Kathmandu ([katˈmandu, katmanˈduː], Nepali काठमाडौं Kāṭhamāḍauṁ, Newari येँ Yẽ, früherer Name Kantipur) ist die Hauptstadt des Staates Nepal. Mit rund 2 Millionen Einwohnern ist sie die bevölkerungsreichste Stadt des Landes und zudem Sitz der Südasiatischen Vereinigung für regionale Kooperation (SAARC).
Kathmandu liegt im Zentrum des dicht besiedelten Kathmandutales, einem in 1300 m Höhe liegenden Talkessel von etwa 30 km Durchmesser. Die benachbarten größeren Städte im Tal, Lalitpur (Patan), Bhaktapur, Madhyapur Thimi, Kirtipur und zahlreiche kleinere Städte und Gemeinden bilden den Ballungsraum von Kathmandu. Die umliegenden Berge haben Höhen zwischen 2000 und 2700 m. Im Norden und mehr noch im Westen haben die Ausläufer der dicht gebauten Stadt den Fuß dieser Berge schon erreicht. Die Stadt erstreckt sich an der Nordseite des Bagmati. Der Kernbereich liegt zwischen den Flüssen Vishnumati und Dhobi Khola. An der Südseite des Bagmati liegt die Schwesterstadt Lalitpur (Patan).
Das Wasser der im Kessel zusammenlaufenden Flüsse wird einzig über den Hauptfluss Bagmati durch eine Schlucht nach Süden abgeführt, durch die sonst keine Verkehrswege führen. Die wichtigste und bislang noch einzige Verkehrsanbindung an das übrige Land erfolgt über einen Pass im Westen der Stadt. Die extremen Monsunniederschläge führen alljährlich zu zahlreichen Erdrutschen, so dass Kathmandu immer wieder für einige Tage von der Außenwelt abgeschnitten ist. Eine zweite Straßenverbindung in den Terai, beginnend in Dhulikhel, etwa 30 km östlich von Kathmandu, ist seit 1997 im Bau und annähernd fertiggestellt. Die prekäre Anbindungssituation der Stadt wird damit deutlich verbessert werden.
Der Araniko Highway führt über Bhaktapur und Dhulikhel bis zur Sino-Nepalesischen Freundschaftsbrücke an der Grenze zu Tibet. Der Highway ist seit Jahren aufgrund von Erdrutschen und schlechtem Zustand auf dem letzten Teilstück bis zur Grenze mit der Volksrepublik China insbesondere während der Regenzeit häufig nicht befahrbar. Im weiteren Verlauf auf chinesischer Seite ist die Straße als Friendship Highway nach Lhasa durchgehend befestigt und ausreichend ausgebaut.
Kathmandu ist via Flughafen Kathmandu erreichbar. Von drei Passstraßen nach Tibet ist eine verschüttet worden.
Die Frühgeschichte Kathmandus wird in den buddhistischen und hinduistischen Legenden beschrieben. Ihnen zufolge entstand eine erste Ansiedlung am Zusammenfluss von Vishnumati und Bagmati, nachdem das Tal zuvor von Buddha Manjushri bzw. Pradyumna, einem Sohn Krishnas, trockengelegt und damit großflächig bewohnbar gemacht worden war. Die „Manju-Patan“ genannte Stadt erstreckte sich von Swayambhunath bis Guhyeswari und wurde von Dharmakara regiert. Auf weitere Könige folgte schließlich die rund 300 Jahre umfassende Herrschaft der Kiranti, einem ost-nepalesischen Bergvolk, die bis ca. 300 v. Chr. andauerte und das Kathmandu-Tal in ein blühendes Handelszentrum verwandelte.
Früh im 1. Jahrtausend n. Chr. fiel die Macht in die Hände der aus Indien stammenden Licchavi-Dynastie, die den Hinduismus und das Kastenwesen mitbrachte. Von Chinesischen Reisenden im 7. Jahrhundert stammen Berichte, dass Buddhismus und Hinduismus friedlich nebeneinander existierten. Der Blütezeit unter den Licchavis folgte eine Zeit der Instabilität, über die wenig bekannt ist. Für das 9. Jahrhundert sind im Kathmandutal einige Stadtgründungen belegt.
Der Ursprung Kathmandus ist legendenumwoben. Die Göttin Mahalakshmi hatte dem König Gunakama Deva etwa 950 n. Chr. im Traum aufgetragen, eine Stadt am Zusammenfluss von Vishnumati und Bagmati zu gründen und Kantipur zu nennen. Die Stelle ist, wie viele andere Zusammenflüsse, heilig, weil man dort Kanesvara, eine Inkarnation Vishnus, findet. Es ist aber davon auszugehen, dass die Stadt zu dem Zeitpunkt bereits bestand und es sich eher um eine Neuordnung von Stadtbereichen und Zuordnung von Schutzgöttern handelte. Gunakama Deva verlegte den Königssitz von Patan nach Kantipur und ließ 18.000 Häuser und den goldenen Brunnen Suvarnapranali bauen. Er brachte Schutzgottheiten in die Stadt, Chandesvari, Rakta Kali (Kankeshvari), Pacali Bhairava, Indrayani, Maheshvari und Lomri, die heute noch in Kathmandu verehrt werden. Eine Quelle aus dem 12. Jahrhundert erwähnt einen Tempel namens Kasthamandap. Dieser Tempel in Pagodenform stand bis zu seiner Zerstörung beim Erdbeben 2015 am zentralen Durbar-Platz. Auf Kasthamandap, zusammengesetzt aus Sanskrit kastha, „Holz“ und mandap, „Pavillon“, geht der heutige Stadtname Kathmandu zurück.
Im Jahr 1382 geriet das gesamte Tal unter die Herrschaft der Newar unter Jayastithi Malla, dem Begründer der noch heute verehrten Malla-Dynastie. Drei Generationen später wurde das Reich unter drei Brüdern und einer Schwester aufgeteilt, jeweils mit den Hauptstädten Kantipur, Lalitpur, Bhadgaon und dem östlich an das Kathmandutal angrenzenden Banepa. Die Konkurrenz unter diesen vier Städten führte zu einer Blüte in der Kunst. In allen drei Städten entstanden, hauptsächlich von Newar-Künstlern, Tempelbezirke mit prächtigen Pagoden und Palästen. Rinnsteine, Wasserbecken und öffentliche Wasserstellen wurden angelegt. Der Wohlstand der Stadt beruhte auf dem blühenden Handel und Zolleinnahmen.
In der Regierungszeit Mahendra Mallas wurde im 16. Jahrhundert der Bereich um den Palast mit bedeutenden, reich verzierten Gebäuden ausgestattet. Um 1560 entstand mit dem dreigeschossigen, auf einer Stufenpyramide stehenden Taleju-Tempel der erste Monumentalbau im Kathmandutal und Pashupatinath am Bagmatiufer. König Pratapa Malla ließ den Palast zur heutigen Größe ausbauen und u. a. auch den Rani Pokhari anlegen. Pratapa, der sich als König der Poeten betrachtete, ließ 1654 das „Gebet zu Kali“ in 15 Sprachen in eine Wand des Königspalastes meißeln.
1768 wurden Kathmandu und Patan von Truppen des Prithvi Narayan Shah aus Gorkha eingenommen. Der letzte Malla-König hatte noch den Schatz von Pashupatinath geraubt, um die Verteidigung zu bezahlen, und vergeblich die Britische Ostindien-Kompanie zu Hilfe gerufen. Ein Jahr später fielen auch Badgaon und Banepa in die Hände der Gurkhas. Kathmandu wurde zur Residenzstadt der Shah-Dynastie. Die Stadt wurde ab Mitte des 19. Jh. nach europäischem Vorbild ausgebaut. Der Kantipath entstand am Ostrand der Stadt entlang der Stadtmauer mit Palästen, Schulen, Krankenhäusern und Kasernen. Heute stellt diese Straße eine wichtige zentrale Nord-Süd-Achse der Stadt dar.
Die Nachfolger Prithvis Narayans annektierten benachbarte Ländereien und dehnten ihr Reich bis 1790 im Osten bis nach Sikkim und im Westen bis zum heutigen Uttar Pradesh aus. 1816 wurde infolge einer verlorenen Schlacht gegen die Engländer, die Indien kolonisiert hatten, zum Unmut der Nepali ein britischer Beobachter in Kathmandu stationiert. In der Folgezeit zog sich das Land in völlige Isolation zurück; außer Indern durfte kein Ausländer die Grenze übertreten. Noch 1948 war Nepal eines der größten von Europäern unerforschten Länder der Welt.
Bis 1846 folgte eine Zeit der Intrigen, in der alle Premierminister unter den Shahkönigen entweder ermordet oder in den Selbstmord getrieben wurden.
Im Jahre 1846 kam der Soldat Jung Bahadur Kunwar durch einen blutigen Staatsstreich an die Macht, bei dem Dutzende Adelige und über hundert Beamte ermordet wurden (Kot Massaker). Die Shahs werden entmachtet, fungieren aber weiter bis 1951 als Marionettenkönige. Kunwar ändert seinen Namen in Rana (König) und begründet damit die Rana-Dynastie, die in den folgenden 100 Jahren die Premierminister mit der eigentlichen Macht stellt. Unter den Ranas entstanden riesige Paläste im Stil des europäischen Neoklassizismus, z. B. der Singh Durbar, die größte Privatresidenz Asiens. Mangels einer Straßenanbindung wurden bis in die 1950er-Jahre alle Güter nach Kathmandu getragen, so auch die ersten Autos, z. B. der Rolls-Royce der Ranas.
Kathmandu wurde im Jahre 1934 von einem schweren Erdbeben getroffen, bei dem nur wenige Gebäude der Stadt unbeschädigt blieben. Die Zerstörung nahm man zum Anlass, die New Road, eine der heutigen Hauptgeschäftsstraßen der Stadt, als Verbindung der Kantpath mit dem Durbar Marg (Tempelbezirk) zu schaffen.