Katharina I. Alexejewna (russisch Екатерина I Алексеевна, geb. Marta Helena Skowrońska, russisch Ма́рта Самуи́ловна Скавро́нская Marta Samuilowna Skawronskaja; * 5. Apriljul. / 15. April 1684greg. in Jakobstadt, Kurland; † 6. Maijul. / 17. Mai 1727greg. in Sankt Petersburg) war die zweite Frau Peters des Großen (1672–1725). Aus sehr einfachen Verhältnissen stammend, erwarb sie sich zunächst als jahrelange Lebensgefährtin die Zuneigung und Achtung des Zaren. Der Verbindung entsprang u. a. die spätere russische Herrscherin Elisabeth Petrowna. Peter heiratete Katharina 1712. Ihre Teilnahme an mehreren Kriegszügen ihres Mannes war ein wichtiger Grund für ihre Krönung im Jahr 1724. Nach Peters Tod 1725 war sie zwei Jahre lang bis zu ihrem eigenen Ableben regierende Kaiserin von Russland, überließ aber die Ausübung der Herrschaft de facto dem Fürsten Alexander Menschikow.
Über das frühe Leben Katharinas I. liegen nur unsichere und widersprüchliche Nachrichten vor. Sie war die Tochter des Bauern Samuel Skowroński (Samuil Skawronski) aus dem Großfürstentum Litauen und dessen aus Kurland stammender Gattin Elisabeth Moritz. 1684 in Kreuzburg (heute Krustpils, Stadtteil von Jēkabpils, damals Jakobstadt) als Marta Helena Skowrońska geboren, wurde sie römisch-katholisch getauft und hatte mehrere Geschwister. Als sie erst ein Jahr alt war, starb ihr Vater an der Pest, und auch ihre Mutter starb zwei Jahre später. Nachdem Marta also schon in früher Kindheit Vollwaise geworden war, lebte sie vielleicht einige Jahre bei einer Tante und anschließend im Dorf Ringen bei einem lutherischen Pfarrer, der ebenfalls einer Pestepidemie erlag. Daraufhin kam sie im Haus des lutherischen Theologen und Bibelübersetzers Ernst Glück in Marienburg (Livland) unter, dessen Ziehtochter sie wurde und dem sie auch als Magd diente. Sie wuchs mit den Kindern des Propstes auf und bekam durch ihn u. a. mündlichen Unterricht im Katechismus, blieb aber Analphabetin und beherrschte nur unzureichend Russisch. Als 18-Jährige wurde sie mit einem schwedischen Dragoner namens Johan Cruse verheiratet.
Bereits kurz darauf mussten sich die Schweden im Laufe des Großen Nordischen Kriegs aus Marienburg zurückziehen. Russische Truppen unter Generalfeldmarschall Boris Petrowitsch Scheremetew eroberten im August 1702 die Stadt. Martas Gatte fiel wohl bei der Verteidigung Marienburgs. Ernst Glück, seine Familie und Marta Skawronska durften sich wie andere Zivilisten vor der Sprengung der Festung durch den schwedischen Kommandanten in Sicherheit bringen und gerieten in russische Gefangenschaft. Während Glück sich als Dolmetscher nach Moskau begab, blieb Marta im russischen Lager und arbeitete im Haushalt Scheremetews, der mit ihr ein Verhältnis unterhalten haben soll. Später wurde sie Fürst Alexander Menschikow, dem besten Freund Peters des Großen, übergeben; ob sie seine Geliebte wurde, ist umstritten. Als Peter im Herbst 1703 bei seinem Freund Menschikow zu Besuch war, begegnete er der als körperlich sehr attraktiv beschriebenen Marta, als diese das Essen servierte. Bald machte der Zar, der sich nach dem zweiten Strelizenaufstand 1698 von seiner ersten Ehefrau Jewdokija Lopuchina getrennt und sie verbannt hatte, Marta zu seiner Geliebten, wobei Menschikow die Anbahnung dieser Liaison förderte. Peter schickte Marta nun in ein abgelegenes Haus in Moskau, in dem sie durch eine adlige Dame in der Hofetikette unterrichtet wurde.
Erste Jahre mit Peter dem Großen bis zur offiziellen Heirat
Peter der Große besuchte Marta häufig in dem abgeschiedenen Haus in Moskau. Er schätzte neben ihren Liebkosungen u. a. auch ihre Kenntnisse in Haushaltsführung. Sie konvertierte zum orthodoxen Glauben und änderte nun ihren Namen in Katharina Alexejewna (Jekaterina Alekseevna); als ihr Taufpate fungierte dabei der Zarewitsch Alexei Petrowitsch, Peters Sohn aus erster Ehe. Sie verbesserte ihre Beherrschung des Russischen, blieb aber weiterhin ungebildet und erlernte nie Lesen und Schreiben.
Katharina Alexejewna wurde Peter eine fürsorgliche Lebensgefährtin. Vielfach wirkte sie mäßigend und beruhigend auf die Handlungen des leicht aufbrausenden Monarchen ein, besänftigte ihn in seinen Wutausbrüchen und gab ihm Ruhe und Selbstsicherheit für diffizile Entscheidungen. Dementsprechend wurde sie von ihm bisweilen „Mütterchen“ genannt. Sie gewann einen dauernden Einfluss auf Peter. Im Winter 1704 gebar sie ihr erstes Kind, einen Sohn, dem noch elf weitere Kinder folgten. Von dieser großen Nachkommenschaft erreichten jedoch nur zwei Töchter das Erwachsenenalter:
Paul Petrowitsch (* 1704; † 1707)
Peter Petrowitsch (* 1705; † 1707)
Katharina Petrowna (* 1707; † 1708)
Großfürstin Anna Petrowna (* 1708; † 1728), Zarewna (Thronfolgerin), spätere Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf und Mutter Kaiser Peters III.
Großfürstin Elisabeth Petrowna (* 1709; † 1762), spätere Kaiserin
Großfürstin Natalie Petrowna (* 1713; † 1715)
Großfürstin Margarete Petrowna (* 1714; † 1715)
Großfürst Peter Petrowitsch (* 1715; † 1719), Zarewitsch (Thronfolger)
Großfürst Paul Petrowitsch (* 1717; † 1717)
Großfürstin Natalie Petrowna (* 1718; † 1725)
Großfürst Peter Petrowitsch (* 1723; † 1723)
Paul Petrowitsch (* 1724; † 1724)