Kassel (bis 1926 amtlich Cassel) ist eine kreisfreie Stadt, Verwaltungssitz des gleichnamigen Regierungsbezirkes und des Landkreises Kassel. Die einzige Großstadt Nordhessens ist nach Frankfurt am Main und Wiesbaden die drittgrößte Stadt und eines von zehn Oberzentren des Landes Hessen. Auf der Liste der Großstädte in Deutschland belegt sie Platz 40. Nach Angaben des Hessischen Statistischen Landesamtes hatte Kassel am 31. Dezember 2025 196.799 Einwohner. Die Stadt gibt für Dezember 2024 207.863 Einwohner an.
Seit 1277 war Kassel Hauptstadt der Landgrafschaft Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Kassel (von 1567 bis 1803), des Königreichs Westphalen (1807 bis 1813) und des Kurfürstentums Hessen (1814 bis 1866). Bis heute zeugen Residenzen und Schlösser davon, darunter insbesondere die Orangerie in der Karlsaue und das Schloss Wilhelmshöhe im seit 2013 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählenden Bergpark. Mit der documenta beherbergt die Stadt zudem alle fünf Jahre eine weltweit bedeutende Ausstellung zeitgenössischer Kunst; daher trägt Kassel seit dem 19. März 1999 die amtliche Zusatzbezeichnung documenta-Stadt. Durch die Gründung der ersten Gesamthochschule Deutschlands (der heutigen Universität Kassel) wurde Kassel 1971 zur Universitätsstadt.
Kassel befindet sich etwa 70 Kilometer nordwestlich des geografischen Mittelpunkts von Deutschland. Nach Erfurt und Göttingen (jeweils rund 50 Kilometer vom Mittelpunkt entfernt) ist Kassel damit die dem geografischen Zentrum Deutschlands am drittnächsten gelegene Großstadt.
Die Stadt befindet sich in Nordhessen nahe den Grenzen zu Niedersachsen und Thüringen im Kasseler Becken, das im geomorphologischen Sinn kein Becken ist, sondern ein weit ausgedehnter Talkessel, in dem sich insbesondere im Bereich der Karls- und Fuldaaue eine weitläufige Flussniederung der Fulda befindet. Das Kasseler Becken ist Teil der Westhessischen Senke, die ihrerseits ein Teil der Mittelmeer-Mjösen-Zone ist.
In diesem Talkessel wird die Stadt von den etwas entfernten Langenbergen im Südwesten und dem Hohen Habichtswald im Westen (jeweils ein Bestandteil des Habichtswälder Berglandes) sowie von den südlichen Ausläufern des Reinhardswaldes (Teil des Weserberglandes) im Nordosten, dem Kaufunger Wald im Osten und der Söhre im Südosten und Süden (beides Teile des Fulda-Werra-Berglandes) eingerahmt. Diese fünf Mittelgebirge sind durch zwei nördlich und südlich der Stadt gelegene und in West-Ost-Richtung verlaufende Höhenrücken miteinander verbunden, so dass der Kasseler Talkessel – abgesehen vom Flusstal der Fulda, das diesen von Süd nach Nord durchschneidet – von Bergzügen umgeben ist.
In der Innenstadt bildet der Kasseler Graben mit Gesteinen des Muschelkalks durch Reliefumkehr einen auffälligen Höhenrücken (Weinberg).
Da das Habichtswälder Bergland und die Westhessische Senke zum Westhessischen Bergland, das Weserbergland zum Niedersächsischen Bergland und das Fulda-Werra-Bergland zum Osthessischen Bergland gehört, befindet sich die Stadt an der unmittelbaren Nahtstelle dreier naturräumlicher Haupteinheitengruppen.
Die nächsten Großstädte sind – per Luftlinie/Straße gemessen – Hannover (ca. 120/164 km nördlich) und Göttingen (ca. 40/55 km nordöstlich) in Niedersachsen, Erfurt (ca. 115/185 km östlich) in Thüringen, Frankfurt am Main (ca. 150/193 km südlich) in Hessen sowie Siegen (ca. 115/165 km südwestlich), Hamm (ca. 122/153 km westlich), Dortmund (ca. 145/165 km westlich) und Paderborn (ca. 70/84 km nordwestlich von Kassel) in Nordrhein-Westfalen.
Kassel wird von der Fulda und den teils innerhalb des Stadtgebiets in diesen Fluss einmündenden Nebenflüssen und Bächen durchflossen, darunter sind Ahne, Drusel (im Unterlauf „Kleine Fulda“ genannt), Geile (im Unterlauf Döll genannt), Grunnelbach, Haargraben, Jungfernbach, Losse, Nieste und Wahle.
Kassels tiefste Stelle befindet sich im nordöstlichen Fuldatal auf 132,9 m ü. NHN (Flusspegel etwas nördlich der Gaststätte Graue Katze); zieht man noch die Exklave Kragenhof in diesem Tal mit in Betracht, so befindet sich die tiefste Stelle der Stadt wenige Meter unterhalb der Staustufe an der Stadtgrenze zu Fuldatal-Wahnhausen auf nur noch 131,4 m Höhe. Die Innenstadt liegt am Königsplatz 163 m und am Rathaus 169 m hoch. Das Schloss Wilhelmshöhe steht auf etwa 282 m Höhe, der Herkules auf rund 515 m, und die höchste Stelle des Stadtgebiets liegt an der Grenze zur Gemeinde Schauenburg mit 614,8 m auf dem Gipfel des zum Hohen Habichtswald gehörenden Hohen Gras, dem höchsten Berg des Habichtswälder Berglands. Der innere Stadtbereich hat eine ausgeprägte Hanglage und erstreckt sich von ca. 140 m (Karlsaue) über den Bahnhof Wilhelmshöhe (ca. 195 m) bis auf ca. 300 m am oberen Rand von Bad Wilhelmshöhe.
Das Stadtgebiet von Kassel ist in 23 Ortsbezirke eingeteilt, von denen jeder einen Ortsbeirat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden hat. Die Ortsbeiräte werden alle fünf Jahre von der Bevölkerung der Ortsbezirke direkt gewählt. Der Ortsbeirat ist zu allen wichtigen Fragen, die den Ortsbezirk berühren, zu hören. Die endgültige Entscheidung über eine Maßnahme obliegt jedoch der Kasseler Stadtverordnetenversammlung.
Neben den historisch gewachsenen Stadtteilen sind einige ehemals selbstständige Gemeinden und Gemarkungen nach Kassel eingemeindet worden. Die Grenzen dieser Stadtteile stimmen zum Teil nicht mit den Grenzen der 23 Ortsbezirke überein. Das Jahr der Eingemeindung findet sich in Klammern.
Übersicht über die 23 Ortsbezirke (Stadtteile) von Kassel:
Innerhalb der Kasseler Ortsbezirke gibt es zum Teil noch Siedlungen mit eigenen Namen, etwa Mulang, Marbachshöhe und Wahlershausen, die zum Ortsbezirk Bad Wilhelmshöhe gehören, die Exklave Kragenhof, die zum Ortsbezirk Wolfsanger-Hasenhecke gehört, Osterberg, der zum Ortsbezirk Jungfernkopf gehört, oder das Blücherviertel, das zum Ortsbezirk Unterneustadt gehört. Nicht als Ortsbezirk, sondern als ortsbezirksfreies Gebiet, zählt die unbebaute Dönchelandschaft im Südwesten von Kassel, deren Großteil inzwischen als Naturschutzgebiet Dönche unter Schutz gestellt wurde.
Das Gebiet der Stadt Kassel ist 106,798 km² groß. Die Flächennutzung in Prozent (%) verteilt sich so:
An die Stadt Kassel grenzen folgende Städte und Gemeinden (im Uhrzeigersinn beginnend im Norden): Ahnatal, Vellmar, Fuldatal, Staufenberg, Niestetal, Kaufungen, Lohfelden, Fuldabrück, Baunatal, Schauenburg, Habichtswald. Davon wachsen Vellmar und Fuldatal im Norden, Kaufungen im Osten, Lohfelden im Südosten und Baunatal im Süden immer näher an das Stadtgebiet heran. Mit Ausnahme von Staufenberg, das Teil des Landkreises Göttingen in Niedersachsen ist, gehören alle Gemeinden zum Landkreis Kassel. Die Gemeinden kooperieren im Zweckverband Raum Kassel.
Das Klima ist in Kassel deutlich milder und wärmer als im umgebenden Mittelgebirge. Wegen der Talkessellage und den höher gelegenen Waldgebieten ist die Stadt gut vor Unwettern geschützt. Aufgrund der sich stauenden Luftmassen ist es in den tiefer gelegenen Stadtgebieten teilweise 3 bis 5 Grad Celsius wärmer als im Umland, insbesondere im Sommer. Die Jahresmitteltemperatur beträgt ca. 9,1 °C.
Die erste Erwähnung des Königshofes Chassalla oder Chassella findet sich auf zwei erhaltenen Urkunden von 913. 940 findet sich die Stadt als Cassella, 1152 als Cassele, 1182 als Cassela, 1202 als Cassle und 1221/1222 als Cassela, Cassel bezeugt. Die heutige Schreibweise Kassel ist seit 1927 amtlich.