Kirsty Ellen Duncan PC (* 31. Oktober 1966 in Etobicoke, Ontario; † 26. Januar 2026) war eine kanadische medizinische Geografin und Klimawissenschaftlerin sowie Politikerin der Liberalen Partei. Sie war von 2008 bis 2025 Mitglied des Unterhauses des kanadischen Parlaments sowie von 2015 bis 2019 Ministerin für Wissenschaft, ab 2018 zusätzlich auch Sportministerin.
Ausbildung und wissenschaftliche Tätigkeit
Im Jahr 1985 schloss Duncan ihre schulische Bildung am Kipling Collegiate Institute ab und studierte danach Geografie und Anthropologie an der University of Toronto (B.A. 1989). An der University of Edinburgh in Schottland erhielt sie 1993 den Doktorgrad in Geografie. Thema ihrer Dissertation war die Klimaentwicklung in Südostschottland und ihre Auswirkungen auf Landwirtschaft und Krankheiten.
Von 1993 bis 2000 unterrichtete Duncan Meteorologie, Klimatologie und Klimawandel an der University of Windsor. Als sie im Jahre 1992 auf die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer globalen Grippe-Epidemie aufmerksam wurde, suchte sie Wege, um dieses Virus besser zu erforschen – und leitete 1998 eine Expedition nach Alaska und Longyearbyen, da sie vermutete, dass Fragmente der Grippeviren von 1918 in den dortigen Permafrost-Böden wohl überdauert hatten. Die letztlich erfolglose Suche beschrieb sie im 2003 veröffentlichten Buch Hunting the 1918 Flu: One Scientist’s Search for a Killer Virus.
Ab 2003 war sie Associate Professor für Gesundheitswissenschaften am Scarborough-Campus der Universität von Toronto, wo sie globale Umweltprozesse und medizinische Geografie lehrte. Parallel unterrichtete sie auch im Fach Unternehmerische Verantwortung an der Rotman School of Management, der wirtschaftswissenschaftlichen Graduiertenfakultät der Universität Toronto. Sie war Mitglied des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).
Nachdem der liberale Unterhausabgeordnete Roy Cullen im Februar 2008 seinen Rücktritt erklärt hatte, kandidierte Duncan auf Vorschlag des damaligen Vorsitzenden der Liberalen Partei Kanadas, Stéphane Dion, für das freigewordene Parlamentsmandat. Dies war Teil von Dions Bestrebung, mehr Frauen für die Politik zu gewinnen und sein Programm für einen „grünen Wandel“ zu stärken. Sie gewann die Wahl für den Wahlkreis Etobicoke North und wurde 2011, 2015, 2019 und 2021 wiedergewählt.
Am 4. November 2015 wurde Duncan von Premierminister Justin Trudeau zur Ministerin im 29. kanadischen Kabinett ernannt. Gleichzeitig wurde sie auch in den Kronrat berufen. Von November 2015 bis November 2019 nahm sie im Kabinett den Posten einer Ministerin für Wissenschaft ein. Als solche leitete sie kein eigenes Ministerium, sondern war Teil des vom Industrieminister geleiteten Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und wirtschaftliche Entwicklung. Nach dem Rücktritt Kent Hehrs wegen sexuellen Fehlverhaltens übernahm Duncan im Januar 2018 zusätzlich für ein halbes Jahr das Amt der Ministerin für Sport und behinderte Menschen im Ministerium für kanadisches Erbe. Ab Juli 2018 trug sie den Titel der Ministerin für Wissenschaft und Sport. Zu ihrer Priorität erklärte sie, Missbrauch und Belästigung im Sport zu beenden. Im Kabinett war Duncan von 2016 bis 2018 stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Klimawandel und Energie, von 2018 bis 2019 stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Kanada in der Welt und öffentliche Sicherheit.
In einer Kabinettsumbildung im November 2019 schied aus dem Ministeramt aus und wurde stattdessen zum Deputy Leader of the Government in the House of Commons ernannt. Damit war sie bis August 2021 die Stellvertreterin des Government House Leader Pablo Rodriguez, des Vertreters der Regierung im Unterhaus.
Nach ihrem Ausscheiden aus dem Kabinett warf sie der Regierung Trudeau vor, Maßnahmen zur Verhinderung von Belästigung, Missbrauch und Diskriminierung im Sport nicht mit der gebotenen Dringlichkeit weiterverfolgt zu haben. Duncan war früher selbst Leichtathletin und berichtete von ihrer eigenen Erfahrung mit emotionalem und psychischem Missbrauch, der ihr als Sportlerin widerfahren war.
Ab Januar 2023 nahm Duncan aus Gesundheitsgründen eine Auszeit, behielt aber ihr Abgeordnetenmandat. Bei der Parlamentswahl 2025 kandidierte sie nicht mehr.
Im Januar 2026 starb Kirsty Duncan im Alter von 59 Jahren an den Folgen von Krebs.
Hunting the 1918 Flu: One Scientist’s Search for a Killer Virus. University of Toronto Press, Toronto 2003, ISBN 978-0-8020-8748-5.
Environment and Health: Protecting our Common Future. WIT Press, 2008, ISBN 978-1-84564-130-6.
Kirsty Duncan auf der Website des kanadischen Unterhauses
Kirsty Duncan auf der Website der Liberalen Partei