Karl Valentin ['falɛntiːn] (* 4. Juni 1882 in München; † 9. Februar 1948 in Planegg), mit bürgerlichem Namen Valentin Ludwig Fey, war ein deutscher Komiker, Volkssänger, Autor und Filmproduzent. Er beeinflusste mit seinem Humor zahlreiche Künstler, darunter Bertolt Brecht, Samuel Beckett, Loriot, Gerhard Polt und Helge Schneider.
Karl Valentin war der Sohn von Johann Valentin Fey (geboren 1833 in Darmstadt, Großherzogtum Hessen; gestorben 1902 in München) und dessen Ehefrau Maria Johanna Schatte (geboren 1845 in Zittau, Königreich Sachsen; gestorben 1923 in München). Er erlebte seine Kindheit in der Zeppelinstraße 41, in der Münchner Vorstadt Au als Einzelkind, da seine zwei älteren Brüder Karl und Max Ende 1882 im Alter von acht bzw. sechs Jahren an Diphtherie starben. Von der Volksschule (1888–1895) sprach er später als „Zuchthaus“. Er machte eine Schreiner- und Tischlerlehre und war bis 1901 Facharbeiter. In diese Zeit fielen auch erste öffentliche Auftritte als „Vereinshumorist“. Eine Beziehung zu Gisela Royes (1881–1956), dem Dienstmädchen im Hause Fey, führte schließlich 1911 zur Heirat. Das Paar hatte zwei Töchter, Gisela (1905–2000) und Bertha (1910–1985).
1902 hatte er ein Gastspiel am Varieté Zeughaus in Nürnberg, wo er erstmals als „Karl Valentin“ auftrat. Nach dem Tod des Vaters übernahm Valentin im selben Jahr mit seiner Mutter die Leitung der Speditionsfirma Falk & Fey. 1906 ging die Spedition bankrott, und er zog mit seiner Mutter in deren Heimatstadt Zittau in Sachsen um, was Valentins Sprachgefühl beeinflusste.
Nach einer erfolglosen Tournee durch verschiedene Städte als Charles Fey mit einem selbstgebauten Musikapparat, als „Lebendes Orchestrion“, kehrte Valentin 1908 nach München zurück, wo er den Monolog Das Aquarium schrieb. Das Engagement an der Volkssängerbühne im „Frankfurter Hof“ beendete seine Geldnöte. Valentin entwickelte in dieser Zeit seine groteske Körpersprache und die sprachspielerische Selbstironie, mit der er auch auf sein Publikum zielte. 1911 traf er Elisabeth Wellano, die als Liesl Karlstadt seine Bühnenpartnerin wurde.
Valentin wandte sich früh dem neuen Medium Film zu. 1912 mietete er in München ein ehemaliges Käselager und richtete es als Filmstudio ein, um als sein eigener Produzent und Hauptdarsteller tätig zu werden. Schon 1913 musste er wegen technischer Schwierigkeiten dieses Projekt aufgeben. Er arbeitete dann meist mit den großen Münchner Filmfirmen wie ARRI und Bavaria zusammen. Ab 1912 war er Darsteller in etwa 40 Kurzfilmen, die teilweise nach seinen Sketchen gedreht wurden. 1929 drehte Valentin seinen letzten Stummfilm Der Sonderling.
Wegen seiner Asthmakrankheit musste er während des Ersten Weltkriegs keinen Militärdienst leisten. In dieser Zeit verfasste er verharmlosende Kriegslieder und Sketche. Auf der Bühne inszenierte Valentin ab 1914 sein Bühnenprogramm Tingeltangel (unter anderem mit dem Sketch Die Orchesterprobe) und zwei Dutzend spätere Versionen. 1915 wurde Valentin Direktor des Münchener Kabaretts Wien-München.
Mit Bertolt Brecht parodierte er 1922 dessen neues Schauspiel Trommeln in der Nacht an den Münchner Kammerspielen. Brecht war eng mit Valentin befreundet, den er auch als Künstler sehr schätzte. Ihre Freundschaft begann 1920, eine erste Zusammenarbeit erfolgte im selben Jahr. Brecht wirkte bei kabarettistischen Sketchen Valentins gelegentlich als Klarinettenspieler mit. Die gemeinsame Arbeit beeinflusste das spätere Schaffen Brechts deutlich. Valentin übernahm in dem surrealistischen Film Mysterien eines Frisiersalons von Brecht und Erich Engel eine Hauptrolle neben Karlstadt und Blandine Ebinger. 1922 und 1923 folgten erste Auslandsauftritte in Zürich und Wien, von 1924 bis 1938 Gastspiele in Berlin. Von Valentins „Sprachakrobatik“ waren auch Alfred Kerr und Kurt Tucholsky, der ihn als „Linksdenker“ bezeichnete, begeistert.
1931 eröffnete Karl Valentin ein eigenes Theater (Goethe-Saal) in der Münchner Leopoldstraße, das er allerdings schon nach acht Wochen wieder schließen musste: Valentin beharrte gegenüber der Feuerpolizei auf einem brennenden Zigarettenstummel in einem Sketch. 1932 und 1933 folgten die Mitwirkung Valentins in der Rolle des Direktors eines Wanderzirkus in seinem ersten Tonfilm Die verkaufte Braut, einer Verfilmung der Oper von Bedřich Smetana (Regie: Max Ophüls), und die Verfilmung von Orchesterprobe.
Valentin war auch musikalisch tätig; er hatte als Jugendlicher Zither gelernt und spielte später als Autodidakt auch Gitarre, Mandoline, Akkordeon, Klarinette und diverse Blechblasinstrumente.
Sein 1934 eröffnetes Panoptikum für Nonsens musste er nach zwei Monaten wieder schließen, und auch ein zweiter Versuch 1935 scheiterte. Valentin verlor dadurch seine und Karlstadts Ersparnisse; sie erlitt einen Nervenzusammenbruch und musste lange pausieren.
Dem Nazi-Regime stand Valentin naiv-skeptisch gegenüber; öffentlich äußerte er keine eindeutige Kritik. Vielmehr erschienen seine Beiträge wiederholt in der NS-Presse: So erschienen etwa ab 1937 Vorabdrucke seines autobiographischen Buchprojekts Meine Jugendstreiche in dem Satiremagazin Die Brennessel, im Völkischen Beobachter und in den Münchner Neuesten Nachrichten. Während des Zweiten Weltkrieges bestritt Valentin als Autor des Propagandablatts Münchner Feldpost seinen Lebensunterhalt, zumal er nach dem Panoptikum-Desaster mittellos war.
Trotzdem ließ er sich von den Nationalsozialisten nicht vereinnahmen und riskierte satirische Bilder wie „Auf zum Endsieg“ oder „Das letzte Aufgebot“. Bekannt sind auch seine Bühnenworte „Heil …, heil …, heil …! ja wie heißt er denn nur – ich kann mir einfach den Namen nicht merken.“ Oder auch: „Der Herr Hitler kann froh sein, dass er nicht Kräuter heißt. Sonst müssten wir immer ‚Heil Kräuter‘ rufen.“ Einer der „offenen Feldpostbriefe“ – weil er ja nicht jedem Soldaten einzeln schreiben kann – ist in den Erinnerungen seiner Tochter veröffentlicht. Er berichtet über Vorkommnisse, Klatsch und Tratsch in der Nachbarschaft. 1941 schrieb er „Die Laugenbrezel“, eine satirische Polemik im Stil einer Hitlerrede; diese wurde erst im Nachlass gefunden. 2007 berichtete der Spiegel, dass Valentin den Filmemacher Walter Jerven denunziert habe, indem er behauptet habe, er würde in Wirklichkeit Samuel Wucherpfennig (welcher Name auf eine jüdische Abstammung hinweisen könnte) heißen. Walter Jerven konnte jedoch innerhalb von vier Tagen den Ariernachweis erbringen. Aus Gunna Wendts Liesl-Karlstadt-Biographie geht hervor, dass Karl Valentin auch denunzierende, aber folgenlose Äußerungen gegen den Schriftsteller Eugen Roth vorgebracht haben soll.
Der Regisseur Jacob Geis filmte 1936 mit Valentin und Karlstadt Die Erbschaft, in dem ein Ehepaar am Ende nichts als einen Kerzenstummel besitzt. Das NS-Regime verbot den Film wegen „Elendstendenzen“; er wurde erst 1976 uraufgeführt.
Von 1939 an hatte Valentin eine neue Bühnenpartnerin und Geliebte: die 35 Jahre jüngere Annemarie Fischer ersetzte auf der Bühne Liesl Karlstadt. Er eröffnete die Ritterspelunke, eine Mischung aus Theater, Kneipe und Panoptikum, die er allerdings im Juni 1940 wieder schloss, bevor die NS-Behörde den Lagerraum für Requisiten zum Luftschutzkeller machte. Seinen letzten größeren Auftritt hatte Valentin, nun wieder mit Liesl Karlstadt, 1940 im Deutschen Theater.
Von 1941 bis 1947 hatte Valentin keine öffentlichen Auftritte; er schrieb in dieser Zeit Dialoge und Gedichte, die aber nie aufgeführt wurden. Die Familie zog 1941 in ihr Haus im Münchner Vorort Planegg; die Münchner Wohnung wurde bei einem Bombenangriff zerstört. Für den Lebensunterhalt der Familie begann er 1945 Haushaltsartikel anzufertigen. Die Hörspielserie Es dreht sich um Karl Valentin wurde nach fünf Folgen eingestellt, weil sie den Hörern zu pessimistisch war.
1947 und 1948 trat Karl Valentin nach jahrelanger Trennung wieder gemeinsam mit Liesl Karlstadt auf. Der Erfolg blieb jedoch weitgehend aus. Der unterernährte Valentin starb am 9. Februar 1948, einem Rosenmontag, an einer Lungenentzündung. Diese erlitt er, weil er nach einem Auftritt auf der Bühne des Bunten Würfels versehentlich in der Garderobe dieses Kleinkunsttheaters vergessen und eingesperrt wurde (heutige Preysingstraße Nr. 42). Er musste die Nacht in den unbeheizten, eiskalten Räumen verbringen. Die wenigen Münchner Lokale waren eiskalt, es herrschten starker Frost und extremer Brennstoffmangel. Hinzu kam, dass die Lebensmittelzuteilungen inzwischen auf „Hungerrationen“ von täglich 1275 Kilokalorien abgesenkt worden waren (was nur zwei Drittel des Tagesbedarfs eines Erwachsenen deckte).