Klaus-Michael Kühne (* 2. Juni 1937 in Hamburg; † 23. August 2026 in Feusisberg-Schindellegi, Schweiz) war ein deutscher Unternehmer, Stifter, Mäzen und Sponsor. Über die 1993 gegründete Kühne Holding AG war er unter anderem Mehrheitsgesellschafter der maßgeblich unter seiner Leitung aufgebauten Kühne+Nagel-Gruppe, die weltweit zu den führenden Logistikdienstleistern zählt. Zudem hält die Holding u. a. Anteile an Hapag-Lloyd und der Lufthansa sowie der HSV Fußball AG & Co. KGaA. Weiter ist sie an Luxushotels wie dem The Fontenay in Hamburg und anderen namhaften Immobilien beteiligt.
Die 1976 gegründete Kühne-Stiftung engagiert sich in den Bereichen Logistik, Medizin, Klima und Kultur. Ihr größtes Projekt ist die Kühne Logistics University, eine Wirtschaftshochschule. Laut Forbes betrug mit Stand 2024 Kühnes Vermögen rund 42,5 Milliarden US-Dollar. Dies machte ihn zum reichsten Deutschen.
Kühne wurde 1937 in Hamburg als einziges Kind von Mercedes Greef (1908–2001) und ihrem Ehemann, dem Speditionskaufmann Alfred Kühne (1895–1981), geboren; er war ein Enkel des Unternehmensmitbegründers August Kühne.
Kühne besuchte die Heinrich-Hertz-Schule in Hamburg-Winterhude; dabei war er ein Klassenkamerad von Wolf Biermann bis zu dessen Übersiedlung in die DDR im Jahr 1953.
Nach dem Abitur absolvierte Kühne eine zweijährige Ausbildung zum Bank- und Außenhandelskaufmann beim Bankhaus Münchmeyer & Co., anschließend war er bei befreundeten Speditionen, Reedereien und Schiffsmaklern tätig.
Kühne war ab 1989 mit Christine Kühne (* 1938) verheiratet. Ab 1975 wohnte er in Schindellegi in der Schweiz, wo sich der Hauptsitz von Kühne + Nagel befindet, besaß aber weiterhin die deutsche Staatsangehörigkeit.
Klaus-Michael Kühne starb am 23. August 2026 im Alter von 89 Jahren in Schindellegi.
Er wurde bei seinen Eltern Alfred (1981) und Mercedes Kühne (2001) in Hamburg auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt (Grabnummer: O27-88). Die Familiengrabstätte befindet sich schräg gegenüber von Uwe Seelers Grab.
1958 trat Kühne ins Speditionsunternehmen der Familie ein, 1963 wurde er mit 26 Jahren persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär). Bei der Umwandlung von Kühne + Nagel in eine Aktiengesellschaft wurde er 1966 Vorstandsvorsitzender und verlegte 1969 den Firmensitz in die Schweiz.
In den Zeiten der ersten und zweiten Ölpreiskrise versuchte er, ein Reedereiunternehmen aufzubauen, geriet damit aber in finanzielle Schwierigkeiten und musste 1981 – im Todesjahr seines Vaters – 50 Prozent der Anteile für 90 Millionen DM an die damalige Lonrho-Gruppe abgeben. 1992 kaufte er sie für 340 Millionen Mark zurück und brachte 1994 die Kühne + Nagel International AG an die Börse. Von 1992 bis 2011 war er deren Verwaltungsratspräsident.
Über die Kühne Holding AG, die in seinem alleinigen Eigentum war, hielt er einen Anteil von 55,75 Prozent an der Kühne + Nagel International AG. Über das Konsortium Albert Ballin wurde er 2008 Gesellschafter der Reederei Hapag-Lloyd. Dort hielt er 30 Prozent der Anteile.
Im Mai 2016 übernahm er 20,3 Prozent der Anteile des Hamburger Eisenbahn-Logistik- und Waggonvermietunternehmens VTG AG, die er im Juli 2018 wieder veräußerte.
Kühne gründete 1976 gemeinsam mit seinen Eltern die gemeinnützige Kühne-Stiftung (Stiftung nach schweizerischem Recht), in die er jährlich fünf Millionen Schweizer Franken einbrachte und die nach seinem Tod das Firmenvermögen übernahm.
Gemeinsam mit der Freien und Hansestadt Hamburg und der Technischen Universität Hamburg-Harburg gründete er 2003 die Hamburg School of Logistics, die nach einer weiteren Großspende im Jahre 2007 in Kühne School of Logistics and Management umbenannt wurde und aus der schließlich die Kühne Logistics University (KLU) hervorging. Kühne finanzierte die KLU teilweise über seine Stiftung, dennoch ist sie eine unabhängige Business School – also keine Corporate University von Kühne + Nagel. Die KLU bietet Studiengänge in allgemeiner Betriebswirtschaftslehre, Data Science sowie Logistik und Supply Chain Management an. Ein weiterer KLU-Standort ist Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam.
Ebenfalls besteht eine Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin, die schließlich zur Gründung des Fachgebiets Internationale Logistiknetze führte. Des Weiteren werden an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar das Kühne-Zentrum für Logistikmanagement und der Kuehne Foundation Endowed Chair of Logistics Management von der Kühne-Stiftung unterstützt.
Im schweizerischen Davos unterhält die KLU einen Medizincampus mit Forschungsprogrammen in der Allergologie und Kardiologie sowie eine Hochgebirgsklinik. Bis 2028 soll in Hamburg zudem ein neues Klimazentrum entstehen, um Beiträge der Logistik zum Klimaschutz zu erforschen.
2005 wurde Kühne in die Logistics Hall of Fame aufgenommen. 2007 wurde er vom Hamburger Senat für sein „nachhaltiges Engagement beim Auf- und Ausbau der Logistikwissenschaft in Hamburg und seinen Einsatz für den Bau der Elbphilharmonie“ mit dem Ehrentitel Professor geehrt.
Kühne war außerdem als Investor beim Hamburger SV tätig. Für 12,5 Millionen Euro erhielt er im Sommer 2010 33 Prozent der Transferrechte an den Spielern Dennis Aogo, Dennis Diekmeier, Paolo Guerrero, Marcell Jansen, Lennard Sowah und Heiko Westermann. Im Zuge des Transfers von Rafael van der Vaart 2012, für den Kühne ein Darlehen in Höhe von 8,5 Millionen Euro gab, verzichtete Kühne auf diese Transferrechte und erhielt im Gegenzug 33 Prozent der Transferrechte an van der Vaart.