Die Konferenz von Jalta (auch Krim-Konferenz) war ein diplomatisches Treffen der alliierten Regierungs- bzw. Staatschefs Franklin D. Roosevelt (USA), Winston Churchill (Vereinigtes Königreich) und Josef Stalin (UdSSR) vom 4. bis zum 11. Februar 1945. Sie fand im Liwadija-Palast im Badeort Jalta auf der Krim statt. Es war das zweite von insgesamt drei alliierten Gipfeltreffen der „Großen Drei“ im bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945).
Themen der Konferenz waren vor allem organisatorische Fragen betreffend die Vereinten Nationen, die Aufteilung Deutschlands, die Machtverteilung in Europa nach dem Ende des Krieges und der Krieg gegen das Japanische Kaiserreich. Die Konferenz erbrachte im Wesentlichen zwei diplomatische Vereinbarungen, die zumindest auf dem Papier durchaus als zufriedenstellend erschienen. In Polen sollten freie Wahlen abgehalten und danach eine Koalitionsregierung gebildet werden, an der auch in den Westen geflohene Exilanten beteiligt sein sollten. In der Deklaration über das befreite Europa wurden die Richtlinien für das Wiederaufleben eines freien und demokratischen Osteuropas festgelegt. Diese wurden von der Sowjetunion zwar akzeptiert, aber später völlig anders ausgelegt.
Nach der Teheran-Konferenz (28. November bis zum 1. Dezember 1943) hatte sich die militärische und politische Lage verändert. Während in Europa mit dem Vormarsch der US-amerikanischen, britischen und französischen Truppen im Westen und der Roten Armee im Osten der Krieg so gut wie gewonnen war, glaubten die Verantwortlichen, dass die militärischen Auseinandersetzungen mit dem Kaiserreich Japan noch lange andauern würden. Daher zeigten sich Churchill und Roosevelt gegenüber den Forderungen Stalins kompromissbereit.
2020, anlässlich des 75. Jahrestags, gab Russland einige bis dahin unveröffentlichte Dokumente frei.
Protokoll über die Verhandlungen auf der Krimkonferenz
Am Sonntag, den 11. Februar 1945, unterzeichneten Franklin D. Roosevelt, Josef W. Stalin und Winston S. Churchill das Kommuniqué, das am nächsten Tag der Presse in Washington, London und Moskau übergeben werden sollte. Danach unterzeichneten sie ein geheimes Abkommen mit den Bedingungen für den Eintritt der Sowjetunion in den Krieg gegen Japan. Das Protokoll über die Verhandlungen auf der Krimkonferenz, das die Außenminister E.R. Stettinius jr., W. Molotow und Anthony Eden schließlich in der Schlusssitzung unterzeichneten, enthielt folgende vierzehn Kapitel:
II. Erklärung über das befreite Europa
III. Zerstückelung Deutschlands
IV. Besatzungszone für Frankreich und Kontrollrat für Deutschland
IX. Italienisch-jugoslawische Grenze – Italienisch-österreichische Grenze
X. Jugoslawisch-bulgarische Beziehungen
XIII. Sitzungen der Außenminister
XIV. Die Konvention von Montreux und die Meerengen
Auf der Konferenz von Dumbarton Oaks war 1944 ein Vorschlag zur Gründung der Vereinten Nationen als friedenssichernder und Zusammenarbeit fördernder internationaler Organisation ausgearbeitet worden. Über offene Punkte wurde in Jalta Einigkeit unter den drei Großen herbeigeführt. Die Einführung und Ausgestaltung des Vetorechts der ständigen Mitglieder China, Frankreich, Sowjetunion, Vereinigtes Königreich und Vereinigte Staaten im Sicherheitsrat wurde vereinbart, um die Einschränkung der Souveränität der ständigen Mitglieder („Polizisten“) auszuschließen. Die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik und belarussische Volksrepublik sollten stimmberechtigte Mitglieder der Vereinten Nationen werden. Die Sowjetunion hatte zunächst auf sechs stimmberechtigte Teilrepubliken bestanden, um aus machtpolitischen Gründen ähnlich wie der Commonwealth vertreten zu sein. Den USA wurden zunächst ebenfalls drei Mitgliedschaften/Stimmrechte zugesichert, was sie aber später nicht in Anspruch nahmen. Der Umgang mit Mandatsgebieten, die für die Kolonialmächte wichtig waren, wurde geklärt. Eine Gründungskonferenz in San Francisco sollte einberufen werden, zu der nur die Vereinten Nationen (alliierter Begriff für die Gegner der Achsenmächte) eingeladen werden sollten.
Zur Debatte stand eine Zerstückelung Deutschlands in mehrere Staaten, eine Dismembration, deren Konkretisierung von Stalin gefordert wurde, für die er aber keinen Plan vorlegte. Roosevelt war bereits auf der Teheran-Konferenz der Auffassung gewesen, Deutschland sollte aufgegliedert werden (Teilung in fünf Teilstaaten war sein Teheraner Plan), und war bereit, auf die sowjetische Forderung einzugehen. Churchill und Anthony Eden setzten jedoch mit Unterstützung des amerikanischen Außenministers Stettinius in der in Jalta beschlossenen Kapitulationsurkunde eine interpretierbare Formulierung durch. Sie schloss eine Aufteilung nicht aus, konnte aber auch im Sinn einer bloßen Dezentralisierung verstanden werden. Ein gemeinsamer Beschluss konnte nicht erreicht werden, das Thema wurde deshalb an die Europäische Beratende Kommission (EAC) delegiert, wo ein Vorschlag erarbeitet werden sollte. Ein alliiertes „Dismemberment-Committee“ der EAC, das aus dem britischen Außenminister Eden (als Vorsitzenden) und den in London akkreditierten Botschaftern der USA und UdSSR, John G. Winant und Fjodor Tarassowitsch Gussew, bestand, sollte die Einzelheiten festlegen. Diesem Gremium wurde freigestellt, nach eigenem Ermessen einen französischen Vertreter hinzuzuziehen.
Im März 1945 nahm Stalin eine Kurskorrektur seiner offiziellen Deutschlandpolitik vor und ließ erklären, dass er nicht länger am Prinzip der Aufteilung Deutschlands festhalten wolle.
Besatzungszone für Frankreich und Kontrollrat für Deutschland
Aus der britischen und der amerikanischen Besatzungszone sollte ein Gebiet herausgenommen werden, das durch französische Streitkräfte besetzt werden sollte. Über seine Größe sollte Frankreich konsultiert werden und die Entscheidung von den Amerikanern und Briten getroffen werden. Die Provisorische Regierung Frankreichs sollte eingeladen werden, Mitglied des Alliierten Kontrollrats für Deutschland zu werden.