Katharina zu Mecklenburg (* 1487; † 6. Juni 1561 in Torgau) war durch Geburt Herzogin zu Mecklenburg und durch ihre Heirat mit Heinrich den Frommen von 1539–41 Herzogin von Sachsen. Sie neigte schon früh der Lehre Martin Luthers zu und war die treibende Kraft zur Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen.
Katharina war die jüngste Tochter des Herzogs Magnus zu Mecklenburg und seiner Gemahlin Sophie von Pommern. Über ihre frühen Lebensjahre liegen keine Informationen vor. In alten Chroniken wird sie als eine ausgesprochen schöne Prinzessin beschrieben. Laut erhaltener Korrespondenz wurde u. a. ihre Verheiratung mit den Königen von Aragon und Polen erwogen, doch wurden diese Pläne nicht realisiert. Als sich Herzog Karl von Geldern 1510 um Katharinas Hand bewarb, erhielt er eine abschlägige Antwort. 1511 kam es zu Verhandlungen über Katharinas Verheiratung mit dem nachmaligen Herzog Heinrich den Frommen von Sachsen. Schließlich heiratete sie ihn am 6. Juli 1512 in Anwesenheit zahlreicher hochgestellter Persönlichkeiten in einer prunkvollen Zeremonie in Freiberg.
Der Humanist und Historiker Georg Spalatin hinterließ als Augenzeuge eine ausführliche Beschreibung der Hochzeitsfeierlichkeiten. Bereits zwei Tage vor der Trauung waren am 4. Juli 1512 u. a. Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen und sein Bruder Johann der Beständige, Herzog Philipp von Braunschweig sowie Herzog Georg der Bärtige von Sachsen und seine Gattin Barbara in Freiberg eingetroffen. Am nächsten Tag erfolgte der feierliche Einzug Katharinas. In Begleitung ihrer Hofdamen, ihrer Schwester Anna von Mecklenburg, verwitwete Landgräfin von Hessen, und dem Gefolge reiste sie in einem vergoldeten Wagen an. Gleichzeitig erschienen die Brüder der Braut, die Herzöge Heinrich und Albrecht von Mecklenburg. Unter Trompetenblasen und den üblichen Zeremonien empfing sie Katharinas Bräutigam nahe Freiberg. An demselben Tag wurde am Marktplatz ein ritterliches Rennen veranstaltet. Hierauf wurde in einer beim Rathaus gelegenen Kapelle im Beisein des Brautpaars der Lobgesang Te Deum laudamus aufgeführt und ebendort in Anwesenheit der angereisten Adligen beim festlich geschmückten Brautbett die übliche Zeremonie des Beilagers abgehalten. Den Abschluss bildete nach dem Abendessen im Schloss ein Tanzfest im Rathaus. Am nächsten Tag, dem eigentlichen Hochzeitstag, erschienen die in kostbare Gewänder gehüllten Adligen und das Brautpaar in der Frauenkirche. Katharina hatte sich zu dieser Festlichkeit einen gestickten, perlenübersäten Rock angelegt. Fünf Gräfinnen und ein Fräulein von Schönberg gaben ihr das Geleit. Die Trauung des Brautpaars wurde vom Bischof von Meißen, Johann VI. von Saalhausen, geleitet. Katharina war damals 25 Jahre und ihr Bräutigam bereits 39 Jahre alt. An den beiden nächsten Tagen wurden noch Turniere und Tänze abgehalten.
Mit ihrem Gemahl hatte Katharina sechs Kinder:
Sibylle (* 2. Mai 1515; † 18. Juli 1592)
⚭ 1540 Herzog Franz I. von Sachsen-Lauenburg (1510–1581)
Aemilia (* 27. Juli 1516; † 9. April 1591)
⚭ 1533 Markgraf Georg der Fromme von Brandenburg-Ansbach (1484–1543)
Sidonie (* 8. März 1518; † 4. Januar 1575)
⚭ 1545 Herzog Erich II. zu Braunschweig-Calenberg (1528–1584)
Moritz (* 21. März 1521; † 11. Juli 1553), Kurfürst von Sachsen
⚭ 1541 Prinzessin Agnes von Hessen (1527–1555)
Severinus (* 28. August 1522; † 10. Oktober 1533)
August (* 31. Juli 1526; † 12. Februar 1586), Kurfürst von Sachsen
⚭ 1548 Prinzessin Anna von Dänemark und Norwegen (1532–1585)
In ihren ersten Ehejahren standen Katharina und ihrem Gatten Heinrich nur ein Jahresgehalt von 13.000 Gulden zur Verfügung, die Heinrich von seinem älteren Bruder, dem regierenden Herzog Georg von Sachsen, erhielt. Heinrichs Herrschaftsgebiet umfasste die Ämter Freiberg und Wolkenstein. Mit dem Wachsen ihrer Familie mehrte sich Katharinas Sorge um deren standesgemäßen Unterhalt, um etwa ihren Kindern eine ordentliche Erziehung ermöglichen zu können. So trug sie öfter Auseinandersetzungen mit Herzog Georg wegen der Höhe des ihrem Gatten zur Verfügung gestellten Jahresgehalts aus. Sie und Heinrich residierten bis zu Georgs Tod (1539) meist in Freiberg, siedelten aber 1521 wegen einer damals herrschenden Pestepidemie vorübergehend nach Schloss Wolkenstein über.
Katharina, die in den Quellen häufig als energisch und selbstbewusst charakterisiert wird, neigte frühzeitig zu Martin Luthers Lehre. Wie sie mit dieser in Berührung kam, ist nicht genau bekannt. Auch die Freiberger Bürgerschaft und einige Klöster zeigten sich sehr bald aufgeschlossen für Luthers religiöse Anschauungen. Katharinas Ehemann Heinrich hingegen schreckte aus Furcht vor seinem Bruder Georg vor einer offenen Einführung der Reformation zurück. Als 1523 drei Hofdamen Katharinas, Hanna von Draschwitz, Milia von Ölsnitz und Ursula von Feilitsch, bei der Lektüre lutherischer Schriften erwischt wurden, ließ Heinrich sie sofort aus Katharinas Frauenzimmer wegweisen. Wahrscheinlich las Katharina damals selbst diese Schriften und sympathisierte seit Ende 1523 mit Luthers Lehre. In der Folge wurde sie die treibende Kraft bei der Einführung der Reformation in Heinrichs Herrschaftsbereich, was freilich noch mehr als ein Jahrzehnt dauern sollte. Zunächst hielt sie ihre Vorliebe für die evangelische Konfession aus Furcht vor dem Hofmeister, der den Freiberger Hof im Sinn Herzog Georgs überwachte, geheim. Als aber Herzog Georg 1524 eine Abwesenheit seines Bruders Heinrich nützte, um den Lesemeister des Franziskanerklosters, Lorenz Sörer, bezüglich dessen religiöser Einstellung befragen zu lassen und ihm nach dessen offenem Bekenntnis zu Luther drohte, setzte sich Katharina erfolgreich für Sörers Verbleib in Freiberg ein. Im Mai 1525 schrieb sie dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen einen Brief, in dem sie ihre Neigung zu Luthers Lehre eingestand und ihn mahnte, sich weiterhin standfest zu dieser zu bekennen.
Auch weiterhin konnte Katharina indessen nicht zu offen für die evangelische Lehre eintreten, weil sonst weitere Einschränkungen der ohnehin nicht üppigen jährlichen Zahlungen des streng katholisch gesinnten Herzogs Georg an seinen Bruder Heinrich gedroht hätten. Georg reagierte auf wiederholte Anfragen Heinrichs nach größerer finanzieller Unterstützung ablehnend und verwies darauf, dass Katharina zu großen Aufwand treibe, indem sie sich etwa zu luxuriös kleide. Im Laufe der Zeit entwickelte Katharina trotz dieser Schwierigkeiten hinter den Kulissen immer größere Aktivitäten zur Verbreitung der Reformation im Herrschaftsgebiet ihres Gatten. So schmuggelte sie lutherische Traktate im Freiberger Magdalenerinnenkloster ein. Sie beeinflusste ihren Gatten ständig im Sinne der evangelischen Lehre und sorgte dafür, dass er im Mai 1531 bei einer von Luther selbst in Torgau gehaltenen Predigt anwesend war. 1533 arrangierte sie für ihre Tochter Aemilia die Heirat mit einem protestantischen Bräutigam. Im gleichen Jahr nahm sie auch das Abendmahl bereits in beiderlei Gestalt und erreichte, dass ihr Gemahl den Dominikaner Georg Schumann als lutherischen Hofprediger an seinen Hof rief. In der Folge drängte sie Heinrich, die Predigten Schumanns anzuhören. Da er aber immer noch vor einer zu offenen Stellungnahme für die lutherische Lehre zurückschreckte, behauptete er, den Prediger nicht deutlich vernehmen zu können, um seine Abwesenheit von dessen Gottesdienst zu entschuldigen. Katharina ließ daraufhin einen Stuhl ganz in der Nähe der Kanzel platzieren, damit er sich nicht mehr auf diese Ausrede berufen konnte. Als das Fürstenpaar 1534 in Wittenberg weilte, reifte schließlich in Heinrich nach der Anhörung von Luthers Predigten und ausführlichen Diskussionen mit dem Reformator seine völlige Hinwendung zu dessen Lehre. Zwei Jahre später bekannte er sich offen zum Protestantismus und setzte Schritte zur Einführung der Reformation in seinem Herrschaftsbereich.