Kim Ry Andersen (* 15. Februar 1946 in Kopenhagen; † 25. Dezember 2024 in Bonn) war ein dänischer Musikmanager und Politiker. Von 1994 bis 2012 war er Geschäftsführer und stellvertretender Intendant der Dresdner Musikfestspiele.
Kim Ry Andersen wuchs in Kopenhagen, Århus und San Francisco auf. Er war das einzige Kind von Monna Ry Andersen, Konzert- und Opernsängerin, erste Rundfunk- und Fernsehsängerin in Dänemark, und Sigurd Ry Andersen, Direktor der Pathologischen und Ophthalmologischen Abteilung am Rigshospitalet (Reichskrankenhaus Kopenhagen).
Die Familie stammte aus Århus in Dänemark, wo Andersen im Dom zu Aarhus getauft wurde und sein Großvater väterlicherseits, Christian Dithlev Andreas Andersen, als Bankdirektor die Århus Privatbank, erste Privatbank in Dänemark, gründete und Vorsitzender des Vorstandes der Jütland Telefon Companies war. Er stiftete als enger Freund des Königs von Dänemark, in siebter Linie vom dänisch-schleswig holsteinischen Königshaus abstammend, die Reiterstatue von König Christian X. auf dem Domplatz von Århus. Der Großvater mütterlicherseits, Johan Hjalmar Sjoréen, schuf in Århus das erste Kaufhaus in Dänemark, zusätzlich baute er aus dem Nichts – als Findel- beziehungsweise Waisenkind – eine große, eigene Werft für Hochsee-Schiffs- und Industrieanstriche in Århus auf. Die Vorfahren kamen aus Schweden und Schleswig-Holstein, einst alter dänischer Adel, der Herrenhäuser, wie Eskjær hovedgård, Herningsholm, Gammel Estrup und Schloss Voergaard, dass im 14. Jahrhundert dem Vorfahr Anders Pedersen, im 16. Jahrhundert Ritter Jakob Andersen gehörte und später von der Familie, Herzog Poul Einar Rützebeck, zurückgekauft wurde. Der Bruder des Vaters von Kim Ry Andersen, war der in Dänemark als Künstler und Architekt bekannte Thorkil Ry Andersen.
Ab 1993 war Ry Andersen mit der Sopranistin, Betriebs- und Operndirektorin Dr. Valerie Ry Andersen (geborene Hennecke) verheiratet. Zuvor war er von 1976 bis 1982 mit der Tänzerin und Choreographin Anne Marie Vessel Schlüter verheiratet, von der er wieder geschieden wurde.
Kim Ry Andersen erhielt, neben Fechten und Reiten, als Kind eine musikalische Ausbildung in Gesang und Klavier bei seiner Mutter, die auch Gesangspädagogin und Pianistin war. Mit zwölf Jahren trat er mit ihr als Page in der Oper Figaros Hochzeit im Schlosstheater Drottningholm in Schweden auf und sang 1965 beim Festival junger Künstler Bayreuth. Die Konzert- und Opern-Engagements seiner Mutter führten ihn nach Rom, Paris, Madrid und in das zerstörte Deutschland.
Von 1952 bis 1957 besuchte er die Classenske Legatskole Kopenhagen. Im Mai 1957 wanderte er mit seiner Familie in die USA aus, weil sein Vater ein Grand legacy Forschungsstipendium der Lederle Laboratories New York erhielt, eines zu der Zeit weltweit größten Pharma-Unternehmens, das dessen Weiterbildung in der Augenpathologie förderte und eine Zukunft in der wissenschaftlichen Forschung in Aussicht stellte. Es war beabsichtigt, dass die Familie in Kalifornien blieb. In San Francisco war Kim Ry Andersen von 1957 bis 1958 Schüler der bekannten Marina Junior High School, wo er täglich im Schulfach in Violine unterrichtet wurde und seine Mutter bei Opern- und Konzertauftritten – auch an der Opera San Francisco – begleitete.
1958 ging er zurück nach Dänemark. Sein Vater erhielt von der Fakultät für Gesundheit- und Medizin der Universität Kopenhagen das Angebot, ein Forschungslabor für Augenpathologie einzurichten und als Direktor zu leiten; seine Mutter hatte Engagements als Sopranistin am Königlichen Theater Kopenhagen. Kim Ry Andersen besuchte von 1958 bis 1964 das Skt. Joergens Gymnasium Kopenhagen, das er als Schulbester mit Abitur mit Großem Latinum sowie den Sprachen und Englisch, Deutsch, Französisch, Schwedisch, Norwegisch abschloss. Gleichzeitig studierte er das Opernfach Bariton bei dem Gesangslehrer Eskil Rask Nielsen am Königlichen Musikkonservatorium Kopenhagen.
Anschließend studierte er, dem Wunsch seines Vaters folgend, ab 1964 zunächst Allgemeinmedizin an der Fakultät für Gesundheit- und Medizin der Universität Kopenhagen und bestand das Physikum mit bester Benotung. 1965 entschied er sich zum Studium der Rechtswissenschaften mit Betriebswirtschaft an der Universität Kopenhagen, war Referendar in der Anwaltskanzlei Bang Bendz, spezialisierte sich auf Urheberrechte, insbesondere Kultur- und Medienrechte, und schloss das Studium 1970 mit dem höchsten Juristischen Staatsexamen und Prädikat als Jurist und Betriebswirt ab, was ihn zum höheren Dienst befähigte.
Arbeit in dänischen Ministerien
1970 erhielt der damals 24-Jährige einen Ruf an das Dänische Justizministerium als Referent unter Knud Thestrup. Nach einem halben Jahr in der Abteilung Gefängniswesen wurde er ins Dänische Kultusministerium empfohlen.
Von Dezember 1970 bis 1975 war er Regierungsrat und Oberregierungsrat der Abteilung für Museen und Bibliotheken im Dänischen Kultusministerium. In diesem Bereich war er zuständig für das Verfassen von Gesetzen und Gesetzesänderungen sowie die Zuteilung von Finanzen und Unterstützungen an die damals rund 270 Bibliotheken aller Kommunen Dänemarks und die über 100 staatlichen und staatlich geförderten Museen in Dänemark.
Zusätzlich war er Persönlicher Referent der dänischen Kultusminister Nathalie Lind und Niels Matthiasen. Letzterer entsandte ihn nach der Wiederwahl als Abgeordneter in Vertretung des Kultusministeriums – mit unbegrenztem Rückkehrrecht – an das Königlichen Theater Kopenhagen.
Von 1975 bis 1990 war Andersen geschäftsführender Theater- bzw. Generalsekretär und Persönlicher Referent des Generalintendanten, Stellvertretender Intendant am Königlichen Theater Kopenhagen und zugleich Ökonomiedirektor, Jurist und Personalchef. Er arbeitete dort zuerst mit dem Intendanten Henning Rohde, später mit den Intendanten Henrik Bering-Liisberg und Boel Jørgensen zusammen.
Andersen brachte das Königliche Theater aus einer schweren Finanzkrise in ein goldenes Zeitalter. Er engagierte gezielt in Europa bekannt werdende junge, bedeutende Künstler, die später Weltruhm erreichen. Im Konzertbereich holte er beispielsweise Pierre Boulez, Donald C. Runnicles, Woldemar Nelsson, Wolfgang Rennert, Peter Eötvös, Kurt Masur. Er vergab Komponistenaufträge, wie an Sir Peter Maxwell Davies und kooperierte mit neuen Komponisten, wie Michael Tippett. Im Musiktheaterbereich arbeitete er zusammen mit Götz Friedrich, nach dessen Flucht aus der DDR, und holte Harry Kupfer, der drei Auslandproduktionen ausschließlich nur in Kopenhagen machte (Parsifal, Fürst Igor, Boris Godunow). Er ermöglichte die ersten Auslandsgastspiele von Peter Schreier und Theo Adam aus der DDR. Auch holte er Kurt Horres, Hans Neugebauer, Nikolaus Lehnhoff. Im Schauspielbereich engagierte er Per Olov Enquist. Im Ballettbereich produzierte er neu mit Rudolf Nurejew, Birgit Cullberg, Glen Tedley, Paul Taylor, Murray Louis, Alvin Ailey, Flemming Ryberg, Bruce Marks, John Cranko, Robert North, Flemming Flindt und John Neumeier. Dazu reihen sich weiterhin namhafte Bühnenbildner, Sänger, Schauspieler und Tänzer ein, wie Frank Andersen, Peter Schaufuss, Ib Andersen, Anna Lærkesen, Jürgen Rose, Birgitte Price. Darunter auch der langjährige Freund Bjørn Wiinblad. Mit Henning Kronstam und Kirsten Ralov als Artistic Director, gründete er in Kopenhagen das erste Bournonville Festival, 1979.
Gleichfalls fand er innovative Produktionen, die am Königlichen Theater einen Erneuerungsprozess auslösten und das Haus international in den vordersten Rang der Weltkultur katapultierten. Die Welt will sehen, was in Kopenhagen passiert, fragt um Gastspiele/Kooperationen an. Das Königliche Ballett tanzt in der obersten Liga, auch für Grace Kelly in Monaco. Unter seiner Direktion wurde das Königliche Theater durch Rationalisierungen ohne künstlerische Einschränkungen über die finanziellen Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Dänemark gebracht, erstmals international aufgestellt, was in die dänische Theatergeschichte einging,- durch große Neuproduktionen, Kooperationen und internationale Gastspiele. Mit dem königlichen Ballett, der königlichen Kapelle und dem Staatsschauspiel machte er über 174 Auslandstourneen in ganz Europa, 1986 auch in die DDR (Staatsoper Berlin und Dresdner Musikfestspiele) sowie nach Japan, China, Singapur und USA.