigismunds in Frankfurt anwesend, 1414 begleitete er ihn auf seiner Huldigungsreise durch das Reich. Zu Konrads Aufgaben zählte außerdem die Besetzung des Kammergerichts (wofür er einen Anteil von dessen Einnahmen erhielt), die jahrelange (1410–1433) Vermittlung zwischen dem Deutschen Orden und dem König von Polen nach der Schlacht bei Tannenberg sowie die Durchführung eines Rechtsstreits zwischen dem Kaiser und den Hansestädten 1419. 1424 lud er im Auftrag Sigismunds Bürgermeister und Räte der Stadt Antwerpen nach Wien vor, 1425/26 verhandelte er gleichzeitig mit König Erik von Dänemark und bereitete den Krieg gegen die Hussiten vor. Viele weitere Aufträge folgten.

Seine Rechenhaftigkeit, sein Organisationstalent, seine Intelligenz und sein Verhandlungsgeschick waren ihm bei all diesen Aufgaben dienlich. Der ständige enge Kontakt mit dem Herrscher, den Reichsfürsten und dem Papst, den das Amt auf Reisen, bei Reichstagen und anderen Gelegenheiten mit sich brachte, machte Konrad im ganzen Reich bekannt und brachte ihm viele nützliche Bekanntschaften und Verbindungsmänner ein; er gilt als einer der zu seiner Zeit am besten informierten Männer im Reich. Die schwierige finanzielle Lage des Reiches und die zusätzlichen diplomatischen Aufgaben erforderten den Einsatz von Konrads ganzer Kraft und machten ständige Reisen erforderlich, die sich jedes Jahr auf Tausende von Kilometern addierten, die er zu Pferd, mit Fuhrdiensten und zu Schiff absolvierte. Konrad war in den Niederlanden, in Dänemark, der Schweiz, Burgund, Böhmen, Polen, Ungarn, im Deutschordensland, bei den Hansestädten und wohl in jeder größeren Stadt dazwischen. Bis ins hohe Alter unternahm er strapaziöse Reisen. Die hohe Wertschätzung seines Dienstherrn drückte sich in der Aufnahme Konrads in die exklusive ritterliche Gesellschaft zum Drachen (bzw. Gesellschaft zum Lindwurm) aus, die 1408 von König Sigismund und seiner Gemahlin gestiftet worden war und der zu Sigismunds Lebzeiten nur 24 Vollmitglieder angehörten (darunter Oswald von Wolkenstein).

Konrads erste bedeutende Aufgabe als Kämmerer war ab dem Konzil von Konstanz 1415 die Organisation der Judensteuer, einer speziellen Vermögensteuer für Juden, die für den König von außerordentlicher Bedeutung war, da er über sie als einzige Einnahme frei verfügen konnte. Überstiegen die Ausgaben und Verpflichtungen des Herrschers das Budget, mussten seine Gefolgsleute, allen voran der Kämmerer, für ihn eintreten. Konrad versuchte daher, schon allein zur Schonung seiner eigenen Finanzen die Judensteuer möglichst gewissenhaft einzuziehen, und zog zu dieser Aufgabe noch Vertraute heran: zunächst den Pfarrer Meinwart aus Baldersheim und den Ministerialen Seifried Greck aus Kochendorf, die mit königlichen Vollmachten ausgestattet wurden. 1418 folgten weitere Vertraute, denen jeweils auch ein Jude zur Seite gestellt wurde, der Einblick in die Vermögensverhältnisse seiner Glaubensgenossen hatte. Trotz Schwierigkeiten mit den Territorialherrschern, die seine Organisationsmaßnahmen in ihren Gebieten teilweise behinderten, konnte Konrad die Einnahmen aus der Judensteuer von anfangs 15.000 bis 20.000 Gulden auf 33.000 Gulden im Jahr 1433/34 steigern. Die Judensteuer bildete alsbald eine sichere Einnahmequelle für den König (später Kaiser), doch belasteten insbesondere die Durchführung der Konzile dessen Haushalt, so dass Konrad häufig in die Pflicht genommen wurde, wodurch seine eigenen Finanzen stark geschwächt wurden.

Auf Konrad soll der Gedanke von Reichsmünzstätten zurückgehen, die das an die Kurfürsten vergebene Münzprivileg zurück zum König holen sollten. Er versprach sich, dass Reichsmünzen wegen ihres hohen Goldgehalts von der Bevölkerung bevorzugt werden würden. Neben der Stärkung des Reichsgedankens spielte hierbei eine Rolle, dass darin eine weitere Einnahmemöglichkeit für den König lag. Von 1423 bis 1428 und erneut ab 1432 wurde Konrad die Verwaltung der Reichsmünzstätten in Frankfurt, Nördlingen und Basel übertragen. Die von ihm ausgewählten Münzmeister waren tüchtig, vielleicht schon zu tüchtig, da der Vorwurf, die von ihnen geprägten Gulden hätten einen zu geringen Goldanteil, Konrad 1427 und 1432 in den Ruf eines Falschmünzers brachte. Konrad rechtfertigte sich, er komme seiner Aufsichtspflicht nach besten Kräften nach. Da die Schulden des Königs bei Konrad ständig stiegen (bis 1431 auf 5450 Gulden), erhielt Konrad 1425 Anspruch auf den Schlagsatz (Gewinn durch Münzprägung) in Frankfurt. Ab etwa 1426 fiel Konrad wegen einer fraglichen Urkundenfälschung vorübergehend beim König in Ungnade. 1431 kam es zur Aussöhnung, und Konrad erhielt den Schlagsatz von Basel, allerdings auch weitere Schuldverschreibungen des Königs. Konrad nutzte die ihm aufgetragene Münzverwaltung nicht zu eigenen Gunsten, sondern trieb ausschließlich den Reichsmünzgedanken voran, der jedoch 1432 auf dem Kurfürstentag in Mergentheim auf Ablehnung bei Kurfürsten und Bischöfen stieß.

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