An diesem Tag

Klaus Barbie

Deutscher NS-Kriegsverbrecher, SS-Hauptsturmführer, Chef der Gestapo in Lyon

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Nikolaus „Klaus“ Barbie alias Klaus Altmann (* 25. Oktober 1913 in Godesberg; † 25. September 1991 in Lyon) war ein mehrfach verurteilter deutscher NS-Kriegsverbrecher. Von 1942 bis 1944 war er Gestapo-Chef von Lyon; wegen seiner Grausamkeit war er als „Schlächter von Lyon“ bekannt. Die französische Justiz verurteilte ihn in Abwesenheit in drei Prozessen jeweils zum Tode. In einem vierten Prozess, zu dem es nach Barbies Auslieferung aus Bolivien nach Frankreich im Jahr 1983 gekommen war, verurteilte ihn ein Gericht 1987 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Barbie kam als Kind von Nikolaus Barbie und Anna Hees zur Welt. Die Eltern, beide Lehrer, heirateten im Jahr darauf. Sein Vater kehrte schwer verwundet von der Westfront aus dem Ersten Weltkrieg zurück. Nach Barbies eigener Aussage war seine Jugend durch die Alkoholsucht und gewalttätige Übergriffe des verbitterten Vaters geprägt. Der jüngere Bruder Kurt verstarb noch im Jugendalter. 1934 machte Barbie am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier Abitur und war in dieser Zeit Mitglied des katholischen Sportverbands „Deutsche Jugendkraft“.

Nach seiner Schulzeit war er Mitglied der Hitlerjugend und persönlicher Adjutant des örtlichen Parteiführers. Die Universität blieb Barbie verschlossen, da die Familie nach dem Tod des Vaters im Jahr 1933 kein Studium finanzieren konnte. Stattdessen meldete er sich für ein freiwilliges sechsmonatiges Lager des Reichsarbeitsdienstes in Schleswig-Holstein. Hier entwickelte er sich zu einem unerschütterlichen Anhänger des „Dritten Reiches“. Am 26. September 1935 wurde er Mitglied der SS (SS-Nummer 272.284) und arbeitete ab dem 29. September 1935 im SD-Hauptamt. Erste praktische Erfahrungen sammelte er u. a. beim Geheimen Staatspolizeiamt in Berlin. Zudem absolvierte Barbie Lehrgänge an der Führerschule des Sicherheitsdienstes in Bernau bei Berlin und der Führerschule der Sicherheitspolizei und des SD in Berlin-Charlottenburg. Im Oktober 1936 übernahm er die Referate II/122 und II/123 des SD-Oberabschnitts West in Düsseldorf und wurde anschließend Hilfsreferent im Referat III C des SD-Abschnitts Dortmund. Barbie sollte den sozialdemokratischen und kommunistischen Widerstand unterwandern. Eine weitere Aufgabe war die Betreuung des Bereichs III/C „kulturelle Angelegenheiten“, zu denen hauptsächlich religiöse Belange gehörten. Zum 1. Mai 1937 trat Barbie der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 4.583.085). Am 20. April 1940 wurde er zum SS-Untersturmführer befördert, fünf Tage später heiratete er die 23-jährige Regine Willis. Sie hatten zusammen eine Tochter namens Ute.

Besatzungszeit in den Niederlanden

Unmittelbar nach der deutschen Besetzung der Niederlande traf Barbie am 29. Mai 1940 in Amsterdam ein. Bis März 1942 war er in der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Amsterdam eingesetzt, die der Außendienststelle Amsterdam des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD (BdS) Niederlande unterstellt war. Barbie war dabei mit seinen Untergebenen für die Verfolgung von Widerstandskämpfern und Juden, insbesondere Exilanten aus Deutschland, verantwortlich. Am 9. November 1940 wurde er zum SS-Obersturmführer befördert. Klaus Barbie war in den Niederlanden maßgeblich an der Verfolgung und Folterung von Freimaurern beteiligt. Übergriffe auf Logen leitete er persönlich.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in das bis dahin von der Vichy-Regierung verwaltete, unbesetzte Südfrankreich im November 1942 übernahm er als Leiter der Abteilung IV mit Erich Bartelmus, der Leiter für Judenangelegenheiten war, die Gestapo beim Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD (KdS) in Lyon. In der Rangordnung in Lyon kam er an dritter Stelle nach dem Chef des KdS, SS-Obersturmbannführer Werner Knab, und dessen Stellvertreter Heinz Hollert.

Vor Ort ging Barbie mit großer Grausamkeit vor. Er hatte die Suite 68 im zweiten Stock des Lyoner Hotels Terminus gemietet und hielt dort „Orgien unsäglich scheußlicher Gemeinheiten“ (Barbies Biograph Tom Bower) ab. Barbie folterte katholische Priester mit Elektroschocks, hängte sie an den Füßen auf, ließ Kinder hungern und prügelte sie. Nackte Frauen wurden bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt und vergewaltigt. Barbie war für die Folterung und Ermordung von Mitgliedern der Résistance – unter ihnen Jean Moulin – in Südfrankreich verantwortlich. Barbie folterte mit Schneidbrennern, glühenden Schürhaken, Elektroschocks, kochendem Wasser und einer ganzen Sammlung an Peitschen, Werkzeugen und Knüppeln, die bei Verhören vor ihm auf dem Schreibtisch lagen. Die Folterungen, die viele seiner Opfer nicht überlebten, zogen sich teilweise über einige Tage hin. Einer seiner treuesten Helfer hierbei war Francis André, auch „Gueule Tordue“ (Schiefmaul) genannt.

Darüber hinaus wurden ihm zahlreiche weitere Verbrechen zur Last gelegt, unter anderem das Massaker in Saint-Genis-Laval, die Verantwortung für die Deportation der Kinder von Izieu, für die Razzia in der Rue Sainte-Catherine sowie zahlreiche Erschießungen im Gefängnis Fort Montluc. Dabei ging er mit großer Brutalität und Rücksichtslosigkeit vor. Das Fehlen von dokumentarischem Beweismaterial wurde mit der Rückkehr Barbies nach Lyon in der Woche vor dem deutschen Abzug im August 1944 in Zusammenhang gebracht, wo er „den Aufwasch“ erledigte. Hierbei ermordete er 20 französische Mitarbeiter der Gestapo und angeblich auch seine französische Freundin Antoinette „Mimiche“ Murot.

Klaus Barbies Name wurde erstmals öffentlich bekannt, als eine Liste der meisten Lyoner Gestapoangehörigen von der Résistance-Kämpferin Dora Schaul (Deckname Renée Fabre) zusammengestellt und über den Londoner Rundfunk wiederholt gesendet wurde.

Am 9. November 1944 wurde Barbie zum SS-Hauptsturmführer befördert, was dem Rang eines Hauptmanns entsprach. Mit Befehl vom 20. November 1944 kam er zurück zum SD-Abschnitt Dortmund in die Steinwache, wo er ein nicht näher bezeichnetes Amt innehatte. Kurz vor dem Kriegsende tauchte er in Deutschland unter.

Barbie baute nach Kriegsende ein Netzwerk von ehemaligen Mitarbeitern von SS und Gestapo in den westlichen Besatzungszonen auf. Gleichzeitig betrieb er Schwarzmarkthandel und beging Überfälle, um sein Leben im Untergrund zu finanzieren. Er geriet mehrfach kurzzeitig in Gefangenschaft der US-Army und der britischen Field Security Section, konnte aber immer wieder fliehen.

Von 1945 bis 1955 genoss Barbie schließlich den Schutz zunächst britischer, dann US-amerikanischer Behörden, die ihn als Agenten beschäftigten. Ab Anfang 1946 lebte er unter dem Namen Klaus Becker in Marburg und konnte mit einem Sprung aus dem Jeep der Amerikaner flüchten, als sie ihn im August 1946 verhaften wollten. Im November 1946 ließ er sich im britisch besetzten Hamburg von einem Arzt die Blutgruppentätowierung entfernen. Wegen seiner Verbrechen wurde Barbie 1947 in Frankreich in Abwesenheit zum ersten Mal zum Tode verurteilt. Im selben Jahr wurde er Agent für den US-amerikanischen Geheimdienst CIC und in dieser Funktion vom damaligen Hochkommissar John J. McCloy vor einer Auslieferung nach Frankreich bewahrt. Er nutzte seine Seilschaften zu anderen untergetauchten SS-Angehörigen, um ein Netz an Informanten aufzubauen. Dabei wurden vor allem Informationen über potentielle kommunistische Widerstandskämpfer und Agenten beschafft. Ebenso spionierte Barbie im Auftrag des CIC die Aktivitäten der französischen Geheimdienste in Deutschland aus, da man Angst vor einer Unterwanderung durch den KGB hegte. Ab 1950 rekrutierte er in Deutschland Mitglieder für den später verbotenen rechtsextremen Bund Deutscher Jugend. Mit Hilfe der USA emigrierte Barbie 1951 auf der sogenannten Rattenlinie unter dem Namen Klaus Altmann nach Bolivien, betätigte sich dort als Geschäftsmann und wurde später auch bolivianischer Staatsbürger.

Im November 1952 wurde Barbie in Lyon wegen Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung und die Widerstandsbewegung im Jura der Prozess gemacht, er wurde ein zweites Mal in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Auch ein dritter Prozess im November wegen des Massakers von Saint-Genis-Laval und zahlreicher Erschießungen im Gefängnis Montluc endete mit einem Todesurteil.

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