Die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) war eine marxistisch-leninistische und stalinistische Partei in Sowjetrussland und der Sowjetunion. Sie entstand aus der nach der Oktoberrevolution von Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (Bolschewiki) (SDAPR (B)) in Kommunistische Partei Russlands (Bolschewiki) (KPR (B)) umbenannten Partei. Nach der Gründung der Sowjetunion erhielt die Partei 1925 den Namen Kommunistische Allunions-Partei (Bolschewiki) (WKP(B)). 1952 wurde die Partei in Kommunistische Partei der Sowjetunion umbenannt. Nach dem gescheiterten Putschversuch in Moskau 1991, der den Zerfall der Sowjetunion beschleunigte, wurde die Tätigkeit der KPdSU auf dem Gebiet der RSFSR durch das Dekret des russischen Präsidenten vom 6. November 1991 verboten.
Parteiführer war von 1912 bis 1924 Wladimir Iljitsch Lenin. 1922 übernahm Josef Stalin das neu geschaffene Amt des Generalsekretärs der Partei, das dieser nach dem Tod Lenins 1924 zunehmend mit einer auf seine Person zugeschnittenen diktatorischen Machtbefugnis ausstattete. Nach Ende der Ära Stalin 1953 setzte sich bei den folgenden parteiinternen Machtkämpfen Nikita Chruschtschow als Erster Parteisekretär durch. 1964 wurde Chruschtschow gestürzt und Leonid Breschnew sein Nachfolger, ab 1966 wieder als Generalsekretär. Ab 1977 fungierte Breschnew außerdem als Staatsoberhaupt der Sowjetunion.
Nach dem Tod Breschnews 1982 blieben die Herrschaft Juri Andropows und Konstantin Tschernenkos kurze Intermezzi. 1985 übernahm Michail Gorbatschow die Parteiführung und versuchte durch Reformen (Glasnost, Perestroika) die Sowjetunion unter Beibehaltung von sozialistischen Strukturen zu modernisieren. Gorbatschow scheiterte jedoch mit diesen Reformversuchen; es gelang ihm weder, die autokratischen Führungsstrukturen in der Sowjetunion zu beseitigen, noch konnte er die KPdSU zu einer im pluralistischen Sinn ausgerichteten demokratischen Partei reformieren.
Von etwa 1923 bis 1990 war die Partei als Staatspartei im sowjetischen Einparteiensystem die einzige relevante politische Macht in der Sowjetunion. Die Kommunistische Partei der Russischen Föderation (KPRF) kann als Nachfolgepartei der KPdSU für Russland angesehen werden.
Die Politik der Partei war zunächst geprägt von der Ideologie des Leninismus, der eine Erweiterung des an russische Verhältnisse angepassten Marxismus durch Lenin darstellte, dieser wurde dann ab 1927 durch den von Stalin geschaffenen Marxismus-Leninismus bzw. Stalinismus ersetzt. Nach Stalins Tod setzte ab 1956 unter Nikita Chruschtschow eine gewisse Entstalinisierung ein. Diese wurde von seinem Nachfolger Leonid Breschnew ab 1964 abgebrochen, stattdessen verfolgte die KPdSU unter ihm einen Kurs der Restalinisierung, welche wiederum ab 1985 von Michail Gorbatschow beendet wurde, der auf Glasnost (Offenheit und Transparenz) und Perestroika (Umstrukturierung) setzte.
Die sowjetische Jugendorganisation Komsomol war die Nachwuchsorganisation der Partei. Zudem gab es das Komitee für Jugendorganisationen der UdSSR, in dem alle Jugendorganisationen vertreten waren.
Die zentrale Parteihochschule „W. I. Lenin“ bestand in Moskau. Hier studierten auch viele Kader aus den kommunistischen Parteien anderer Länder.
Entstehung der Partei (1898 bis 1917)
In Russland war 1898 die SDAPR aus dem Zusammenschluss von sechs marxistischen Gruppen hervorgegangen. Sie wurde jedoch schon kurz nach ihrer Gründung verboten; die meisten ihrer Mitglieder wurden verhaftet oder gingen ins Exil.
Die eigentliche Gründung der SDAPR sollte auf dem Londoner (II.) Parteitag im Jahre 1903 erfolgen. Ein wichtiges Thema in den Auseinandersetzungen war die Frage der Parteimitgliedschaft. Während Lenin unter den Bedingungen der zaristischen Repression nur aktive Mitglieder, Berufsrevolutionäre, in der Partei sehen wollte, strebten die gemäßigten Sozialisten (die späteren „Menschewiki“) eine offene Mitgliedschaft für alle Interessierten an. Nach einer Wiedervereinigung folgte dann 1912 die endgültige Spaltung zwischen Bolschewiki und Menschewiki. Der Grund der Spaltung lag, wie zeitgleich und später in vielen sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien anderer Länder auch, in der Auseinandersetzung zwischen einem revolutionären oder reformistischen Kurs der Partei.
Obwohl eines der mächtigsten Länder der Welt, war das zaristische Russland bis ins ausgehende 19. Jahrhundert noch überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Vielerorts herrschten noch vorkapitalistische Feudalstrukturen. Eine verstärkte Industrialisierung setzte vor allem seit der Regierung von Zar Nikolaus II. (ab 1894) ein. Das darauf schnell anwachsende Proletariat litt unter miserablen sozialen Verhältnissen. Eine linke Opposition gegen den Zarismus war im 19. Jahrhundert in Russland stärker als in den meisten anderen europäischen Ländern von anarchistischen und sozialrevolutionären Strömungen der Narodniki geprägt, wohingegen die organisierte marxistische Sozialdemokratie zu Beginn des 20. Jahrhunderts erst noch in ihren Anfängen steckte.
Im Januar 1905 war es im Anschluss an den sogenannten „Petersburger Blutsonntag“, wo bei der Niederschlagung einer Massendemonstration von Arbeitern, die dem Zaren eine Bittschrift überreichen wollten, etwa tausend Demonstranten ums Leben kamen, landesweit zu revolutionären Aufständen, Streiks und Demonstrationen gekommen. Diese Aufstände standen jedoch noch nicht unter der Führung einer bestimmten politischen Partei. Sie ebbten ab, als der Zar einlenkte und einige liberale Reformen einführte.
Mit dem opferreichen Verlauf des Ersten Weltkrieges und der sich verschärfenden Versorgungskrise in den Städten verstärkte sich erneut die Unzufriedenheit in der russischen Bevölkerung, vor allem bei den Soldaten und den Arbeitern. Russland stand am Rande des wirtschaftlichen Ruins. Die Februarrevolution 1917 führte schließlich zum Sturz des Zaren, der nach seiner Abdankung nach Jekaterinburg in den Ural verbannt wurde, und zur Bildung der Provisorischen Regierung, die sich jedoch noch nicht zur Beendigung des Krieges gegen die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn durchringen konnte.
Die Bolschewiki standen nach dem Februar zunächst unter Führung der Petrograder Funktionäre Molotow und Schljapnikow, nach deren Rückkehr aus dem Exil dann unter Stalin und Kamenew. Diese strebten die Zusammenarbeit mit der Provisorischen Regierung an und leiteten Verhandlungen über die Wiedervereinigung mit den Menschewiki ein.
Mit Hilfe des Deutschen Reiches wurde Lenin in einer geheimen Aktion aus seinem Schweizer Exil in einem verplombten Eisenbahnwaggon über Schweden nach Petrograd gebracht. Die kaiserliche deutsche Regierung erhoffte sich durch eine Revolution der Bolschewiki, deren zentrale Figur Lenin war, ein siegreiches Ende des Krieges an der Ostfront, damit sie die frei werdenden Verbände für den Krieg im Westen verwenden konnte.
Unter der Führung Lenins und Trotzkis übernahmen die Bolschewiki mit dem „Sturm auf das Winterpalais“ in der Oktoberrevolution 1917, nachdem sie die Provisorische Regierung unter Kerenski gestürzt hatten, die Macht und gründeten die Russische SFSR (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik), aus der zusammen mit weiteren Sowjetrepubliken nach dem Bürgerkrieg 1922 die UdSSR hervorging. Wie von Deutschland erwartet, hatten die Bolschewiki den Ersten Weltkrieg Anfang 1918 in Russland mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk beendet.
Die Oktoberrevolution, von den Mittelmächten zuerst als taktisches Manöver, das eine Wende im Ersten Weltkrieg zu ihren Gunsten bringen sollte, mit gefördert, bildete jedoch das entscheidende Fanal für linksrevolutionäre Kräfte der ganzen Welt und setzte letztendlich den Grundstein für das Ende, mindestens den Machtverlust der meisten europäischen Monarchien. Die Folgen der russischen Oktoberrevolution prägten auch insgesamt die weitere Geschichte des 20. Jahrhunderts entscheidend mit, in der die als „realsozialistisch“ bezeichnete UdSSR die weitere Entwicklung von Kommunistischen Parteien (KPs) in anderen Ländern über viele Jahrzehnte hinweg dominieren sollte. Auch für viele Historiker gilt diese Revolution mit der Beendigung des so genannten „bürgerlichen Zeitalters“ des 19. Jahrhunderts als der eigentliche inhaltliche Markierungspunkt der Trennung des 19. vom 20. Jahrhundert.