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Karl Wilhelm Jähnig

Deutscher Kunsthistoriker

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Karl Wilhelm Jähnig (* 4. Dezember 1888 in Hohenstein-Ernstthal; † 15. November 1960 in Basel) war ein deutscher Kunsthistoriker und Kustos an der Gemäldegalerie Dresden. Er widmete sich insbesondere der Erforschung Caspar David Friedrichs und der Dresdner Romantik.

Ausbildung und Tätigkeit in Dresden

Karl Wilhelm Jähnig wurde als Sohn des Bürgerschullehrers Carl Wilhelm Jähnig († 1939) und dessen Ehefrau Minna Marie, geborene Milkner, geboren. Von 1901 bis 1908 besuchte er das Königliche Gymnasium in Chemnitz. Anschließend studierte er an den Universitäten München, Kiel und Leipzig Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte. 1914 wurde er in Leipzig als Schüler von August Schmarsow promoviert zum Thema Die Darstellungen der Kreuzabnahme, der Beweinung und der Grablegung Christi in der altniederländischen Malerei von Rogier van der Weyden bis Quentin Massys.

Am 15. Juni 1915 begann Jähnig seine berufliche Laufbahn als freiwilliger wissenschaftlicher Hilfsarbeiter unter dem Direktor Hans Posse an der Gemäldegalerie Dresden. 1918 erhielt er als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter eine Festanstellung. Zum 1. April 1926 wurde er zum Kustos ernannt. Ein Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit war das Werk Caspar David Friedrichs. Seit den 1920er Jahren veröffentlichte Jähnig zahlreiche Beiträge zu Friedrich, unter anderem über den Friedhofseingang, die frühen Gemälde Sommer und Winter, ein Jugendselbstbildnis sowie eine unbekannte Elbtallandschaft. Mit seinen Arbeiten zu Caspar David Friedrich wurde Jähnig auch über Dresden hinaus als Kenner der Dresdner Romantik bekannt.

Verfolgung im Nationalsozialismus und Emigration

Jähnig war mit der jüdischen Ärztin Britta Jähnig verheiratet. Im Zuge der nationalsozialistischen Überprüfung der Personalien der Mitarbeiter wurde auch die Herkunft der Ehepartner überprüft. Aufgrund seiner Ehe wurde Jähnig zum 1. November 1937 gemäß § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 in den dauernden Ruhestand versetzt. Eine Scheidung von seiner Ehefrau lehnte er ab. Bereits vor seiner Entlassung war unter Kunsthistorikern bekannt geworden, dass Jähnig seinen Posten verlieren würde.

Friedrich Kriegbaum, der Direktor des Kunsthistorischen Instituts in Florenz, schlug deshalb bereits im September 1937 Robert Oertel als Nachfolger vor, der Jähnigs Stelle später übernahm. Jähnig emigrierte anschließend und folgte seiner Ehefrau nach Basel in die Schweiz ins Exil. 1935 hatte die Familie im Dresdener Stadtteil Strehlen ein Haus errichtet. Nach der Aberkennung seiner deutschen Staatsangehörigkeit im Jahr 1944 verlor Jähnig auch seinen in Deutschland verbliebenen Besitz.

In Basel arbeitete Jähnig als freiberuflicher Kunsthistoriker und setzte seine Forschungen zu Caspar David Friedrich fort. Er war weiterhin als Gutachter für Werke Friedrichs tätig. 1938 nahm der Kunsthändler Wilhelm August Luz Kontakt zu Jähnig auf. Am 16. Juli 1938 kündigte Jähnig in einem Schreiben an Luz an, das Gemälde Wanderer über dem Nebelmeer in seinen geplanten Katalog der Werke Friedrichs aufzunehmen. In diesem Zusammenhang setzte er sich mit der Zuschreibung des Gemäldes an Friedrich auseinander und verglich es mit einer Zeichnung Friedrichs. Im August 1938 korrespondierte Jähnig in dieser Angelegenheit mit Eberhard Hanfstaengl. Zu den für die Begutachtung herangezogenen Unterlagen gehörte eine Fotografie der Zeichnung Felsige Kuppe, die 1931 von den Dresdner Kunstsammlungen aus Greifswald erworben worden war. Das von Luz gewünschte Gutachten zur Urheberschaft Friedrichs verfasste Ende August 1938 jedoch Ludwig Grote.

Jähnig arbeitete auch nach dem Zweiten Weltkrieg an seinem Katalog zu Friedrich weiter. Gemeinsam mit Helmut Börsch-Supan bereitete er eine umfassende Publikation über Friedrichs Werk vor. Im Dezember 1959 hielt er sich hierfür in München auf. Die Veröffentlichung erschien erst nach seinem Tod.

Er starb am 15. November 1960 in Basel. Seine Urne wurde nach München überführt und dort am 12. April 1961 beigesetzt.

Das gemeinsam mit Helmut Börsch-Supan erarbeitete Werkverzeichnis Caspar David Friedrich: Gemälde, Druckgraphik und bildmäßige Zeichnungen erschien 1973 postum – ein Jahr vor Friedrichs 200. Geburtstag und der großen Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle.

Die Darstellungen der Kreuzabnahme, der Beweinung und der Grablegung Christi in der altniederländischen Malerei von Rogier van der Weyden bis zu Quentin Metsys. Dissertation, Universität Leipzig, 1914.

Sächsische Maler des 18. und 19. Jahrhunderts. In: Jahrbuch Sachsen. Politik und Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft im Freistaat Sachsen. Dresden 1925, S. 98–113.

C. D. Friedrichs früheste Bilder „Sommer“ und „Winter“. In: Die Kunst für alle, Bd. 42, 1927/28, S. 255–257.

Ein Jugendselbstbildnis von C. D. Friedrich. In: Kunst und Künstler, Bd. 26, 1928, S. 312–314.

Die Staatliche Gemäldegalerie zu Dresden – Katalog der Modernen Galerie. Dresden 1930 (mit Hans Posse und Klara Steinweg).

Eine unbekannte Elbtallandschaft von C. D. Friedrich. In: Kunst und Künstler, Bd. 31, 1932, S. 366–368.

Caspar David Friedrich. In: Pommersche Lebensbilder. Pommern des 19. und 20. Jahrhunderts, Bd. 19, 1934, S. 25–42.

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