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Keystone-SDA

Schweizer Nachrichtenagentur

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Keystone-SDA (französisch und italienisch Keystone-ATS) ist die nationale Nachrichtenagentur der Schweiz. Sie hat ihren Sitz in Bern und ist eine Aktiengesellschaft im Besitz der Schweizer Medien und der Austria Presse Agentur (APA). Sie ist die einzige komplette Nachrichtenagentur der Schweiz und beschäftigt rund 180 Personen (davon rund 150 Journalisten) – die Mehrzahl davon in der Zentralredaktion in Bern und in 13 Regionalredaktionen. Die Gruppe beschäftigt insgesamt 293 Mitarbeiter. Die Ankündigung eines massiven Stellenabbaus führte 2018 zu einem Arbeitskonflikt. Am 27. April 2018 übernahm die Schweizerische Depeschenagentur (sda) die Bildagentur Keystone rückwirkend auf den 1. Januar 2018 und firmierte zu Keystone-SDA um.

Keystone-SDA verbreitet in drei der Landessprachen, Deutsch, Französisch und Italienisch, rund um die Uhr, 365 Tage pro Jahr Informationen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Sport in Text, Bild und Infografik. Sie bietet täglich rund 500 News- und 150-Sport-Meldungen sowie 1200 Pressebilder an, ausserdem Themenbilder aus dem Schweizer Alltag, Porträts von Schweizer Persönlichkeiten und Storys in Form von Bildergeschichten und Reportagen. Neben annähernd allen Schweizer Medien bedient Keystone-SDA auch ausländische Medien und Agenturen. Zudem versorgt sie Unternehmen, Behörden und Organisationen mit Nachrichten und Werbeagenturen mit Bildern und macht auch Fotos im Auftrag von Firmen. Die Datenbank sda-direct umfasste per 31. Dezember 2015 über 661'000 Meldungen (sämtliche Meldungen aus dem Basisdienst seit 1988), das Bildarchiv über 11 Millionen Bilder.

Auf den 1. Januar 2016 wurde die bereits zuvor in ihrem Besitz befindliche Sportinformation Si AG (Si) in die Schweizerische Depeschenagentur integriert und ist seither die Sportredaktion von Keystone-SDA mit Standorten in Zürich und Genf.

Der Fokus der Keystone-SDA-Sportredaktion liegt auf den grossen Publikumssportarten (Fussball, Eishockey, Ski alpin, Formel 1, Tennis und Leichtathletik). Darüber hinaus vermeldet Keystone-SDA-Sport Nachrichten zu allen in der Swiss Olympic Association vertretenen Sportarten bei relevanten Ereignissen und hat Zugriff auf ein bis ins 19. Jahrhundert zurückreichendes Archiv mit historischen Quellen und Daten, das die Si aufgebaut hat. Ein grosses Netz an nationalen und internationalen Korrespondenten sorgt neben Nachrichtenagenturen als Quellen für eine möglichst lückenlose Abdeckung des Sportgeschehens.

Seit der Übernahme der Si ist Keystone-SDA Inhaberin und Betreiberin der Telefon-Kurznummer 164. Laut «Verordnung über die Adressierungselemente im Fernmeldebereich» kann sie bis längstens 2022 betrieben werden. Bei Nicht-Erreichen der Zahl von 500'000 Anrufen innerhalb eines Kalenderjahres kann die betreffende Nummer widerrufen werden.

Seit Januar 2017 bietet Keystone-SDA einen Videodienst als integralen Bestandteil des Basisdienstes an. Im August 2017 testete sie einen Live-Blog während des Unspunnenfestes in Interlaken.

Am 1. Januar 2018 führte Keystone-SDA ein neues Tarifsystem «Total Audience 1.0» ein. Dieses trägt der multimedialen Entwicklung Rechnung, wonach Print heute nicht mehr als klassische Hauptnutzung gilt. Neu gibt es für die gesamte Reichweite einen einzigen Tarif, und sämtliche Agenturinhalte dürfen multimedial genutzt werden. Der traditionell auf der Auflage basierende Tarif hatte aufgrund der seit einigen Jahren ständig sinkenden Auflagen zu erheblichen Mindereinnahmen geführt.

Keystone-SDA folgt bei der Rechtschreibung den Empfehlungen der Schweizer Orthographischen Konferenz.

Keystone-SDA hält 50 % an der AWP Finanznachrichten AG. Mit der AWP zusammen betreibt sie seit 2012 den Corporate-Publishing-Dienst sda/AWP Multimedia. Sie hält ausserdem 100 % an der PPR Media Relations AG. Ihren Anteil von 50 % am Communiquédienst news aktuell AG verkaufte sie im September 2018 rückwirkend auf den 1. Januar 2018 an den Partner dpa.

Bis Ende 1894 waren die Schweizer Zeitungen für Nachrichten nicht nur aus dem Ausland, sondern sogar aus dem Inland fast ausschliesslich auf ausländische Presseagenturen angewiesen. Das empfand man als unwürdigen Zustand, zudem sahen sich die Zeitungen dadurch einem Tarifdiktat der Agenturen ausgesetzt. Charles Morel (Journal de Genève), Hermann Jent (Der Bund) und Walther Bissegger (Neue Zürcher Zeitung) gründeten das «Syndikat schweizerischer Zeitungen zur Hebung ihres Depeschendienstes», das seinerseits am 25. September 1894 die Schweizerische Depeschenagentur AG gründete. Sie sollte sich «gegen die ausländische Vorherrschaft im Nachrichtenmarkt» stellen. Erster Direktor wurde Charles Ochsenbein, sekundiert von Frank Filliol für den französischen Dienst.

Am 1. Januar 1895 sendete die Agentur, die 10 Redaktoren beschäftigte, die ersten Auslandmeldungen. Noch im gleichen Jahr baute die sda auch einen Inlanddienst mit 50 Korrespondenten in der Schweiz auf. In dieser Anfangsphase gab es nur einen deutschen und einen französischen Dienst; für einen italienischen fehlten die Mittel.

Bis zur Jahrhundertwende 1900 konnte die sda praktisch die gesamte Tagespresse der Schweiz als Kunden gewinnen. Die Bundesverwaltung wurde in den 20er Jahren Abonnentin der sda. Die Agentur galt bald als Sprachrohr der Eidgenossenschaft, auch im Ausland, und wurde in der Folge zuweilen als amtliche oder doch mindestens als subventionierte Institution angesehen. Die sda wehrte sich stets gegen diese Vermutung.

Eine besondere Bedeutung erlangte die sda während der beiden Weltkriege. Sie wurde zur Drehscheibe des europäischen Nachrichtenaustausches. Die kriegführenden Länder kommunizierten teilweise auf dem indirekten Weg über die Schweiz miteinander. Die Meldungen der Hauptlieferanten der Auslandmeldungen Havas, Reuters und Wolff stammten nun aus kriegführenden Ländern und konnten nicht mehr als objektiv gelten. Die sda bemühte sich einerseits um Quellen aus neutralen Staaten, anderseits gab sie nun konsequent die Herkunft ihrer Informationen an. Trotzdem wurde sie von den Sympathisanten der einen und der anderen Seite als parteilich gescholten. Das Pressenotrecht sollte gewährleisten, dass die schweizerische Neutralität eingehalten und keine Seite der kriegführenden Länder irritiert wird.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und während des Zweiten Weltkriegs verstärkten sich die Druckversuche noch. Sogar der Bundesrat intervenierte bei der sda, sie solle mehr Nachrichten des aus der Agentur Wolff hervorgegangenen DNB verbreiten und weniger von Havas und Reuters, um die Achsenmächte nicht zu provozieren. Im Zweiten Weltkrieg war die Zensur denn auch noch stärker als im Ersten. Die neu gegründete APF (Abteilung Presse und Funkspruch des Armeestabs) sollte ihre Einhaltung überwachen. Gleichzeitig taten viele sda-Journalisten Dienst bei der APF und arbeiteten häufig in Uniform am Redaktionspult. Wieder gab es Vorwürfe der Parteilichkeit, besonders vehement vom «Büro Ha». Dem Direktor Rudolf Lüdi gelang jedoch der Beweis, dass die Vorwürfe haltlos waren.

Lüdi versuchte in den 30er Jahren mit der Retransmission A.-G. eine internationale Agenturdrehscheibe in der Schweiz zu etablieren, fand jedoch zu wenig Unterstützung durch die Behörden. Seine Idee wurde beim Ausbruch des Weltkrieges dafür in Holland realisiert, hatte aber wegen der rasch folgenden Besetzung der Niederlande nur kurz Bestand. Aus der Initiative, die eine neutrale Alternative zu den Agenturen der kriegführenden Länder hätte bilden sollen, ging nach dem Zweiten Weltkrieg die bis heute bestehende Gruppe 39 der acht kleineren westeuropäischen Agenturen hervor.

Ein besonderes Kapitel in der Geschichte der sda spielte das Radio, das zu Beginn der 20er Jahre einen rasanten Aufschwung nahm. Die sda sprach die Nachrichten selbst, was ihr grosse Popularität verschaffte. Während des Zweiten Weltkriegs wurden ihre Meldungen zu den meistgehörten Radionachrichten in Europa. Auch nach dem Krieg waren die Sendungen, eingeleitet mit «Sie hören die Nachrichten der Schweizerischen Depeschenagentur», eine Institution. Aber der etwas behördliche Stil passte bald nicht mehr zur Entwicklung, und die 1931 gegründete SRG übernahm die Gestaltung der Informationssendungen in den 60er Jahren in eigener Regie.

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