Katherina Birgitt Reiche (* 16. Juli 1973 in Luckenwalde, DDR) ist eine deutsche Politikerin (CDU), ehemalige Lobbyistin und Managerin. Sie ist seit dem 6. Mai 2025 Bundesministerin für Wirtschaft und Energie im Kabinett Merz.
Zuvor war sie von 1998 bis 2015 Mitglied des Deutschen Bundestages, von 2005 bis 2009 eine der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Von 2009 bis 2013 war sie Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und von 2013 bis 2015 Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Im September 2015 verzichtete sie auf ihr Bundestagsmandat.
Nach ihrem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag arbeitete Reiche als Hauptgeschäftsführerin beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und als Vorsitzende der Geschäftsführung von Westenergie, größter Tochter von E.ON. Von Juni 2020 bis zu ihrem Amtsantritt als Ministerin war sie Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrates der Bundesregierung.
Reiche wurde am 16. Juli 1973 in Luckenwalde, Bezirk Potsdam, als Tochter einer Chemikerin und eines Chemie-Ingenieurs geboren. Nach dem Abitur 1992 am Gymnasium Luckenwalde absolvierte Reiche ein Chemiestudium an der Universität Potsdam, an der Clarkson University (Bundesstaat New York, USA) und der Universität Turku (Finnland), das sie 1997 als Diplom-Chemikerin beendete. Im Anschluss an ihr Studium war Reiche bis 1998 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Potsdam tätig.
1992 gehörte Reiche zu den Gründungsmitgliedern des Rings Christlich-Demokratischer Studenten an der Universität Potsdam und wurde im selben Jahr Mitglied der Jungen Union und Mitglied im Landesvorstand der Jungen Union Brandenburg. Seit 1996 ist sie Mitglied der CDU. Reiche gehörte von 2001 bis 2015 dem Landesvorstand der CDU in Brandenburg und von 2000 bis 2010 sowie von 2014 bis 2016 dem CDU-Bundesvorstand als Beisitzerin an.
Zur Bundestagswahl 2002 wurde sie von Kanzlerkandidat Edmund Stoiber in sein Wahlkampfteam als Expertin für Frauen-, Jugend- und Familienpolitik berufen. Konservative und katholische Kirche kritisierten die Nominierung: Gründe waren Reiches Haltung zu bioethischen Fragen wie der embryonalen Stammzellforschung sowie ihr Familienstand – sie erwartete als unverheiratete Frau ihr zweites Kind. Die Deutsche Bischofskonferenz intervenierte bei der CDU/CSU-Führung und erwog, in einem Hirtenbrief ihre familienpolitischen Vorstellungen von jener der Union abzugrenzen.
Reiche war Vorsitzende der Frauen-Union im Kreisverband Potsdam-Mittelmark und Vorstandsmitglied des Kreisverbandes der CDU Potsdam-Mittelmark. Nachdem im Nachbarverband Potsdam dessen Kreisvorsitzender Wieland Niekisch nach massivem parteiinternem Druck von seinem Amt zurückgetreten war, entschied sich Reiche, in den Kreisverband der CDU Potsdam zu wechseln und sich um den Vorsitz zu bewerben. Auf dem Kreisparteitag am 8. Juli 2008 kam es zur Kampfabstimmung mit dem vom Verband nominierten Hans-Wilhelm Dünn, die Reiche mit 152 zu 129 Stimmen für sich entschied. Im Herbst 2009 wurde sie ohne Gegenkandidaten im Amt bestätigt.
Während der Koalitionsabsprachen zwischen CDU/CSU und FDP nach der Bundestagswahl 2009 vereinbarten die Koalitionäre, Reiche zur Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesumweltministerium zu berufen.
Bei der Neuwahl des Kreisvorsitzes der CDU Potsdam trat überraschend der Unternehmer und ehemalige Profi-Wasserballer Andreas Ehrl gegen Katherina Reiche an. Am 1. April 2011 setzte sich Reiche auf dem Kreisparteitag mit 97 zu 91 Stimmen knapp gegen Ehrl durch. In den Augen vieler Mitglieder war es Reiche nicht ausreichend geglückt, den stark zerstrittenen Kreisverband zu einen.
Am 22. März 2013 wählten die Mitglieder der CDU Potsdam Reiche mit einem Ergebnis von 73 Prozent erneut zur Kreisvorsitzenden. Mit 82,19 Prozent der Stimmen wurde Reiche am 2. September 2014 zum vierten Mal zur Kreisvorsitzenden der CDU Potsdam gewählt.
Nach ihrem Rücktritt von ihrem Bundestagsmandat trat sie am 9. September 2015 auch vom Vorsitz der CDU Potsdam zurück. Zu ihrem Nachfolger wurde Steeven Bretz gewählt.
Von 1998 bis 2015 war Katherina Reiche Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war sie von 2002 bis 2005 Vorsitzende der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Am 29. November 2005 wurde sie zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden für die Bereiche Bildung und Forschung sowie Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gewählt.
Von Oktober 2009 bis September 2013 war Katherina Reiche Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, erst unter Minister Norbert Röttgen, ab 2012 dann unter Minister Peter Altmaier. In dieser Rolle stimmte sie am 30. Juni 2011 in namentlicher Abstimmung für den Atomausstieg bis 2022 und verteidigte die als Photovoltaik-Novelle bekannte Reform des EEG im Jahr 2012, die zu Einschnitten bei der deutschen Solarförderung führte.
Nachdem sich Katherina Reiche im Oktober 2012 bei der CDU-Aufstellungsversammlung zur Bundestagswahl 2013 mit 223 von 409 Stimmen gegen die kurz zuvor als Partei- und Fraktionsvorsitzende zurückgetretene Saskia Ludwig durchgesetzt hatte, kandidierte sie für die CDU im Wahlkreis 61 in Brandenburg und gewann am 22. September 2013 das Direktmandat ihres Wahlkreises mit 32,6 Prozent der Erststimmen unter Zugewinn von rund 18.000 Erststimmen gegenüber 2009.
Nachdem Reiche seit 22. Oktober 2013 die Funktion der parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur geschäftsführend wahrgenommen hatte, wurde ihr das Amt am 17. Dezember 2013 offiziell übertragen. Anfang Februar 2015 wurde bekannt, dass Reiche in die Wirtschaft wechseln will. Mit Ablauf des 4. September 2015 schied sie aus dem Bundestag aus. Das Bundestagsmandat wurde nicht wieder besetzt, da Andrea Voßhoff als einzig verbliebene Nachrückerin der brandenburgischen CDU-Landesliste dieses nicht annahm (ein Bundestagsmandat wäre mit ihrer Tätigkeit als Bundesdatenschutzbeauftragte nicht vereinbar gewesen).
Reiche verteidigte im Einklang mit der CDU-Parteilinie jahrelang die Kernenergie: Unter anderem erklärte sie wiederholt, Kernenergie sei CO2-frei, sie trage circa 30 Prozent zur Stromproduktion bei und sei daher nicht so leicht zu ersetzen. Im Jahr 2006 stellte Reiche Teile des Koalitionsvertrages in Frage, in dem sich Union und SPD 2005 darauf geeinigt hatten, dass der Ausstiegs-Beschluss von 2000 („Atomkonsens“) Bestand haben sollte. Reiche sagte, der Koalitionsvertrag sei „keine Aufforderung für ein Denkverbot. […] Ohne längere Laufzeiten stehen wir vor der Wahl, neue fossile Kraftwerke zu bauen, was den Klimaschutzzielen zuwiderläuft.“ Im gleichen Zusammenhang sagte sie 2006, die erneuerbaren Energien seien noch nicht auf dem Stand der traditionellen Energien und noch nicht so wirtschaftlich, und sprach sich für eine Verlängerung der Laufzeiten aus.
Reiche forderte wiederholt Gorleben als Standort für ein Endlager. Unter anderem erklärte sie, die Schachtanlage Asse sei von 1909 bis 1964 als Salzbergwerk genutzt worden und deshalb löchrig, der Salzstock in Gorleben sei intakt. Im Jahr 2009 erklärte sie, die Blockade Gorlebens sei „politisch motiviert“, im Falle eines Wahlsiegs könnte die Union die Erkundung wieder aufnehmen. Im Februar 2009 forderte Reiche ein Nachdenken über den Bau neuer Kernkraftwerke in Deutschland. Sie beteiligte sich aktiv an der Diskussion um die Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke und stimmte im Herbst 2010 für diese.