Katherine Vissering „Kitty“ Oppenheimer, geb. Puening (* 8. August 1910 in Recklinghausen; † 27. Oktober 1972 in Panama-Stadt, Panama) war eine deutsch-amerikanische Biologin, Botanikerin und Mitglied der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA). Sie wurde auch als Partnerin des Aktivisten Joe Dallet und dann als Ehefrau des Physikers Robert Oppenheimer, des Direktors des Los-Alamos-Labors im Manhattan-Projekt während des Zweiten Weltkriegs, bekannt.
Katherine „Kitty“ wurde am 8. August 1910 im westfälischen Recklinghausen als einziges Kind von Franz Hermann Otto Maria Puening (1881–1956) und seiner Frau Katharina „Käthe“ (geb. Vissering; 1882–1956) geboren. Sie behauptete zwar, ihr Vater sei ein Prinz und ihre Mutter sei mit Königin Victoria verwandt, doch diese Angaben entsprachen nicht der Wahrheit. Ihre Mutter war eine Cousine des späteren Feldmarschalls der Wehrmacht Wilhelm Keitel, der 1946 im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess gehängt wurde.
Katherine kam am 14. Mai 1913 an Bord des Dampfers Kaiser Wilhelm der Große in die Vereinigten Staaten. Ihr Vater, ein Metallurgieingenieur, hatte einen neuen Hochofentyp erfunden und eine Anstellung bei einem Stahlunternehmen in Pittsburgh gefunden. Die Familie ließ sich im Vorort Aspinwall nieder. Obwohl ihre Muttersprache Deutsch war, sprach Katherine bald akzentfrei Englisch. Ihre Eltern nahmen sie regelmäßig zu Sommerbesuchen nach Deutschland mit.
Nach ihrem Abschluss an der Aspinwall High School im Juni 1928 schrieb sich Katherine an der University of Pittsburgh ein. Sie wohnte bei ihren Eltern und besuchte Erstsemesterkurse in Mathematik, Biologie und Chemie. Ihr Vater arbeitete inzwischen für Koppers und besaß Patente für die Konstruktion von Hochöfen. Katherine überzeugte ihre Eltern, dass es eine gute Idee wäre, in Deutschland zu studieren, und sie reiste im März 1930 nach Europa. Es ist zweifelhaft, ob sie dort überhaupt Kurse belegte, aber sie traf Frank Ramseyer, einen Amerikaner, der in Paris Musik bei Nadia Boulanger studierte, bevor sie am 19. Mai nach Hause reiste.
Katherine schloss das erste Studienjahr noch ab, heiratete dann Ramseyer am 24. Dezember 1932 vor einem Friedensrichter in Pittsburgh. Das Paar zog in eine Wohnung in der Nähe der Harvard University, wo Ramseyer einen Master-Abschluss in Musik anstrebte. Im Januar 1933 schrieb sie sich erneut an der University of Pittsburgh ein und kehrte in das Haus ihrer Eltern in Aspinwall zurück. Im Juni 1933 reiste sie mit ihrem Mann erneut nach Europa. Als sie zurückkam, schrieb sie sich an der University of Wisconsin ein, allerdings ist es nicht belegt, dass sie dort jemals irgendwelche Kurse absolvierte. Am 20. Dezember 1933 erwirkte sie beim Obersten Gerichtshof von Wisconsin die Annullierung ihrer Ehe. Später erzählte sie Freunden, sie habe Beweise dafür gefunden, dass Ramseyer homosexuell und drogenabhängig gewesen sei. Sie hatte auch eine Abtreibung.
Auf einer Silvesterparty später in diesem Jahr lernte Katherine Joseph Dallet Jr. kennen, den Sohn eines wohlhabenden Geschäftsmanns aus Long Island, der das Dartmouth College besucht hatte. Er war durch die Hinrichtungen von Sacco und Vanzetti im Jahr 1927 radikalisiert worden und 1929 der CPUSA beigetreten. Am 6. März 1930 hatte er an Protesten zum Internationalen Tag der Arbeitslosigkeit in Chicago teilgenommen, die von den Behörden brutal unterdrückt worden waren. Nun arbeitete er als Gewerkschaftsorganisator bei den Stahlarbeitern in Youngstown, Ohio. Einmal kandidierte er auf der Liste der CPUSA für das Amt des Bürgermeisters von Youngstown, wurde aber nicht gewählt.
Katherines Eltern waren nach Claygate südwestlich von London gezogen, wo ihr Vater eine Chicagoer Firma vertrat. Als sie am 3. August 1934 nach einem Familienbesuch in Europa in die USA zurückkehrte, zog sie bei Dallet ein und wurde seine De-facto-Ehefrau (common-law marriage). Sie teilten sich ein Zimmer in einer heruntergekommenen Pension für 5 Dollar im Monat. Gus Hall und John Gates hatten ein Zimmer am selben Flur. Puning/Dallet lebten von der Arbeitslosenunterstützung, 12,50 Dollar für jeden. Als Ehefrau eines Parteimitglieds durfte Katherine der CPUSA beitreten, allerdings erst, nachdem sie ihre Loyalität durch die Verteilung des Daily Workers auf der Straße unter Beweis gestellt hatte. Ihr Parteibeitrag betrug 10 Cent pro Woche.
Sie trennten sich im Juni 1936 und Katherine zog zu ihren Eltern nach Claygate, wo sie als Deutsch-Englisch-Übersetzerin arbeitete. Monate vergingen ohne ein Wort von Dallet, bis Katherine herausfand, dass ihre Mutter dessen Briefe abgefangen hatte. „Ihre Mutter“, erinnerte sich ihre Freundin Anne Wilson, „war ein echter Drache, eine sehr repressive Frau. Sie verschwand eines Tages von Bord eines Transatlantikschiffs, und niemand vermisste sie. Das sagt alles.“
Im letzten Brief von Dallet stand, dass er mit der RMS Queen Mary nach Spanien reisen wollte, um sich den Internationalen Brigaden anzuschließen, die im Spanischen Bürgerkrieg kämpften. Katherine traf sich mit Dallet und dessen bestem Freund Steve Nelson in Cherbourg, und sie reisten gemeinsam nach Paris. Nach ein paar Tagen dort kehrte Katherine nach London zurück, und die anderen machten sich auf den Weg nach Süden, überquerten die Grenze nach Spanien, wo Dallet sich dem Mackenzie-Papineau-Bataillon anschloss, einer Einheit aus amerikanischen und kanadischen Freiwilligen.
Katherine wollte sich Dallet in Spanien anschließen und erhielt schließlich die Erlaubnis dazu. Ihre Reise nach Spanien verzögerte sich durch einen Krankenhausaufenthalt wegen einer vermuteten Blinddarmentzündung; die Operation am 26. August 1937 ergab jedoch einen Befund von Eierstockzysten, die von den deutschen Ärzten entfernt wurden. Katherine kehrte zur Genesung nach England zurück. Bevor sie nach Spanien aufbrechen konnte, traf die Nachricht ein, dass Dallet am 17. Oktober 1937 im Kampf gefallen sei. Seine Briefe an sie erschienen 1938 als Letters from Spain by Joe Dallet, American Volunteer, to his Wife.
Katherine besuchte Nelson, der im August verwundet worden war und jetzt in Paris lebte, und sie kehrten nach New York zurück, wo sie zwei Monate lang bei Nelson und seiner Frau Margaret in ihrem Haus in Brooklyn blieb. Anschließend reiste sie nach Philadelphia, um ihre Freundin Zelma Baker zu besuchen, die am Cancer Research Institute der University of Pennsylvania arbeitete, an der Katherine sich einschrieb. Dort lernte sie Richard Stewart Harrison kennen, einen Arzt mit Abschlüssen der University of Oxford, der sein Praktikum in den USA absolvierte. Sie heirateten am 23. November 1938. In der Folge verließ sie die CPUSA.
Kurz darauf reiste Harrison für seine Assistenzarztzeit am California Institute of Technology (Caltech) nach Pasadena, Kalifornien, während Katherine in Philadelphia blieb, um ihr Botanikstudium an der University of Pennsylvania mit einem Bachelorgrad abzuschließen. Ihr wurde dann ein Postgraduiertenforschungsstipendium an der University of California, Los Angeles angeboten. Am Caltech arbeitete sie mit dem Physiker Charles Lauritsen zusammen. Das für die physikalische Forschung genutzte Röntgenlabor am Caltech wurde auch für die experimentelle Krebstherapieforschung genutzt. Auf einer Gartenparty, die Lauritsen und seine Frau Sigrid im August 1939 veranstalteten, lernte sie Robert Oppenheimer kennen, einen Physiker, der regelmäßig am Caltech lehrte. Kurz darauf begann sie eine Affäre mit Oppenheimer. Sie wurden häufig in seinem Chrysler Coupé in der Stadt gesehen. Oppenheimer war seit seiner Trennung von seiner langjährigen Freundin Jean Tatlock mit mehreren Frauen liiert, auch mit verheirateten wie Katherine Harrison, die sich inzwischen Kitty nannte. Zur Weihnachtszeit reiste sie ohne ihren Mann nach Berkeley, um Zeit mit Oppenheimer zu verbringen. Sein Freund Haakon Chevalier traf Kitty auf einer Feiertagsdinnerparty, die von der Pianistin Estelle Caen, einer von Oppenheimers Exfreundinnen, veranstaltet wurde.
Oppenheimer lud Harrison und Kitty ein, den Sommer auf seiner Ranch in New Mexico, Perro Caliente, zu verbringen. Harrison lehnte ab, da er mit seiner Forschung beschäftigt war, aber Kitty akzeptierte. Robert Serber und seine Frau Charlotte holten Kitty in Pasadena ab und fuhren sie nach Perro Caliente, wo sie Robert, seinen Bruder Frank Oppenheimer und dessen Frau Jackie trafen. Die Serbers hatten Kitty schon zuvor getroffen, 1938 in Charlotte Serbers Elternhaus in Philadelphia. Die Oppenheimers liebten es, durch die Kiefern- und Espenwälder und Blumenwiesen der Sangre de Cristo Mountains zu reiten und mit minimaler Verpflegung und Ausrüstung zu campen. Kitty beeindruckte sie mit ihrer Reitkunst; Reiten zu lernen war für Frauen ihrer sozialen Schicht normal, sie hatte das Reiten als Kind auf den Reitwegen rund um Aspinwall gelernt.