Klaus Samuel Davidowicz (* 10. Juli 1963 in Berlin-Tempelhof) ist ein österreichischer Kulturwissenschaftler und Professor für Judaistik an der Universität Wien. Er unterrichtet jüdische Geschichte an der Zwi-Perez-Chajes-Schule in Wien.
Davidowicz studierte von 1985 bis 1991 Judaistik, Pädagogik und Germanistik an der Hochschule für Jüdische Studien und der Universität Heidelberg. 1991 schloss er sein Studium mit dem Magister bei Maurice-Ruben Hayoun, Johann Maier (Judaistik) und Micha Brumlik (Pädagogik) ab. Im gleichen Jahr begann er sein Doktoratsstudium an der Wiener Judaistik, die Promotion 1993, von 1994 bis 1998 war er Assistent am Institut für Judaistik.
Er habilitierte sich 1998, war von 1998 bis 2011 außerordentlicher Professor und ist seit Oktober 2011 Professor für Judaistik an der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind Kabbala und jüdischer Film. Zusammen mit Frank Stern begründete er die „Visuelle jüdische Kulturgeschichte“ an der Universität Wien. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Rolle des Spielfilms als moderner Midrasch – als visuelle Form jüdischer Auslegung, Erinnerung und Traditionsbildung. Er untersucht, wie Filme jüdische Geschichte, Religion und Kultur nicht nur darstellen, sondern interpretieren und weiterdenken. Im Zentrum stehen dabei Fragen nach Darstellung, Deutung und Transformation jüdischer Narrative im Medium Film. Er ist einer der Leiter des „Jüdischen Filmclubs Wien“, Fachberater für zahlreiche TV-Dokumentationen und Kurator des jüdischen Filmfestivals Hawara.
Klaus S. Davidowicz: Gerschom Scholem und Martin Buber. Die Geschichte eines Missverständnisses. Neukirchener Verlag, Neukirchen 1995.
Klaus S. Davidowicz: Jakob Frank, der Messias aus dem Ghetto. Peter Lang, Frankfurt a. M.: 1998.
Klaus S. Davidowicz: Kabbala, geheime Traditionen im Judentum. Österreichisches Jüdisches Museum, Eisenstadt 1999.
Klaus S. Davidowicz: Zwischen Tradition und Häresie, Jakob Franks Leben und Lehren. Böhlau Verlag, Wien 2004.
Klaus Davidowicz: Vom Mythos zum Filmepos, Paul Wegeners Golem-Film. In: E. Lappin (Hrsg.): Juden und Film. Wien 2004.
Klaus S. Davidowicz: Den Abgrund überwinden – Martin Bubers Suche nach Gott. In: Rudolf Langthaler und Wolfgang Treitler (Hrsg.): Die Gottesfrage in der europäischen Philosophie und Literatur des 20. Jahrhunderts. Böhlau Verlag, Wien 2007.
Klaus S. Davidowicz: Die Kabbala, eine Einführung in die Welt der jüdischen Mystik und Magie. Böhlau Verlag, Wien 2009.
Klaus S. Davidowicz: Martin Buber und die jüdische Renaissance. In: Frank Stern und Barbara Eichinger (Hrsg.): Wien und die jüdische Erfahrung. Böhlau Verlag, Wien 2009.
Klaus S. Davidowicz: Jakob Frank und der „Große Bruder“ - Esau in den frankistischen Lehrworten. In: Gerhard Langer (Hrsg.): Esau – Bruder und Feind. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2009.
Klaus S. Davidowicz: Frank Beyers „Nackt unter Wölfen“ und die Darstellung der Shoah im deutschen Spielfilm der frühen 60er Jahre. In: Frank Stern und Barbara Eichinger (Hrsg.): Film im Sozialismus, die DEFA. Mandelbaum Verlag, Wien 2009.
Klaus S. Davidowicz: Film als Midrasch – Der Golem, Dybbuks und andere kabbalistische Elemente im populären Kino, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2016.
Klaus S. Davidowicz: „That’s big talk for a little gun“. Geschlechterrollenwechsel in Nicholas Rays Johnny Guitar (1954). In: Aylin Basaran, Julia B. Köhne, Klaudija Sabo und Christina Wieder (Hrsg.): Sexualität und Widerstand. Internationale Filmkulturen. Wien: Mandelbaum Verlag, 2018.
Klaus S. Davidowicz: Antisemitismus und der Nachkriegsfilm in Österreich. In: Marc Grimm und Christina Hainzl (Hrsg.): Antisemitismus in Österreich nach 1945. Berlin: Hentrich & Hentrich, 2022.
Klaus S. Davidowicz: High Noon in Vienna. Film als Midrasch, in: Jüdischer Film. Ein neues Forschungsfeld im Jüdischen Sprachraum, hg. von Lea Wohl von Haselberg und Lucy Alejandra Pizana Pérez. Edition Text + Kritik, München 2022.
Klaus S. Davidowicz: „Hinaussynchronisiert“. Die Ausblendung der Shoah und jüdischer Lebenswelten in deutschen Synchronfassungen. In: Ursula von Keitz, Wolfgang Lukas und Rüdiger Nutt-Kofoth (Hrsg.): Sprache und Musik in der Filmedition. Berlin/Boston: De Gruyter, 2022.