Karlsbad (tschechisch Karlovy Vary ) ist ein Kurort im Westen Tschechiens mit rund 49.000 Einwohnern. Im zugehörigen Ballungsraum leben etwa 140.000 Menschen. Die Stadt liegt an der Mündung der Tepl (Teplá) in die Eger (Ohře). Karlsbad gehört zu den berühmtesten und traditionsreichsten Kurorten der Welt.
Seit 24. Juli 2021 zählt der Ort zusammen mit zehn anderen Kurstädten zum UNESCO-Welterbe der bedeutenden Kurstädte Europas.
Das Stadtzentrum von Karlsbad mit der Verwaltung, dem unteren Bahnhof (dolní nádraží) und den Industriebetrieben liegt im flachen Egertal. Die Kuranlagen befinden sich im schmalen, südlich gelegenen Tal der Tepl.
Westlich der Stadt befindet sich das Falkenauer Becken (Sokolovská pánev), das zweitgrößte tschechische Braunkohle-Tagebaugebiet mit mehreren Kraftwerken.
Das Stadtgebiet gliedert sich in die 15 Katastralbezirke, Weheditz (Bohatice), Ziegelhütten (Cihelny, eine Exklave im Süden), Schankau (Čankov), Aich (Doubí), Drahowitze (Drahovice), Meierhöfen (Dvory), Karlsbad (Karlovy Vary), Espenthor (Olšová Vrata), Putschirn (Počerny), Roßnitz (Rosnice), Fischern (Rybáře), Zedtlitz (Sedlec), Alt Rohlau (Stará Role), Taschwitz (Tašovice) und Donitz (Tuhnice).
Grundsiedlungseinheiten sind Weheditz, Ziegelhütten, Schankau, Dolní Drahovice (Unter Drahowitz), Doubí, Dvory, Horní Drahovice (Ober Drahowitz), Hřbitov, Hůrky, Jáchymovská-východ, Jáchymovská-západ, Jelení skok (Hirschsprung), Karlovy Vary-lázeňské území, Lázeňské území-západ, Letiště, Mattoniho nábřeží, Na golfu, Na Ohři, Na vyhlídce, Na výsluní, Nemocnice, Niva, Nové Domky, Nové Drahovice (Neu Drahowitz), Nové Tuhnice, Olšová Vrata, Počerny, Pod lesem, Pod Vítkovým vrchem, Pražská, Rolava, Rosnice, Růžový vrch, Rybáře, Sedlec, Stará Kysibelská, Stará Role, Staré Tuhnice (Alt Donitz), Střed, Tašovice, U nemocnice, U tří křížů, U vysílačky, Vítězná, Vítkův vrch (Veitsberg), Výšina, Zlatý kopeček-východ und Zlatý kopeček-západ.
Archäologen haben Siedlungsspuren aus der Urzeit, der späteren Bronzezeit sowie aus den Anfängen der slawischen Besiedlung entdeckt und untersucht. Wann die Gegend um Karlsbad besiedelt wurde, konnte nicht genau bestimmt werden. Im heutigen Ortsteil Sedlec befand sich spätestens seit dem 10. Jahrhundert eine Burg der Sedlitschanen, die bisher allerdings nicht gefunden werden konnte. Wahrscheinlich lag sie auf dem Gelände des Schlosses Sedlec. Bis 1226 war sie Mittelpunkt einer provincia Sedlensis der Přemysliden. Danach wurde Elbogen Mittelpunkt des Zettlitzer Ländchens.
Die Heilwirkung der Karlsbader Thermalquellen ist wohl schon im 14. Jahrhundert bekannt gewesen. Zur Entdeckung gibt es verschiedene Sagen: Nach einer soll ein durstiger Hirsch mit seinen Hufen die erste warme Quelle freigelegt haben. Daran erinnert der Hirschensprung (Jelení skok) oberhalb des Tals der Tepl mit der Hauptpromenade. Nach einer anderen Sage soll ein Jagdhund einer Jagdgesellschaft des Kaisers Karl IV. in eine Grube gefallen sein und sich dort an dem zutage tretenden heißen Wasser fast verbrannt haben. Die Jagdbegleiter sahen das dampfende Wasser, kosteten vorsichtig davon und unterrichteten den Kaiser. Dieser wusste wohl von der Heilwirkung einer heißen Quelle und ordnete die Besiedlung rund um diese (erste) Quelle an, die beim Austritt über 70 Grad heiß ist. Diese Sage ist auf einem Relief über dem Brunnen 2 dargestellt. Im Lauf der folgenden Bautätigkeit wurden weitere Quellen entdeckt, so dass im Jahr 2000 14 Brunnen ausgewiesen wurden, aus denen das Mineralwasser mit unterschiedlichen Temperaturen austritt, die alle stark mit Mineralsalzen angereichert sind.
Am 14. August 1370 verlieh in Nürnberg der böhmische König und römisch-deutsche Kaiser Karl IV. der Stadt Karlsbad dieselben Freiheiten und Rechte, welche die benachbarte Stadt Elbogen besaß. Ursprünglich nannte man die Ortschaft auch Warmbad (Vary), später Kaiser-Karlsbad woraus sich Carlsbad und später Karlsbad entwickelte. Die Quellen wurden zunächst für Bäder genutzt, ab dem 16. Jahrhundert auch für Trinkkuren. 1522 erschien die erste schriftliche Abhandlung über die Heilkraft der Quellen.
Am 9. Mai 1582 wurde die Stadt von einem starken Hochwasser überschwemmt und am 13. August 1604 durch einen Brand fast völlig zerstört. Auch der Dreißigjährige Krieg hinterließ seine Spuren. Die Stadt erholte sich nur langsam. 1707 bestätigte ihr Kaiser Joseph I. alle Privilegien als freie Königsstadt. Der Kurbetrieb wurde vor allem 1711 und 1712 durch die Besuche des russischen Zaren Peters des Großen gefördert. 1711 wurde das erste Kurhaus der Stadt erbaut. 1759 vernichtete ein erneuter Brand wiederum einen großen Teil Karlsbads. Die Nutzung für Kuren wurde danach entscheidend durch den Arzt David Becher gefördert. Er hatte eine Schrift über die Kurbehandlung in Karlsbad veröffentlicht und die Förderung des Karlsbader Sprudelsalzes angeregt. 1795 wurde eine Kurgebühr eingeführt, mit deren Hilfe die Stadt wieder aufgebaut werden sollte.
Am 24. November 1890 wurde die Stadt wieder von einem Hochwasser heimgesucht.
Eine bedeutende Konferenz findet in Karlsbad statt
1819 fand in der Stadt die Karlsbader Konferenz statt, auf der der österreichische Kanzler Fürst Metternich in den Karlsbader Beschlüssen alle Staaten des Deutschen Bundes auf eine strenge Pressezensur und andere Maßnahmen gegen die seit den Befreiungskriegen bestehenden Demokratiebestrebungen festlegte.
Entwicklung des Kur- und Badebetriebs
In der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte der Badebetrieb einen wesentlichen Aufschwung. Der Balneologe und kaiserliche Leibarzt Josef von Löschner verhalf mit seinen Publikationen über die böhmischen Bäder und die Wirkung ihrer Heilwässer Karlsbad zu einer Blütezeit als Kurort von Weltruf. Entscheidend dafür war der Anschluss an das europäische Eisenbahnnetz im Jahr 1870. Zunächst wurde der Betrieb auf der Strecke Karlsbad–Eger aufgenommen und kurz darauf folgte die Strecke Prag–Karlsbad.
In Meyers Konversationslexikon von 1898 ist über die Kur in Karlsbad zu lesen: „Man trinkt des Morgens 3-6 Becher und gebraucht sowohl Mineralwasser- und Dampfbäder als auch mit vielem Erfolg Moorbäder, zu denen die Schlammerde dem Franzensbader Moorlager entnommen wird. Von Wichtigkeit sind auch die Quellenprodukte von Karlsbad und zwar das Sprudelsalz, welches durch Abdampfung der Sprudelquelle […] gewonnen wird. […] Die jährliche Versendung an Karlsbader Mineralwasser betrug über 1 Mill. Flaschen und Krüge, an Sprudelsalz und Sprudelseife über 23.000 kg.“ 1756 kamen in der Kursaison 134 Familien und Ende des 19. Jahrhunderts waren es im Mittel 26.000 Kurgäste, diese Anzahl stieg 1911 auf nahezu 71.000.
Im Jahr 1910 hatte die Stadt 17.446 Einwohner; davon waren 16.791 deutsch- und 95 tschechischsprachig. Der Erste Weltkrieg bedeutete eine Zäsur für den Kurbetrieb. Nach dem Zerfall der Doppelmonarchie am Kriegsende wurde aus den cisleithanischen Kronländern Böhmen, Mähren, Österreichisch-Schlesien und dem Norden Transleithaniens (Slowakei, Karpatenukraine) am 28. Oktober 1918 die Tschechoslowakei gebildet. Der Vertrag von Saint-Germain bestätigte 1919 die Zugehörigkeit Deutschböhmens zur Tschechoslowakei.
Eine Demonstration in Karlsbad am 4. März 1919 für das Selbstbestimmungsrecht (am gleichen Tag trat die Konstituierende Nationalversammlung Deutschösterreichs erstmals zusammen) und gegen die Zugehörigkeit zur Tschechoslowakei endete ohne Blutvergießen. Später wurden jedoch bei der Auflösung einer anderen Demonstration sechs Demonstranten von der Armee getötet.