An diesem Tag

Ken Livingstone

Britischer Politiker, Oberbürgermeister von London

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Kenneth Robert „Ken“ Livingstone (* 17. Juni 1945 in Tulse Hill, London) ist ein britischer Politiker (ehemals Labour Party). Er amtierte von 2000 bis 2008 als erster direkt gewählter Bürgermeister von London (Mayor of London). Davor war er von 1981 bis 1986 Vorsitzender des Greater London Council (GLC) und von 1987 bis 2001 Unterhaus-Abgeordneter. Sein Spitzname lautet „Red Ken“ (Roter Ken) aufgrund seiner ausgeprägt linken Politik. Er zählt sich selbst zu den demokratischen Sozialisten und gilt als eine der schillerndsten politischen Figuren des Landes.

Livingstone trat 1968 der Labour Party bei und wurde 1973 in den GLC gewählt. Als Vorsitzender des GLC setzte er sich ab 1981 für niedrigere Fahrpreise im öffentlichen Personennahverkehr Londons ein, doch seine Maßnahmen wurden gerichtlich angefochten und für ungültig erklärt. Erfolgreicher war er mit Förderprogrammen für Frauen und Minderheiten, trotz starker Opposition. Livingstone war ein lautstarker Gegner der Politik der konservativen Premierministerin Margaret Thatcher, was 1986 zur Auflösung des GLC führte. Er trat zu den Unterhauswahlen 1987 an und wurde im Wahlkreis Brent East gewählt. Livingstone kandidierte erfolglos für den Vorsitz der Labour Party und kritisierte den neuen zentristischen Kurs der Partei („New Labour“).

Gegen den erklärten Willen von Premierminister Tony Blair kandidierte Livingstone 2000 erfolgreich bei den ersten Londoner Bürgermeisterwahlen. Er trat als unabhängiger Kandidat an, was zu seinem vorübergehenden Parteiausschluss geführt hatte. Während seiner ersten Amtszeit reorganisierte er das Londoner Verkehrswesen. Trotz seiner Ablehnung der britischen Beteiligung am Irakkrieg wurde er 2004 wieder in die Partei aufgenommen und sicherte sich die Wiederwahl. 2008 und 2012 kandidierte er ebenfalls, unterlag aber beide Male dem Konservativen Boris Johnson, woraufhin er sich aus der Politik zurückzog. 2018 wurde er wegen als antisemitisch kritisierten Äußerungen auf unbestimmte Zeit aus der Labour Party ausgeschlossen.

Ken Livingstone ist der Sohn der Varieté-Tänzerin Ethel Ada Kennard (1915–1997) und des aus Schottland stammenden Robert Moffat Livingstone (1915–1971), der als Kapitän von Fischerbooten und Fähren im Ärmelkanal arbeitete. Er hat eine zweieinhalb Jahre jüngere Schwester namens Lin. Livingstone bezeichnete seine Eltern als „Tories der Arbeiterklasse“, sie waren jedoch ungewöhnlich tolerant und verurteilten Rassismus und Homophobie. Seit seiner Jugend ist sein Hobby das Halten und Züchten von Molchen.

Nach seiner obligatorischen Schulzeit arbeitete Livingstone von 1962 bis 1970 als Techniker in Chester Beattys Krebsforschungslabor in Fulham, wo er für die Versuchstiere zuständig war. Die meisten der dort angestellten Techniker waren Sozialisten, so dass er bei der Gründung einer Sektion der Gewerkschaft für wissenschaftliche und technische Mitarbeiter behilflich war. Insbesondere wehrte er sich gegen den Abbau von Arbeitsstellen durch das Management. Zusammen mit einem Arbeitskollegen reiste er 1966 durch Westafrika; dabei besuchte er Algerien, Niger, Nigeria, Ghana und Togo. Nach seiner Rückkehr nahm er an verschiedenen Protestmärschen gegen den Vietnamkrieg teil, was sein Interesse an der Politik weiter verstärkte.

Im September 1970 begann Livingstone eine dreijährige Ausbildung als Lehrer, die er dann aber als „totale Zeitverschwendung“ betrachtete. Später kam er nie dazu, in diesem Beruf zu arbeiten. 1973 heiratete er Christine Pamela Chapman, die Präsidentin des Studentenrates am Lehrerseminar in Streatham. Die Ehe endete 1982 in einer Scheidung. Um diese Zeit begann er eine Beziehung mit Kate Allen, der späteren Direktorin der britischen Sektion von Amnesty International; das Paar trennte sich im November 2001. Seine derzeitige Lebensgefährtin ist Emma Beal, die damals seine Büroleiterin war. Zusammen haben sie einen Sohn und eine Tochter. Aus früheren Beziehungen stammen ein Sohn und zwei Töchter, deren Existenz erst 2008 während des Bürgermeisterwahlkampfs enthüllt wurde. Livingstone und Beal heirateten im September 2009.

Im März 1968 trat Livingstone der Labour Party bei. Er stieg im Ortsverband rasch auf und wurde innerhalb eines Monats Vorsitzender der Jungsozialisten des Stadtteils Norwood. Dabei profitierte er von dem Umstand, dass die Mitgliederzahlen damals sanken und kaum neue junge Mitglieder nachrückten. Gründe dafür waren die Unterstützung des Vietnamkriegs durch die damalige Labour-Regierung von Harold Wilson, Budgetkürzungen beim National Health Service und Einschränkungen der Gewerkschaften, was jüngere Wähler zu Parteien der radikalen Linken trieb. Livingstone glaubte, dass Graswurzelbewegungen wie die 68er-Bewegung wenig effektiv seien und er mit dem Parteibeitritt besser dazu beitragen könne, progressive politische Veränderungen herbeizuführen.

Im Mai 1971 wurde Livingstone in den Rat des London Borough of Lambeth gewählt, in welchem er Vizevorsitzender des Komitees für Sozialwohnungen war. Er selbst war kein Anhänger des Marxismus, arbeitete aber mit trotzkistischen Gruppierungen innerhalb der Partei zusammen, da er sie als nützliche Verbündete betrachtete. Bei den Wahlen zum Greater London Council (GLC) am 12. April 1973 gewann Livingstone im Wahlkreis Norwood. Die von Reginald Goodwin angeführte Labour-Fraktion verfügte im GLC über eine komfortable Mehrheit von 58 Sitzen, gegenüber 32 der Conservative Party und 2 der Liberal Party. 16 der Labour-Abgeordneten, darunter Livingstone, waren dem linken Flügel zuzurechnen. Er blieb weiterhin Abgeordneter im Rat von Lambeth und trat im Dezember 1973 als Vizevorsitzender der Sozialwohnungskommission zurück.

Innerhalb der Labour-Fraktion im GLC galt Livingstone als radikaler Störenfried und erhielt deshalb die relativ unwichtige Position als Vizevorsitzender der Kommission für die Prüfung der Altersfreigabe von Filmen. Mit zunehmender Unterstützung des linken Flügels wurde er im März 1974 in die Exekutive der Labour Party von Greater London gewählt, die für das Wahlprogramm und die Kandidatenlisten für Rats- und Parlamentssitze zuständig war. Er übernahm daraufhin den Vizevorsitz des GLC-Komitees für Sozialwohnungsverwaltung, wurde aber im April 1975 entlassen, da er die von Goodwin vorgeschlagenen Sparmaßnahmen ablehnte. Vor den Wahlen am 5. Mai 1977 erkannte Livingstone, dass er seinen Sitz in Norwood wohl kaum würde verteidigen können. Stattdessen ließ er sich im weitaus sichereren Wahlkreis Hackney North and Stoke Newington aufstellen. Er sah sich zwar mit dem Vorwurf konfrontiert, ein Karrierist zu sein, war aber nach den Wahlen einer der wenigen Vertreter des linken Labour-Flügels im GLC, in dem es nun eine Mehrheit der Conservative Party gab.

Livingstone zog anschließend nach West Hampstead im London Borough of Camden um. Im Hinblick auf die bevorstehenden Unterhauswahlen bestimmte ihn der Ortsverein im Juni 1977 als Kandidaten für den Wahlkreis Hampstead, wobei er Vince Cable schlug. 1978 wurde er in den Rat von Camden gewählt und übernahm dort den Vorsitz der Sozialwohnungskommission. Geschwächt durch den Winter of Discontent, erlitt die Labour-Regierung von James Callaghan bei den Unterhauswahlen 1979 eine empfindliche Niederlage. Auch Livingstone blieb erfolglos, da der Wahlkreis Hampstead fest in konservativer Hand war.

Inspiriert durch Tony Benn, einem weiteren Aushängeschild des linken Flügels, versuchte Livingstone im April 1980 den moderaten Andrew McIntosh als Labour-Fraktionsvorsitzenden im GLC zu stürzen. McIntosh behielt mit 14 zu 13 Stimmen zwar knapp die Oberhand, wurde aber deutlich geschwächt. Bei den GLC-Wahlen am 7. Mai 1981 errang die Labour Party eine knappe Mehrheit. Livingstone hatte sich im Wahlkreis Paddington aufstellen lassen und war dort trotz einer heftig geführten Gegenkampagne konservativer Zeitungen gewählt worden. Nur einen Tag später forderte er McIntosh heraus. Mit den Stimmen des besser organisierten linken Flügels wählte ihn die Fraktion zum neuen Vorsitzenden des GLC. Die Daily Mail bezeichnete Livingstone als gefährlichen Linksextremen, The Sun gab ihm den Spitznamen Red Ken und Premierministerin Margaret Thatcher warnte, Leute wie Livingstone hätten es darauf abgesehen, Großbritannien jene Tyrannei aufzuzwingen, von der sich die Völker Osteuropas befreien wollten.

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