An diesem Tag

Karl von Roques

Deutscher Offizier, zuletzt General der Infanterie, Angeklagter in den Nürnberger Prozessen und zu 20 Jahren Haft verurteilt

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Karl von Roques (* 7. Mai 1880 in Frankfurt am Main; † 24. Dezember 1949 in Nürnberg) war ein deutscher General der Infanterie. Im Zweiten Weltkrieg war er von Mitte März bis Ende Oktober 1941 Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes der Heeresgruppe Süd. Nach Kriegsende wurde er im OKW-Prozess wegen Erschießungen und anderer Kriegsverbrechen in seinem Kommandobereich zu einer Haftstrafe von zwanzig Jahren verurteilt. Er starb kurz nach seiner krankheitsbedingten Entlassung aus der Haft.

Karl Jerome Christian Georg Kurt von Roques entstammte einem hugenottischen Adelsgeschlecht. Die Familie von Roques lässt sich bis 1230 in Frankreich zurückverfolgen. Die Vorfahren von Roques flohen vor der Verfolgung unter Ludwig XIV. ab 1685 nach dem Edikt von Fontainebleau. In Kurhessen waren die männlichen Mitglieder zunächst hauptsächlich Beamte und später Offiziere. Im 19. Jahrhundert gab es sechs Offiziere, darunter Großvater und Vater, in der Familie. Sein Onkel war der preußische Generalleutnant Georg von Roques (* 20. Juli 1833; † 1. Dezember 1904).

Sein Vater Theodor (* 21. Dezember 1841; † 9. Oktober 1917) war zum Zeitpunkt der Geburt von Karl Hauptmann und Kompaniechef im 1. Kurhessischen Infanterie-Regiment Nr. 81. Sein Vater brachte es bis zum Rang eines Generalmajors. Seine Mutter Hedwig war eine geborene von Tallen-Wilczewska (* 16. Juli 1852; † 24. September 1906). Karl von Roques wechselte bis zum Abitur sieben Mal wegen Versetzungen seines Vaters den Wohnsitz. Roques machte am 7. März 1899 Abitur am Wilhelmsgymnasium in Kassel. In erster Ehe heiratete er im Mai 1905 Caroline (genannt Lilly) von Apell (* 8. Dezember 1882; † 2. Februar 1935). Im September 1936 heiratete er Marie Gertrud Keibel, geschiedene Hellwig (* 28. Februar 1893). Diese war seit Februar 1932 Mitglied der NSDAP, was Karl von Roques nie wurde.

Karl von Roques ist der Cousin des drei Jahre älteren Franz von Roques, später ebenfalls General der Infanterie und Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes. Ein weiterer Cousin der beiden war der Arzt Kurt Rüdiger von Roques.

Militärdienst bis zum Ersten Weltkrieg

Karl von Roques trat nur zwei Tage nach dem Abitur am 9. März 1899 als Fahnenjunker in das Infanterie-Regiment „von Wittich“ (3. Kurhessisches) Nr. 83 der Preußischen Armee in Kassel ein. Er wurde am 17. Oktober 1899 zum Fähnrich befördert. Roques wurde am 18. August 1900 zum Leutnant, das Patent wurde dabei auf den 30. Januar 1900 datiert, befördert. Am 1. Oktober 1908 wurde er für drei Jahre an die Kriegsakademie in Berlin kommandiert. Damit war der Grundstein zu einem Aufstieg in höhere Ränge des Militärs gelegt, da beispielsweise 1909 nur 480 Offiziere zur Kriegsakademie abkommandiert wurden. Auf der Kriegsakademie wurde er am 18. Oktober 1909 zum Oberleutnant befördert. Anschließend diente er als Bataillonsadjutant in seinem Regiment. Am 1. April 1912 wurde er zur Generalstabsausbildung in den Großen Generalstab nach Berlin kommandiert. Beim Großen Generalstab wurde er am 1. April 1914 zum Hauptmann befördert.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er zum Stab des VIII. Reserve-Korps versetzt. Mit diesem nahm er am Westfeldzug teil. 1915 erfolgte seine Verwendung im Stab der 8. Ersatz-Division. Im Herbst 1916 wurde er dann als Erster Generalstabsoffizier (Ia) bei der 215. Infanterie-Division eingesetzt. Auch diese beiden Divisionen waren an der Westfront, genauer zwischen Maas und Marne bzw. in der Champagne, eingesetzt. Ab Februar 1917 erfolgte krankheitsbedingt sein Einsatz im Kriegsministerium in Berlin. Im Kriegsamt des Kriegsministerium war er mit der Beschaffung von Rohstoffen und Rüstungsmaterial beschäftigt. Er wurde am 18. Mai 1918 zum Major befördert. Er wurde während des Krieges mit den beiden Klassen des Eisernen Kreuzes sowie zahlreiche weiteren Orden ausgezeichnet.

Nach Kriegsende wurde er in die Reichswehr übernommen. Er wurde wie nur 4000 andere Offiziere aus etwa 34.000 Offizieren der alten Armee ausgewählt. Er blieb weiter im nunmehr Reichswehrministerium genannten Ministerium in Berlin eingesetzt. In der Heeres-Ausbildungsabteilung arbeitete er an Ausbildungsrichtlinien der Reichswehr. Am 1. Oktober 1921 wurde er als Generalstabsoffizier in den Stab der 2. Division nach Stettin versetzt, wo er für die Ausbildung der Führergehilfen zuständig war. Die Führergehilfenausbildung war eine getarnte Ausbildung von Generalstabsoffizieren, da diese nach den Bestimmungen des Versailler Vertrags verboten war. Am 1. Oktober 1923 wurde er dann Kommandeur des II. Bataillons des 13. (Württembergischen) Infanterie-Regiments in Ludwigsburg. Mit seinem Bataillon wurde Roques kurz darauf gegen Anhänger der KPD in Sachsen eingesetzt. Er erwähnt in seinen Kriegserinnerungen die Eroberung der Stadt Plauen. Näheres über diesen Einsatz scheint nicht bekannt zu sein. Er wurde am 1. August 1924 zum Oberstleutnant befördert und am 1. Februar 1927 in den Stab des 13. Infanterie-Regiments versetzt. Am 1. April 1927 wurde er als Ia zum Gruppenkommando 2 nach Kassel versetzt. Am 1. Februar 1928 wurde er zum Oberst befördert. Am 1. April 1929 erfolgte die Versetzung in den Stab des 16. Infanterie-Regiments in Oldenburg. Zum 1. Oktober 1929 wurde er zum Kommandeur des 16. Infanterie-Regiments ernannt. Am 1. Mai 1931 wurde er zum Generalmajor befördert. Roques wurde am 1. Oktober 1931 zum Infanterieführer I in Allenstein ernannt. Da in der Reichswehr nur wenige Planstellen für höhere Offiziere vorhanden waren, erhielt Roques, wie die meisten Generalmajore auch, die Aufforderung, den Abschied einzureichen. Mit der Verabschiedung aus dem Dienst des Heeres am 31. Januar 1933 wurde ihm der Charakter eines Generalleutnants verliehen.

Am 1. August 1934 wurde Roques zum Vizepräsidenten und Chef des Stabes des Reichsluftschutzbundes (RLB) berufen. Der RLB unterstand dem Reichsluftfahrtministerium und war für den zivilen Luftschutz im Reich zuständig. Er hatte 1933 fünf Millionen Mitglieder und vergrößerte die Mitgliederzahl bis 1939 auf 15 Millionen. Am 30. April 1936 wurde Roques dann zum Präsidenten des Reichsluftschutzbundes ernannt. Am 1. Oktober 1938 wurde er zum Generalleutnant befördert und in die Luftwaffe übernommen. Zum 1. Juni 1939 wurde er zum General z. b. V. beim Oberbefehlshaber der Luftwaffe Hermann Göring und im Reichsluftfahrtministerium ernannt. Bei der Verabschiedung aus dem aktiven Dienst der Luftwaffe am 30. Juni 1939 wurde Roques der Charakter eines General der Flakartillerie verliehen. Nach der Verabschiedung beschwerte sich Roques beim Luftwaffenpersonalamt darüber, dass er weder ein Schreiben noch ein handsigniertes Bild Adolf Hitlers erhalten hatte. Ferner hätte er sich nicht bei Göring abmelden können und auch die Presse hätte keine Meldung über seinen Abschied gebracht. Das Luftwaffenpersonalamt beschied seinen Brief abschlägig. Nach dem Krieg behauptete Roques im OKW-Prozess, er sei für die Beteiligung von Juden bei Luftschutzübungen eingetreten und deshalb entlassen worden. Nach Einschätzung der Richter konnte er seine Behauptung nicht schlüssig belegen.

Zum 1. Dezember 1939 wurde er vom Heer reaktiviert und zum Kommandeur der neu aufzustellenden 143. Reserve-Division ernannt. Im Mai 1940 gab er das Kommando über die Division wieder ab. Mitte Mai 1940 wurde er zum General z. b. V. III ernannt. Er war für die Ausbildung der in Belgien und Nordfrankreich stationierten Landesschützenbataillone zuständig. Vom 15. März 1941, kurz vor Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion, bis Ende Oktober 1941 war er Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes („Berück“) 103 in der Heeresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt. Am 1. Juli 1941 erfolgte seine Beförderung zum General der Infanterie.

Er nahm die jüdische Bevölkerung seines Kommandogebietes als Bedrohung der Sicherheit wahr. Am 16. August 1941 befahl Roques im rückwärtigen Heeresgebiet Süd: „Sabotageakte sind, sofern der Täter nicht zu ermitteln ist, nicht den Ukrainern, sondern den Juden und Russen zur Last zu legen; ihnen gegenüber sind daher Repressalien anzuwenden.“ Auf diese Weise machte er Juden und Russen zu „Sündenböcken“ für alle Sabotageakte in der Ukraine. Dabei legte er Wert darauf, dass Morde und Massaker an Juden, die er befürwortete, von Polizei- und SS-Einheiten, nicht von Angehörigen der Wehrmacht durchzuführen seien.

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