Kenny „Klook“ Clarke (* 9. Januar 1914 in Pittsburgh als Kenneth Clarke Spearman, Pennsylvania; † 26. Januar 1985 in Paris, Frankreich) war ein Jazz-Vibraphonist und Schlagzeuger. Clarke gilt als früher Neuerer des Bebop-Schlagzeugstils; als Schlagzeuger in Minton’s Playhouse Anfang der 1940er Jahre hatte er wesentlichen Anteil an der Entstehung des Modern Jazz. Auf ihn geht die Entwicklung des Ridebeckens als primärer Taktgeber zurück. Zuvor nutzten die Schlagzeuger dafür die Snaredrum mit kräftiger Unterstützung der Bassdrum. Mit Clarke wurde der Rhythmus auf das Becken gelegt und Bass und Snare wurden mehr für die Akzentuierungen verwendet.
Clarke kam aus einer musikalischen Familie und studierte an der High School zahlreiche Instrumente und trat noch während seiner Schulzeit der lokalen Leroy Bradley Bigband bei, wo er fünf Jahre blieb. In Pittsburgh spielte er auch mit Roy Eldridge, der ebenfalls von dort stammt. 1935 zog er mit seinem Halbbruder Frank Spearman nach New York, wo er zunächst im Trio mit Call Cobbs spielte und in der Band des Tenorsaxophonisten Lonnie Simmons bekannt wurde. In dieser Formation spielte auch der spätere Basie-Gitarrist Freddie Green. Die Rhythmusgruppe der Simmons-Band soll eine wesentliche Inspiration der Count Basie Band und vieler Swingmusiker gewesen sein.
„Freddie Green und ich brachten in Lonnies Band etwas in Gang - lange bevor man von der neuen rhythmischen Art Schlagzeug zu spielen, überhaupt Notiz nahm.“
„Wir kamen immer frühzeitig zur Arbeit - mindestens fünfundvierzig Minuten vor den anderen - und erarbeiteten neue Muster. Die Ergebnisse swingten. Das gefiel den Kellnerinnen.“
Er verlegte dabei schon mehr Grundschläge auf die Hi-Hat, die zu der Zeit von Schlagzeugern selbst gebaut wurde, kniehoch war und Sockenbecken hieß.
„Die Art, wie die Rhythmusgruppe federte, haute Basie um. Und ich bin sicher, dass er seinen Pianostil änderte, nachdem er "Fat(s)" Atkins (Klavier) gehört hatte. Denn als Basie aus Kansas kam, spielte er ein schweres Klavier, sozusagen mit beiden Fäusten, fast wie James P. Johnson und Fats Waller.“
Im April 1937 schloss sich Clarke der Edgar Hayes Band an; Kenny Clarke spielte damals auch noch Vibraphon. Seine erste Plattenaufnahme entstand am 9. März 1937 mit der Hayes-Band. Ende 1937 ging Clarke mit Hayes erstmals auf eine Europatournee. Während der viermonatigen Tour nahm Clarke in Stockholm vier Plattenseiten unter eigenem Namen auf („I Found a New Baby“). Als die Hayes-Band nach New York zurückkehrte und im Apollo Theatre auftrat, stieß Dizzy Gillespie zu der Truppe. Gillespie, von dem er den Spitznamen Klook erhielt wurde zu Klooks bestem Freund und Kollegen. Dizzy blieb nur kurz in der Hayes-Band und ging zurück zu der Band von Teddy Hill, bei der Kenny Clarke ihn nach acht Monaten bei Claude Hopkins wieder traf.
Zusammen mit Dizzy in der Band von Teddy Hill hatte der Schlagzeuger weniger Hemmungen, seine musikalischen Ideen, über die er schon seit Jahren nachgedacht hatte, zu realisieren; Clarke erzählte später Leonard Feather, dass er beim Arrangement des Titels „Swanee River“ der Hill-Band begonnen habe, „erregende Off-Rhythmen zu spielen. (...) Diz war fasziniert; das gab ihm genau den gewünschten Antrieb, und er fing an, seine Sachen darum herum aufzubauen“. Grundlage von Kennys Innovationen war „die koordinierte Unabhängigkeit“. Das heißt, die linke Hand wird mit dem rechten Fuß gekoppelt, die rechte Hand mit dem linken Fuß. „Das war die Basis der bedeutendsten rhythmischen Revolution in der Jazzgeschichte“, so Clarkes Biograph Mike Hennessey.
1939 verließ Clarke die Hill-Band wegen eines Zerwürfnisses; Clarke war dann Hausschlagzeuger im „Apollo“. 1940 kehrte er zu Hill zurück, als dessen Band als Hausband von Minton’s Playhouse in Harlem fungierte. Dort spielte er dann mit Thelonious Monk und Nick Fenton im Trio – sie begleiteten Gastmusiker wie Charlie Christian in den berühmten Jam-Sessions. Daneben spielte er aber auch mit Stars der traditionellen Jazzmusik wie Louis Armstrong (auf Tour 1941/2), Ella Fitzgerald, Benny Carter, Henry Red Allen. 1942 verließ Clarke das Minton's und spielte mit eigener Band in einem der Jazzclubs der 52nd Street, dem Kelly's Staples; in der Gruppe spielten seine alten Kollegen Monk und Nick Fenton, außerdem der Trompeter Roy Nelson und der Tenorsaxophonist Ike Quebec; das Quintett wurde aus unerfindlichen Gründen „Kenny Clarke's Kansas City Six“ genannt. Im Kelly's Staple spielte Clarke außerdem mit dem Benny Carter Septett, dem damals auch Dizzy Gillespie angehörte.
1943 bis 1946 war er in der Army in einer Band als Posaunist,
wo er John Lewis kennenlernte. Während seiner Dienstzeit heiratete er im Sommer 1944 die Sängerin Carmen McRae. Anfang 1946, nach einer Stationierung in der Nähe von Heidelberg, kehrte er in die Staaten zurück. Kurz nach der Entlassung aus der Armee konvertierte er zum Islam und nahm den Namen Liaquat Ali Salaam an, vermied es aber, sich zu seiner neuen Religion offen zu bekennen. Danach trat er der zweiten Dizzy Gillespie Big Band bei, die im Mai 1946 gegründet worden war und mit der er auch in Europa (Paris) auf Tour war.
Dort machte er Aufnahmen für Delaunays Swing-Label, u. a. mit Hubert Fol, Michel de Villers und Jean Claude Fohrenbach, sowie mit einem Oktett mit Howard McGhee, Jimmy und Percy Heath, die auf Prestige erschienen.
1947 verließ er die Gillespie-Band und spielte mit Tadd Dameron im Royal Roost und in der Bigband von Billy Eckstine. In dieser Zeit entstanden auch Aufnahmen seiner Formation „52nd Street Boys“ mit Musikern, die weitgehend aus Gillespies Big Band stammten, wie Sonny Stitt, Kenny Dorham, Bud Powell, John Collins und Al Hall. Das Oktett nahm vier Arrangements von Gil Fuller auf, „Epistrophy“, „Oop Bop Sh'Bam“, Monks „52nd Street Theme“ und „Rue Chaptal“; die vier Seiten für das französische Swing-Label von Charles Delaunay waren die ersten Bebop-Aufnahmen, die in Europa veröffentlicht wurden. Im Dezember 1947 kehrte Clarke für längere Zeit zu Dizzy zurück und wirkte an dessen Aufnahmen für RCA Victor mit und ging mit ihm auch nach Europa; nach der Tour blieb er fünf Monate in Paris.
Im April 1949 wirkte Kenny Clarke an Sessions zum Miles-Davis-Album Birth of the Cool mit; er war auch Drummer bei den letzten Stücken für dieses Album, die am 13. März 1950 entstanden. Im Frühjahr 1949 wurde er zum Festival International 1949 de Jazz eingeladen; danach blieb er dort noch mehrere Monate und lernte dort die 18-jährige Annabelle Macaulay Allan Short kennen, die gerade ihre Karriere als Sängerin unter dem Namen Annie Ross startete; der Beziehung entstammt der gemeinsame Sohn Kenny Clarke Jr., genannt „Toby“, der dann bei Clarkes Verwandten in Pittsburgh aufwuchs.
Im Winter 1949 ging Clarke mit Coleman Hawkins, James Moody, Nat Peck und Pierre Michelot auf Europatournee; im April 1951 kehrte er in die USA zurück, im August wirkte er an einer Plattensession von Charlie Parker mit („Swedish Schnapps“/„Blues for Alice“).
Um diese Zeit wurde Clarke Gründungsmitglied des Modern Jazz Quartet, das zunächst als Milt Jackson Quartet firmiert hatte, und spielte zahlreiche Aufnahmen als Studiomusiker für Savoy Records ein. Clarke gefiel aber die seiner Meinung nach „gesetzte“ Atmosphäre im MJQ nicht, so dass 1955 Connie Kay seinen Platz in der Gruppe einnahm – Clarke blieb aber mit John Lewis befreundet.
Seine Arbeit in den Studios 1951–1956
Von den vielen Aufnahmen, die Clarke zwischen 1951 und 1956 machte, waren nach Meinung seines Biographen Mike Hennessey die mit Miles Davis 1954 die berühmtesten. Am 29. April wirkte der Schlagzeuger an der legendären „Walkin’“-Session mit; mit im Studio J. J. Johnson, Lucky Thompson, Percy Heath und Horace Silver. In einem Kommentar zu Clarkes Rolle sagte Ian Carr: „Clarkes enorm einfühlsamer und subtiler Gebrauch der Hi-Hat, die er auf- und zumacht, um den Rhythmus des Themas zu unterstreichen, steigert die dramatische Stimmung.“ Zwei Monate später machte Clarke weitere Aufnahmen mit Miles und Sonny Rollins; eingespielt wurden „Oleo“, „Airegin“, „Doxy“ und „But Not for Me“. Dann war er Schlagzeuger bei der legendären Weihnachtssession Miles Davis’ mit Thelonious Monk und Milt Jackson. Diese Sessions mit Miles „zeigten abermals die hingebungsvolle, selbstlose und unterstützende Art, mit der Kenny Clarke an sein Handwerk heranging.“