An diesem Tag

Katja Ebstein

Deutsche Sängerin

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Katja Ebstein, bürgerlich Karin Ilse Überall (* 9. März 1945 als Karin Ilse Witkiewicz in Girlachsdorf), ist eine deutsche Sängerin und Schauspielerin. International bekannt wurde sie durch den dritten Platz beim Grand Prix Eurovision de la chanson (Eurovision Song Contest) 1970, dem 1971 ein weiterer dritter und 1980 ein zweiter Platz folgten, was sie bis heute zur erfolgreichsten deutschen Grand-Prix-Teilnehmerin machte. Sie veröffentlichte mehr als 30 Alben mit Schlagern, Popmusik, Chansons, Kabarett- und Musicalstücken.

Katja Ebstein wurde im Jahr 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in Niederschlesien geboren. Nach der Vertreibung ihrer Familie wuchs sie im West-Berliner Bezirk Reinickendorf in der Epensteinstraße auf; von deren Namen sie ihren Künstlernamen ableitete.

Nach dem Abitur studierte Ebstein Archäologie und Romanistik an der FU Berlin, schloss sich der West-Berliner Jazz- und Liedermacher-Szene an und sang in Studenten- und Künstlerkneipen. 1964 engagierte der Sender Freies Berlin sie (zusammen mit drei Begleitmusikern, darunter Bodo von Greiff) für einen Auftritt in der Fernsehsendung Marmeladentopf: Als Teil der Gruppe Die Kreuzberger sang sie das spanische Lied Fandango de Huelva. Dies weckte das Interesse des Komponisten und Musikproduzenten Heino Gaze und nachdem sie zunächst als Backgroundsängerin in seinen Produktionen gearbeitet hatte, produzierte er Ebsteins erste Singles (noch unter dem Künstlernamen „Katja“), die jedoch erfolglos waren: 1965 Irgendwo, irgendwie und 1966 Wo ist das Schiff. Im selben Jahr nahm sie am internationalen Songfestival von Knokke teil. Durch die Vermittlung Gazes lernte Ebstein um 1967 ihren späteren Ehemann, den Komponisten und Produzenten Christian Bruhn, kennen. Bei einem Besuch des Chanson- und Folklorefestivals auf Burg Waldeck begegnete sie Siegfried Loch, Deutschlandchef der US-amerikanischen Plattenfirma Liberty (United Artists); er verhalf ihr zu einem Plattenvertrag bei Liberty in München.

Nach Achtungserfolgen ihrer dort produzierten Singles Wie ein Kind, … und wenn der Regen fällt sowie ihrem ersten Fernsehauftritt unter dem Künstlernamen Katja Ebstein im April 1969 in der Sendung Sing and swing – Ein Abend mit internationalen Gaststars erschien im Herbst 1969 ihre erste Langspielplatte, Katja, die von der Jugendzeitschrift Twen empfohlen wurde. (Das von Truck Branss im selben Jahr produzierte Fernsehporträt Katja – Die Stimme wurde erst 1970 nach Ebsteins Teilnahme an der Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision ausgestrahlt.) Im Spätherbst 1969 kam Wovon träumt ein Weihnachtsbaum im Mai, die von Ebstein gesungene deutsche Fassung von Do You Know How Christmas Trees Are Grown? aus dem James-Bond-Film Im Geheimdienst Ihrer Majestät (im Original gesungen von Nina van Pallandt), auf einer Single heraus, deren A-Seite, Warum ist die Welt so schön, Ebstein mehrmals im deutschen Fernsehen vorstellte.

Am 16. Februar 1970 gewann Ebstein die deutsche Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision (Eurovision Song Contest) mit dem von Christian Bruhn komponierten und von Günter Loose getexteten Lied Wunder gibt es immer wieder und erreichte damit bei der Endausscheidung in Amsterdam den dritten Platz. Von da an nahm sie einige Lieder auch in englischen, französischen, spanischen, portugiesischen, italienischen und japanischen Versionen auf. Weitere zwei Mal nahm Ebstein am ESC teil: Ihr Lied für den Grand Prix 1971, Diese Welt, komponierte Dieter Zimmermann, der Text stammte von Fred Jay. Damit erreichte sie erneut den dritten Platz. Mit Theater (geschrieben von Ralph Siegel und Bernd Meinunger) belegte sie 1980 den zweiten Platz. 1981 moderierte Ebstein die deutsche Grand-Prix-Vorentscheidung und war später oftmals Gast in Grand-Prix-bezogenen Sendungen.

1970 wurde Ebstein beim internationalen Songfestival in Rio de Janeiro zur besten Sängerin gewählt. Eine Tournee mit dem Orchester James Last schloss sich von September bis November 1970 an, weitere Tourneen – unter anderem mit dem Orchester Paul Kuhn durch die Sowjetunion – folgten. In den 1970er Jahren zählte Ebstein mit den Liedern Und wenn ein neuer Tag erwacht, Ein kleines Lied vom Frieden, Der Stern von Mykonos und Ein Indiojunge aus Peru zu den erfolgreichsten deutschen Schlagersängerinnen. 1972 trat sie in der TV-Sendung Ein Kessel Buntes erstmals in der DDR auf. Die Unterhaltungsbranche ehrte sie mit mehreren Auszeichnungen: beliebteste ausländische Sängerin (Spanien); Rosa di Roma (Italien); Goldene Europa (zweimal); Goldene Stimmgabel; Lale-Andersen-Preis; Fred-Jay-Preis.

Von 1974 an (mit der Single Wölfe und Schafe) wandte sich Ebstein dem Chanson und Kabarett zu. 1975 veröffentlichte EMI Electrola die mit Unterstützung der Heinrich-Heine-Gesellschaft produzierte Langspielplatte Katja Ebstein singt Heinrich Heine; dafür wurden Gedichte Heines von Christian Bruhn vertont. Weitere Hitparadenerfolge waren Es war einmal ein Jäger (1974) und Die Hälfte seines Lebens (1975). 1977 sang Ebstein Wein’ nicht um mich, Argentinien aus dem Musical Evita, 1978 brachte sie die LP So wat wie ick et bin… kann nur aus Berlin sein heraus, auf der sie u. a. zwei Titel von Stephan Sulke im Berliner Dialekt coverte. Lieder dieser Platte gehörten später, neben kabarettistischen Couplets, zu Ebsteins Konzertprogramm. 1980 interpretierte sie auf dem Album He Du da zehn weitere von Sulke komponierte und getextete Musikstücke.

In den 1970er und 1980er Jahren trat Ebstein oft im deutschen Fernsehen auf, namentlich in der ZDF-Hitparade, Disco, Musik aus Studio B, Starparade, Musik ist Trumpf und Dalli Dalli. Hinzu kamen Auftritte in Talkshows, in denen sie bis heute zuweilen auch zu sozialen und politischen Themen Stellung bezieht.

Zur Blütezeit des deutschen Schlagers präsentierte Ebstein eigene TV-Shows, darunter Katja & Co. (1976), Konzert frei Haus (1980), Das ist mein Milieu (1981) und Mein Name ist Katja (1982). Der Rundfunk der DDR übertrug ihre Live-Konzerte in Ost-Berlin 1983, 1986 und 1987. Zudem waren ihr mehrere Personality-Shows gewidmet. Mehrmals übernahm sie Moderationen, etwa in Musik aus Studio B und einer Jubiläumssendung für Paul Kuhn.

Mit dem Regisseur und Autor Klaus Überall, den sie 1979 heiratete, entwickelte Ebstein seit Anfang der 1980er Jahre ihr schauspielerisches Talent. Überall inszenierte 1980 ihr erstes Theaterstück, Professor Unrat am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg mit Friedrich Schütter in der Titelrolle. Ebstein spielte die Rolle des „blauen Engels“ Rosa Fröhlich. Es folgten viele weitere Theaterengagements, von der Buhlschaft im Jedermann bis hin zur Seeräuber-Jenny in Brechts Dreigroschenoper. In den Musicals Chicago, Sweet Charity und 1993 in Victor und Victoria übernahm sie tragende Rollen. Schließlich gab sie in Ghetto von Jehoschua Sobol die Chaja am Staatstheater Meiningen.

Daneben wirkte Ebstein an Fernsehproduktionen mit. In 13 Folgen der 1986/87 gesendeten Reihe Unterwegs in der DDR bereiste sie mit dem Fahrrad Wirkungsstätten von historischen Gestalten, dargestellt von namhaften DDR-Schauspielern. Die betont unpolitische deutsch-deutsche Koproduktion unter der Regie ihres Mannes wurde vom DDR-Fernsehen ausgestrahlt und 1987/88 um 25 Folgen ergänzt. 1989 war Ebstein in 20 Folgen der Serie Friedrichstadtpalast neben bekannten ost- und westdeutschen Schauspielern zu sehen.

Im Jahr 1986 sang Ebstein das offizielle Lied der ARD-Fernsehlotterie, Mensch, sag’ doch einfach »Na und«. 1987 erschien ihre vorerst letzte Single, Lach’ mich nicht aus.

Gelegentlich übernahm Ebstein Gesangsparts in deutschen Film-Synchronfassungen, so 1977 für Helen Reddy in Elliot, das Schmunzelmonster und 1988 für Bette Midler in Oliver & Co. Hinzu kamen deutsch gesungene Titelmelodien internationaler Kinder-Zeichentrickserien, etwa in Niklaas, ein Junge aus Flandern und Perrine.

Ab 1990 wandte sich Ebstein verstärkt dem literarischen Genre zu. Nach einer erfolgreichen Frauenlyrik-Produktion zusammen mit Lutz Görner, die als Bühnenprogramm auf Tournee ging, folgten die Solo-Programme Meisterinnenwerke mit Texten von Annette von Droste-Hülshoff, Schlage die Trommel und fürchte dich nicht mit Stücken von Heine und der Brecht-Heine-Vergleich Trommler ohne Furcht. Das Folgeprogramm Berlin … trotz und alledem! verstand sich als deutsche Lehrstunde am Beispiel Berlins mit Texten von Kurt Tucholsky bis Konstantin Wecker. 1996 bzw. 1999 wurden diese Programme auf CD veröffentlicht.

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