Kentucky (engl. Aussprache [kənˈtʰʌki] ) (offiziell Commonwealth of Kentucky) ist ein Bundesstaat im Südosten der Vereinigten Staaten von Amerika. Er grenzt im Norden an Illinois, Indiana und Ohio, im Nordosten an West Virginia, im Osten an Virginia, im Süden an Tennessee und im Westen an Missouri. Seine nördliche Grenze wird durch den Ohio River gebildet. Die Hauptstadt ist Frankfort und die bevölkerungsreichste Stadt ist Louisville. Weitere bedeutende Städte sind Lexington, Bowling Green, Paducah und Owensboro. Im Jahr 2024 betrug die Einwohnerzahl des Bundesstaates etwa 4,6 Millionen.
Kentucky gehörte früher zum kolonialen Virginia und wurde am 1. Juni 1792 als fünfzehnter Staat in die Union aufgenommen. Im Sezessionskrieg versuchte Kentucky anfangs neutral zu bleiben, dann standen Einwohner des Staates auf beiden Seiten, wie z. B. Abraham Lincoln als Präsident der Union und Jefferson Davis als Präsident der Konföderation. Das United States Census Bureau zählt Kentucky heute jedoch eindeutig zu den Südstaaten.
Der Name des Staates ist shawnesischer oder irokesischer Herkunft, möglicherweise aus dem Wyandotischen, mit der Bedeutung „Wiese“, „Aue“, „Flur“. Im Senecaischen, ebenfalls einer irokesischen Sprache, bedeutet das Wort geda’geh „auf dem Feld“. Der Name „Bluegrass State“ bezieht sich auf das Kentucky Bluegrass, eine von europäischen Siedlern eingeführte Grasart, die lange Zeit die Vollblutpferdeindustrie des Staates unterstützte.
Der Bundesstaat beherbergt das längste bekannte Höhlensystem der Welt im Mammoth Cave National Park, die größte Länge an schiffbaren Wasserstraßen und Flüssen in den USA und die zwei größten künstlichen Seen östlich des Mississippi River. Zu den kulturellen Aspekten Kentuckys gehören Pferderennen, Bourbon, Moonshine (Schwarzgebrannter), Kohlebergbau, der My Old Kentucky Home State Park, Automobilbau, Tabak, Südstaatenküche, Barbecue, Bluegrass-Musik, College-Basketball, Louisville Slugger-Baseballschläger und Kentucky Fried Chicken.
Neben den Bundesstaaten Virginia, Pennsylvania und Massachusetts führt Kentucky den amtlichen Namen „Commonwealth of Kentucky“ im Gegensatz zu der sonst üblichen Gliedstaaten-Bezeichnung als „State“.
Kentucky liegt zwischen 36°30′ und 39°9′ nördlicher Breite und zwischen 81°58′ und 89°34′ westlicher Länge. Das Staatsgebiet erstreckt sich damit über 225 km in nordsüdlicher und 610 km in ostwestlicher Ausdehnung und umfasst 104.659 km².
Kentucky begrenzt den Mittleren Westen und Süden der USA. Es liegt zwischen West Virginia, Virginia, Tennessee, Missouri, Illinois, Indiana und Ohio. Im Norden wird es durch den Ohio River begrenzt. Dabei ist es der einzige US-Bundesstaat mit einer Exklave, die nur von anderen Bundesstaaten umschlossen ist: Im Westen Kentuckys im Fulton County liegt der durch das New-Madrid-Erdbeben von 1811 gebildete kleine Landstreifen des Kentucky Bend auf dem Mississippi, begrenzt vom Bundesstaat Missouri und nur über Tennessee zugänglich.
Es gibt fünf Hauptregionen: die Cumberland Mountains, das Cumberland-Plateau im Südosten, im Norden die „Bluegrass-Region“, im Süden und Westen das Pennyroyal-Plateau, auch „Pennyrile“ genannt, die Kohlereviere im Westen und „Jackson Purchase“ im äußersten Westen.
Die Eastern Coal Fields, eine raue, bergige Region, die stark bewaldet ist und von Flüssen durchschnitten wird, weist die höchsten Erhebungen auf und liegt im River Valley. Der höchste Berg ist der Black Mountain im Harlan County mit 1292 m. Der westliche Abschnitt der Region umfasst einen Großteil des Daniel Boone National Forest.
Die „geschäftige“ Zentrale Kentuckys, die Bluegrass Region, liegt im Norden des Bundesstaates. Geologisch gehört sie zum ältesten Teil des Staates. Der kalkreiche Boden bildet die Grundlage für den Getreideanbau und für Weideflächen.
Davon nur durch eine Reihe von kleineren Mittelgebirgshügeln, den Knobs, getrennt, liegt das Mississippi-Plateau.
Die Western Coal Fields, die im Norden und Nordwesten vom Ohio River begrenzt werden, gehören bereits zum Illinois-Becken.
Der südwestliche Teil des Staats ist eine tief gelegene Ebene, die man „Jackson Purchase“ nennt. Hier liegt auch der tiefste Punkt Kentuckys im Fulton County im Verlauf des Mississippi, rund 78 m ü. d. M. Benannt wurde es nach dem späteren Präsidenten Andrew Jackson, der 1818 den Kauf des Landes von den Chickasaw als offiziell Bevollmächtigter in die Wege geleitet hatte. Das riesige Schwemmland bildet eine der ertragreichsten landwirtschaftlichen Nutzflächen des Landes.
Große Flüsse wie der Ohio oder der Mississippi, die auch die Nachbarstaaten prägen, bestimmen das Landschaftsbild und die Grenzen Kentuckys, wobei das gesamte Flussnetz rund 140.000 km ausmacht. Weitere wichtige Flüsse sind der Red und Green River, der Tennessee River, der Cumberland River und Rough River, der Big Sandy River, der Licking und der Kentucky River. Kentucky ist darüber hinaus der einzige Bundesstaat, der auf drei Seiten durch Flüsse begrenzt ist: durch den Mississippi im Westen, den Ohio im Norden und den Big Sandy River sowie Tug Fork im Osten. Auch wenn der Staat selbst nur drei größere natürliche Seen besitzt, weist er einige Stauseen auf, die man zum Teil als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen während Franklin D. Roosevelts New-Deal-Politik mittels Staudämmen schuf, wie z. B. den nach Vizepräsident Alben W. Barkley benannten Lake Barkley am Cumberland River oder dem Dewey Lake am Big Sandy. Der Red River verdankt seinen Namen angeblich der großen Menge Blut, das während der heftigen Indianerkämpfe zum Ende des 18. Jahrhunderts vergossen wurde.
Kentucky weist ein ausgedehntes Naturparksystem auf. Dieses umfasst einen Nationalpark, den Mammoth-Cave-Nationalpark, zwei Nationale Erholungsgebiete, zwei Nationale Historische Parks, zwei Nationalforstanlagen, 52 State Parks, 153 km² Staatsforst und 82 Wildlife Management Areas.
Der Staat ist zudem Teil von zwei der erfolgreichsten biologischen Auswilderungs- bzw. Wiederansiedlungsprojekten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Im Winter 1997 begann das Kentucky Department of Fish and Wildlife Resources mit der erneuten Aussiedlung von Wapitis in den östlichen Countys, die in dieser Gegend seit über 150 Jahren ausgestorben waren. 2009 erreichte das Projekt sein Ziel, den Bestand von 10.000 Tieren, wodurch es zum größten Bestand östlich des Mississippi wurde.
Kentucky hatte bereits in den 1950er Jahren wilde Truthühner, die hier ebenfalls ausgestorben waren, erfolgreich ausgewildert. Heute leben hier mehr Truthühner als in jedem anderen östlichen Bundesstaat.
Da Kentucky im südöstlichen inneren Teil Nordamerikas liegt, herrscht ein feucht-subtropisches Klima gemäßigter Natur mit kühlen Wintern und warmen Sommern. Die Durchschnittstemperaturen schwanken zwischen 30,9 °C im Sommer und −4,9 °C im Winter bei 1168,4 mm Niederschlägen. Das Jahresmittel liegt bei rund 14 °C in einem Großteil des Landes. Die Temperaturextreme schwanken zwischen −36,7 °C in Cynthiana im Jahre 1963 und +45,6 °C in Greensburg im Sommer 1930. Dagegen sind im Winter Schneedecken von mehr als 60 cm in den Ausläufern der Appalachen häufig anzutreffen. Kentucky liegt im Durchzugsgebiet verschiedener Sturmsysteme, die meist zwischen März und September zum Teil als Tornado auftreten. Die heftigsten Sturmkatastrophen traten 1890 beim Tornado um Louisville mit mindestens 76 und 1974 im „Super Outbreak“ mit 72 Todesopfern auf. In der jüngeren Vergangenheit forderte im Jahr 1997 eine Überschwemmung 18 Menschenleben, der so genannte Super Tuesday tornado outbreak, der auch mehrere andere Bundesstaaten betraf, mit 17 Opfern allein in Kentucky. Bei einem überregionalen Eissturm im Januar 2009 kamen mindestens 24 Menschen zu Tode.