An diesem Tag

Kommunistische Internationale

Internationaler Zusammenschluss politischer Parteien

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Die Kommunistische Internationale (kurz Komintern, auch KI), auch Dritte Internationale genannt, war ein internationaler Zusammenschluss kommunistischer Parteien zu einer weltweiten gemeinsamen Organisation. Die Gründung erfolgte 1919 in Moskau auf Initiative Lenins, der die Zweite Internationale mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 für tot erklärt hatte. Während des Zweiten Weltkrieges löste Stalin 1943 die Kommunistische Internationale als Zugeständnis an seine westlichen Alliierten in der Anti-Hitler-Koalition – die USA und Großbritannien – überraschend auf.

Ab Mitte der 1920er Jahre wurde die Komintern im Zuge der sogenannten Bolschewisierung der kommunistischen Parteien weitgehend von der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki), ab 1952 KPdSU genannt, dominiert und diente als Einflussinstrument auf kommunistische Parteien und Organisationen in anderen Ländern. Die bedeutendste Sektion außerhalb der Sowjetunion bildete dabei die Kommunistische Partei Deutschlands.

Die Komintern gilt als eine der wichtigsten politischen Organisationen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihr ursprüngliches Ziel war eine proletarische Weltrevolution, die – basierend auf einzelnen nationalen Revolutionen – alle Länder der Erde ergreifen sollte. Dieses Ziel verlagerte sich jedoch im Verlauf der 1920er Jahre nach dem Scheitern des Deutschen Oktober – war doch die Durchsetzung der Revolution in Deutschland anfangs als unabdingbare Voraussetzung für den internationalen Erfolg angesehen worden – zu einer Interessenpolitik im Sinne des Stalinismus mit seiner Doktrin vom Sozialismus in einem Land, der Sowjetunion. Das formal oberste Organ der Komintern war deren Weltkongress. Die eigentliche Machtzentrale bildeten jedoch das Sekretariat und das Präsidium des in Moskau eingerichteten Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI).

In Programmatik und Zielsetzung berief sich die Komintern auf Karl Marx und Friedrich Engels. Bestimmend für die konkrete Umsetzung zur Zeit ihrer Gründung waren jedoch die Vorstellungen Lenins und der russischen Bolschewiki. Nach diesen befand sich die Weltgeschichte in einer Phase des Imperialismus und der Kriege und somit in einer revolutionären Situation. Den unmittelbaren Hintergrund bildeten dabei die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs in den Jahren von 1914 bis 1918 und die darauf folgenden Entwicklungen, wie der Sturz der Habsburgermonarchie in Österreich, die Novemberrevolution von 1918 in Deutschland und Massenstreiks in Europa und Übersee. Letztendlich wegbereitend war allerdings der Erfolg der russischen Oktoberrevolution von 1917. Dort bildete die Machtübernahme der linksrevolutionären Bolschewiki erstmals die Möglichkeit für den Aufbau eines sozialistischen Staates. In der Ideenwelt der Komintern-Gründer galt es, die Oktoberrevolution auf eine Weltrevolution zur Errichtung der „Diktatur des Proletariats“ auszudehnen. In diesem Prozess sollte die Komintern als straff organisierte, kommunistische Weltpartei die Koordination und Leitung übernehmen.Bestimmend für die Geschichte der Komintern war der Einfluss der Bolschewiki, der späteren Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Die KP der Sowjetunion überragte die anderen KP, sowohl was die Mitgliederzahl als auch was die materiellen Ressourcen betraf. Für die vergleichsweise kleinen Kommunistischen Parteien anderer Länder hatten die Bolschewiki Vorbildcharakter, sie waren von diesen in Russland bereits erfolgreichen Revolutionären ideologisch, organisatorisch und oft auch finanziell abhängig. Vor diesem Hintergrund kann die Entwicklung der Komintern in drei Phasen eingeteilt werden: Zunächst, unmittelbar nach der Oktoberrevolution von 1917 bis etwa 1920, besaß der Aufbau einer kommunistischen Weltbewegung und das Ziel der Weltrevolution in den Augen der Sowjetführer einen hohen Stellenwert, für den sogar der Sowjetstaat hätte geopfert werden können. In einer zweiten Phase, zu Beginn der 1920er Jahre erfolgte eine Konsolidierung der Sowjetmacht. Nun stand der Einsatz für Sowjetrussland bereits gleichgewichtig neben weltrevolutionären Zielen. Seit Mitte der 1920er Jahre wurde eine dritte Phase durch die Machtergreifung Josef Stalins in der Sowjetunion markiert. Die Komintern wurde vollständig den Interessen des sowjetischen Staates unterworfen. Stalin diktierte den Kurs der Organisation und nutzte sie als Instrument seiner Außenpolitik.

Das ursprüngliche Ziel der Komintern, eine proletarisch-kommunistische Weltrevolution, konnte von ihr nicht umgesetzt werden und stand ab Mitte der 1920er Jahre nicht mehr im Mittelpunkt ihrer Politik. Obwohl die Kommunistische Internationale eine Massenorganisation wurde, gelang keiner der in ihr organisierten nationalen KP eine Machtergreifung außerhalb der Sowjetunion. Die Politik der Komintern bedeutete eine politische Polarisation und Aufspaltung der Arbeiterbewegung im linken Spektrum und wurde vom gleichzeitigen Aufstieg des Faschismus in Europa begleitet.

1922 umfasste die Komintern 66 Parteien mit insgesamt 1,2 Millionen Mitgliedern. 1928 gehörten ihr noch 40 Parteien mit 1,6 Millionen Mitgliedern an, davon allerdings nur 440.000 außerhalb der Sowjetunion. 1935 waren es 61 Parteien mit 3,1 Millionen Mitgliedern, davon 785.000 außerhalb der Sowjetunion.

1921 wurde die Rote Gewerkschaftsinternationale (RGI) gegründet, die bis 1937 bestand. Neben der RGI gab es auch eine Kommunistische Jugendinternationale (KJI), die über 200.000 Mitglieder hatte und die von der Komintern geleitete Bauerninternationale. Bis 1926 war Grigori Sinowjew Vorsitzender der Komintern, danach wurde sie von Nikolai Bucharin bis 1928 geleitet. 1935 wurde Georgi Dimitroff Generalsekretär.

1924 wurde das Internationale Kolonialbüro der KomIntern (ICBu) in Paris gegründet. Die Leitung hatte Manabendra Nath Roy, der als Fachmann für die Koloniale Frage in der KomIntern galt.

Die Komintern wurde 1943 aufgelöst. Sie war jedoch als Folge der Politik Stalins bereits Jahre vorher politisch weitgehend bedeutungslos geworden. Unter völlig anderen historischen Rahmenbedingungen wurde 1947 von der Sowjetunion als quasi-Nachfolgeorganisation das Kommunistische Informationsbüro (Kominform) etabliert.

Das Organ der Kommunistischen Internationale war die Internationale Presse-Korrespondenz.

Die Kommunistische Internationale entstand 1919 auf Initiative Lenins als Dritte Internationale und war eine Reaktion auf das Scheitern der Zweiten Internationale. Diese Zweite Internationale war 1889 in Paris als Bündnis sozialistischer Parteien gegründet worden und hatte ihre Wurzeln in der von Karl Marx angeregten Internationalen Arbeiterassoziation (IAA), die als Erste Internationale bereits 1864 entstanden war. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs war die Zweite Internationale 1914 auseinandergebrochen. Linksparteien wie die deutsche SPD, die österreichische SDAPÖ, die britische Labour Party, nahmen damals mehrheitlich die politischen Positionen ihrer jeweiligen nationalen Regierung an, beispielsweise im Rahmen einer Burgfriedenspolitik im Deutschen Reich. Linke Kriegsgegner trafen sich 1915 in der Schweiz zur sogenannten Zimmerwalder Konferenz und nochmals 1916 im nahegelegenen Dorf Kienthal. In Zimmerwald wurde das von Trotzki verfasste Zimmerwalder Manifest verabschiedet. Die Konzeption einer geschlossenen internationalen Zusammenarbeit innerhalb der Arbeiterbewegung konnte dadurch aber nicht reaktiviert werden.

Letztlich führte 1917 die Oktoberrevolution durch die Bolschewiki unter Lenin und Trotzki in Russland und die dortige Etablierung des Sowjetsystems zur Spaltung zahlreicher Linksparteien in einerseits reformorientierte sozialistische/sozialdemokratische und andererseits kommunistische Parteien mit revolutionärem Anspruch. Vom 3. bis zum 10. Februar 1919 tagte in Bern eine internationale Konferenz sozialistischer und sozialdemokratischer Parteien. Dort waren 97 Vertreter aus 21 Ländern anwesend, die an die Zweite Internationale anknüpfen wollten. Die linksrevolutionären kommunistischen Parteien und Gruppierungen organisierten sich im März 1919 in Moskau zur Dritten Internationale.

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